Bannerbild (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Internationale Krisen

Jugoslawien | Unterricht

STAND
Autor/in
Christina Lüdeke
Markus Streb

Allgemeine Unterrichtshinweise:

Anhand des Jugoslawienkonflikts lassen sich Fragen zu internationaler Friedenssicherung und zur UN beantworten. Diese Themenkomplexe tauchen explizit in den Bildungs- und Lehrplänen in den gesellschafts- und gemeinschaftskundlichen Fächern sowie in Geschichte auf. Der Film erläutert die historischen Ursachen des Jugoslawienkonflikts und knüpft an die aktuelle politische und soziale Situation an. Er eignet sich, um die heutige Rolle des ehemaligen Jugoslawiens in Europa zu erläutern. Unter anderem lassen sich Bezüge zu den seit 2015 intensiver gewordenen Debatten um Flucht und Migration herstellen.

Das Material besteht aus sechs Arbeitsblättern. Die komplexen Zusammenhänge werden im Film sehr komprimiert dargeboten. Für die Erarbeitung kann es hilfreich sein, wenn die Schüler den Film nicht nur einmal gemeinsam anschauen. Wenn sie darüber hinaus die Möglichkeit haben, den Film am PC, auf Tablets oder auf eigenen Smartphones im individuellen Tempo noch einmal sehen zu können, erleichtert das gerade schwächeren Schülern die Bearbeitung der Aufgaben.

Kinder im Slum (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
2015: Im Kosovo herrscht große Armut SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
1998: Multinationale Truppen sollen den Frieden in Bosnien-Herzegowina militärisch überwachen SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Für viele Menschen aus den Balkanstaaten ist die Flucht nach Westeuropa der einzige Ausweg SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Lernziele:

Die Schülerinnen und Schüler verstehen und analysieren einen ethnisch motivierten Konflikt, der nach wie vor Auswirkungen auf die Situation in Europa hat. Sie lernen Handlungsstrategien der internationalen Gemeinschaft kennen und analysieren und bewerten deren Erfolg beziehungsweise deren Scheitern. Sie erwerben historisches Faktenwissen und Wissen zu politischen Institutionen, die auch auf andere Krisen wie auch auf die Tagespolitik angewandt werden können. Die Schülerinnen und Schüler können komplexe Sachverhalte übersichtlich zusammenfassen und vorstellen. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit aktuellen Fluchtursachen. Sie erweitern ihre Medienkompetenz.

Unterrichtsablauf:

Zu Beginn betrachten die Schülerinnen und Schüler als stummen Impuls die Sequenz aus dem Film (TC 01:00-01:25) Sie äußern spontan ihr Vorwissen und ihre Vermutungen über den Konflikt. Anschließend betrachten sie gemeinsam den Film in mehreren Sequenzen, die sie nacheinander bearbeiten. Zunächst fassen sie den historischen Ursprung des Konflikts zusammen. Danach beschäftigen sie sich mit der Zuspitzung der Krise und der Rolle der internationalen Gemeinschaft in den 1990er Jahren. Den letzten Teil der Erarbeitungsphase bildet die Analyse der aktuellen Situation und der filmischen Mittel, mit denen sie dargestellt wird. Um das erworbene Wissen zu sichern, erstellen die Schüler einen Krisensteckbrief.

PhaseInhaltSozialformMedien
EinstiegStummer ImpulsPlenumPC / Beamer
Aktivierung von VorwissenGruppenarbeitBlätter für Zettellawine
MedienanalyseEinzelarbeit / PlenumArbeitsblatt 1
PräsentationFilmvorführung
ErarbeitungGeschichtlicher VerlaufEinzelarbeit / GruppenarbeitPC / Beamer

Arbeitsblatt 2 / Plakate, Schere / Kleber / Arbeitsblatt 3

PCs mit Drucker und Online-Zugang für die Gruppen
Konfliktanalyse 1990erEinzel- oder PartnerarbeitPC / Beamer

Arbeitsblatt 4
AktualitätsbezugPartner- oder GruppenarbeitArbeitsblatt 5
AbschlussErstellen des KrisensteckbriefesEinzel- oder PartnerarbeitArbeitsblatt 6

Einsatz der Arbeitsblätter:

Zu Beginn wird die Anfangssequenz des Films ohne Ton gezeigt (Timecode: 00:23 – 00:58 Min.). Die Bilder erinnern eher an archäologische Ausgrabungen und lassen die Jugendlichen sicher nicht direkt an den Jugoslawien Konflikt denken. Die Klasse äußert erste Eindrücke und Vermutungen zum Film.

