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Hintergrund: Säugetiere

Hunde

Wie kann bloß ein großer Schäferhund einen winzigen Yorckshire-Terrier, der viel mehr nach Meerschweinchen als nach Hund aussieht, als Artgenossen erkennen? Er erkennt ihn als Hund mit seiner Nase. Hunde können viel mehr Gerüche unterscheiden als der Mensch und erkennen einen Duft schon bei winzigsten Konzentrationen. Gegen sie erscheint der Mensch fast "riechblind".

  • Spürhund (Quelle: picture-alliance / dpa) Trainierte Hunde können so gut riechen, dass sie sogar verstecktes und eingewickeltes Rauschgift erschnüffeln
  • Grafik (Quelle: Penzlin, Heinz, "Lehrbuch der Tierphysiologie", Gustav Fischer Verlag, Stuttgart) Naseninnenraum bei Mikro- und Makrosomaten

Gute Riecher

Nicht umsonst haben die Hunde und andere besonders duftsensible Tiere wie Füchse oder Rehe lange Schnauzen.

In diesem Schnauzenraum liegen die Nasenknochen aufgefältelt zu den "Turbinalia", die eine große Oberfläche für die Riechschleimhäute bieten. Der Hund besitzt mit 220 Millionen Riechzellen zehnmal mehr als der Mensch.

Solche, mit extrem gutem Riechvermögen ausgestatteten Tiere nennt man "Makrosmaten". Die meisten Säugetiere gehören in diese Gruppe, nicht aber der Mensch, der zu den "Mikrosmaten" gerechnet wird.

Hunde haben aber nicht nur viel mehr Riechzellen, ihre Zellen sind auch sensibler als die des Menschen. Und schließlich haben Hunde sogar noch die bessere Schnuppertechnik. Um die Riechzellen nicht zu ermüden, atmen sie stoßweise. Mit ihren vielen kurzen Atemzügen gelingt es ihnen, extrem viel besser zu riechen als ein Mensch: Der Hund kann schätzungsweise eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch "nur" 10.000.

Diese Fähigkeit des Hundes nutzen Menschen schon seit vielen Jahrtausenden für ihre Zwecke. Hunde helfen ihnen beim Hüten des Viehs, beim Bewachen des Hauses, beim Jagen von Beute. Aber auch für sehr viel speziellere Aufgaben werden Hunde wegen ihrer Supernasen genutzt. Hunde werden ausgebildet, um Opfer unter Lawinen oder Trümmern zu finden, um Drogen aufzuspüren, um Minen in Minenfeldern zu entdecken. Sogar manche Krebserkrankungen können von speziell ausgebildeten Hunden anhand des veränderten Geruchs von Körperflüssigkeiten erkannt werden.

Geruchsproben von Verdächtigen

Eine besonders makabre Art der Ausnutzung des Geruchssinns von Hunden fand unter dem Regime der DDR statt: Von verdächtigen Personen wurden Geruchsproben gesammelt, zum Beispiel, indem sie beim Verhör auf ein spezielles Kissen gesetzt wurden, das dann luftdicht aufbewahrt wurde und so eine eventuelle Verfolgung durch Hunde ermöglichte.

Nagetiere

Zu den Säugetieren mit besonders gutem Riechvermögen gehören die Nager: Mäuse, Ratten und Hamster. Menschen nutzen dies aus, um sie in eine Falle mit wohlriechendem Speck oder ähnlichem zu locken. Aber ihr Geruchssinn dient den Nagetieren nicht nur dazu Nahrung zu finden oder Feinde zu erkennen, sondern bewirkt eine regelrechte Familienplanung ...

  • Maus (Quelle: SWR) Maus

Mäuse

Lebt ein junges Mäuseweibchen in Gesellschaft anderer , bereits geschlechtsreifer Weibchen, so kann seine eigene Geschlechtsreife verzögert werden. Wie kann es dazu kommen?

Forscher konnten beweisen, dass weibliche Mäuse durch Pheromone, die sie mit dem Urin ausscheiden, eine Geruchsbotschaft senden. Diese verhindert, dass bei anderen Weibchen Geschlechtshormone ausgeschüttet werden. Das junge Weibchen wird also nicht zum gleichen Zeitpunkt geschlechtsreif wie die dominanten Mäuseweibchen.

Umgekehrt ist es bei der Gesellschaft von Männchen: Die Pheromone im Urin eines Männchens bewirken, dass ein Mäuseweibchen sogar früher als sonst geschlechtsreif wird! Und es kommt noch erstaunlicher: Dies gelingt nur dann, wenn das Männchen mit dem jungen Weibchen nicht verwandt ist! Duftbotschaften der anderen Mäuse greifen in die körperliche Entwicklung eines Tieres ein oder anders ausgedrückt: Die Pheromone von Artgenossen steuern die Produktion der Hormone einer Maus. Zudem müssen die Pheromon-Düfte sehr fein differenziert sein, die Düfte von verwandten Tieren wirken anders als die Düfte von nicht verwandten.

Auch bei den Mäusen geht das chemische Signal, das die anderen Mäuse schicken, über die "Pheromon–Nase". Diese schickt ihre Botschaft ans Gehirn, das seine Botschaft an die Hypophyse gibt, die ihre Botschaft an die Geschlechtorgane sendet, die dann zur Geschlechtsreife heranwachsen.

  • Ratten (Quelle: SWR) Ratten haben einen hervorragenden Geruchssinn

Ratten

Ratten sind geruchstechnisch gesehen schlaue Tierchen. Indische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese Nagetiere über die Fähigkeit des Stereo-Riechens verfügen. Wörtlich bedeutet dies, dass sie Gerüche räumlich wahrnehmen: Sie können genau unterscheiden, ob ein Duft von links oder von rechts kommt, indem sie feststellen, ob der Geruch zuerst das eine oder das andere Nasenloch erreicht. Man vermutet, dass auch andere Säugetiere räumlich riechen können. Bewiesen ist es aber noch nicht.

  • Goldhamster (Quelle: picture-alliance / OKAPIA KG) Syrische Goldhamster

Hamster

Syrische Goldhamster leben allein und wollen nichts voneinander wissen. Mit einer Ausnahme: bei der Paarung. Damit das Männchen nicht ständig nervt, unerwünscht zu Besuch kommt und dann unverrichteter Dinge abziehen muss, sagt das Weibchen ihm Bescheid, wenn es so weit ist. Es legt eine Duftspur in seinen Bau, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd.

Das Männchen folgt dieser Spur in den Bau. Hier passiert zwanghaft immer das gleiche. Das Weibchen zeigt durch eine starre Haltung seine Paarungsbereitschaft an. Das Männchen beschnuppert das Hamsterweibchen an der Wangendrüse, dann an den Flanken und schließlich im Genitalbereich. Das Vaginalsekret des Weibchens enthält ein bestimmtes Sexual-Pheromon, das Aphrodisin. Saugt das Männchen mit der Atemluft dieses Molekül ein, gelangt das Aphrodisin in die Pheromon-Nase des Männchens. Nun weiß es: Es kann (es muss!) das Weibchen begatten.

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