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Das Renaissance-Experiment

Kampf um den richtigen Glauben | Unterricht

STAND
Autor/in
Thomas Schmid


Themen
• Christentum
• Religion
• Konfession
• Luther
• Reformation
• Buchdruck

Fächer
• Geschichte
• Religion

Klassenstufen
• ab Klasse 7, alle Schularten

Das historische Mainz als 3D-Grafik. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Mainz im Jahr 1517 – zu Beginn der Reformation SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Im Namen Gottes handelte die Kirche mit Ablassbriefen SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Bezug zu den Bildungsplänen

Unter den inhaltsbezogenen Kompetenzen für die Klassenstufen 7/8/9 findet man in den neuen Bildungsplänen unter der Überschrift „Wende zur Neuzeit – neue Welten, neue Horizonte, neue Gewalt“ die folgende Formulierung für das mittlere Niveau der Sekundarstufe I: Die Schülerinnen und Schüler können … Grundideen der Reformation darstellen und ihre politischen Folgen erklären (Reformation, zum Beispiel Territorialstaat, Konfessionalisierung).

Die prozessbezogenen Kompetenzen sind – in Auszügen – wie folgt formuliert:
Die Schülerinnen und Schüler können …

● historische Fragestellungen und Strategien zu ihrer Beantwortung entwickeln, [indem sie zum Beispiel] …Hypothesen aufstellen (Fragekompetenz).

● fachspezifische Methoden anwenden, [indem sie zum Beispiel] …unterschiedliche Materialien (insbesondere Texte, Karten, Statistiken, Karikaturen, Plakate, Historiengemälde, Fotografien, Filme, Zeitzeugenaussagen) auch unter Einbeziehung digitaler Medien analysieren (Methodenkompetenz).

● geschichtliche Sachverhalte und Deutungen analysieren, beurteilen und bewerten, [indem sie zum Beispiel] … Auswirkungen von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen auf die Lebens- und Erfahrungswelt der Menschen erläutern (Reflexionskompetenz).

● Geschichte als Orientierung nutzen zum Verständnis von Gegenwart und Zukunft, zum Aufbau der eigenen Identität und zur Begründung gegenwarts- und zukunftsbezogener Handlungen, [indem sie zum Beispiel] …die historische Bedingtheit der Gegenwart sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Vergangenheit und Gegenwart analysieren und bewerten (Orientierungskompetenz).

Alle oben genannten Kompetenzen werden mittels des geschilderten Unterrichts auf Basis der SWR-Produktion „Kampf für den richtigen Glauben“ angebahnt.

Beschreibung des Unterrichtsablaufs / Hinweise für Lehrer

Die Einstiegssituation des Unterrichts gestaltet sich so, dass die Lehrkraft nacheinander die folgenden Fragen stellt:

„Wer von euch ist katholisch? Wer evangelisch? Wer würde sich als Christ bezeichnen? Wer gehört einer anderen Religion an?“

Metall-Relief Luthers. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Historisch nicht belegt: Luther schlägt zu Wittenberg seine 95 Thesen an SWR – Screenshot aus der Sendung

Die entsprechenden Schülerinnen und Schüler melden sich jeweils, eine weitere Kommentierung bleibt zunächst aus, allerdings wird zur Problemfrage übergeleitet, warum es innerhalb des Christentums zumindest zwei Konfessionen gibt. Die Schülerinnen und Schüler sollen nun in einer partnerschaftlichen Murmelphase ihre Vermutungen beziehungsweise ihr Vorwissen austauschen. Anschließend werden verschiedene Äußerungen in der Klasse gehört, gegebenenfalls können an der Tafel Notizen gemacht werden.

Die Lehrkraft leitet nun zum Film ‚Kampf um den richtigen Glauben‘ über, weist daraufhin, dass dieser Antworten gibt und verteilt das Arbeitsblatt 1 (eventuell nach den Niveaustufen G, M und E unterschieden). Bevor der Film gezeigt wird, sollte den Schülerinnen und Schülern Lesezeit gegeben werden, um die Aufgabenstellung und einen ersten inhaltlichen Überblick zu erfassen.

Dann erfolgt das Abspielen des Films. Währenddessen und in den Minuten danach füllt die Klasse das Arbeitsblatt aus und fasst somit die Ereignisse rund um die Reformation zusammen.
Schließlich erfolgt die Korrektur – entweder durch Vorlesen der Ergebnisse oder durch Aushang eines Lösungsblattes.

