schwarz weiß Bild von Soldaten (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Spuren der NS-Zeit

Vater, Mutter, Hitler · Begeisterung und Zweifel | Unterricht

Stand
Autor/in
Thomas Schmid


Themen
• Nationalsozialismus
• Drittes Reich
• Judentum
• Verfolgung, Deportation
• Zweiter Weltkrieg

Fächer
• Geschichte
• WZG

Klassenstufen
• ab Klasse 9, alle Schularten

Ida Timmer und ihre Eltern am Esstisch. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Die junge Arbeiterin Ida Timmer glaubt bis zum Schluss an Hitler Bild in Detailansicht öffnen
Familie mit Schutzhelmen im Keller. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Luise Solmitz bleibt bei ihrem jüdischen Mann und erlebt den Krieg in Hamburg Bild in Detailansicht öffnen
Ein Lehrer mit Hakenkreuz-Armbinde vor Schülern. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Der Lehrer Wilm Hosenfeld glaubt, Hitler wolle Frieden Bild in Detailansicht öffnen

Bezug zu den Bildungsplänen

Hinsichtlich der inhaltsbezogenen Kompetenzen für das Fach Geschichte sehen die neuen Bildungspläne in den 9. Klassen der Sekundarstufe I unter anderem vor, dass die Schülerinnen und Schüler „das Alltagsleben in der NS-Diktatur zwischen Zustimmung, Unterdrückung und Widerstand erläutern“. Dieser Anspruch bildet die Grundlage für den Einsatz des Filmes „Vater, Mutter, Hitler“ im Unterricht.

Des Weiteren können Bezüge zu folgenden Unterpunkten der fünf Kompetenzfelder hergestellt werden:

1. Fragekompetenz: „Die Schülerinnen und Schüler können Fragen an die Geschichte formulieren […], eigene Schwerpunkte begründen […], Hypothesen aufstellen […].“

2. Methodenkompetenz: „Die Schülerinnen und Schüler können zwischen Quellen und Darstellungen unterscheiden […], unterschiedliche Materialien (insbesondere Texte, Karten, Statistiken, Karikaturen, Plakate, Historiengemälde, Fotografien, Filme, Zeitzeugenaussagen) auch unter Einbeziehung digitaler Medien analysieren […].“

3. Reflexionskompetenz: „Die Schülerinnen und Schüler können Hypothesen überprüfen, historische Sachverhalte in ihren Wirkungszusammenhängen analysieren (Multikausalität), Möglichkeiten und Grenzen individuellen und kollektiven Handelns in historischen Situationen erkennen […], Sach- und Werturteile analysieren, selbst formulieren und begründen, Deutungen aus verschiedenen Perspektiven erkennen, vergleichen und beurteilen (Dekonstruktion, Multiperspektivität, Kontroversität, Zeit- und Standortgebundenheit), auch unter Berücksichtigung der Geschichtskultur (zum Beispiel TV-Dokumentationen, historische Spielfilme, Museen, Gedenkstätten) […], Auswirkungen von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen auf die Lebens- und Erfahrungswelt der Menschen erläutern […], die Rolle von Medien […] für das Geschichtsbewusstsein analysieren.“

4. Orientierungskompetenz: „Die Schülerinnen und Schüler können die historische Bedingtheit der Gegenwart sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Vergangenheit und Gegenwart analysieren und bewerten […], eigene und fremde Wertorientierungen erklären und überprüfen.“

5. Sachkompetenz: „Die Schülerinnen und Schüler können historische Sachverhalte in Raum und Zeit einordnen […], wichtige Gruppen in den jeweiligen Gesellschaften unterscheiden sowie deren Funktionen, Interessen und Handlungsmöglichkeiten beschreiben […], historische Sachverhalte in Zusammenhängen darstellen (Narration).“

Felix Landau in SS-Uniform. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Felix Landau beteiligt sich freiwillig an der Erschießung von Juden Bild in Detailansicht öffnen
Wilm Hosenfeld in Militärkleidung führt einen Mann in Arbeitskleidung weg. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Wilm Hosenfeld rettet einen polnischen Juden Bild in Detailansicht öffnen

Beschreibung des Unterrichtsablaufs

Um die Produktion „Vater, Mutter, Hitler“ in ihren beiden Teilen zur vollen Entfaltung und somit zu umfassender Wirkung kommen zu lassen, empfiehlt es sich, innerhalb eines Zeitrahmens von circa viereinhalb Zeitstunden (270 Minuten – Zeitraster siehe unten) mit den Schülerinnen und Schülern projektartig zu arbeiten. Dazu wäre ein Schulvormittag, beispielsweise von 8:00–12:30 Uhr, oder ein Nachmittag, entsprechend 13:00–17:30 Uhr, denkbar.

