Spiele der Welt

Stierkampf in Frankreich | Film

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Ende des 17. Jahrhunderts hat sich auf den „Mas”, den Höfen im Delta der Rhone ein ganz spezieller Volkssport entwickelt: „La course libre” – ein sonntäglicher, sportlicher Zeitvertreib und eine Mutprobe der besonderen Art. Auf den weit verstreuten Höfen in den damaligen Sümpfen der „Petite Camargue” wurden Stieren kleine Trophäen aus Stoff an die Hörner gebunden. Die jungen Landarbeiter versuchten mit großem Geschick den aufgebrachten Tieren die Trophäen zu entreißen. Ein waghalsiges Unterfangen und ein eindrücklicher Beweis für männlichen Mut. Schauplatz des gefährlichen Spiels waren die Innenhöfe der „Domaines”. Die Stiere wurden von den „Patrons”, den Besitzern der Höfe, als Zeichen ihrer „Noblesse” und ihres Wohlstandes aufgezogen. Auch heute lebt diese Tradition in südfranzösischen Dörfern weiter. Einmal im Jahr findet das Fest der „Course Camarguaise” statt, ein besonderer Tag für alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner.

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Wellenreiten auf Hawaii

Sie paddeln auf flachen Brettern ins Meer hinaus und suchen dort nach der perfekten Welle. Riesige Brecher, manche bis zu zehn Meter hoch, entstehen an den Riffen vor Hawaii. Ein einzigartiger „Kick", den es eben nur auf Hawaii gibt – die weltbesten Surfer starten an der Nordküste der Insel Ohahu.
Das Wellenreiten ist eine alte hawaiianische Tradition. Als Kapitän James Cook 1779 auf Hawaii landete, sah er Einheimische, die auf Brettern übers Meer surften – und das nur zum Vergnügen, wie die Seeleute erstaunt bemerkten. Dem Vergnügen hätten die christlichen Missionare im 19. Jahrhundert gern ein Ende gesetzt, denn sie fanden nackte Menschen auf Surfbrettern einfach unzüchtig. Durchsetzen ließ sich das Verbot allerdings nicht. Immerhin war das Wellenreiten für die Hawaiianer eine wichtige Tradition, ein Lebensgefühl. Heute ist Surfen „Funsport“ – weltweit – und damit für die Inseln Hawaiis ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Eissegeln in Schweden

Die Gewohnheit, mit einem Segel und Kufen über das Eis zu rasen, ist in Schweden schon sehr alt. Die Bauern haben früher in strengen Wintern ihre Transportschlitten mit einem Segel zu schnellen Eisflitzern gemacht. Städter machten es ihnen nach, schliffen ihre Schlittschuhe und bastelten sich Segel. Anfangs ein Sport der oberen Klassen, wurde Eissegeln bald eine beliebte Freizeitbeschäftigung für alle. Jeder hatte Schlittschuhe, und ein Segel war nicht teuer. Um schneller zu werden, veränderten die Eissegler ständig Details ihrer Ausrüstung. Mal wurde das Segel verbessert, mal die Kufen der Schlittschuhe erhöht – ein Tüftlertrend, der bis heute anhält.

Stockkampf in Südafrika

„Ein Mann muss immer wehrhaft sein“, sagt man bei den Zulu in Südafrika. Und so lernt dort jeder von klein auf die alte Kunst des Stockkampfs. Gute Reflexe, Mut und Schnelligkeit machen einen perfekten Kämpfer aus. Und je besser sich ein Zulukrieger beim Stockkampf bewährt, desto angesehener ist er in der Stammesgesellschaft. Die Kampftechnik der Stockfechter geht bis zu den Tagen des großen Häuptlings Shaka zurück, der im 19. Jahrhundert mit blutiger Gewalt ein großes Zulureich schuf.
Vor den Kämpfen bitten die jungen Stockkämpfer die Zauberer um Unterstützung. Mit geheimnisvollen Tinkturen reiben die Sangoma die Waffen ein und peitschen die Rücken der Krieger mit Giftschlangen, um ihnen Mut und Kraft zu geben. Die Magie soll beim Siegen helfen. Es geht um die Ehre. Jeder will als großer Krieger gelten und Ruhm für seinen Clan ernten.
Das Zulugesetz erlaubt große Stockkämpfe nur nach wichtigen Zeremonien und Hochzeiten. „Heute wollen wir den Stockkampf nicht mehr gegen andere einsetzen, wir wollen ihn bewahren, als Teil unserer Tradition“, sagt Goodwill Zwelithini, der König der Zulu.

