kolleg24 Deutsch | Folge 32

Korrekturlesen

Stand

Von Autor/in Beatrix Krausenecker, Andreas Fetsch

In dieser Folge lernst du, wie du deine eigenen Texte effektiv auf Fehler überprüfen und verbessern kannst. Verschiedene Techniken helfen dir dabei.

Warum ist Korrekturlesen wichtig?

Das Korrekturlesen ist ein essenzieller Schritt im Schreibprozess, der oft unterschätzt wird. Es geht nicht nur darum, Flüchtigkeitsfehler zu finden, sondern auch darum, die Qualität und Klarheit deiner Texte zu verbessern. Durch gezielte Strategien kannst du sicherstellen, dass deine Texte fehlerfrei und verständlich sind. Ein gut korrigierter Text hinterlässt einen professionellen Eindruck und erhöht die Lesbarkeit.

Der erste Schritt: Pause machen

Bevor du mit dem Korrekturlesen beginnst, ist es ratsam, nach dem Schreiben deines Textes eine kurze Pause einzulegen. Diese Pause hilft dir, Abstand zu deinem Text zu gewinnen und ihn mit frischen Augen zu betrachten. Direkt nach dem Schreiben bist du oft noch zu sehr in den Inhalt vertieft, um effektiv auf Rechtschreibung und Grammatik zu achten. Ein wenig Abstand kann Wunder wirken für deine Konzentration und Motivation. In Prüfungen muss diese Pause natürlich eher kurz ausfallen, doch selbst ein kurzes Durchschnaufen kann für mehr Konzentration sorgen.

Ordnung der Argumente

Nachdem du deine Stoffsammlung abgeschlossen hast, ist der nächste Schritt, die Informationen sinnvoll zu ordnen. Hierzu kannst du zunächst deine Stoffsammlung durchgehen und Zusammengehöriges farblich markieren oder einkreisen, Unpassendes streichen und Dopplungen zusammenführen. Dies geschieht oft in Form einer Tabelle oder eines Clusters, in dem du Pro- und Contra-Argumente gegenüberstellst.

Typische Fehler erkennen und vermeiden

Jeder hat seine eigenen „Lieblingsfehler“, die immer wieder auftreten. Daher ist es ratsam, sich dieser Fehler bewusst zu sein und gezielt nach ihnen zu suchen. Eine hilfreiche Methode ist das Führen eines Fehlerprotokolls oder einer Checkliste, die dir hilft, deine typischen Fehler zu identifizieren und zu vermeiden. Konzentriere dich beim Korrekturlesen zunächst auf diese bekannten Schwachstellen.

Techniken des Korrekturlesens

Laut lesen – Der akustische Check:
Das Vorlesen deines Textes kann dir helfen, Unstimmigkeiten im Satzbau und grammatische Fehler zu erkennen. Beim lauten Lesen fallen dir oft Fehler auf, die du beim stillen Lesen übersehen würdest. Dein Ohr ist ein wertvoller Helfer beim Erkennen von Fehlern, die dem Auge entgehen könnten. Du hörst, wo der Satz holpert oder wo Wörter fehlen. Diese Methode nutzt sowohl deine Augen als auch deine Ohren, um Fehler aufzuspüren.

Rückwärts lesen – Der visuelle Trick:
Eine ungewöhnliche, aber effektive Methode ist das Rückwärtslesen. Dabei liest du die Wörter eines Satzes von hinten nach vorne. Diese Technik zwingt dich, jedes Wort isoliert zu betrachten, ohne vom Kontext beeinflusst zu werden. Auf diese Weise kannst du Tippfehler und Buchstabendreher leichter erkennen. Es mag zunächst ungewohnt erscheinen, doch es schärft den Blick für Details.

Buchstabengetreu lesen:
Achte auf jeden Buchstaben eines Wortes. Oft überfliegen wir Wörter und nehmen sie als Ganzes wahr, wodurch Fehler leicht übersehen werden. Diese Methode hilft, selbst bei vertauschten Buchstaben die richtigen Formen zu erkennen.

Vier-Augen-Prinzip – Gemeinsam fehlerfrei:
Wenn möglich, lass eine andere Person deinen Text gegenlesen. Das geht natürlich nicht in der Prüfung! Für alle anderen Fälle gilt: Vier Augen sehen mehr als zwei, und oft erkennt jemand andere Fehler, die dir entgangen sind.

Zusätzliche Tipps und Tricks

Korrekturlesen ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Einstellung. Sei geduldig und nimm dir die Zeit, die du brauchst. Es gibt auch digitale Hilfsmittel und Apps, die dich beim Korrekturlesen unterstützen können. Nutze diese Tools, um deine Texte noch weiter zu optimieren.

Zeit-Management einplanen bei Prüfungen

  • Schreibe 10 bis 15 Minuten vor Abgabe „Stopp“ ins Heft oder dein Schreibpapier und widme dich ab da nur noch dem Korrekturlesen.
  • Keine Panik: Auch kleine Verbesserungen bringen oft mehr Punkte.

Mehrstufiges Korrekturlesen

Wenn genügend Zeit ist, kann es sinnvoll sein, mehrere Korrekturrunden einzulegen. Das hilft, sich auf alle möglichen Fehlerquellen in Inhalt, Struktur, Sprache, Rechtschreibung und Zeichensetzung zu konzentrieren.

1. Runde – Inhalt & Struktur

  • Habe ich die Aufgabenstellung wirklich beantwortet?
  • Stimmt die Gliederung? → Einleitung – Hauptteil – Schluss.
  • Fehlt ein Argument oder eine Überleitung?
  • Roter-Faden-Test:

Stelle dir beim Lesen immer die Fragen:
„Wenn ich nur diesen Absatz hätte – würde ich verstehen, worum es im Aufsatz geht?“ Wenn nicht: schnell eine Überleitung oder ein Stichwort ergänzen.
„Wenn mein Lehrer den Aufsatz liest, wo könnte er ein Fragezeichen an den Rand machen? Würde ein Mitschüler verstehen, was ich meine?“ So fällt auf, wo Erklärungen fehlen.

2. Runde – Sprache & Stil

  • Kürze sehr lange Sätze und frage dich: „Kann man den Satz beim Vorlesen noch leicht verstehen?“
  • Markiere Wiederholungen und finde Synonyme.
  • Prüfe das Tempus, ob wirklich alles richtig konjugiert wurde (meist Präsens in der Oberstufe).

3. Runde – Rechtschreibung & Zeichensetzung

  • Endungen checken: -dass / -das, seid / seit, wider / wieder
  • Kommas bei Nebensätzen und Infinitiven
  • Groß- und Kleinschreibung
  • Optische Hilfen nutzen: Texte „Finger für Finger“ durchlesen (das ist langsamer, damit du weniger „überließt“) bzw. Wort für Wort mit dem Stift abfahren, das erhöht die Konzentration.

4. Prüfungs-Notfalltipp: Wenn keine Zeit mehr bleibt

  • Schluss kontrollieren: Stelle immer sicher, dass ein vollständiges Fazit vorhanden ist. Klingt der letzte Satz des Schlusses rund und endgültig?
  • Erster Satz der Einleitung prüfen: Frage dich, ob er präzise ist, denn er wirkt sofort auf den Leser.
  • Mache einen Orthografie-Check der häufigsten Wörter.
  • Gibt es überhaupt Absätze? Notfalls kannst du schnell Striche an die entsprechenden Stellen setzen.
  • Achtung, grobe Rechtschreibfalle: prüfe „das/dass“!
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Autor/in
Beatrix Krausenecker
Andreas Fetsch
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