Der Unterricht sollte auf jeden Fall am Ende der Einheit ‚Nationalsozialismus‘ stehen. Er hat eine klar affektive, keine auf Aneignung von zusätzlichem Fachwissen ausgerichtete – diesbezüglich jedoch wiederholende – Intention.

Am Beginn des kleinen Projekts stellt die Lehrkraft die Frage, wie sich die Schülerinnen und Schüler – nun, nachdem sie einen Überblick über die Zeit zwischen 1933 und 1945 haben – eigentlich den typischen Anhänger, die typische Anhängerin der nationalsozialistischen Bewegung in jenen Jahren vorstellen. Dies kann mithilfe eines kurzen Tafelanschriebs visualisiert werden.

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler entschieden haben, ob sie eher einen Mann oder eine Frau beschreiben, machen sie sich dazu in einer Art Brainstorming Notizen in Einzelarbeit. Danach finden sie sich mit zwei bis drei entsprechenden Partnern zusammen, tauschen sich über ihre Vorstellungen aus, ergänzen diese und gestalten darauf basierend schließlich ein DIN A3-Plakat unter Zuhilfenahme der Fotos auf den Informationsblättern (Infoblatt Männer beziehungsweise Infoblatt Frauen). Die Aufgabenstellung lautet hierbei (eventuell Tafelanschrieb):

● Gestaltet ein Plakat, welches den typischen Anhänger, die typische Anhängerin des Nationalsozialismus zeigt!
● Beschreibt eure Person in wenigen Worten!
● Wählt aus der Vorlage höchstens zwei Fotos aus, die euch besonders passend erscheinen!
● Stellt euer Plakat in circa 30 Minuten vor und erklärt, warum ihr euch für die entsprechende Beschreibung der Person und eure Foto-Auswahl entschieden habt!

Teil 1: Film „Begeisterung und Zweifel“

Nachdem die Teams gearbeitet haben und die einzelnen Ergebnisse der Klasse präsentiert wurden, leitet die Lehrkraft zum Film über. Es sollte erwähnt werden, dass die Produktion aus zwei etwa halbstündigen Teilen besteht, in denen die Leben von vier Menschen – zwei Frauen, zwei Männer – aus jener Zeit aufgrund ihrer Tagebuchaufzeichnungen dargestellt werden.

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich gleich am Anfang des ersten Teils – nach circa zwei Minuten – entscheiden, welcher gezeigten Person sie ‚folgen‘ wollen.

Die Sendung wird bis Minute 2:20 gezeigt (alle vier Protagonisten sind bis dahin kurz vorgestellt). Dann werden die Schülerinnen und Schülern auf die jeweiligen Steckbriefe (Arbeitsblätter 1–4) hingewiesen. Sie sollen den Steckbrief für die Person auswählen, die sie sich ausgesucht haben, und diesen so weit wie möglich während des Anschauens bearbeiten.

Dann wird der erste Teil des Films zu Ende gezeigt. Danach sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit gleichen Steckbriefen zu zweit oder höchstens zu dritt zusammenfinden, um zu vergleichen, zu korrigieren und zu ergänzen.
Anschließend erhalten die so zusammengesetzten Kleingruppen eine zweiteilige Aufgabe (Arbeitsblatt 5): Gefragt wird einerseits nach den Motiven der gezeigten Menschen hinsichtlich ihrer Faszination für die nationalsozialistischen Ideen, andererseits nach ihrer Lebenssituation am Ende des Films, also zu Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Die Teams stellen ihre Erkenntnisse im Anschluss daran kurz im Plenum mündlich vor.