Spiele der Welt SWR Fernsehen

Wrestling in Gambia

Die Trommeln schlagen immer lauter, die Kämpfer umklammern sich mit festem Griff. Das Finale der Ringermeisterschaft hat begonnen. Wrestling ist in Gambia Volkssport Nummer eins. Die besten Wrestler sind Helden, ihre Namen kennt jedes Kind. Das westafrikanische Wrestling hat nichts gemein mit der gleichnamigen amerikanischen TV-Veranstaltung. Bei den Kämpfen in den afrikanischen Dörfern ist alles echt. Der Kampf, der Schmerz und der Sieg. „Wrestling ist so alt wie der Busch“, sagen die Einheimischen. Schon die Kleinsten, kaum dass sie stehen können, üben sich in der alten Kunst. Hartes Training, Mut und der richtige Griff zum richtigen Zeitpunkt sind das Erfolgsrezept eines guten Ringers.
Aber es ist viel mehr als Kraft und Geschick, was einen Wrestlingkampf entscheidet. Die Kämpfe sind eingebettet in feste Rituale. Weise Männer beraten die Ringer und befragen die Zukunft. Geheime Tränke, die die Kämpfer stark machen sollen, werden zubereitet. Das magische Doping ist ausdrücklich erlaubt. Die Trommeln begleiten die Ringkämpfe und heizen Athleten und Zuschauern gleichermaßen ein. „Wrestling ist ein Spiel, das uns alle verbindet. Durch die Ringkämpfe lernen wir uns kennen“, sagt Moses Jammeh, einer der großen Wrestler Gambias. Beim Ringerfest in Kanilai treffen sich alle Wrestler von Rang und Namen. Den ganzen Tag finden unter der glühenden Sonne Kämpfe statt. Wer hier siegt, wird zum Champion gekürt und mit einem rauschenden Fest gefeiert.

Spiele der Welt SWR Fernsehen

Klotzläufe in Brasilien

In stetem Rhythmus tönen die Schläge des Beils aus dem Wald. Dann fällt eine Palme krachend zu Boden. Kurze Zeit später jagen zwei Gruppen Indianer durch die Savanne und messen sich in einem Staffellauf der besonderen Art: Der Stab, den sie sich übergeben, ist ein gewaltiges Stück des Palmstamms. Die beiden 120 Kilo schweren Klötze tragen die Indianer 20 Kilometer weit ins Dorf. Die Frauen rennen genauso weit wie die Männer, allerdings „nur“ mit 80 Kilo schweren Klötzen. Der Brauch der Krahô, einer von 200 Indianer-Nationen Brasiliens, muss irgendwann einen praktischen Grund gehabt haben. Durch die Rennen werden eher schmächtige Menschen zu kräftigen Jägern und Kriegern. Wichtige Eigenschaften für das Indianervolk, das im Wald am südlichen Rand Amazonien lebt. Den Klotz ins Dorf zu schaffen fördert aber auch das Amchekin – Frohsinn und Wohlbefinden für die Gemeinschaft. Der Sport der Krahô ist ein Teil ihrer Weltanschauung: Die Welt kann nur im Gleichgewicht bestehen, zwischen Regen und Dürre, Sommer und Winter, Licht und Dunkel. 200 Jahre Kontakt mit den Weißen haben die Krahô an den Rand des Abgrunds gebracht. Viele vergaßen ihre Bräuche und verfielen dem Alkohol. Jetzt suchen die Krahô, im Einklang mit ihren Traditionen, einen eigenen Weg zum Überleben.

