Collage Bannerbild (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Landwirtschaft ohne Chemie? | Unterricht

STAND
Autor/in
Wolfgang Biederstädt


Themen
• Agrarwirtschaft
• Bio-Anbau
• Umweltschutz
• Böden

Fächer
• Biologie
• Erdkunde
• Gemeinschaftskunde
• Wirtschaft
• Ethik

Klassenstufen
• ab Klasse 9, alle Schularten

Traktor beim Ausbringen von Gülle auf Feld. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Landwirtschaft in Deutschland – zwischen Bioanbau und konventionellem Anbau SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Bioanbau lohnt sich – davon ist Sven Wilhelm überzeugt SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Vorbemerkung zum Einsatz der Sendung

Die Sendung kann im Erdkunde-, Sozialkunde- oder Politikunterricht ab Klasse 9 sinnvoll eingesetzt werden. Das hier angebotene Material ermöglicht eine vertiefende Auseinandersetzung mit zentralen und aktuellen Fragen im Zusammenhang mit konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Werden alle Materialien genutzt, sind sicherlich drei bis vier Unterrichtsstunden anzusetzen.

Das vornehmliche Ziel, das im Unterricht durch die Arbeit mit der Sendung erreicht werden sollte, ist die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen strukturellen Fragen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. In der Sendung geht es schwerpunktmäßig um die Vorzüge biologischen Anbaus und veränderter Arbeitsweisen beim konventionellen Ackerbau.

Darüber hinaus kann der Unterricht die Schüler*innen dazu anregen, ihre Rolle als Verbraucher*innen und ihr Kaufverhalten – welche Produkte kaufe ich bei welchen Anbietern? – kritisch zu reflektieren.

Michael Reber auf einem Feld. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Michael Reber will die ausgelaugten Böden auf natürliche Art verbessern SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Martin Häusling, Europa-Abgeordneter und Landwirt, hält die Agrarsubventionen für falsch SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Methodisch-didaktische Prinzipien bei der Arbeit mit der Sendung

Bei den Arbeitsblättern sind verschiedene methodisch-didaktische Prinzipien berücksichtigt worden, die einen flexiblen und schülerorientierten Unterricht zulassen.

a. Kooperatives Lernen

Moderner Unterricht basiert auf drei Säulen: der direkten Instruktion, dem individualisierten und dem kooperativen Lehren und Lernen. Kooperative Lernformen sind eine lernwirksame Unterrichtsform, bei der sich die Schüler*innen nicht nur individuell mit inhaltlichen Fragen befassen, sondern bewusst die Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit anderen in der Klasse verankert wird. Die Methoden Partner Check, Gruppenpuzzle und Fishbowl kommen zur Anwendung.

b. Digital gesteuerte Aufgaben

Darüber hinaus werden Aufgaben mit Anknüpfungspunkten zum digitalen Arbeiten gegeben. Sie fördern nicht nur das selbstständige Arbeiten, sondern eignen sich gegebenenfalls auch für „home“ beziehungsweise „distance learning“.
Über QR-Codes gelangen die Schüler*innen auf leichte Weise zu weiterführenden Materialien (Sendungen, Internetseiten). Digital-orientierte Aufgaben setzen allerdings voraus, dass im Unterricht Smartphones und andere Endgeräte verfügbar sind. (Kreativtipp: QR-Code-Rallye, Heft 1-2020/2021)

c. Differenzierende Aufgaben

In zunehmend heterogenen Schulklassen hängt der Unterrichtserfolg der einzelnen Schüler*innen unter anderem davon ab, dass sie Aufgaben zur Bearbeitung erhalten, die ihrer individuellen Leistungsbereitschaft und -fähigkeit entsprechen. Die angebotenen Aufgabenstellungen sind unterschiedlich anspruchsvoll gestuft. Es müssen nicht immer alle Aufgaben von allen bewältigt werden. Herausfordernde Aufgaben können als Zusatzaufgaben von leistungsstärkeren Schüler*innen erledigt werden

d. Sprachsensible Formulierungshilfen

Für sprachschwächere Schüler*innen gibt es für manche Aufgaben Formulierungshilfen. Die Schüler*innen sollten ermutigt werden, diese Hilfen kritisch zu sichten und für die Lösung der jeweiligen Aufgaben zu verwenden. Diesem Gedanken liegt zugrunde, dass dem Schreiben im Fachunterricht eine stärkere Bedeutung beigemessen wird und die Schüler*innen in der Regel zunächst Notizen oder Stichpunkte anfertigen, bevor sie mündlich agieren.

Hinweise zum Einsatz der Sendung und der Arbeitsblätter

Einstieg – Vorwissen sammeln

Arbeitsblatt 1 „Einstieg – Begriffe“

Bevor die Schüler*innen die Sendung anschauen, sollten sie sich auf jeden Fall gedanklich mit Fragen der industriellen und ökologischen Landwirtschaft befassen. Zu diesem Zweck erhalten sie einige Schlüsselbegriffe, zu denen sie im Rahmen eines Brainstormings all das Vorwissen sammeln, das ihnen bekannt ist. Sie diskutieren und vermuten, wovon dieser Film wohl handeln könnte. Auf diese Weise können sie Bekanntes mit Neuem verknüpfen und wesentliche Einsichten in die Fragestellungen dieser Sendung gewinnen.

Filmbetrachtung – Beobachtungsaufgaben/Porträts

Arbeitsblatt 2a-e „Porträts“

Während die Schüler*innen den Film anschauen, sollten sie zu ausgewählten Fragen Notizen anfertigen, die anschließend gemeinsam verglichen und diskutiert werden. Da in der Sendung fünf verschiedene Experten, Landwirte und Agrarwissenschaftler, zu Wort kommen, bietet es sich an, die Klasse in fünf Gruppen aufzuteilen, die jeweils die Fragen zu einem der Landwirte oder Agrarexperten beantworten.