Nun empfiehlt sich eine längere Pause (circa 20 Minuten).

Felix Landau sitzt in Lkw und schreibt ins Tagebuch. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Quelle des Films: die Tagebücher der vier Protagonisten

Teil 2: Film „Krieg und Verderben“

Der zweite Teil des Mini-Projekts beginnt mit dem Hinweis der Lehrkraft auf das weitere Schicksal der vier Protagonisten und somit auf den Fortlauf der Steckbriefe. Wieder haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, diese während des Anschauens des zweiten Teils von „Vater, Mutter, Hitler“, welcher nun gezeigt wird, zu bearbeiten.

Nach Filmende soll in den Kleingruppen wieder ein Abgleich der Lebensläufe (Arbeitsblätter 1–4) stattfinden. Anschließend folgt eine weitere Gruppenarbeitsphase. Die Teams besprechen die Haltung der Nachkommen zu ihren Vätern, Müttern beziehungsweise Großmüttern und sie überlegen sich, welche Fragen sie, also die Schülerinnen und Schüler, den gezeigten Personen oder ihren Nachkommen gerne stellen würden, hätten sie Gelegenheit dazu (Arbeitsblatt 6).
Die Arbeitsergebnisse werden daraufhin der Klasse wieder verbal mitgeteilt.

Mann in Uniform mit Hakenkreuz-Armbinde vor Schild "Deutsche wehrt euch. Kauft nicht bei Juden” (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Die Judenverfolgung ist überall im Alltag sichtbar

Die Lehrkraft verweist nun auf die anfänglich erstellten Plakate. Im Plenumsgespräch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler und den tatsächlichen Personen intensiv besprochen.

Danach sollte eine weitere – diesmal kurze Pause – (circa 10 Minuten) eingeplant werden. Um eine Korrektur zu ermöglichen, werden die Lösungen zu den Steckbriefen ausgehängt.

Teil 3 – Abschluss

Im letzten Unterrichtsabschnitt setzen sich die Schülerinnen und Schüler unter sehr individuellen Gesichtspunkten mit einem der vier gezeigten Lebenswege auseinander. Die Lehrkraft stellt der Klasse die beiden abschließenden Arbeitsaufgaben vor, von denen eine auszuwählen ist (dabei kann auch eine andere Person aus dem Film gewählt werden):

● ein persönlicher Brief an einen Menschen aus dem Film, in dem aus eigener Sicht auf das Schicksal der Person eingegangen wird (Arbeitsblatt 7)
● eine fiktive Biografie, wie sich das Leben einer der Personen entwickelt hätte, wäre Hitler nicht an die Macht gekommen (Arbeitsblatt 8)

Anschließend können einzelne Schülerinnen und Schüler ihren Brief beziehungsweise den erstellten Lebenslauf der Klasse freiwillig (!) vorlesen. Womöglich entwickelt sich daraus ein Klassengespräch zu ausgewählten, genannten Aspekten.

Ganz am Schluss leitet die Lehrkraft eine reflektierende Diskussion zur durchgeführten Unterrichtssequenz. Dabei wären folgende Fragestellungen denkbar:

Inhalts-/Methodenreflexion:
- Warum behandeln wir dieses Thema abschließend auf diese Weise?
- Warum ist es sinnvoll/wichtig, dass wir uns mit diesen Einzelschicksalen auseinandersetzen? Oder ist das überflüssig?

Medienkritik:
- Für wie authentisch (‚wahr‘) haltet ihr die gespielten Filmszenen?
- Ist es legitim Szenen zu spielen, Dialoge zu sprechen, von denen wir nicht wissen, wie sie genau stattgefunden haben? Ist das nicht Geschichtsfälschung?