Kyudo in Japan

Bei den Samurai galt das Bogenschießen als die höchste Kunst eines Kriegers. Und im Fall eines Versagens waren die Samurai bereit, ohne Zögern ihr Leben zu opfern. Disziplin, Selbstaufgabe, Gehorsam und Treue bis in den Tod, diese Tugenden bildeten den Ehrenkodex. Heute scheint das Bogenschießen ein japanischer Freizeitsport zu sein. Aber der "Weg des Bogens" ist sehr viel mehr. In Japan gilt Kyudo als geistige Schule zur Entwicklung der Persönlichkeit, die dem Schützen zur inneren Klarheit verhelfen soll. Auch die japanischen Wirtschaftsunternehmen haben den Wert des Kyudo erkannt, manche Firmen stellen ihren Mitarbeitern sogar Übungsräume zur Verfügung. Denn Kyudo, so die Unternehmensphilosophie, fördere nicht nur Konzentration und Disziplin, sondern auch den Respekt gegenüber den Vorgesetzten.

Varzeshe Pahlavani im Iran

Sie stemmen schwere Eisenketten, hantieren mit riesigen Holztafeln und schwingen bis zu 30 Kilogramm schwere Keulen. Der Morshed, der Trommler, gibt mit wechselnden Rhythmen den Ablauf der einzelnen Bewegungen vor. Während er religiöse Verse und mystische Geschichten singt, drehen sich die Sportler blitzschnell um die eigene Achse. „Der Sport der Helden“, wie Varzeshe Pahlavani übersetzt heißt, ist eine der ältesten Kraftsportarten der islamischen Welt. Wie seit Jahrhunderten trainieren die Männer im Iran auch heute noch im „Zoorkhaneh“, dem „Haus der Stärke“. Frauen haben hier keinen Zutritt.
Als im 13. Jahrhundert Reiterhorden aus der Mongolei nach Westen vordrangen, überrannten sie auf ihrem Kriegszug auch Persien. Um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, verboten die Mongolen alle Arten der körperlichen Ertüchtigung. Das trieb die Perser in den Untergrund. Sie trainierten an geheimen Orten mit einfachen Hilfsmitteln wie Ketten, Keulen und Holzschilden. Dies, sagt man, sei die Geburtsstunde des Varzeshe Pahlavani.

Waka Ama in Neuseeland

Vor vielen tausend Jahren ging der Halbgott Maui auf Fischfang in seinem Waka, seinem Boot. Am Haken hing ein Riesenfisch. Aus diesem Fisch wurde die Nordinsel Neuseelands und aus Maui's Boot die Südinsel. So der Schöpfungsmythos der Maoris. Noch heute nennen sie ihr Land „Te waka a maui" – Mauis Boot. Den Spuren des Halbgottes Maui folgend kamen die polynesischen Vorfahren der Maori vor etwa 1200 Jahren nach Neuseeland. Die Polynesier waren großartige Navigatoren – sie durchquerten den Pazifik in einfachen Auslegerbooten, den Strömungen, Sternen und Walen folgend. Ein Versuch, an diese seefahrerischen Wurzeln anzuknüpfen, ist „Waka ama" – Wettrennen in den modernen „Nachfahren" der traditionellen Auslegerboote. Von kurzen Distanzen über zwei Kilometer bis hin zu 20 Kilometern wird gepaddelt. Dieser Sport – mittlerweile im ganzen Südpazifik populär – wird in Neuseeland fast ausschließlich von Maoris betrieben - Weiße sind hier ausnahmsweise in der Minderheit. Der Film porträtiert drei Maori, die sich für das berühmteste der Rennen, das Marathon-Rennen über 20 Kilometer qualifiziert haben und für die „Waka ama" mehr als nur ein Sport ist.

Stelzenlauf in Frankreich

Die Schafhirten an der französischen Atlantikküste hatten es nicht leicht damals, als sie auf unzählige Schafe aufpassen mussten. In der kargen Heidelandschaft verschwanden die Tiere nur allzu schnell im Gestrüpp, und oft suchten die Hirten sie dann stundenlang. Der Boden war nass und sumpfig, und ständig hatte man feuchte Füße. Wer genau die findige Idee mit den Stelzen hatte, weiß man heute nicht mehr. Fest steht jedenfalls, irgendwann haben sich die Schäfer der Atlantikregion erhoben: 1,20 m über den Boden auf langen Stelzen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden das Weideland und die Schafe immer weniger, weil die Sumpfgebiete trockengelegt und mit riesigen Kiefernwäldern bepflanzt wurden. Viele Schäfer mussten sich nach neuen Beschäftigungen umsehen; aber eine Sache blieb erhalten: die „echasses“, die Stelzen. Der Film besucht die heutige Generation der Stelzenläufer in der Region Landes, mutige Männer und Frauen, die sich nicht vor der Höhe fürchten und die Traditionen ihrer Vorfahren lebendig erhalten.