Im anschließenden Klassengespräch werden die Anfangsbemerkungen der Klasse mit dem Filminhalt verglichen. Weiterhin stehen die Bedeutung der Erfindung des Buchdrucks und die Rolle der damals neuen Medien wie Flugblätter und Bücher im Fokus. Unter anderem werden die Schülerinnen und Schüler gefragt, welche Medien sie heute nutzen würden, um wichtige Nachrichten, Behauptungen, Thesen und so weiter zu verbreiten. Außerdem kann auch besprochen werden, ob Flugblätter und Bücher auch heute diesbezüglich noch wichtig sind.

Abschließend wird die Hausaufgabe – Arbeitsblatt 2 – erteilt. Die Schülerinnen und Schüler können auswählen, mit welcher der drei Erfindungen, die im Film gezeigt wurden (Buchdruck, Papier, Druckerschwärze), sie sich vertiefend beschäftigen möchten. Die Lehrkraft sollte die Inhalte und die Aufgabenformate kurz vorstellen:

Unterrichtsverlauf tabellarisch (45-Minuten-Unterricht)
ZeitAktionenSozialformMedien
5‘Lehrkraft fragt nach Konfessions- beziehungsweise Religionszugehörigkeit und leitet zur Problemfrage über, warum es innerhalb des Christentums mindestens zwei Konfessionen gibtPlenum-
5‘Murmelphase und Schüleräußerungen dazuPartnerarbeit, Plenum-
5‘Austeilen des Arbeitsblattes, LesezeitEinzelarbeitArbeitsblatt 1 (G, M, E)
15‘Anschauen des Films, individuelles Bearbeiten der Aufgaben (Filminhalt)EinzelarbeitFilm
5‘Vervollständigen der Lösungen, Korrekturen, Ergänzungen, Vergleich mit anfänglichen Schüler-vermutungenPlenum oder EinzelarbeitLösungsblätter als Aushang
5‘Abschlussgespräch zur Bedeutung der damaligen neuen MedienPlenum-
5‘Überleitung und Erteilung der Hausaufgabe, Vorstellen der verschiedenen VersionenPlenumArbeitsblatt 2 (Versionen a, b und c)
Spielszene: Pfarrer Johannes Brenz. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Der Pfarrer Johannes Brenz verbreitete die Lehre der Reformation im Schwäbischen SWR – Screenshot aus der Sendung

Methodische Erläuterungen

Am Stundenbeginn werden die meisten Schülerinnen und Schüler über ihre eigene Identität aktiviert, indem sie nach ihrer christlichen Konfession gefragt werden. Die Lehrkraft sollte sensibel auf mögliche Nachfragen oder Anmerkungen nicht-christlicher Kinder reagieren. Die Meldungen der (christlichen) Schülerinnen und Schüler geben Anlass zur Problemfrage überzuleiten: Warum gibt es im Christentum mindestens zwei Glaubensrichtungen?

Mit Sicherheit bringen viele Schülerinnen und Schüler Vorwissen mit, zum Beispiel aus dem Konfirmanden- oder Religionsunterricht, oder können diesbezüglich Hypothesen entwickeln. Daher schließt sich die Murmelphase an, welche in ein Plenumsgespräch mit den entsprechenden Äußerungen mündet.

Um den komplexen Filminhalt zu erfassen, wird Arbeitsblatt 1 bearbeitet. Aufgrund der Fülle der Informationen und der relativen Länge des zusammenfassenden Textes ist es wichtig, Lesezeit zur Verfügung zu stellen, um eine kognitive Vorbereitung zu gewährleisten. Die Korrektur kann im Plenumsgespräch oder im Sinne der Eigenverantwortlichkeit über einen Lösungsaushang erfolgen. Im Abschlussgespräch wird auf jeden Fall auf die Hypothesen vom Stundebeginn eingegangen. Den Schülerinnen und Schülern kann sicherlich eine Bestätigung ihres Vorwissens gegeben werden, was stets motivierende Effekte nach sich zieht. Außerdem können falsche oder vage Vermutungen korrigiert beziehungsweise relativiert werden.