Projektverlauf
PhaseZeitLehrer-Schüler-AktivitätSozialformMedien
110‘Brainstorming: Typische Anhänger des NationalsozialismusEATafel, Notizzettel
230‘Austausch im Team zur Fragestellung, Anfertigen eines Plakats dazuGAInfo-Blätter 1 und 2
320‘Präsentationen mit BegründungenPLPlakate
410‘Einführung des 1. Teils des Films, die Schülerinnen und Schüler wählen
eine der dargestellten Personen und somit den entsprechenden Steckbrief aus
PLFilm „Vater, Mutter, Hitler“, 1. Teil: „Begeisterung und Zweifel“ bis Min. 2:20
Arbeitsblätter 1–4
525‘Anschauen des FilmsPLMin. 2:20 bis Ende
65‘Vergleich, Ergänzung, Korrektur der SteckbriefePA/GAArbeitsblätter 1–4
710‘Besprechung der Motive der Personen für die NS-Ideologie und Beschreibung der jeweiligen Lebenssituation zu Beginn des Zweiten WeltkriegsGAArbeitsblatt 5
810‘Präsentation der GruppenergebnissePL
920‘------- PAUSE -------
105‘Hinführung zum zweiten Teil des Films, Hinweis auf Ergänzung der SteckbriefePLFilm „Vater, Mutter, Hitler“, 2. Teil: „Krieg und Verderben“
1130‘Anschauen des FilmsPLFilm
125‘Vergleich, Ergänzung, Korrektur der SteckbriefePA/GA
1310‘Besprechung der Haltung der Nachkommen der beschriebenen Personen, Fragen an die Menschen aus dem Film beziehungsweise an deren NachkommenGAArbeitsblatt 6
1410‘Präsentation der GruppenergebnissePL
1510‘Vergleich zur Ausgangsfrage beziehungsweise mit den erstellten Plakaten, gegebenenfalls DiskussionPLArbeitsblatt 6
1610‘------- PAUSE -------Lösungen zu Steckbriefen
1710‘abschließende Aufgaben: Briefe in die Vergangenheit, fiktive LebensläufeEAArbeitsblätter 7, 8
1815‘Vorlesen der Schülerarbeiten, gegebenenfalls Gespräche dazuPLArbeitsblätter 7, 8
1915‘Inhalts-, Methodenreflexion beziehungsweise MedienkritikPL

EA: Einzelarbeit
GA: Gruppenarbeit
PA: Partnerarbeit
PL: Plenum

Methodische Erläuterungen

Kinder und Enkel der Protagonisten. (Foto: SWR – Screenshots aus der Sendung)
Die Nachkommen der Filmprotagonisten

Wie bereits eingangs des Unterrichtsverlaufs erwähnt, sollten die beiden Teile von „Vater, Mutter, Hitler“ innerhalb einer projektartigen Unterrichtssequenz an einem von der üblichen Zeit- und Pausenstruktur gelösten Vor- oder Nachmittag zum Einsatz kommen.
Eine Gesamtarbeitszeit von vier Zeitstunden (ohne Pausen), wobei circa 60 Minuten allein auf das Abspielen des Films fallen (2 x 30 Minuten), soll den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit geben, sich intensiv mit den beschriebenen Fragestellungen auseinanderzusetzen, um schließlich zum angestrebten Kompetenzgewinn und zur Erweiterung ihres Geschichtsbewusstseins zu führen.

Der didaktische Einsatzort ist dabei ans Ende der Einheit „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg – Zerstörung der Demokratie und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler haben also bereits Eindrücke von der nationalsozialistischen Ideologie, vom Alltagsleben jener Zeit und sollten beispielsweise mit den Begriffen Rassismus, Antisemitismus, „Volksgemeinschaft“ und Führerprinzip vertraut sein.

Am Anfang dieses eher ungewöhnlichen Geschichtsunterrichts steht der Rückgriff auf bereits Erfahrenes: Die Schülerinnen und Schüler werden aufgefordert, ihre persönliche Vorstellung von einem typischen NS-Anhänger/einer typischen NS-Anhängerin von damals zu beschreiben. Sie rekonstruieren somit ihr bis dahin gewonnenes Geschichtsbild, vergleichen es in der Klasse und setzen es gestalterisch in Form eines Plakates um. Sie üben sich dadurch auch im Erstellen von Hypothesen, im Treffen von Entscheidungen, indem sie sich beispielsweise auf bestimmte Fotografien (Infoblatt Mann beziehungsweise Frau) argumentativ einigen müssen, und schließlich auch im Präsentieren und Verbalisieren ihrer Eindrücke und Arbeitsergebnisse.