Frauenrodeo in den USA

Frauen klammern sich an wilde Pferde und Stiere, sie fällen Kälber mit dem Lasso oder reiten in wildem Galopp um die Wette. In Jeans und Hut sehen die zierlichen Reiterinnen des Westens aus wie echte Cowboys, aber es sind Cowgirls, die am Rodeo teilnehmen. Und das ist in den USA kaum verwunderlich, blicken die Reiterinnen doch auf eine ebenso lange Tradition zurück wie ihre männlichen Kollegen. Denn auch die Frauen beteiligten sich an der Eroberung des „wilden" Westens. Es waren meist Amerikanerinnen aus der Mittel- und Oberklasse, denn die Reise der Pioniere war teuer. Frauen, die es gewohnt waren von Hausangestellten bedient zu werden, mussten plötzlich in der Wildnis kochen und waschen und gebären, weil sie dem Traum ihrer Männer gefolgt waren. An der „frontier" wuchs ein neuer Frauentypus heran: stark, selbstbewusst, unabhängig.
Frauen treten heute in zwei Arten von Rodeo auf: bei den großen Männer-Rodeos im „Barrel racing", einem besonders populären Rennen, bei dem es um Geschick und Wendigkeit im Reiten geht und bei reinen Frauenrodeos, wo Frauen auch in den „harten" Disziplinen mitmachen, auf Stieren und wilden Hengsten. Im Film zeigt die ehemalige Weltmeisterin Marlene McRae, wie sie ihre Pferde zu Siegern trainiert, und nebenbei ihre Viehranch in Colorado betreibt.

Tamburello in Italien

Jedes Jahr im August feiert die italienische Stadt Treia ein besonderes Fest zu Ehren eines traditionellen Sportes: Bracciale. Unterhalb der Stadtmauer treffen zwei Mannschaften mit jeweils drei Spielern aufeinander. Mit einem martialisch aussehenden „Zacken-Handschuh" aus Holz schlagen sie den Lederball an die Mauer und ins das gegnerische Feld.
Diese Ballsportart hat ihre Wurzeln in der Renaissance, als die Adeligen in ihren Palästen die Spiele für sich entdeckten. Bracciale hatte seinen Höhepunkt an Popularität im 19. Jahrhundert, als in großen Stadien wie in Macerata vor 7000 Zuschauern gespielt wurde. Aber nur das Spiel mit dem Tamburin, Tamburello, überlebte bis in die heutige Zeit als Wettkampfsport. Neun Mannschaften kämpfen in der ersten Liga um die Meisterschaft. Bei Castelferro, einer Mannschaft aus dem Piemont, spielen Ricardo, Alessio und Andrea. Wir begleiten die Spieler in ihrem Alltag, bei der Arbeit und ihrem Sport..

Drachenbootrennen in China

Am fünften Tag des fünften Mondmonats im Jahre 278 vor Christus machten sich im Süden Chinas Fischer auf die Suche nach einem berühmten Leichnam. Der Dichter Qu Yuan hatte sich im Milou-Fluss ertränkt – aus Kummer über sein korruptes Vaterland. Die Fischer wollten seinen Körper bergen, doch die Suche war vergebens. Von da an wurden jedes Jahr um diese Zeit Drachenbootrennen im Gedenken an den beliebten Dichter veranstaltet – so die Legende.
Seit den 80er Jahren ist aus dem Drachenbootrennen ein internationaler Wettkampfsport geworden, der mittlerweile in über 40 Nationen der Welt gepflegt wird. Aber nirgendwo auf der Welt sind die Bootsrennen so spektakulär wie in China, dem Heimatland der Drachen.

