kolleg24 Deutsch | Folge 8

Kommentar: Aufbau und Merkmale

Stand

Von Autor/in Beatrix Krausenecker, Irmhild Mäurer

In dieser Folge lernst du, woran du einen Kommentar erkennst. Du erfährst zudem, wie du selbst deine Position darlegen, Argumente entkräften und sprachliche Mittel einsetzen kannst.

Merkmale eines Kommentars

Ein Kommentar ist eine informierende Text, der eine persönliche Meinung zu einem aktuellen Thema darlegt. Er ist oft provokativ formuliert und soll den Leser zum Nachdenken anregen. Ein gut geschriebener Kommentar informiert daher nicht nur, sondern kann auch eine Diskussion anstoßen und zur Meinungsbildung beitragen. Grundsätzlich gehört der Kommentar als journalistische Textsorte zu den Sachtexten und ist faktenbasiert, wobei die argumentative Auseinandersetzung im Vordergrund steht.

Aufbau des Kommentars

Der Zeitungskommentar beginnt mit einer prägnanten, Aufmerksamkeit erregenden Überschrift.

In der Einleitung wird der Anlass des Kommentars erläutert und eine provokante beziehungsweise markante These formuliert, die das Gesagte untermauert oder in Frage stellt. Meist ist der Anlass eine aktuelle Nachricht.

Im Hauptteil äußert der Autor seine Position zum Thema und führt seine Argumente aus. Diese können Kritik, aber auch Lob oder Unterstützung enthalten. Die Argumentation verläuft meist linear (Aufzeigen einer Seite), eher selten dialektisch (Pro und Contra), je nach Thema und Intention. Argumentiert der Autor linear, entkräftet er, um seinen Standpunkt zu stärken, häufig plausible Gegenargumente.

Meist enthält der Schluss einen Appell, eine Warnung oder auch eine Forderung. Hier bringt der Verfasser noch einmal klar seine Meinung zum Ausdruck.

Optisch sind Kommentare häufig vom Rest der Publikation, in der sie veröffentlicht werden, abgesetzt - zum Beispiel durch eine andere Hintergrundfarbe oder Schriftart. Viele Zeitungen und Magazine haben eine eigene Meinungsseite, auf der mehrere Kommentare zu verschiedenen Themen gesammelt an einer Stelle stehen. Der Verfasser wird stets namentlich genannt, manchmal auch mit Foto.

Sprachliche Gestaltung

Die sprachliche Gestaltung eines Kommentars ist entscheidend für die Wirkung auf den Leser. Auf der Sprachebene kann der Autor beispielsweise umgangssprachliche Wendungen einfügen, um Nähe zum Publikum herzustellen. Die gleiche Funktion erfüllen Dialekt oder Jugendsprache. Stilmittel sind eine weitere Möglichkeit der Veranschaulichung und die Wirkung zu verstärken. Hier sind einige Beispiele für Stilmittel, die in Kommentaren vorkommen können, aufgeführt:

  • Asyndeton: Eine Aneinanderreihung von Wörtern oder Sätzen ohne Konjunktionen, z.B. "Er kam, sah, siegte."
  • Polysyndeton: Mehrfach verwendete Konjunktionen, z.B. "Und es regnete und es donnerte und es blitzte."
  • Antithese: Gegenüberstellung von gegensätzlichen Begriffen, z.B. "Himmel und Hölle."
  • Repetitio: Wiederholung von Wörtern oder Satzteilen, z.B. "Immer wieder versuchte er es."
  • Parallelismus: Gleicher Satzbau in aufeinanderfolgenden Sätzen, z.B. "Sie lacht, er weint."
  • Alliteration: Gleiche Anfangsbuchstaben bei aufeinanderfolgenden Wörtern, z.B. "Kunst und Kultur."
  • Correctio: Korrektur einer vorherigen Aussage, z.B. "Das war schlecht, nein, miserabel."
  • Ironie: Das Gegenteil von dem Gesagten ist gemeint, z. B. „Du bist aber heute pünktlich!“ (Jemand kommt zu spät)
  • Rhetorische Frage: Eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird, z.B. "Wer hätte das gedacht?"
  • Metapher: Bildhafter Ausdruck, z.B. "Ein Meer von Menschen."
  • Vergleich: Gegenüberstellung zweier Begriffe mit "wie" oder "als", z.B. "Stark wie ein Löwe."
  • Anapher: Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinanderfolgender Sätze, z.B. "Wir fordern Gerechtigkeit. Wir fordern Freiheit."
  • Hyperbel: Übertreibung, z.B. "Ein Berg von Arbeit."
  • Klimax: Steigerung, z.B. "Er kam, sah, siegte."
  • Personifikation: Vermenschlichung von Gegenständen oder abstrakten Begriffen, z.B. "Die Sonne lacht."
  • Sarkasmus: Schwarzer Humor, übertriebene, ins Negative gelenkte Ironie.

Strukturwörter

Um einen Kommentar leichter zu verstehen, ist es hilfreich, auf sogenannte Strukturwörter zu achten. Diese unterstützen den Lesenden eines Kommentars dabei, die Argumentation nachzuvollziehen, weil sie logische Zusammenhänge herstellen und den roten Faden sichtbar machen. Strukturwörter ordnen die Aussage eines Kommentars, etwa durch Aufzählungen, Einschränkungen, Begründungen oder Schlussfolgerungen.

Auswahl typischer Strukturwörter im Kommentar

  • Aufzählung und Gewichtung: erstens, zweitens, besonders, wichtig ist , darüber hinaus
  • Begründung und Folge: weil, da, denn, deshalb, folglich, daher
  • Gegensatz und Einschränkung: aber, jedoch, zwar, dennoch, einerseits/andererseits, im Gegensatz zu
  • Beispiele und Erläuterungen: so, beispielsweise, wie, nämlich, das heißt Schlussfolgerung und Zusammenfassung: zusammenfassend, kurz gesagt, schließlich, somit, daher
  • Meinungsäußerung: ich behaupte, meines Erachtens, überzeugend ist.

Einen Kommentar verfassen

Um einen Kommentar selbst zu verfassen, müssen Informationen und Materialien vorliegen, auf den sich der Kommentar bezieht. Ein Kommentar, der nicht auf Fakten basiert, ist eine bloße Meinungsäußerung.

Solche Materialien sind beispielsweise Nachrichten über einen Vorfall, kürzlich veröffentlichte Studien zu einem Thema, Statistiken zu Umfrageergebnissen, Stellungnahmen von Fachleuten zu einem Ereignis, einer Entwicklung oder einem neuen gesellschaftlichen, politischen oder natürlichen Phänomen.

Eine deutliche Position zu einem aktuellen Thema, eine klare Struktur, starke Argumente und den richtigen Einsatz sprachlicher Mittel sind das Wichtigste beim Schreiben eines Kommentars. Wenn du kritisch verschiedene Quellen auswertest, deine Position gut begründest und Gegenargumente geschickt entkräftest, kannst du deine Meinung überzeugend darstellen – und zugleich den Leser zum Nachdenken anregen.

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Beatrix Krausenecker
Irmhild Mäurer
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