Felix zu Löwenstein am Steuer eines Traktors. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Landwirt und Agrarexperte Felix zu Löwenstein wirtschaftet nicht mehr konventionell SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Agrarexperte Tobias Bandel erwartet steigende Lebensmittelpreise SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Gruppe I: Sven Wilhelm, Landwirt
Gruppe II: Michael Reber, Landwirt
Gruppe III: Tobias Bandel, Agrarwissenschaftler
Gruppe IV: Felix zu Löwenstein, Landwirt und Agrarwissenschaftler
Gruppe V: Martin Häusling, Landwirt und Mitglied des Europäischen Parlaments

Bei der Gruppenbildung können arbeitsgleiche Gruppen gebildet werden, wodurch eine gewisse Differenzierung erleichtert wird. Die Arbeitsblätter zu den Porträts der beiden Landwirte sind etwas einfacher zu bearbeiten, die der Agrarwissenschaftler sind etwas anspruchsvoller. Die Beobachtungsaufgaben auf den Arbeitsblättern 2a-e werden von den jeweiligen Gruppen gelöst.

Auf den Arbeitsblättern 2a und 2e finden sich außerdem Zusatzaufgaben für leistungsstarke Lernende: Arbeitsblatt 2a: Die Schüler*innen können nach dem Anschauen des Films der Frage auf den Grund gehen, was das Besondere am Bio-Hof des Landwirts Sven Wilhelm ist, der nach den strengen Regeln für Demeter-Betriebe wirtschaftet.
Arbeitsblatt 2e: Die Schüler*innen können sich im Film noch einmal die Grafik zur Verteilung der EU-Gelder zur Förderung der Landwirtschaft anschauen und sich die Aussagen der Landwirte dazu anhören.

Hier noch Hinweis zu den Plakaten (AB 2a):
Wenn alle Aufgaben gelöst worden sind, werden die Ergebnisse im Plenum präsentiert. Dieses Vorstellen kann mündlich, oder auch in Form eines Galerieganges erfolgen. Zu diesem Zweck kann jede Gruppe die wesentlichen Aussagen auf einem Plakat zusammenfassen und dieses im Klassenzimmer aushängen.

Filmbetrachtung – Bodenbeschaffenheit

Arbeitsblatt 3 „Ackerboden“

Auf Arbeitsblatt 3 geht es um den Ackerboden, die darin vorhandenen Mikroorganismen und um die Auswirkungen, die der Einsatz von chemischem Dünger auf den Boden hat.
Die Schüler*innen schauen dazu die erklärende Animation im Film an (Sequenz Timecode 11:03 – 11:47) und beantworten die Fragen.
Wahlweise können Formulierungshilfen angeboten werden, die das Beschreiben der biologischen Vorgänge erleichtern.

Arbeitsblatt 4 „Umgang mit Lebensmitteln“

Auf Arbeitsblatt 4 wird die Verschwendung von Lebensmitteln thematisiert. Im Film erfahren die Schüler*innen, warum der Biobauer Sven Wilhelm häufig Lebensmittel wegwerfen (oder zweckentfremden) muss. Sie diskutieren in der Gruppe, warum das der Fall ist.
Auch in Privathaushalten werden oft Lebensmittel weggeworfen. Die Schüler*innen reflektieren ihr eigenes Verhalten und tauschen sich in der Gruppe aus.

Konventionelle und ökologische Erzeugnisse – Preise und Kaufverhalten

Arbeitsblatt 5a und 5b

Arbeitsblatt 5a nimmt die Rolle der Verbraucher*innen bei der Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland in den Blick. Die Schüler*innen sollen für Obst- und Gemüsesorten ihrer Wahl die Verkaufspreise bei verschiedenen Anbietern feststellen, vergleichen und überlegen, auf welche Weise Verbraucher*innen durch ihr Kaufverhalten bestimmte Wirtschaftsweisen in der Landwirtschaft fördern können.

Arbeitsblatt 5b regt die Schüler*innen dazu an, ihr eigenes Kaufverhalten und die Gründe, die es dafür gibt, zu reflektieren und sich darüber auszutauschen.
Als Diskussionsform bietet sich ein Fishbowl an.


Methode: Fishbowl
Zum Schluss der Beschäftigung mit der Sendung werden die Vor- und Nachteile der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft in der Form eines Fishbowl diskutiert. Der Vorteil dieser kooperativen Form besteht darin, dass die Ergebnisse nicht nacheinander vor der Klasse präsentiert, sondern in einem Innenkreis vorgestellt und diskutiert werden. Möchte jemand die Äußerungen des/der Gruppensprecher*in ergänzen oder ihnen widersprechen, kann er/sie sich direkt an die Vorredner*in anschließen. Das Besondere an dieser kooperativen Lernform ist, dass sich Schüler*innen aus dem Zuhörerkreis an der Diskussion beteiligen können, indem sie sich auf den leeren Stuhl im Innenkreis setzen und ihren Beitrag vorbringen. So kann eine lebendige Diskussion entstehen.

Schlussbemerkung

Die Sendung „Landwirtschaft – Wie kommen wir weg von der Chemie?“ ist sehr aktuell und betrifft uns alle mehr oder weniger direkt in unserem Alltag. Da Verbraucher*innen durch ihr Kaufverhalten unmittelbar großen Einfluss auf die Art der Erzeugung und die Preise von Lebensmitteln haben, trägt dieser Film in hohem Maße zum durch Expertise geprägten und nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln und der Achtung vor der Bedeutung der Landwirtschaft in einem großen Industriestaat wie Deutschland bei.

STAND
Autor/in
Wolfgang Biederstädt