kolleg24 Deutsch | Folge 22

Erzähltechniken der Epik

Stand

Von Autor/in Maximilian Frisch, Andreas Fetsch

In dieser Folge widmen wir uns verschiedenen Erzähltechniken der Epik. Du erfährst, wie Autoren ihre Texte lebendig gestalten und welche Merkmale die Epik auszeichnen.

Erzählende Literatur

Epik ist eine der drei großen literarischen Gattungen neben Lyrik und Dramatik. Sie umfasst erzählende Literatur, die Geschichten und Ereignisse schildert und lebt von der Handlung. Charakteristisch für die Epik ist eine Fokussierung auf Figuren, die eine Entwicklung durchlaufen und deren Handlung. Der Erzähler kann dabei verschiedene Perspektiven und Erzähltechniken nutzen, um die Geschichte zu gestalten und die Leser zu fesseln. Epische Texte bieten oft eine tiefere Einsicht in die menschliche Natur und gesellschaftliche Strukturen, indem sie komplexe Charaktere und vielschichtige Handlungen darstellen. Diese Figuren und Handlungen sind meist fiktional.

Was ist alles Epik?

Epik kann als erzählende Literatur in verschiedenen Formen auftreten, wie etwa als Langform (z.B. Romane, Epen) oder als Kurzform (z.B. Novellen, Kurzgeschichten). Verschiedene erzähltechnische Mittel kommen zum Einsatz, wie beispielsweise die auktoriale, die personale und die Ich-Perspektive.

Merkmale epischer Texte

Epische Texte nutzen verschiedene Darbietungsformen, darunter Erzählbericht und Figurenrede wie direkte und indirekte Rede, Bewusstseinsstrom und innerer Monolog. Meist werden epische Texte in Prosaform, also ohne Reime oder Verse, verfasst. Die Zeitgestaltung kann durch Zeitdeckung, Zeitdehnung und Zeitraffung variieren, und die Reihenfolge des Erzählens kann linear oder nicht-linear sein. Epische Texte zeichnen sich durch die Möglichkeit aus, komplexe gesellschaftliche Strukturen und die menschliche Natur zu beleuchten, indem sie detaillierte Beschreibungen und innere Monologe verwenden, um eine emotionale Verbindung zum Leser herzustellen.

Erzähltechniken: Wie wird eigentlich erzählt?

Um seine Geschichten zu gestalten, kann ein Autor verschiedene Techniken verwenden. Hier eine detaillierte Übersicht:

1. Erzählperspektive:
Die Erzählperspektive bestimmt den Blickwinkel, aus dem eine Geschichte erzählt wird, und beeinflusst somit auch, welche Informationen die Lesenden über die Handlung erhalten.

  • Auktorialer Erzähler: Der allwissende Erzähler kennt alle Details der Geschichte. Er kann die Handlung kommentieren und bewerten.
  • Personaler Erzähler: Der Erzähler schlüpft in die Rolle einer oder mehrerer Figuren und erzählt die Geschichte aus deren Sicht.
  • Neutraler Erzähler: Der Erzähler berichtet objektiv und sachlich, ohne Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figuren zu geben.
  • Ich-Erzähler: Der Erzähler erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, als Teil der Handlung



2. Darbietungsformen:
Bei der Darbietung wird zwischen dem Erzählbericht, also der Schilderung des Geschehens durch den Erzähler, und der Figurenrede, also der Wiedergabe von Gesprächen und Gedanken der Figuren, unterschieden:

Erzählbericht
Der Erzählbericht ist die Darstellung der Handlung durch den Erzähler selbst. Der Erzähler schildert die Ereignisse, beschreibt die Umgebung und gibt Hintergrundinformationen. Diese Form ist sachlich und konzentriert sich auf die Wiedergabe von Ereignissen und Fakten. Sie ermöglicht es dem Leser, die Handlung aus der Perspektive des Erzählers zu verstehen und die Struktur der Geschichte zu erfassen.

Figurenrede
Die Figurenrede umfasst alle Äußerungen und Dialoge der Charaktere innerhalb der Geschichte. Sie kann in direkter oder indirekter Rede erfolgen. In der direkten Rede werden die Worte der Figuren wörtlich wiedergegeben, während die indirekte Rede die Äußerungen in der dritten Person wiedergibt, oft im Konjunktiv. Die Figurenrede ist entscheidend für die Charakterentwicklung und ermöglicht es dem Leser, die Figuren besser zu verstehen und ihre Beziehungen untereinander zu verfolgen. Diese Form konzentriert sich auf die innere Welt der Figuren und bietet Einblicke in ihre Motivationen und Konflikte.