Ein weiterführender Gegenwartsbezug – und somit ein bedeutsames geschichtsdidaktisches Grundprinzip – wird mittels der Frage nach heutigen Verbreitungsmedien initiiert. Bei der abschließenden Hausaufgabe soll den Schülerinnen und Schülern die Wahl gelassen werden, mit welcher Erfindung aus jener Epoche sie sich nochmals intensiver auseinandersetzen wollen. Somit wird auf die individuellen Interessen der Jugendlichen eingegangen, was immer einen weiteren Motivationsfaktor darstellt.

Alle Themen zum Schwerpunkt Das Renaissance-Experiment

Kampf um den richtigen Glauben

„Sobald der Gulden im Becken klingt im huy die Seel in Himmel springt“. So ging ein bekannter Werbespruch für Ablassbriefe, mit der die Kirche sich gute „Nebenverdienste“ erwirtschaftete. Für den jungen Mönch Martin Luther hatte die Geld- und Prunksucht der Kirche nichts mit wahrem Christentum zu tun. Allein durch die Gnade Gottes könne der Mensch die Vergebung seiner Sünden und das ewige Leben erlangen. Er vertritt somit Thesen von enormer Sprengkraft. Und er ist ein Meister in der Handhabung der damals neuen Medien, vor allem in der massenhaften Verbreitung von Flugblättern. Auch deshalb werden seine Thesen rasch bekannt und er findet bald treue Anhänger wie Johannes Brenz und Philipp Melanchton. Doch wie funktionierte dieser neuartige Buchdruck? Und wie stellte man billig und massenhaft Papier her? Und die nötige Druckerschwärze, um die Botschaften der Reformatoren unter das Volk zu bringen? In eindrucksvollen Experimenten zeigen wir, wie das vor 500 Jahren gemacht wurde.

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Die Zeit der Entdecker

Die Zeit der Renaissance ist auch eine Zeit der Entdeckungen. Kolumbus entdeckt Amerika, doch seinen Namen gab ein anderer dem neu entdeckten Kontinent: Amerigo Vespucci. Zu verdanken ist dies dem badischen Kartografen Martin Waldseemüller. Der erstellte 1507 die erste Weltkarte mit dem neuen Kontinent. Obwohl er ein Zeitgenosse Christoph Kolumbus‘ war, nannte er den neu entdeckten Kontinent nach dem Seefahrer Amerigo Vespucci. Dessen Reiseberichte hatten Waldseemüller einfach mehr begeistert und überzeugt. Waldseemüller fertigte auch die ersten Globen – natürlich mit Amerika darauf. Leider ist kein einziger erhalten. In einem Experiment wird nach originaler Karten-Projektion ein Waldseemüller-Globus nachgebaut.
Ob Ambrosius Ehinger aus der Nähe von Ulm diesen Globus kannte, als er in Diensten des Handelshauses der Welser nach Südamerika aufbrach, ist nicht bekannt. Gewiss ist jedoch, dass der schwäbische Konquistador das legendäre Goldland Eldorado finden sollte. Denn die Entdeckung der neuen Welt diente vornehmlich einem Zweck: der Ausbeutung von Ressourcen. Gold, Silber und Sklaven sollten die Prunksucht der Renaissance-Herrscher finanzieren. Für Ehinger endete das skrupellose Abenteuer 1533 mit dem Tod. Es erwischte ihn ein Giftpfeil der Indios.

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Der Bauernkrieg

Anfang des 16. Jahrhunderts braut sich etwas zusammen: Die Reformation erschüttert die kirchliche und die weltliche Macht. Hoffnung auch für die meist leibeigenen Bauern auf dem Land. Sie wollen sich nicht mehr in ihr Schicksal fügen. In Memmingen legen die Bauern in zwölf Artikeln ihre Forderungen schriftlich nieder. Diese zwölf Artikel gelten heute, fast 500 Jahre später, als erste Menschenrechtserklärung der Welt. Doch damals will die kirchliche und weltliche Macht den Forderungen nicht nachgeben. Und Luther, Melanchton, Brenz? Sie alle verurteilen die Aufständischen. Die Bauern haben wohl die proklamierte „Freiheit des Christenmenschen“ zu wörtlich genommen. Es kommt zu blutigen Auseinandersetzungen, in denen die Bauern hoffnungslos unterlegen sind, sie kommen nicht an gegen die hochgerüsteten Söldnerheere und vor allem die neuen Kanonen. Diese Hightech-Waffe der Ritter interessiert Bastian Asmus. Der Bronzegießer und promovierte Archäologe versucht mit historischen Mitteln eine spätmittelalterliche Kanone nachzubauen, die im Bauernkrieg zum Einsatz kam. Wir begleiten dieses einmalige Experiment auf all seinen Stationen.

