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Lebensräume · Im Fluss

Hochwasser in den Rheinauen | Unterricht

STAND
Autor/in
Thomas Schmid

Bezug zu den Bildungsplänen

Der Mensch verändert von jeher die Welt, in der er lebt, um sie seinen Bedürfnissen mehr und mehr anzupassen. Das Fach Geographie sowie die ihm zugeordneten Fächerverbünde verfolgen unter anderem das Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Raum und die Abhängigkeiten von Naturkräften zu analysieren. Dabei soll regional bezogen gearbeitet werden, um die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf gewisse Räume zu beschreiben.

Für die Klassenstufen 5 und 6 bietet es sich daher an, das gewaltige Projekt der Rheinbegradigung unter den genannten Gesichtspunkten genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Film „Leben mit dem Hochwasser – Rheinauen“ stellt die Grundmotivation zur Umgestaltung, die daraus resultierenden Vor- und Nachteile für Mensch und Umwelt und die neu entstandenen Naturräume äußerst anschaulich dar und ermöglicht zudem fächerübergreifendes Unterrichten mit den Naturwissenschaften.

Alte Landkarte mit blau eingezeichnetem Rhein. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
19. Jahrhundert: der Rhein vor der Begradigung SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
20. Jahrhundert: der Rhein nach der Begradigung SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Überschwemmungen sind eine Folge der Flussbegradigungen SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Unterichtsablauf

Zu Beginn des Unterrichts zeigt die Lehrkraft die beiden kontrastierenden Kartenfolien zur Rheinbegradigung nacheinander (Info-Blatt/Folie). Die Schülerinnen und Schüler beschreiben zunächst die Karte von 1844, dann die von 2007. Wiederholend kann dabei auf wesentliche Deutungsschritte der Karteninterpretation eingegangen werden (Verortung, Farbgebung, Zeichen, …). Im anschließenden Unterrichtsgespräch werden die Unterschiede bzw. die Landschaftsveränderung, insbesondere der modifizierte Flusslauf deutlich betont.

In einer von der Lehrkraft initiierten Murmelphase soll sich die Klasse in Zweier- oder Dreier-Teams Gründe für den enormen Eingriff des Menschen in die Landschaft, hier durch die Rheindurchstiche, überlegen. Die Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler werden anschließend gesammelt und gegebenenfalls an der Tafel notiert.

Nun weist die Lehrkraft darauf hin, dass der Film „Leben mit dem Hochwasser – Rheinauen“ Antworten zur Ausgangsfrage bietet und so einen Vergleich mit den genannten Vermutungen einleitet. Dazu wird das Arbeitsblatt 1 „Wasserwelt“ ausgegeben. Die Schülerinnen und Schüler sollen es, soweit möglich, bereits während des Betrachtens des Films ausfüllen. Dieser wird nun eingespielt.

Nach Filmende sollte die Klasse Gelegenheit haben, ihre Notizen zu ergänzen beziehungsweise mit dem Nebensitzer abzugleichen. In der Nachbesprechung wird das Arbeitsblatt korrigiert. Dabei werden die angerissenen weiterführenden Themen zu Vor- und Nachteilen der Begradigung sowie deren technische Anforderungen besprochen. Auf die Schülervermutungen vom Stundenbeginn wird ebenfalls Bezug genommen.

Abschließend erhalten die Kinder die Möglichkeit differenziert und nach eigenen Interessen weiter am Thema zu arbeiten. Dazu werden die beiden Arbeitsblätter „Pflanzenwelt“ und „Tierwelt“ kurz vorgestellt und zur freien Auswahl angeboten. Die Korrektur dieser Aufgaben kann mittels Lösungsaushang in der Folgestunde geschehen.

Auwald – Bäume stehen in flachem Wasser. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Natürlicher Hochwasserschutz für den Menschen: Auwald SWR – Screenshot aus der Sendung

Methodische Erläuterungen

Die Stunde beginnt mit einem „urgeographie-didaktischen“ Einstieg: Der Karten-Vergleich wiederholt und fördert einerseits fachspezifische methodische Kompetenzen. Zugleich führt er zur Problemfrage, warum die Rheinbegradigung aus Sicht des Menschen nötig wurde, heran. Schülern nun die Chance zu geben, eigene Hypothesen diesbezüglich zu formulieren, steigert Motivation und Interesse am Lerngegenstand und unterstützt Lernprozesse erheblich, da später bei der Lösungsfindung an bereits Angedachtes angeknüpft werden kann. Die Schüler können sich online bei Google Maps oder Google Earth die Region zwischen Karlsruhe und Speyer ansehen, wo man die alten Flussschleifen noch wunderbar sieht.

Das erste Arbeitsblatt ist so konzipiert, dass es sehr rasch, quasi bei „laufender Kamera“, zu bearbeiten ist. Die Kinder müssen keine Wörter oder gar Sätze schreiben, sondern kommen beispielsweise durch Ankreuzen und Unterstreichen zu den gewünschten Lösungen.

Im letzen Teil des Unterrichts kann dann eigenen Neigungen nachgegangen werden (Arbeitsblätter 2 und 3). Erfahrungsgemäß ist das Interesse an der Natur in den Klassenstufen 5 und 6 so hoch, dass die Rätsel-Aufgaben sicher mit großer Freude angegangen werden.