Indem die Jugendlichen beim Betrachten des Films eine Vorauswahl getroffen haben, welche Person sie dabei genau unter die Lupe nehmen, wird der umfassende Inhalt individualisierend reduziert und eine intensive Auseinandersetzung mit einem geschilderten Lebensweg ermöglicht.

Die Steckbriefe (Arbeitsblätter1–4) dienen der aufmerksamen Rekonstruktion der im Film dargestellten Biografien. Die wenigen Lücken und die Wegstreich-Wörter ermöglichen ein rasches Entscheiden und Arbeiten, sodass der Filmhandlung durchweg ohne Schwierigkeiten gefolgt werden kann.

Entscheidend zum Gesamtverständnis und zur Bildung eines Werturteils (den typischen nationalsozialistischen Anhänger gibt es nicht, jedoch werden einzelne gemeinsame Aspekte teilweise deutlich) ist der Rückgriff auf die anfänglichen Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler (siehe Plakate). Es genügt sicherlich, diesen Unterrichtsabschnitt rein verbal in Form eines Plenumsgesprächs zu gestalten.

Die einzelnen Arbeitsaufgaben nach den beiden Filmsequenzen (Arbeitsblätter 5 und 6) sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, sich intensiv mit den Haltungen, den Gefühlen, den Entscheidungen und schicksalhaften Wendungen im Leben der im Film dargestellten Personen beziehungsweise ihrer Nachkommen auseinanderzusetzen.
Von besonderem Vorteil der Produktion „Vater, Mutter, Hitler“ ist dabei, dass einerseits die Biografien zweier Frauen und zweier Männer gezeigt werden, sowie die Tatsache, dass zwei davon die nationalsozialistische Herrschaft letztendlich kritisch sehen oder sich ganz abwenden, wobei die beiden anderen Personen bis zum Schluss treue Anhänger Hitlers bleiben.

Die beiden letzten zur Auswahl stehenden Kreativ-Aufgaben (Arbeitsblätter 7 und 8) gehen noch einen Schritt weiter. Den Schülerinnen und Schülern wird die Möglichkeit eröffnet, die Lebensabschnitte der Film-Protagonisten aus ihrer ganz persönlichen heutigen Sicht zu sehen und gegebenenfalls zu beurteilen. Dabei scheint es wichtig, Entscheidungsfreiheit einzuräumen, vor allem um dem Motivationspotenzial der Klasse Geltung zu verschaffen.

In der Abschlussrunde im Plenum wird das Reflexionsvermögen der Jugendlichen zusätzlich gefördert. Sie regt das Nachdenken – inhaltlich und methodisch – über Geschichte an und kann sich medienkritisch mit der Machart des Filmes auseinandersetzen.

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Anfang der 1930er Jahre geht es Deutschland schlecht, die politische Lage ist instabil. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift, setzen viele Menschen große Hoffnung in ihn.

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Zwangsarbeit in den Steinbrüchen der Schwäbischen Alb

SWR-Autor Valentin Thurn befragte Augenzeugen: Ehemalige KZ-Häftlinge, Bewohner der umliegenden Dörfer - aber auch einen SS-Wachmann, der 54 Jahre nach dem Krieg zum ersten Mal an den Ort zurückkehrte, an dem er einen flüchtenden Häftling erschoss. Der Film erzählt von dieser traurigen Episode regionaler Geschichte - aber auch von der Geschichte des Erinnerns. Ein Erinnern, das erst seit wenigen Jahren möglich ist - in wiederkehrenden Begegnungen von Dorfbewohnern mit ehemaligen KZ-Opfern.

Die Idee zu diesem Film entstand im Zusammenhang mit einer Produktion des Schulfernsehens: "Jurassic Alb – Der schwäbische Ölschiefer" in der Reihe Geomorphologie. Dort war in einem kurzen historischen Rückblick bereits auf die „NS-Vergangenheit“ des Ölschieferabbaus eingegangen worden, die ganze geschichtliche und politische Tragweite konnte dort verständlicherweise nicht beleuchtet werden. Darum hat sich die Redaktion entschlossen, aus diesem „Kapitel“ einen eigenen Film zu produzieren und ist auf die Suche nach weiteren Zeitzeugen und historischem Material gegangen.

