In dieser Folge lernst du, wie der Konjunktiv I und II bei der indirekten Rede eingesetzt wird und wie du die verschiedenen Formen des Konjunktivs richtig anwendest.
Definition des Begriffs „Konjunktiv“
Der Konjunktiv stellt eine Möglichkeitsform des Verbs dar - anders als der Indikativ, der die Wirklichkeit beschreibt, und der Imperativ, der eine Aufforderung ausdrückt. Der Konjunktiv wird verwendet, um eine Aussage als Möglichkeit oder Wunsch auszudrücken.
Formen des Konjunktivs
Im Deutschen gibt es zwei grundlegende Formen: Der Konjunktiv I wird in der Regel im Zusammenhang mit der indirekten Rede verwendet. Der Konjunktiv II kommt im Zusammenhang mit Irrealität, Wünschen, Höflichkeit und Möglichkeiten zum Einsatz, oder um den Konjunktiv I zu ersetzen.
Achtung! Es gibt auch eine Sonderform des Konjunktivs mit „würde“, der sogenannte „würde“-Konjunktiv. Wenn du mehr über die Bildung und Umschreibungen des Konjunktives herausfinden möchtest, schau doch gerne unser Video “Konjunktiv bilden” (Folge 36) an.
Anwendung und Beispiele für den Konjunktiv
Konjunktiv I
Der Konjunktiv I ist besonders wichtig, wenn es darum geht, Redebeiträge in einer Inhaltsangabe oder beim Auswerten von Material wiederzugeben. Er sollte nicht zur bloßen Nacherzählung verwendet werden, sondern als Mittel um wörtliche Rede wiederzugeben. Ein Beispiel hierfür wäre, dass eine Expertenmeinungen in einem wissenschaftlichen Text zitiert wird.
Beispiel:
Direkte Rede: „Ich bin schnell“, sagte Peter (Indikativ)
Indirekte Rede: Peter sagte, er sei schnell (Konjunktiv I)
Konjunktiv II
Der Konjunktiv II dient als Ersatzform, wenn der Konjunktiv I nicht eindeutig ist oder veraltet wirkt. Wenn der Konjunktiv I nicht vom Indikativ Präsens zu unterscheiden ist, sollte der Konjunktiv II als Ersatzform gewählt werden. Auch kann er verwendet werden, um Dinge wie Irrealität, Wünsche, Höflichkeit oder Möglichkeiten darzustellen.
- Irreale Bedingungssätze (um etwas nicht Wirkliches aufzuzeigen). Beispiel: Wenn ich Lust hätte, käme ich mit.
- Wünsche (um Bedürfnisse und Träume darzustellen). Beispiel: Ich wünschte, ich könnte singen.
- Höflichkeiten oder Vorschläge (um Dinge höflicher auszudrücken). Beispiel: Würden Sie bitte einen Schritt zur Seite gehen? Könnten Sie mir bitte Platz machen?
- Möglichkeiten (um Vermutungen zu formulieren). Beispiel: Dein Paket dürfte gestern schon angekommen sein. Da könntest du Recht haben.
„würde“-Konjunktiv
Der „würde“-Konjunktiv ist eine Ersatzform des Konjunktiv II und wird mit dem namensgebenden Hilfsverb „würde“ und dem Infinitiv des Verbs gebildet. In der Praxis wird häufig die Umschreibung mit „würde" genutzt, um Missverständnisse zu vermeiden, wenn der Konjunktiv II unregelmäßig, schwer zu erkennen, oder mit dem Präteritum identisch ist. Seltener wird er auch in Verbindung mit Modalverben verwendet.
Beispiel:
Ich würde gehen, wenn ich du wäre.
Du würdest mehr lesen, wärst du geduldiger.
Ich würde können, wenn ich dürfte (statt: Ich könnte, wenn ich dürfte.)
Besonderheiten und Merksätze
Beim Einsatz des Konjunktivs in der indirekten Rede gibt es einige wichtige Regeln zu beachten. Redepassagen müssen eine entsprechende Relevanz für die gesamte Handlung mitbringen. Es ist wichtig, dass der Konjunktiv nicht zur bloßen Nacherzählung, sondern nur zur Redewiedergabe wichtiger Informationen verwendet wird. Wenn der Konjunktiv I nicht vom Indikativ Präsens zu unterscheiden ist, sollte der Konjunktiv II als Ersatzform gewählt werden.
Häufige Fehlerquellen beim Konjunktivgebrauch
- Verwechslung mit dem Indikativ: Passe auf, dass du bei indirekter Rede nicht die Indikativform, sondern den konjunktiv verwendest!
Beispiel:
Sie glaubt, sie ist krank. (falsch)
Sie glaubt, sie sei krank. (richtig)
- Falsche Verwendung des „würde“-Konjunktivs: Bei der „würde“-Form musst du aufpassen, nicht den Konjunktiv doppelt zu verwenden.
Beispiel:
Ich würde wäre auch müde. (falsch)
Ich wäre auch müde. (richtig)
- Zu häufige Verwendung des „würde“-Konjunktivs: Zwar ist in der Alltagssprache die „würde“-Form stark verbreitet, jedoch kann diese in einem Text schnell zu unnötigen Wiederholungen, zu Unklarheit und Unsachlichkeit führen.
Den Konjunktiv sicher anwenden
Der Konjunktiv ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Grammatik, da er es ermöglicht, zwischen Realität, Möglichkeit und indirekter Wiedergabe zu unterscheiden. Insgesamt gilt: Verwende den Konjunktiv I für indirekte Rede, den Konjunktiv II für Wünsche und Höflichkeiten und greife auf die Würde-Form zurück, wenn der Konjunktiv unnatürlich oder unverständlich wirkt. Wer diese Unterschiede sicher beherrscht, kann präzise, stilvoll und grammatikalisch korrekt formulieren.