Klootschießen und Boßeln in Deutschland

Die Friesen sind ein wehrhaftes Volk. Seeräuber und andere feindlich gesonnene Eindringlinge hat man hier einst mit wohlgezielten Lehmkugeln oder Steinen verjagt. Das Werfen musste geübt werden – so erklärt man heute in Friesland die urtümliche Wochenendbeschäftigung. Beim friesischen Nationalsport, dem Klootschießen und dem Boßeln, fliegen und rollen die Kugeln bis heute. Was früher Dorfkampf war, ausgetragen von Männern in langen weißen Unterhosen, ist heute auch zum „Leistungssport" geworden. Jung und alt trainieren hart. Auch wenn friesische Bauern ihre Knechte heute nicht mehr nur nach ihrer „Boßelfähigkeit" einstellen, hat das Boßeln in Friesland nach wie vor Konjunktur. Alle Verbote, Fürstenedikte und Warnungen des Pfarrers vor den „greulichen Kugelspiel" haben nicht gefruchtet.

Hornussen in der Schweiz

Hornussen ist eine „unschuldig Leibsübung“ oder auch ein „schädlich Ding, ein unseelig Sonntagsvergnügen, das die Jugend verderbe und von der Predigt abhalte“, wie es von der Kanzel klang, verschieden je nach Zeitpunkt und Pfarrer. Ganz sicher ist es ein traditionelles Schweizer Mannschaftsspiel, das besonders in der geographischen Mitte der Schweiz, zwischen Alpen und Jura, sehr beliebt ist. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Hornussen im Emmental feste Sitte und wird dort bis heute eifrig gespielt.

Segelfliegen in Deutschland

„Land der offenen Feuer“ nennt man die Rhön. Der Film zeigt ihre eigenartige und raue Landschaft aus der Perspektive der Segelflieger. Die Rhön gilt als die Wiege des Segelflugs. Die Nachricht vom „Vogelmenschen in der Rhön“ verbreitet sich 1922 blitzschnell, nachdem einer der ersten Flieger über eine Stunde in der Luft blieb und sogar über die hohe Wasserkuppe flog. Bis heute machen die kahlen, waldarmen Höhen, die weite Landschaft und vor allem der ständige Wind das Rhön-Massiv zum idealen Gebiet für Segelflieger. Die Grenznähe zur DDR allerdings schränkte den freien Flug lange Jahre ein. Porträtiert werden junge und alte Segelflieger, die von ihren Erfahrungen und ihrer Begeisterung für das Fliegen erzählen.

Lacrosse in Kanada

„Der kleine Bruder des Krieges" so nannten die Indianer ihr altes Spiel in ihrer Sprache – „Lacrosse" heißt es heute und ist in Kanada fast so populär wie Eishockey. Lacrosse ist ein sehr schnelles Feldspiel – eine Mischung aus Hockey und Handball. Der Ball wird gefangen und gepasst mit einem Schläger, an dessen Ende ein kleines Netz befestigt ist. Seinen Ursprung hat die heutige „Boomsportart" an den großen Seen Nordamerikas.
Der Legende nach haben die Ureinwohner, das Spiel vom „Großen Schöpfer" geschenkt bekommen. Für die Indianer war es immer mehr als nur ein Spiel: Es war eine rituelle Handlung, Verbindung mit den Geistern, Kriegsersatz. Die Missionare wollten den Indianern das „heidnische" Spiel verbieten, doch es überlebte. Denn bald spielten es auch die weißen Eindringlinge sehr gerne. Sie gaben ihm auch seinen heutigen Namen: „Lacrosse". Doch je mehr die Weißen dieses Spiel für sich entdeckten, umso schwieriger wurde es für die Indianer, daran teilzunehmen. 1880 wurden sie ganz vom Spielbetrieb ausgeschlossen.
Neben Exkursionen in die Geschichte begleitet der Film die Spieler zweier Mannschaften auf dem Weg ins Finale der nationalen Meisterschaft: Die Whitby Warriors, eine erfolgreiche „weiße" Lacrosse-Mannschaft und die „Arrows", die Mannschaft des Six Nation Reservats. Denn mittlerweile haben auch die Ureinwohner Kanadas „ihr" Spiel wiederentdeckt – für sie ein wichtiger Beitrag zur Wiederbelebung ihrer indianischen Kultur.