Formen der Figurenrede:

Innere Monologe und Bewusstseinsstrom:

  • Innerer Monolog: Die Gedanken und Gefühle einer Figur werden direkt wiedergegeben, oft in der Ich-Form.
  • Bewusstseinsstrom: Eine Technik, bei der die Gedanken und Gefühle einer Figur ungefiltert und oft assoziativ präsentiert werden, um ihre innere Welt darzustellen.


Direkte und indirekte Rede, erlebte Rede

  • Direkte Rede: Die wörtliche Wiedergabe von Äußerungen der Figuren.
  • Indirekte Rede: Die Wiedergabe von Äußerungen der Figuren in der dritten Person, oft im Konjunktiv.
  • Erlebte Rede: Zwischen direkter und indirekter Rede, Gedanken einer Figur, die in der 3. Person Präteritum wiedergegeben werden.



3. Zeitgestaltung
Es gibt drei Arten der Zeitgestaltung – die Zeitraffung, bei der die erzählte Zeit länger ist als die Erzählzeit (z.B. „Nach mehreren Jahren kam sie wieder.“), die Zeitdehnung, bei der die Erzählzeit länger ist als die erzählte Zeit (z.B. eine sehr genaue Beschreibung eines flüchtigen Moments), und die Zeitdeckung, bei der erzählte Zeit und Erzählzeit fast deckungsgleich sind (z.B. Dialoge). Im Überblick:

  • erzählte Zeit = Zeitraum, über den sich das Erzählte erstreckt.
  • Erzählzeit = Zeit, die der Leser zum Lesen braucht
  • Zeitraffung: Bestimmte Ereignisse werden zusammengefasst, um die Handlung schneller voranzutreiben.
  • Zeitdehnung: Ein Ereignis wird detailliert und ausführlich beschrieben, wodurch die erzählte Zeit länger erscheint.
  • Zeitdeckung: Die Erzählzeit entspricht der erzählten Zeit, etwa bei Dialogen.



4. Reihenfolge des Erzählens
Die Reihenfolge des Erzählens bezieht sich darauf, wie die Ereignisse innerhalb der Geschichte strukturiert und präsentiert werden. Diese Struktur beeinflusst die Spannung und das Verständnis der Handlung. Es gibt zwei Hauptformen der Erzählreihenfolge:

  • Lineares Erzählen: Beim linearen Erzählen werden die Ereignisse chronologisch in der Reihenfolge präsentiert, in der sie geschehen. Diese Form ist klar und leicht nachvollziehbar, da sie dem natürlichen Verlauf der Zeit folgt. Sie eignet sich besonders für Geschichten, die eine klare und einfache Handlung haben.
  • Nicht-lineares Erzählen: Das nicht-lineare Erzählen bricht die chronologische Reihenfolge und präsentiert die Ereignisse in einer anderen Struktur, wie etwa durch Rückblenden, Vorausdeutungen oder parallele Handlungsstränge. Diese Form kann komplexer und anspruchsvoller sein, da sie den Leser herausfordert, die Zusammenhänge zu erkennen und die Handlung selbst zu strukturieren. Sie wird oft verwendet, um Spannung zu erzeugen oder tiefere thematische Ebenen zu erkunden.

Episches Erzählen

Die Erzähltechniken und Darbietungsformen der Epik bieten Autoren eine breite Palette von Möglichkeiten, um Geschichten lebendig und spannend zu gestalten. Durch die Wahl der Erzählperspektive, die Formung der Zeit, die Darstellung der inneren Welt der Figuren, die Reihenfolge des Erzählens und die Art der Präsentation kann die Epik die Leser in unterschiedliche Welten entführen und ihnen vielfältige Erlebnisse bieten. Insgesamt ist die Epik eine prägende Gattung, die uns hilft, die Welt und uns selbst besser zu verstehen, indem sie Geschichten erzählt, die häufig sowohl universell als auch einzigartig sind.

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Maximilian Frisch
Andreas Fetsch
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