kolleg24 Deutsch | Folge 1

Materialgestütztes Argumentieren

Stand

Von Autor/in Andrea Troll, Irmhild Mäurer

Hier lernst du, wie sich lineare und dialektische Erörterung sowie der Kommentar unterscheiden. Zudem erfährst du, wie du Infos aus bereitgestelltem Material für Argumente nutzt.

Was ist materialgestütztes Argumentieren?

Materialgestütztes Argumentieren bedeutet, dass du externe Quellen nutzt, um deine Argumente zu untermauern. Es ist eine wichtige Kompetenz, die helfen kann, fundierte Meinungen zu vertreten. Deine Argumente entwickelst du dabei auf der Grundlage von bereitgestellten Materialien wie Texten, Statistiken oder Grafiken. Indem du die relevantesten Informationen einbeziehst, kannst du deine Position stärken und eine fundierte Argumentation aufbauen.

Die zwei Arten der Argumentation

Beim materialgestützten Argumentieren gibt es zwei zentrale Arten, die du kennen solltest: die Erörterung und den Kommentar. Jede Art hat ihre eigene Struktur und Zielsetzung:

Erörterung und Kommentar im Vergleich

Sowohl die Erörterung als auch der Kommentar gehören zu den pragmatischen Texten, die informieren und überzeugen sollen. Gemeinsam ist ihnen das Argumentieren - sie unterscheiden sich jedoch darin, wie sachlich oder persönlich du vorgehst. Während die Erörterung nüchtern und logisch bleibt, darfst du im Kommentar freier und pointierter schreiben.

Die Erörterung - linear oder dialektisch

Lineare Erörterung

  • Die lineare Erörterung konzentriert sich auf eine Seite eines Themas. Du beleuchtest entweder die Pro- oder die Contra-Argumente, um deine Position zu stärken. Diese Form eignet sich besonders, wenn du eine klare und eindeutige Meinung vertreten möchtest, ohne auf Gegenpositionen einzugehen.

Dialektische Erörterung

  • Im Gegensatz zur linearen Erörterung beleuchtet die dialektische Erörterung sowohl Pro- als auch Contra-Argumente gleichmäßig. Am Ende führst du beide Seiten zusammen und kommst zu einer Synthese. Diese Form ist ideal, wenn du ein ausgewogenes Bild des Themas vermitteln und verschiedene Perspektiven berücksichtigen möchtest.

Der Kommentar

Zwar hat auch der Kommentar eine argumentative Grundstruktur, aber hier darfst du deutlich Farbe bekennen. Anders als in der Erörterung vertrittst du hier offen deine Position und nutzt sprachliche Mittel, um Leserinnen und Leser zu überzeugen. Rhetorische Fragen, Ironie, Zuspitzungen oder Wortspiele machen dabei deinen Text lebendig. Du führst mindestens zwei Argumente für deine Haltung an und nennst Gegenargumente nur, um sie gezielt zu entkräften. Zitate aus dem Material kannst du übernehmen, musst sie aber nicht streng belegen. Entscheidend ist, dass du dein Publikum durch Persönlichkeit, Witz und sprachliche Prägnanz gewinnst.