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3000 Meilen gegen den Strom

Jahrtausendelang schwammen im Rhein mehr Lachse als in jedem anderen Fluss Europas; für die Fischer waren sie der wichtigste Fang. Doch die ungehemmte Industrialisierung machte im 20. Jahrhundert aus dem Lachsfluss eine Kloake. Giftige Abwässer, Kanalisierung und Staustufen führten dazu, dass die anspruchsvollen Fische Ende der 1950er Jahre ausstarben. Doch das Unglaubliche ist gelungen. Ein Aktionsplan der Rheinanlieger hat dafür gesorgt, dass die majestätischen Fische zurückgekehrt sind. Das Team verfolgt den Weg der Lachse von Grönland bis zur Rheinmündung, von Rotterdam bis zu ihren Laichgründen an der Sieg und im Elsass. Zum ersten Mal erlebt der Zuschauer den Rhein aus Fischperspektive.

Hochwasser in den Rheinauen

Natürliche Auwälder sind rar geworden. Um den Rhein zu einer der größten Wasserstraßen Europas zu machen, wurde er begradigt, vertieft und eingedeicht. So haben nicht nur viele Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum verloren, auch die Hochwassergefahr für die Anwohner ist gestiegen.
Polder, ökologische Flutungen und Renaturierungsmaßnahmen können beidem entgegenwirken. Wo der Wald regelmäßig überschwemmt wird, entsteht ein ganz besonderes Ökosystem, in dem sich seltene Arten wie Kammmolch und Eisvogel wohlfühlen. Bei Hochwasser können sich die Fluten hier verteilen, ohne menschliche Siedlungen in Mitleidenschaft zu ziehen. Ein aufwändiges Netz von Schleusen und Kanälen ist erforderlich, um die Nachteile der Flussbegradigung wieder auszugleichen.

Leben mit dem Hochwasser SWR Fernsehen

Naturparadies Donaudelta

Das Donaudelta ist eine noch weitgehend unberührte Naturlandschaft, ein Paradies für über 170 Vogelarten, die hier brüten, für Schlangen und zahlreiche weitere Tiere und Pflanzen. Damit es dabei bleibt, wurde im rumänischen Teil des Deltas ein Biosphärenreservat eingerichtet. Hier sollen Mensch und Natur im Einklang leben. Der Tierfilmer Otto Hahn suchte die unterschiedlichsten Biotope an der Mündung der Donau ins Schwarze Meer auf und entdeckte Krauskopf-Pelikane, Löffler, Bienenfresser, Stelzenläufer, Sumpf-Schildkröten, Würfelnattern und Ziesel.

Natur nah: Naturparadies am Schwarzen Meer SWR Fernsehen

1. Vogelparadies am Wüstenrand

Für viele Menschen im Sahel ist Wasser knapp. Heiße Winde wehen aus der Sahara heran und machen den Senegalesen das Leben schwer. Doch jedes Jahr im Herbst ändert sich die Situation. Nach ergiebigen Regenfällen tritt der Senegal über die Ufer, verändert das Land und auch den Djoudj- Nationalpark. Wo kurz zuvor noch der Boden in der Sonne glühte, erstrecken sich flache Lagunen, von farbenprächtigen Lotusblumen bedeckt. Es entsteht eine Lebensfülle, die ihresgleichen sucht. Millionen Zugvögel aus Europa treffen ein, und Tausende Pelikane ziehen hier ihren Nachwuchs auf. Sie fischen im Senegal-Fluss, in dem sich jetzt die Fische tummeln und der Nilkrokodile, Warane, Kormorane, Schlangenhalstaucher und auch die Menschen ernährt. Die Männer trocknen den Fisch in der Sonne; als Stockfisch wird er ins Landesinnere transportiert. Die Frauen ernten Lotusfrüchte und verfeinern damit den Couscous. Auch Warzenschweine haben es auf die nahrhaften Samen abgesehen, und Warane räubern Eier aus der Pelikankolonie. Alle sorgen vor, denn die Zeit des Überflusses wird bald vorbei sein.

2. Vogelparadies am Wüstenrand

Anfang Januar ist vom bevorstehenden Mangel im Djoudj-Nationalpark noch nichts zu spüren. Pelikane kreisen auf ihren Streifzügen über dem Delta des Senegal. Sie fischen in Gruppen und brauchen an manchen Stellen nur den Schnabel ins Wasser zu tauchen, und schon zappelt ein Fisch im Kehlsack. Kormorane leben auch auf Klippen über dem Meer. Die Küstengewässer im Westen Afrikas gehören zu den fischreichsten der Welt. Dennoch haben es die 50.000 Küstenfischer schwer, ihre Familien zu ernähren, seit immer mehr Trawlerflotten aus Europa hier kreuzen. Im Februar steht das Wasser im Djoudj-Nationalpark nur noch in kleinen Senken. An der größten Lagune kommen Heerscharen von Tieren zusammen – eine Million Enten sind keine Seltenheit. Die letzten Winterwochen bringen sie hier zu, bevor es wieder in die Brutgebiete geht, bis nach Sibirien. Die Dornbuschsavanne am Rande des Deltas ist jetzt schon ausgetrocknet. Die Peulh, ein halbnomadisch lebender Hirtenstamm, schöpfen Wasser aus über 60 Meter tiefen Brunnen. Ihr Vieh hat nur noch wenig zu fressen. Andere Stämme kratzen jetzt Salz zusammen, an Stellen, wo das Meer das Delta einst überflutete. Harte Arbeit für bescheidenen Lohn. Pelikane, die Ende Februar noch nicht flugtauglich sind, haben keine Chance zu überleben. Denn die Überschwemmungsgebiete am Rande der Wüste sind Paradiese auf Zeit. Erst mit der neuen Flut, nach Monaten der Dürre, kehrt das Leben zurück.

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Autor/in
Thomas Schmid