Mit beiden Filmen "Das Unternehmen Wüste“ und "Jurassic Alb“ liegen nun zwei aufeinander bezogene Medien vor, die sich hervorragend für einen fächerverbindenden Unterricht in Geschichte/Gemeinschaftskunde - Geographie - Religion/Ethik eignen.

Die Mordfabrik Grafeneck auf der Schwäbischen Alb

Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Hier starben zwischen Januar und Dezember 1940 etwa 11 000 Menschen durch Kohlenmonoxidgas. Grafeneck war damit der erste Ort im nationalsozialistischen Deutschland, an dem Menschen systematisch und „industriell" ermordet wurden.
Die Morde von Grafeneck gehören zu den schrecklichsten Verbrechen der Nationalsozialisten. Die Opfer, meist körperlich oder psychisch beeinträchtigt, stammten aus Krankenanstalten und Heimen im heutigen Baden-Württemberg, in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Morde waren Teil der von den Nationalsozialisten sogenannten „Aktion T4" oder „Euthanasie-Aktion". Sie verdeutlichen die menschenverachtende Politik und Ideologie des NS-Regimes und seiner Verantwortlichen. Diese mordeten, weil sie Nahrungsmittel sparen wollten, Platz für Militärlazarette benötigten und weil sie sich von der Ermordung der Schwachen und Kranken eine Gesundung des „Volkskörpers" versprachen. Die Opfer bezeichneten sie als „lebensunwerte Ballastexistenzen" und „seelenlose Menschenhülsen".
Im Zentrum dieser Dokumentation stehen drei Opfer und deren Hinterbliebene: Emma Dapp, deren Enkel Hans-Ulrich eine Biografie seiner Großmutter geschrieben hat; Martin Bader, dessen Sohn Helmut das Leben des Vaters recherchiert hat; und Dieter Neumaier, der als Kind ermordet wurde und dessen älterer Bruder ihn nie vergessen hat.

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Auf Wiedersehen im Himmel · Die Sinti-Kinder von der St. Josefspflege

Am 9. Mai 1944 werden 35 Waisenkinder, Sinti und Roma, aus dem Kinderheim der St. Josefspflege in Mulfingen bei Schwäbisch Hall nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Die Leitung des kirchlich geführten Kinderheims leistet bei der Deportation keinen Widerstand. Stattdessen fordert sie wegen der entstehenden Unterbelegung neue Kinder beim bischöflichen Ordinariat in Rottenburg an.

Der Völkermord an den Sinti und Roma

Jedes Jahr, am 2. August gedenken Sinti und Roma in Auschwitz ihrer ermordeten Angehörigen. Der Film zeichnet die wichtigsten Stationen einiger Leidenswege nach, fünf Überlebende berichten über ihr Schicksal: Hildegard Franz, deren Mann und drei Kinder in Auschwitz ermordet wurden; Mano und Hugo Höllenreiner, die gerade mal zehn Jahre alt waren, als sie deportiert wurden und die in Auschwitz erfahren mussten, welche Folgen die Experimente des Lagerarztes Josef Mengele hatten; Lily van Angeren, die als Lagerschreiberin die Namen aller Toten registrieren musste. Und Josef „Muscha“ Müller, der in einer Pflegefamilie aufwuchs und nicht ahnte, dass seine leiblichen Eltern Sinti waren. Er hat überlebt, weil seine Pflegeeltern ihn monatelang in einer Gartenlaube versteckt hielten und so dem Zugriff der Behörden entzogen.
Heute gedenken Sinti und Roma aus ganz Europa am 2. August aller ihrer ermordeten Angehörigen. Jedes Jahr kommen sie nach Auschwitz-Birkenau zu einer Totenfeier, und für viele der Überlebenden ist es bis heute schwer, an den Ort ihres Leidens zurückzukehren. Im Sommer 1944 wurde das „Zigeunerlager“ aufgelöst, die noch arbeitsfähigen Sinti und Roma in andere Lager weiterverschleppt. Alle verbliebenen Sinti und Roma wurden danach, in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, ermordet. Es waren 2897 Männer, Frauen und Kinder.

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