kolleg24 Deutsch | Folge 10

Glosse: Aufbau und Merkmale

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Von Autor/in Beatrix Krausenecker, Maximilian Frisch, Robert Wolf

In dieser Folge lernst du, welche Merkmale die Glosse aufweist und warum Autoren diese Textform wählen. Du erfährst zudem, was hinter dem pointierten Stil der Glosse steckt.

Einführung in die Glosse

Die Glosse (griech. glotta = Zunge) ist, wie der Kommentar, eine Meinungsäußerung, die sich durch ihren humorvollen, oft satirischen Ton auszeichnet. Sie weist einen freieren Aufbau auf, eine weniger logisch-durchdachte Argumentation und umgangssprachliche Formulierungen. Sie nimmt zu aktuellen Themen auf eine pointierte und unterhaltsame Weise Stellung. Anders als der nüchterne Bericht oder die sachliche Reportage nutzt die Glosse eine anspruchsvolle sprachliche Gestaltung, um Kritik mit Unterhaltung zu verbinden. Dabei ist es wichtig, dass die Glosse nicht nur zum Lachen anregen möchte, sondern meist Nebenaspekte aus der Nachrichtenlandschaft ironisch kritisiert. 

Merkmale der Glosse

Eine Glosse ist in der Regel ein kurzer Kommentar, der sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Ironie und Humor: Die Glosse bedient sich einer ironischen und oft humorvollen Sprache, um ihre Botschaft zu vermitteln. Sie nutzt Sprachwitz und manchmal auch Sarkasmus, um den Leser zu unterhalten und gleichzeitig aktuelle Ereignisse zu beleuchten.
  • Pointierte Stellungnahme/Subjektivität: Anders als in objektiven Nachrichten ist die Glosse stark subjektiv. Sie nimmt Stellung zu einem aktuellen Thema. Dabei ist die Meinung des Verfassers erkennbar und oft provokant.
  • Aktualität: Die Themen einer Glosse sind meist aktuell und beziehen sich auf Nebenaspekte des politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Lebens.
  • Sprachliche Gestaltung: Die Sprache einer Glosse ist anspruchsvoll und kreativ. Sie nutzt rhetorische Mittel wie Metaphern, Wortspiele, Hyperbeln und vor allem Ironie, um ihre Aussagen zu verstärken.
  • Kürze: Eine Glosse ist in der Regel kurz und prägnant. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche und vermeidet lange Erklärungen.

Die Glosse kann auch als eine Art literarisches Spiegelbild der Gesellschaft gesehen werden, mit dem die Eigenheiten und Absurditäten des Alltags humorvoll beleuchtet werden.

Ziele der Glosse

  • Unterhaltung: Ein Hauptziel der Glosse ist es, den Leser zu unterhalten. Durch ihren humorvollen Ansatz zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich und sorgt für ein Lesevergnügen.
  • Kritik: Die Glosse übt oft Kritik an gesellschaftlichen Missständen oder Verhaltensweisen.
  • Meinungsbildung: Obwohl sie unterhaltsam ist, kann die Glosse auch dazu beitragen, die Meinung des Lesers zu beeinflussen und Diskussionen anzustoßen.

Aufbau einer Glosse 

  1. Einleitung: Die Einleitung sollte das Interesse des Lesers wecken. Sie führt in das Thema ein und gibt einen ersten Hinweis auf die humorvolle oder kritische Richtung der Glosse.
  2. Hauptteil: Im Hauptteil wird das Thema ausführlich behandelt. Hier kommen die satirischen und humorvollen Elemente zum Einsatz. Der Autor beleuchtet verschiedene Aspekte des Themas und bringt seine Meinung deutlich zum Ausdruck.
  3. Schluss: Der Schluss fasst die Hauptpunkte zusammen und bringt die Glosse zu einem pointierten Ende, oft in Form einer satirischen Betrachtung. Der Schluss soll geistreich und unterhaltsam sein.

Die Rolle der Glosse im Journalismus

Im Gegensatz zu anderen journalistischen Textsorten, wie dem Bericht oder der Reportage, ist die Glosse weniger darauf aus, objektiv zu informieren. Stattdessen liegt ihr Fokus darauf, den Leser zum Nachdenken und Schmunzeln zu bringen. Sie ist eine Textsorte, die durch ihre sprachliche Gestaltung und den klaren Standpunkt des Autors auffällt.

Anwendung und Beispiele für Glossen

Die Glosse eignet sich besonders für die Kommentierung von Nebenaspekten des gesellschaftlichen Lebens, politischen Ereignissen oder kulturellen Trends. Ein gutes Beispiel für eine Glosse könnte ein humorvoller Kommentar über die neueste Modeerscheinung sein, der sowohl die Absurdität als auch die Faszination der Gesellschaft für Trends beleuchtet.

Ein bekanntes Beispiel aus der Praxis stellen Glossen in großen Tageszeitungen dar, die aktuelle Themen mit einem Augenzwinkern kommentieren.

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Autor/in
Beatrix Krausenecker
Maximilian Frisch
Robert Wolf
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Textgliederung erstellt mit KI-Unterstützung