Wann schreibe ich groß, wann klein? Hier lernst du die Regeln zur Groß- und Kleinschreibung kennen und welche Rolle Substantive, Eigennamen und Satzanfänge dabei spielen.
Auf die Wortart kommt es an
Satzanfänge und Überschriften
Das erste Wort einer Überschrift, eines Werktitels und eines ganzen Satzes wird immer großgeschrieben. Diese Regel hilft, den Text strukturiert und übersichtlich zu gestalten.
Substantive
Substantive, auch Nomen genannt, werden im Deutschen großgeschrieben. Sie bezeichnen Gegenstände, Lebewesen und abstrakte Begriffe, wie „Freiheit“ oder „Glück“. Diese Regel der deutschen Sprache ist einzigartig und unterscheidet sich von vielen anderen Sprachen, die Substantive nicht gesondert kennzeichnen. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie bei der Desubstantivierung, wo formgleiche Wörter als Substantive vorkommen, aber keine substantivischen Merkmale aufweisen, zum Beispiel: „Er ist schuld daran.“
Substantivierung
Wörter anderer Wortarten können großgeschrieben werden, wenn sie als Substantive gebraucht werden. Dies erkennst du an einem vorausgehenden Artikel oder Pronomen. Beispiele hierfür sind „das Lesen" oder „zum Lachen". Ein praktischer Tipp: Wenn du dir unsicher bist, ob ein Wort großgeschrieben wird, überprüfe, ob es durch einen Artikel oder ein Adjektiv näher bestimmt wird.
Desubstantivierung
Die Desubstantivierung ist ein sprachlicher Prozess, bei dem ein Substantiv seine substantivische Eigenschaft verliert und in eine andere Wortart übergeht, meist in ein Adjektiv oder ein Verb. Das bedeutet, dass Substantive dann kleingeschrieben werden, wenn sie in einem Satz nicht als Substantiv dienen. Dass ein Nomen durch Desubstantivierung zum Verb oder Adjektiv wird, kann stilistische oder grammatische Gründe haben. Wörter können so flexibler genutzt werden; Sprache wird so dynamischer und auch variabler.
Eigennamen
Eigennamen und ihre Ableitungen werden großgeschrieben, außer Funktionswörter wie „von“ oder „van“. Dies gilt auch für geographische Ableitungen wie „das Brandenburger Tor“. Adjektivische Ableitungen von Eigennamen auf „-sch" wie „die schillersche Schaubühne“ werden in der Regel kleingeschrieben. Aber wenn die Adjektivierung mit Apostroph gebildet wird, wie bei „die Freud’sche Theorie“, dann wird der Eigennamen großgeschrieben.
Feste Verbindungen
In bestimmten Fällen werden Adjektive großgeschrieben, wenn sie Teil einer festen Verbindung mit einem Substantiv sind, wie bei besonderen Kalendertagen, historischen Ereignissen oder geografischen Bezeichnungen. Beispiele sind „der Zweite Weltkrieg", „der Heilige Abend" oder „der Bayerische Wald“.
Anredepronomen
Das förmliche Anredepronomen „Sie" und das zugehörige Possessivpronomen „Ihr" werden großgeschrieben. Die vertraulicheren Formen „du", „ihr", „dein" und „euer" können hingegen kleingeschrieben werden. Die Großschreibung von Anredepronomen in Briefen ist eine höfliche Geste, die du in formellen Schreiben anwenden kannst.
Nachschauen hilft
Wenn du bei den Regeln der Groß- und Kleinschreibung unsicher bist, kannst du in einem Rechtschreibwörterbuch nachschauen. Auch Online-Tools und Apps können dir helfen, die korrekte Rechtschreibung zu üben und zu überprüfen.