Operator / AufgabenformulierungTextformWoran erkenne ich das sicher?
Erörtern Sie, ob / inwiefern …D. E.Es wird eine Entscheidungsfrage gestellt. Mindestens zwei Seiten müssen gegeneinander abgewogen werden.
Sollte … eingeführt/verboten werden?D. E.Die Frage mit „sollte“ verlangt ausdrücklich eine Abwägung zweier Seiten (Pro und Contra) und ist gesellschaftlich kontrovers.
Setzen Sie sich mit der Frage auseinander, obD. E.Das „ob“ signalisiert Abwägung und Urteilsbildung.
Diskutieren Sie die Frage, obD. E.„Diskutieren“ bedeutet kontrovers prüfen, nicht nur darstellen.
Erörtern Sie die Vor- und Nachteile von …D. E.Vor- und Nachteile sind explizit gefordert.
Bewerten Sie, obD. E.Bewertung setzt Abwägung voraus, nicht einseitige Argumentation.
Nehmen Sie kritisch Stellung zu …D. E.„Stellung nehmen“ bedeutet kontrovers prüfen, nicht nur darstellen.
Erörtern Sie … (ohne „ob“!)L. E.Es gibt keine Entscheidungsfrage, sondern eine These, die begründet wird.
Zeigen Sie … auf,L. E.Die Richtung (Gründe, Vorteile, Nachteile o. Ä.) ist vorgegeben, Gegenargumente sind nicht verpflichtend.
Begründen Sie die These, dass …L. EDie Richtung ist vorgegeben, Gegenargumente sind nicht verpflichtend.
Argumentieren Sie für / gegen …L. E.Nur eine Seite ist gefordert.
Verfassen Sie einen Kommentar zu …K.Die Aufgabenstellung nennt das Format ausdrücklich: Man bittet um einen Kommentar.
Kommentieren Sie …K.Die Aufgabenstellung nennt das Format ausdrücklich: Man bittet um einen Kommentar.

Legende: Geforderte Textformen: D. E.: Dialektische Erörterung, L. E.: Lineare Erörterung, K: Kommentar.

Zielsetzung und Anwendung

Das Ziel des materialgestützten Argumentierens ist es, deine Behauptungen schlüssig und überzeugend zu begründen. Du sollst in der Lage sein, Materialien korrekt zu zitieren und den roten Faden deiner Argumentation im Text zu verdeutlichen.

Schritte des materialgestützten Argumentierens

  1. Verstehen der Aufgabe: Bevor du mit dem Argumentieren beginnst, ist es wichtig, die Fragestellung oder das Thema zu analysieren. Mach dir klar, worüber du argumentieren sollst und welche Positionen möglich sind. Dazu gehört auch, die Anforderungen der Aufgabe zu erkennen.
  2. Materialanalyse und Stoffsammlung: Die Materialien sollten sorgfältig gelesen und analysiert werden. Dabei ist es wichtig, die Hauptaussagen, Daten und Beweise zu identifizieren, zu markieren und auszuwerten, die für die Argumentation relevant sind. Halte deine Ergebnisse in einer Stoffsammlung fest.
  3. Eigene Position entwickeln:  Lege - begründet durch die Materiallage - fest, welche Position du grundsätzlich bei dem Thema einnimmst. Beachte dabei die Aufgabenstellung, manchmal ist die Position (Pro oder Contra) schon vorgegeben.
  4. Strukturierung der Argumentation:  Eine typische Struktur für deine Argumentation könnte die Einteilung in Einleitung, Hauptteil (= Entfaltung der Argumente mit anschließender Synthese) und Schluss umfassen. Die Argumente im Hauptteil sollten dabei passend zu deiner Position in einer logischen Reihenfolge präsentiert werden. Deine Argumente können beispielsweise bei der dialektischen Erörterung nach der „Sanduhr“ oder auch „Farfalle“-Methode angeordnet werden.
  5. Schluss: Beim Kommentar unterscheidet sich der Schluss klar von dem einer Erörterung. Während du in der Erörterung am Ende des Textes sachlich zusammenfasst und deine Argumentation sinnvoll abrundest, setzt der Kommentar bewusst auf einen zugespitzten, wirkungsstarken Abschluss. Dort betonst du deine Position noch einmal deutlich, oft mit einem prägnanten Appell, einer rhetorischen Zuspitzung oder einer überraschenden Pointe. Der Schluss ist also nicht nüchtern, sondern soll Leserinnen und Leser direkt ansprechen und mitten in der Haltung deines Kommentars zurücklassen.

Nicht vergessen!

Integration der Materialien: 

  • Materialien müssen verwendet werden, um die eigenen Argumente zu stützen. Zitate, Statistiken und Beispiele aus den Materialien helfen, die Argumentation zu untermauern.

Kritische Bewertung: 

  • Es ist wichtig, die Materialien kritisch zu bewerten und mögliche Schwächen oder Gegenargumente zu berücksichtigen.
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Autor/in
Andrea Troll
Irmhild Mäurer
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Textgliederung erstellt mit KI-Unterstützung