Vovinam in Vietnam

Viet Vo dao, vietnamesische Kampfkünste, sind über 2000 Jahre alt. Die junge Variante Vovinam entstand in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts im Widerstand gegen die Kolonialmacht Frankreich. Der Gründer der Vovinam-Bewegung, Nguyen Loc, analysierte westliche und fernöstliche Kampftechniken und entwickelte Abwehr- und Angriffsstrategien gegen sie. Dabei achtete er darauf, dass die kleinen, aber schnellen und drahtigen Vietnamesen eine möglichst große Wirkung erzielten. Das Ergebnis ist spektakulär: „Sie schleichen sich an wie eine Schlange, steigen hoch wie ein Kranich und stürzen sich wie ein Tiger brüllend auf den Gegner.“

Glima in Island

Die Wikinger - aus Norwegen kommend - besiedeln um 900 n. Chr. Island, ein Land, das mit weiten Weideflächen und reichen Fanggründen lockt und Freiheit und Unabhängigkeit verheißt. Über die Zeit der Landnahme berichten uns die vielen isländischen Familiensagas. In allen Sagas wird gekämpft, manchmal um Leben und Tod, oft jedoch nur, um die Kräfte zu messen - im „Glima“, wie die Isländer ihren Zweikampf nennen. Der isländische Nationalsport findet schon in den Sagas Erwähnung: Glima, ein Ringkampf mit fast 1000-jähriger Tradition.

Stierkampf in Frankreich

Ende des 17. Jahrhunderts hat sich auf den „Mas”, den Höfen im Delta der Rhone ein ganz spezieller Volkssport entwickelt: „La course libre” – ein sonntäglicher, sportlicher Zeitvertreib und eine Mutprobe der besonderen Art. Auf den weit verstreuten Höfen in den damaligen Sümpfen der „Petite Camargue” wurden Stieren kleine Trophäen aus Stoff an die Hörner gebunden. Die jungen Landarbeiter versuchten mit großem Geschick den aufgebrachten Tieren die Trophäen zu entreißen. Ein waghalsiges Unterfangen und ein eindrücklicher Beweis für männlichen Mut. Schauplatz des gefährlichen Spiels waren die Innenhöfe der „Domaines”. Die Stiere wurden von den „Patrons”, den Besitzern der Höfe, als Zeichen ihrer „Noblesse” und ihres Wohlstandes aufgezogen.
Auch heute lebt diese Tradition in südfranzösischen Dörfern weiter. Einmal im Jahr findet das Fest der „Course Camarguaise” statt, ein besonderer Tag für alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner.

Boccia in Italien

Seit Jahrhunderten fasziniert die Menschen das „Spiel mit den Kugeln". Boccia ist die italienische Variante. Menschen aller Altersgruppen und sozialer Herkunft treffen sich, um ihre „Bocce" in die Nähe des „Pallino" zu werfen – und um Wein zu trinken und die neuesten Skandale zu diskutieren. Boccia ist seit dem letzten Jahrhundert auch Sport – mit verbindlichen Regeln und internationalen Wettkämpfen.

Fußball in England

„Manche Leute glauben, beim Fußball geht es um Leben und Tod, doch das stimmt gar nicht. Es geht um viel mehr.“ Die Fans des Fußballclubs von West Bromwich lassen kein Spiel ihrer Mannschaft aus. Schon die Kleinsten kennen die Vereinsfarben ganz genau. Der geliebte Fußball bestimmt seit über hundert Jahren das Leben in Mittelengland. Der Film begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit dieses Sports, der heute nicht nur in seinem Mutterland den Status eines Nationalsports hat.
Der Fußballclub „West Bromwich Albion" ist einer der ältesten in England. Seine Geschichte erzählt jedoch nicht nur vom „Lebensgefühl Fußball", sondern auch vom Aufstieg und Fall einer ehemals blühenden Industrieregion.

Menschenpyramiden in Spanien

Wie ein Donnerschlag dröhnt das Feuerwerk durch die Stadt, die alten Mauern zittern, die Menschen jubeln. Die „Festa major", das Fest zu Ehren des Schutzpatrons, beginnt. Selbst in den entlegensten Winkeln und Ecken Kataloniens knallt und pfeift es, wenn die Prozessionen durch Gassen und Straßen ziehen. Für die Katalanen sind Dorffest und Castells Zeichen ihrer Identität, wie die eigene Sprache, die sie sorgsam pflegen.

