zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Unter Wasser

Fische

Unterwassertiere schnuppern naturgemäß nicht in der Luft herum. Es lässt sich daher nicht genau zwischen Geruchssinn (bei Landtieren eigentlich die Wahrnehmung flüchtiger, gasförmiger Stoffe) und Geschmackssinn (bei Landtieren die Wahrnehmung von gelösten Stoffen) unterscheiden. Versteht man unter Geruchssinn jedoch die Fernwahrnehmung von Stoffen, so stellt man fest, dass einige von den Unterwasserbewohnern ein phänomenales Riechvermögen besitzen.

Der Geruchssinn der Fische

Das Hauptriechorgan der Fische besteht aus zwei Riechgruben, die ständig von Wasser durchspült werden. Aber auch an den Flossen und am Körper vieler Fische existieren Sinneszellen, die Geschmacksstoffe wahrnehmen.

Besonders ausgeprägte Riechfähigkeiten besitzen solche Fische, die während ihres Lebens weite Wanderungen zurücklegen müssen wie Lachse und Aale.

  • Aal (Quelle: SWR) Aale haben hervorragende Riechfähigkeiten

Aale

Aale werden im Meer geboren, vermutlich in der Sargasso-See nahe den Bermudas im Atlantischen Ozean. Die jungen Aale wandern von hier weit weg: in die Süßwasserflüsse und Seen Europas, in denen sie über mehrere Jahre heranwachsen. Schließlich - fast am Ende ihres Lebens wartet auf sie die größte Herausforderung: Sie müssen die etwa 6.000 km zurückschwimmen in ihre Heimatgewässer – nur dort können sie erfolgreich Nachwuchs in die Welt setzen. Warum das so ist, weiß noch niemand so genau.

Aber wie findet ein Fisch, der weder über eine Landkarte noch über ein GPS-Gerät verfügt, in den Weiten des Ozeans zurück? Er kann sich auf sein ausgezeichnetes Geruchsvermögen verlassen: Er kann damit Duftstoffe wahrnehmen, die im Wasser in äußerst geringen Konzentrationen vorkommen. Zudem kann er stereoskopisch riechen. Seine Nasenöffnungen sind zwei kleine Röhrchen, mit denen der Aal die Richtung, aus der Geruch und Geschmack kommen, genau orten kann.

Aale können das Aroma eines toten Fisches auf sehr große Entfernungen wahrnehmen. Sie sind die Weltmeister im Riechen unter den Wirbeltieren und den Hunden weitaus überlegen. Angler, die ihnen nach dem Leben trachten, wissen dies genau. Sie bieten ihnen Wurmstückchen am Haken an, da diese Stückchen stärkere Duftwirkung als intakte Würmer haben. Und sie unterlassen es tunlichst zu rauchen: Ein Aal kann Zigarettenqualm wahrnehmen und als seltsamen, störenden Geruch registrieren, in dessen Nähe er sich besser nicht begeben sollte.

  • Lachs (Quelle: SWR) Lachs

Lachse

Ähnlich wie der Aal muss auch der Lachs weite Strecken im Laufe seines Lebens zurücklegen. Mit einem Unterschied: Er wird im Fluss geboren und wandert ins Meer. Schließlich sucht auch der Lachs "seinen" Fluss wieder auf, um zu laichen. Dabei orientiert er sich am Erdmagnetfeld und am Geruch. Nur dieser eine Fluss riecht für den Lachs wie sein Fluss.

Haie

  • Sandtigerhai (Quelle: picture-alliance) Sandtigerhai

Haie riechen Blut

Kaum vorstellbar, dass es Lebewesen gibt, die einen Tropfen Flüssigkeit in einem wassergefüllten Schwimmbad riechen können. Haie können es. Man sollte möglichst nicht mit einem aufgeschlagenen Knie und einem Hai gemeinsam in ein Becken steigen. Denn ein Hai würde einen schnell riechen und vermutlich fressen, obwohl Menschen nicht zu seiner bevorzugten Beute gehören – er bevorzugt Fische und Robben.


Haie riechen Blut in einer Verdünnung von 1 zu 10 Milliarden. Diese enorme Fähigkeit sichert ihnen das Überleben. Sie sind darauf angewiesen, in der Weite des Ozeans Nahrung zu finden. Sie sind deshalb spezialisiert auf Geruchsstoffe, die ihnen Beute versprechen: Aminosäuren, also die Bausteine der Eiweiße. Sie sind in tierischen Zellen und im Blut reichlich vorhanden und werden schon in minimaler Konzentration wahrgenommen. Zucker dagegen riechen sie nicht.

  • Hai (Quelle: picture-alliance) Nasenöffnung des Hais

Gehirn und Geruchsorgan

Untersuchungen an Haien haben gezeigt, dass ihr Riechzentrum zwei Drittel ihrer Gehirnmasse ausmacht. Dies zeigt die enorme Bedeutung des Geruchssinns für diese Tiere.

Ihre Geruchsorgane liegen seitlich vorne an der Schnauze. Während der Hai schwimmt, spült ein ständiger Wasserstrom durch seine ovalen, länglichen Nasenöffnungen. Das Wasser gelangt in die dahinter liegenden Blindsäcke, deren innere Oberfläche aus zahlreichen Einfaltungen, dem Riechepithel, besteht. Seine Oberfläche ist voller Rezeptorzellen, die kleinste Mengen "fremder" Stoffe im Wasser wahrnehmen können.

Ein Hai nimmt über den Geruchssinn aber nicht nur die Fährte eines potentiellen Beutetiers auf, sondern er bemerkt hierüber auch drohende Gefahr.

Dies machen sich die Menschen zunutze: Sie versuchen Haie abzuschrecken, indem sie riechende Substanzen ins Wasser geben, deren Geruch Haien bekannt ist und die sie als gefährliche Stoffe kennen gelernt haben.

Wale

  • Schweinswal (Quelle: picture-alliance) Ein Schweinswal - ein Meeressäuger in Nord- und Ostsee

Wale sind Säugetiere. Sie haben daher ganz andere Orientierungsweisen entwickelt als die Fische. Die Wahrnehmung von Schall ist für Wale vermutlich wichtiger als die Geruchswahrnehmung. Weil der Riechnerv bei allen Walen vollkommen zurückgebildet ist, hat man auch die Riechzonen nicht näher untersucht und lange Zeit einfach behauptet, Wale könnten nicht riechen. Dies geschah möglicherweise auch, um sie ganz allgemein als gefühllos hinzustellen und so das Abschlachten der Wale zu rechtfertigen.


Nun hatte man aber bei Bartenwalen früher schon große Riechfelder gefunden und vermutet, dass die Wale vielleicht doch einen verkümmerten Geruchssinn haben könnten. Schließlich wurden 1989 in der Nase des Schweinswals große Felder gefunden, die mit Riechhäuten bedeckt sind und deren Riechzellen voll funktionieren. Da der eigentliche Riechnerv fehlt, sind diese Sinneszellen über den Trigeminusnerv mit dem Gehirn verbunden.

Weitere Informationen zum Thema