In dieser Folge lernst du, wie Schaubilder Informationen visuell vermitteln und wie du dargestellte Daten kritisch analysieren und argumentativ verwenden kannst.
Einführung in Schaubilder
Schaubilder sind grafische Darstellungen, die Informationen strukturiert und oft vereinfacht wiedergeben. Sie kombinieren bildliche Elemente mit statistischen Daten und werden häufig zusammen mit ausführlichen Texten verwendet. Diese Darstellungen dienen dazu, Verhältnisse, Entwicklungen und Trends zu verdeutlichen. Ein gut gestaltetes Schaubild kann komplexe Daten zugänglich machen und die Kernaussagen eines Textes wirkungsvoll unterstützen.
Arten von Schaubildern und ihre Aussageabsichten
Es gibt verschiedene Arten von Schaubildern, die jeweils spezifische Informationen vermitteln:
- Infografiken bieten eine umfassende visuelle Darstellung und kombinieren oft verschiedene Diagrammarten, Illustrationen und Textabschnitte, um komplexe Sachverhalte zu vermitteln.
- Kreis- und Tortendiagramme visualisieren Verhältnisse und Anteile durch Segmente eines Kreises.
- Säulen- und Balkendiagramme stellen Größenverhältnisse vergleichend dar, wobei sie in Unterkategorien geteilt werden können.
- Liniendiagramme zeigen Entwicklungen und Trends durch eine Linie, die Punkte auf einer X- und Y-Achse verbindet.
- (Spinnen-)Netzdiagramme stellen Beziehungen zwischen verschiedenen Datenpunkten in einem mehrdimensionalen Raum dar.
Kritische Analyse von Schaubildern
Bei der Analyse von Schaubildern ist es wichtig, sowohl visuelle als auch inhaltliche Aspekte zu betrachten. Die visuelle Analyse umfasst die Betrachtung von Art, Titel, Urheber, Quelle, Thema, Legende, Skalierung und optischer Gestaltung. Inhaltlich sollten die Hauptaussagen des Schaubilds erfasst werden, indem Trends identifiziert und alle Elemente gedeutet werden. Ein kritischer Blick auf die Seriosität der Quelle und mögliche grafische Manipulationen ist unerlässlich, um die Aussagekraft eines Schaubilds richtig einzuschätzen.
Argumentative Nutzung von Schaubildern
Schaubilder können in vier Schritten für die Argumentation verwendet werden:
- Visuelle Analyse: Hierbei wird die äußere Gestaltung des Schaubilds betrachtet. Dazu gehören die Art des Schaubilds, der Titel, der Urheber, die Quelle, das Thema, die Legende, die Skalierung und die optische Gestaltung. Diese Analyse hilft, den ersten Eindruck und die Struktur des Schaubilds zu erfassen.
- Inhaltliche Analyse: In diesem Schritt geht es darum, die Hauptaussagen des Schaubilds zu erkennen. Dazu gehört das Identifizieren von Maximal- und Minimalwerten, Trends und das Deuten aller vorhandener Elemente. Die inhaltliche Analyse ermöglicht ein tiefes Verständnis der dargestellten Daten.
- Beurteilung: Hier werden die Glaubwürdigkeit und Seriosität der Quelle geprüft. Auch mögliche grafische Manipulationen werden hinterfragt. Dieser Schritt ist entscheidend, um die Zuverlässigkeit der Daten und die Absichten hinter der Darstellung zu bewerten.
- Argumentative Verwertung: In diesem letzten Schritt wird das Schaubild in den Kontext der Aufgabenstellung oder des begleitenden Textes gesetzt. Statistische Daten werden als Beleg oder Begründung im Argument verwendet. Diese Verwertung stärkt die eigene Argumentation und unterstützt die Präsentation von Fakten.
Wichtig ist, den Zusammenhang des Schaubilds mit der Aufgabenstellung oder dem linearen Text zu klären und statistische Daten als Beleg oder Begründung im Argument zu verwenden. Die Fähigkeit, Schaubilder effektiv in die eigene Argumentation einzubinden, ist eine wertvolle Kompetenz, die dir in vielen Bereichen, von wissenschaftlichen Arbeiten bis hin zu Präsentationen, zugutekommt.
Das 2BI- und das 2BIK-Verfahren
Um Schaubilder zu analysieren, kann man auf die Hilfe des 2BI- bzw. des 2BIK-Verfahrens zurückgreifen. Das 2BI-Verfahren steht für Beschreibung (Was zeigt das Schaubild?), Benennung von Auffälligkeiten (Welche Besonderheiten fallen auf?) und Interpretation (Was bedeuten die Ergebnisse?)
Das 2BIK-Verfahren
Um anspruchsvollere Aufgaben zur bewältigen, kann man die 2BI-Methode zur 2BIK-Methode (Beschreibung, Bedeutung, Interpretation, Kritische Integration) erweitern und damit anspruchsvollere Aufgaben bewältigen.
Sprachlichen Wendungen zur Analyse von Diagrammen?
Diese Formulierungen helfen dir Diagramme und Schaubilder treffend zu beschreiben, zu analysieren und argumentativ zu verwenden.
Einleitung und Beschreibung
- „Das Diagramm zeigt …“
- „Aus dem Schaubild geht hervor, dass …“
- „Die Grafik wurde veröffentlicht von …“
- „Das Thema des Diagramms ist …“
Darstellung von Zahlen und Trends
- „Der Anteil der … beträgt … Prozent.“
- „Die Zahl der … hat sich verdoppelt/halbiert.“
- „Im Vergleich zum Vorjahr ist der Wert um … gestiegen/gesunken.“
- „Es gibt einen deutlichen/geringen Anstieg/Abfall.“
- „Die Werte bleiben konstant/steigen/sinken.“
Interpretation und Bewertung
- „Auffällig ist, dass …“
- „Besonders ins Auge fällt …“
- „Ein möglicher Grund für diese Entwicklung ist …“
- „Daraus lässt sich schließen, dass …“
- „Diese Daten zeigen, dass …“
- „Das Ergebnis ist überraschend, denn …“
Übergänge und Verknüpfungen
- „Im Folgenden soll gezeigt werden, …“
- „Zusammenfassend lässt sich sagen, …“
- „Im Vergleich zu …“
- „Das Schaubild bildet die Grundlage für die folgende Argumentation …“
Besondere Herausforderungen und Tipps
Ein häufiges Problem bei der Analyse von Schaubildern ist die falsche Verwendung der Begriffe „Prozent“ und „Prozentpunkt“. Viele Menschen neigen irrtümlich dazu, einen Anstieg der Wahlbeteiligung von 70 Prozent auf 75 Prozent als Zuwachs von „5 Prozent“ (!) zu beschreiben, obwohl es sich tatsächlich um einen Anstieg von fünf Prozentpunkten handelt.
Schaubilder effektiv benutzen
Schaubilder sind unverzichtbare Werkzeuge zur Visualisierung und Analyse von Informationen, die dir helfen, komplexe Daten schnell zu erfassen und effektiv in deine Argumentation einzubinden. Indem du die verschiedenen Arten von Schaubildern und die Schritte zur kritischen Analyse und Nutzung verstehst, kannst du deine Fähigkeit zur Interpretation und Präsentation von Informationen deutlich verbessern.