Naadam in der Mongolei

Wenn eine mongolische Mutter in der Jurte ihr Kind in den Schlaf wiegt, summt und singt sie von der vergangenen Zeit, als die Mongolen die Welt beherrschten, als die Reiterheere Dschingis Khans auf ihren Pferden über Europa hinwegfegten und die treffsicheren Bogenschützen Angst und Schrecken verbreiteten.
Die Steppennomaden der Mongolei sind heute ein friedliebendes Volk. Ihre kriegerischen Künste haben aber bis heute überlebt - in Wettkämpfen, die jedes mongolische Fest begleiten. Naadam: ein Fest mit traditionellen Ringkämpfen, Bogenschießen und natürlich den Pferderennen. Die Pferde sind der Mittelpunkt des Steppenlebens, sie liefern ein wichtiges mongolisches Nahrungsmittel, die Stutenmilch. Und gute Rennpferde sind der Stolz einer jeden Nomadenfamilie. So sind die Pferderennen auch die Hauptattraktion bei jedem Naadamfest.

Varpa in Schweden

Ein Fest wird auf dem Bauernhof gefeiert. Man hat die Nachbarn von den weit entfernten Höfen eingeladen, und – man fordert sie zu einem Wettstreit heraus: zu „Varpa“, dem Werfen mit großen Feldsteinen. Diese ländliche Idylle auf der schwedischen Insel Gotland wird seit Jahrhunderten beschrieben. Varpa-Steine hat man schon in den Gräbern aus der Bronzezeit auf Gotland gefunden.
Varpa ist ein Zielwurfspiel: Die Spieler versuchen ihre vier bis fünf Kilogramm schweren Steine so dicht wie möglich an einen 20 Meter entfernten Holzstab zu platzieren. Natürlich versucht das auch der Gegner, zum Beispiel indem er den Stein des anderen „wegkickt“. Und ein Wettkampf bedeutet Schwerstarbeit: Mehr als 200 Würfe erwarten einen Spieler im Laufe eines Turniers. Zum Beispiel bei den „Stängaspelen“, der „gotländischen Olympiade“. Tausende Gotländer pilgern jedes Jahr mit Kind und Kegel zu einem Freigelände im Dorf Stänga.
Stangenstoßen ist eine von vielen exzentrischen Sportarten, die auf dem Programm stehen. Mit am längsten dauern die Varpa-Wettkämpfe, denn jedes Dorf ist mit mindestens einer Mannschaft vertreten.

El Pato in Argentinien

„Zeige mir dein Pferd, und ich sage dir, wer du bist“ – in Argentinien hat dieses abgewandelte Sprichwort durchaus noch seine Gültigkeit. Denn auch in Argentinien werden Pferd und Reiter hoch gehandelt. Kein Wunder also, dass auch hier eine Pferdesportart zum „nationalen Kulturgut“ zählt. El Pato wurde erstmals 1610 urkundlich erwähnt. Das Reiterspiel galt damals als eine echte Mutprobe. Abenteuerlustig und ziemlich verwegen stritten die argentinischen Gauchos um eine Ente.
Heute ist es ein seriöser Sport mit festen Spielregeln. Zwei Mannschaften mit je vier Reitern treten auf einem 200 m langen Spielfeld gegeneinander an, und natürlich ist der „Pato“ längst keine Ente mehr: Ein Lederball mit vier Griffen muss in einen Korb am Ende des Spielfeldes geworfen werden – „El Pato“ heute also eine Art Basketball zu Pferde.

Jogo do Pau in Portugal

Am Rande des Dorfplatzes prallen plötzlich Holzstöcke laut krachend aufeinander. Es sieht aus wie ein ernster Streit. Tatsächlich ist es nur ein Spiel: Jogo do Pau. Im Norden Portugals hat das Spiel mit dem Stock, dem „Pau“, eine lange Tradition. Werkzeug und Waffe in einem, war der „Pau“ Jahrhunderte lang selbstverständlicher Begleiter der Bauern und Hirten. Der lange herumwirbelnde Stock jagte jeden Räuber in die Flucht. Auch bei dörflichen Streitereien konnte man den „Pau“ gut gebrauchen. Der alte Stockschnitzer erinnert sich noch gut: „Als ich ein Junge war, da sind wir immer alle mit dem Weidenstock auf die Feste gegangen, mit diesen Stöcken hier. Denn irgendwann, nach ein bisschen Reden und ein wenig Wein, gab's Prügeleien.“ Auch wenn das Stockfechten immer noch hart und rau ist, so geht es heute nicht mehr um das Ausfechten von Liebeshändeln und anderen Zwistigkeiten, jetzt ist Jogo do Pau ein Sport.

