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Hintergrund: Die Sowjetische Strategie

Ost-West: Ein Wettlauf atomarer Aufrüstung

  • Chruschtschow und Mitglieder der KPdSU (Quelle: dpa) Nikita Chruschtschow und Mitglieder der KPdSU tagen im Kreml in Moskau (Quelle: dpa)

Im Mai 1962 präsentiert der sowjetische Präsident Nikita Chruschtschow im engeren Machtzirkel der sowjetischen Führung seine Idee, auf Kuba Raketen mit Nuklearsprengköpfen zu stationieren.

Die USA hatten sich nach Auffassung von Chruschtschow mit der Stationierung von Jupiter-Raketen in der Türkei und in Italien einen unverhältnismäßig großen Vorteil verschafft. Außerdem waren sie in der Entwicklung strategischer Waffen klar überlegen. Dies könne mit der Stationierung von Raketen auf Kuba verändert werden. Ein zweites Motiv ist für Chruschtschow der Schutz der kubanische Revolution: "Die USA werden nach dem Scheitern in der Schweinebucht weitermachen, nicht mit Söldnern, sondern nun direkt intervenieren – nur Nuklearwaffen können sie stoppen".

Nach mehreren Debatten entscheidet sich der Sicherheitsrat der UdSSR für eine Stationierung von Nuklearwaffen auf Kuba. Eine Abordnung der sowjetischen Luftwaffe und der Roten Armee reist auf die Karibikinsel, um Fidel Castro die Pläne zu übermitteln. Dieser berät sich mit der kubanischen Führungsrunde, den „Vereinigten Revolutionären Organisationen“, über den Vorschlag. Neben Sicherheitsbedenken gegen die gefährlichen Nuklearwaffen auf der Insel, die mit der Stationierung der Waffen automatisch zur sowjetischen Militärbasis wird, überwiegen für die Kubaner jedoch die positiven Auswirkungen des sowjetischen Plans. Sie bedeuten eine Stärkung des sozialistischen Lagers und eine gewaltige Erhöhung der Verteidigungskraft Kubas, die eine Abschreckung jeglicher Invasion von außen bedeutet. Kuba stimmt dem Plan der UdSSR zu.

Atomraketen auf Kuba

Die Luftfeuchtigkeit auf der Karibikinsel liegt bei über 90 Prozent und die durchschnittliche Temperatur bei 35 Grad Celsius. Für die sowjetischen Raketen und besonders für die atomaren Sprengköpfe darf jedoch die Luftfeuchtigkeit nicht über 50 Prozent liegen und die Temperatur nicht über 20 Grad Celsius. Zur Vorbereitung der Standorte für die Raketen werden deshalb kubanische Höhlenforscher eingesetzt, die nach passender Unterbringung suchen. Bauern werden umgesiedelt, Straßen neu gebaut und Brücken verstärkt. Zwischen August und Oktober 1962 werden auf 80 Handelsschiffen die Waffen und rund 42.000 sowjetische Soldaten nach Kuba befördert. Der Transport wird von den westlichen Geheimdiensten zunächst nicht bemerkt, auch wenn es Hinweise auf „verstärkte sowjetische Schiffsbewegung auf dem Atlantik“ gibt. Zur Tarnung haben die Truppen Winterausrüstungen bei sich – Ski, Pelzmützen und Räumfahrzeuge. Der Transport der sowjetischen Raketen von den kubanischen Häfen zu den verschiedenen Standorten auf der Insel erfolgt nachts, Städte und größere Siedlungen werden umfahren. Die Soldaten arbeiten rund um die Uhr, so dass Ende Oktober alle Startrampen für die R-12-Regimenter einsatzbereit sind. Die Mittelstreckenraketen haben eine Reichweite von 2.000 beziehungsweise 4.200 Kilometer und könnten somit von Kuba aus Ziele tief im Territorium der USA mit Nuklearsprengsätzen treffen. Die Transporter mit den R-14-Raketen, die eine noch größere Reichweite haben, sind noch unterwegs. Sie werden die Insel jedoch nie erreichen, denn längst haben U-2-Aufklärungsflugzeuge der USA die sowjetischen Raketen auf Kuba gesichtet.