Das Renaissance-Experiment SWR Fernsehen

Ein neuer Blick auf die Welt

Das neue Bild vom Menschen führt zusammen mit den Schul- und Bildungsreformen der Reformatoren zu einem Aufbruch in der Wissenschaft und bringt auch in Deutschland große Denker hervor. So wird zum Beispiel einem kleinen, eher kränklichen Jungen aus Weil der Stadt eine gute Schul- und Universitätsbildung auf Kosten der Landeskasse ermöglicht. Pfarrer wird Johannes Kepler – wie eigentlich geplant – zwar nicht, dafür aber ein berühmter Astronom, der mithilfe der Wissenschaft Gottes Bauplan entschlüsseln will. Seine bahnbrechenden astronomischen Gesetze haben bis heute ihre Gültigkeit. Oder der Mathematiker Wilhelm Schickhard, der eine Rechenmaschine, die alle vier Grundrechenarten mechanisch ausführen konnte, erfand. Eine Weltneuheit. Im Stadtmuseum Tübingen schicken wir den Wissenschaftsmoderator Dennis Wilms ins Rennen, um diesen „Renaissance-Computer“ zu testen. Er besteht das Experiment mit Bravour.

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Die neue alte Kunst

Unter Renaissance – zu Deutsch: Wiedergeburt – versteht man die Wiederentdeckung der Antike im 15. und 16. Jahrhundert. In Kunst und Architektur bewunderte man wieder antike Formen. Diese neue Kunst kam damals von Italien nach Deutschland. Der Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloss ist ein Paradebeispiel für diese neue Renaissance-Architektur – der Film lässt die Schlossanlage in einer aufwändigen 3D-Rekonstruktion wiedererstehen.
In der Kunst arbeitet man nun mit der Zentralperspektive, die dem räumlichen Sehen in der realen Welt nun immer näher kommt. Das gilt für Gemälde, aber auch für den in Mode kommenden Kupferstich. Wir zeigen im Experiment diese Drucktechnik, die heute nur noch wenige beherrschen. Damals boomte die Kupferstecherei, denn die relativ preisgünstigen Druckwerke konnten sich nun auch „normale Menschen“ leisten. Der geschäftstüchtige Protestant Matthäus Merian baut mit seinen Werkstätten in Oppenheim und Frankfurt mit der Kupferstecherei ein Imperium auf. Er setzt konsequent die „Medienrevolution“ fort, die Gutenberg mit dem Buchdruck begonnen hatte.

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Neue Städte für neue Bürger

Nicht im Mittelmeer, sondern am alten Rhein bei Roxheim spielte sich vor 450 Jahren ein Flüchtlingsdrama ab. Männer, Frauen und Kinder, vertrieben aus ihrer Heimat, landeten hier in überfüllten Booten. Es waren protestantische Glaubensflüchtlinge, die in den katholischen Niederlanden um ihr Leben fürchten mussten. Der pfälzische Kurfürst Friedrich III. hatte um 1560 in der gesamten Kurpfalz den protestantischen Calvinismus eingeführt. Die Flüchtlinge kamen ihm gerade recht, brachten sie doch neues technisches Knowhow und protestantische Arbeitsmoral in die Kur-Pfalz. Sie waren hervorragende Gold- und Silberschmiede und Textilspezialisten. Berühmt waren ihre Gobelinmacher. Gobelins, Bildteppiche, waren in den Schlössern der Renaissance sehr beliebt und so zeigen wir in einem Experiment ihre aufwändige Herstellung.
Aus dem aufgelassenen Kloster Frankenthal machten die Glaubensflüchtlinge eine prosperierende Handwerker- und Händlerstadt. Bis der Dreißigjährige Krieg das Glück der Flüchtlinge zerstörte. Es war eine kurze Blüte in Frankenthal. Die Stadt ist ein Beispiel für protestantische Stadtgründungen – aber auch für das fragile politische System dieser Epoche. Die Spaltung durch die Reformation und Gegenreformation hat am Ende ganz Europa zerrissen.

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Thomas Schmid