Sepak Takraw in Malaysia

Einst herrschten die Briten als Kolonialherren über Malaysia. Sie brachten den Malaien nicht nur ihre Kultur, sondern auch ihre Spiele: Hockey, Cricket, Golf, Tennis und Badminton. Das alte Spiel der Einheimischen hieß Sepak Raga. Bei diesem Spiel musste ein Rattanball möglichst lange mit den Füßen in der Luft jongliert werden. Irgendwann in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen junge Malaien auf die Idee, Sepak Raga auf einem Badmintonfeld zu spielen, über das Netz.
Es war die Geburtsstunde einer neuen, spektakulären Sportart, die in den folgenden Jahren einen Siegeszug durch Südostasien antrat. Sepak Takraw, was soviel bedeutet wie „den Ball kicken“, heißt das malaiische Nationalspiel heute. Ein schnelles Spiel, voller Spannung und Akrobatik. Der Ball ist nun aus Kunststoff und wird mit atemberaubenden Fallrückziehern auf über 140 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Zwei Mannschaften mit jeweils drei Spielern treten gegeneinander an. Der Ball darf mit allen Körperteilen, außer mit den Armen und den Händen gespielt werden. Gewonnen hat die Mannschaft, die zuerst 15 Punkte erreicht. Traum vieler Jungstars: Im Grand Prix Finale die Krone des malaiischen Nationalsports zu erringen.

Rentier-Rennen in Finnland

Wenn im Norden Finnlands die langen und harten Winter zu Ende gehen und das Licht der Sonne allmählich zurückkehrt, dann beginnt für die Samen, die „Ureinwohner" Lapplands, die Zeit der großen Rentier-Rennen. Mit weit heraushängender Zunge jagen die Tiere mit bis zu 70 km/h über Schnee und Eis. Die Läufer, die sie auf Skiern hinter sich herziehen, benötigen oft einiges Geschick um nicht aus der Bahn geworfen zu werden. Die traditionelle Lebensweise der Samen in perfekter Anpassung an die raue und unwirtliche Umgebung ist noch heute lebendig. Damals wie heute steht das Rentier im Mittelpunkt ihrer Kultur, ihrer Feste - und ihrer Wettkämpfe. Die Rentier-Rennen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, werden sogar im Fernsehen übertragen. Die Zucht von guten Renntieren, vor allem aber die Wetten, ohne die kein Rennen denkbar ist, sind zu einem lukrativen Geschäft geworden.
Die faszinierende Schönheit der Landschaft im hohen Norden Europas, das Leben und die Kultur der Samen umrahmen die atemberaubenden Slow-Motion-Bilder der Rentierbullen im Wettkampf.

Ba' Game in Schottland

In Kirkwall, der Hauptstadt der Orkney-Inseln, wird zweimal im Jahr Massenfußball gespielt. Am 25. Dezember und am 1. Januar treten die Männer der Südstadt (Uppies) gegen die der Nordstadt (Doonies) an. Das Spiel beginnt um Punkt 13 Uhr mit dem Einwurf vor der Kathedrale. Der weitere Verlauf ist ungewiss.
Beim Ba’ Game gibt es keine festen Regeln. Es kann Stunden dauern – oder auch nur Minuten. Die Anzahl der Spieler ist unbegrenzt. Uppies und Doonies bringen in der Regel etwa 300 Männer auf die Beine. Mannschaftsfarben gibt es nicht. Wer mitmacht, muss Freund und Feind auch ohne auseinander halten können.
Spielfeld ist die ganze Stadt. Haus- und Geschäftseingänge sind deshalb in der gesamten Innenstadt zwischen Weihnachten und Neujahr verbarrikadiert. Das Spiel ist entschieden, sobald es einer Mannschaft gelingt, den Ball ins eigene Tor zu bringen: Das Uppie-Tor ist eine Straßenkreuzung, das Doonie-Tor das Hafenbecken.
Das Ba’ Game gibt es in seiner heutigen Form seit mehr als hundert Jahren. Der Film porträtiert das Spiel und die prominentesten Spieler beider Mannschaften.

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Planet Schule