Aufgabe 1
Erzählperspektive a) Bestimme die Erzählperspektive für Text I und Text II. b) Erläutere, welche Wirkung diese Erzählperspektive hat.
Lösung zu a)
Text I Erzählperspektive: dritte Person Singular (Er/Sie-Erzähler) mit allwissender Sicht („An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein“ => ein personaler Erzähler würde nicht so über sich erzählen; „und die Finger schmerzten ihm ordentlich von diesem Drehen und Reiben“), auktorialer Erzähler .
Text II Erzählperspektive: dritte Person Singular, fokussiert auf Gregor Samsa und dadurch begrenzt personal .
Lösung zu b)
Text I Wirkung: Durch die auktoriale Erzählperspektive wird eine gewisse Distanz zum Geschehen erzeugt – der Leser erhält Überblick über die äußeren Umstände (Armut des Schneiders, Zubehör, Kleidung) und die Gedankenwelt nur indirekt.
Text II Wirkung: Der Leser erlebt Gregors Verwandlung sehr unmittelbar („Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken …“) und näher als bei starker Distanz. Gleichzeitig bleibt das Geschehen fremd und irritierend.
Aufgabe 2
Darbietungsformen a) Bestimme die Darbietungsformen des Erzählens für Text III und Text IV. b) Erläutere, wie diese Form die Einsicht in die Figur ermöglicht oder einschränkt.
Lösung zu a)
Text III Darbietungsform(en): Innerer Monolog / Bewusstseinsstrom – der Text schildert Gedanken und Wahrnehmungen der Figur („Ich muß auf die Uhr schauen …“, „Mir kommt vor, ich sitz’ schon drei Stunden …“) ohne externe Erzählerinstanz und mit Ich-Form.
Text IV Darbietungsform(en): Figurenrede - Direkte Rede (die Dialoge mit Anführungszeichen: „Man soll sein Schicksal nicht versuchen …“, „Und hoffe mich doch noch zu verheiraten …“)
Lösung zu b)
Text III Wirkung: Der innere Monolog ermöglicht sehr nahe Einsicht in die Gedankenwelt von Gustl – seine Unruhe, Selbstzweifel, Perspektive auf das Konzert. Gleichzeitig fehlt Distanz, wodurch eine starke Subjektivität entsteht. Der Leser ist mittendrin im Kopf der Figur.
Text IV Wirkung: Die direkte Rede zeigt das Äußere – was die Figuren sagen – und ermöglicht unmittelbare Wahrnehmung von Beziehung und Konflikt . Einsicht in die Innenwelt der Figuren bleibt indirekt; man sieht, wie gesprochen wird, aber nicht automatisch, was ungesagt bleibt.
Aufgabe 3
Zeitgestaltung a) Bestimme die Form der Zeitgestaltung (z. B. Rückblende, Vorausdeutung, Zeitraffung, Zeitdehnung, Zeitdeckung) in Text V und Text VI. b) Erläutere, welche Wirkung die Zeitgestaltung auf den Leser hat.
Lösung zu a)
Text V Zeitgestaltung: Rückblende + Zeitraffung – Es wird über einen langen Zeitraum („vor gut fünfzig Jahren und mehr …“, dann viele historische Ereignisse bis „Im Jahre 1809 …“) in kurzer Erzählzeit berichtet.
Text VI Zeitgestaltung: Zeitdehnung / Gleichzeitigkeit – z. B. „Eine Minute war vergangen. Sie hatten nicht gewagt, sich anzusehen.“ Diese kurze Zeitspanne wird im Text ausgedehnt dargestellt; man bekommt das Erleben simultan mit den Figuren mit.
Lösung zu b)
Text V Wirkung: Die Raffung macht den Zeitraum überschaubar und konzentriert auf das Wesentliche; sie hebt das Ereignis im Jahr 1809 hervor, gibt dem Geschehen Gewicht. Die Rückblende schafft Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, vermittelt historische Tiefe.
Text VI Wirkung: Die Dehnung steigert Spannung und Präsenz – der Moment wirkt länger, intensiver . Der Leser erlebt mit, wie sich Unsicherheit und Schrecken entwickeln. Hätte man chronologisch normal erzählt, würde diese unmittelbare Spannung verloren gehen.