Anschließend bekommen sie das erste Arbeitsblatt und schauen die Anfangssequenz noch einmal mit Ton. Sie sprechen über die Wirkung von Bildern, Text und Musik.

Mit einer Zettellawine sammeln sie anschließend ihr Vorwissen und ihre Vermutungen zur Krise im ehemaligen Jugoslawien. Impulsfragen können sein: „Was wisst ihr über den Konflikt im ehemaligen Jugoslawien?“, „Welche Konfliktparteien kennt ihr?“, „Was fällt euch zu den Konfliktparteien ein?“. Immer vier Schüler arbeiten für die Beantwortung zusammen. Der erste jeder Gruppe schreibt auf sein Blatt, was ihm zu den Fragen einfällt. Auf ein Zeichen der Lehrkraft hin gibt er das Blatt weiter an den zweiten. Der liest die Notizen des Arbeitspartners und schreibt selbst ergänzend etwas dazu. Auf das nächste Zeichen werden die Zettel wieder weitergereicht. Nach der vierten Station ist Schluss. Dann tauschen zwei Gruppen die Blätter und lesen, was die anderen aufgeschrieben haben.

Die Schülerinnen und Schüler sehen danach die Sequenz zum historischen Verlauf der Krise (Timecode 0:58 – 7:44 Min.). Sie füllen während des Films eine Tabelle aus, in der die Auswirkungen von Schlüsselereignissen abgefragt werden. Je nach Lerngruppe kann es sich hier anbieten, dass der Film zum Ausfüllen der Tabelle abschnittsweise angehalten wird. Nachdem alle Schülerinnen und Schüler einen ersten Überblick über den historischen Verlauf haben, erstellen sie in Gruppenarbeit ein Plakat zu einem der Schlüsselereignisse. Zur Bebilderung machen sie Screenshots von Schlüsselbildern zu ihrem Ereignis und drucken diese aus. Zusätzlich recherchieren die Schüler Informationen zu ihrem Ereignis im Internet.

Die Gruppen betrachten die Plakate und bewerten sie mit einem Feedback-Bogen. Alle Schüler ergänzen ihre Tabellen mit Hilfe der Plakate der anderen. Für die Bewertung und die Besprechung des Feedbacks sollte genug Zeit eingeräumt werden.

Im nächsten Arbeitsschritt befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Zuspitzung der Krise in den 1990er-Jahren. Dafür sehen sie den nächsten Teil des Films (Timecode 7:44 – 13:46 Min.). Begriffe wie „ethnische Säuberung“ oder Deportation sollten gegebenenfalls direkt im Anschluss geklärt werden. In einer Kartenarbeit lokalisieren die Schüler dann die einzelnen Teilrepubliken und Provinzen Jugoslawiens. Die Schülerinnen und Schüler erläutern danach in Einzel- oder Partnerarbeit, wie der Film die Rolle der internationalen Gemeinschaft in den verschiedenen Phasen der Jugoslawienkrise beschreibt. Sie bewerten vor allem das Eingreifen der NATO im Jahre 1999. Dabei berücksichtigen sie das vorherige Verhalten der NATO und die Folgen der Intervention. Es bietet sich an dieser Stelle an, im Unterrichtsgespräch auf die Besonderheit der deutschen Beteiligung einzugehen. Die Vereinten Nationen sind fester Bestandteil der Lehrpläne, so dass deren Rolle an dieser Stelle auch exemplarisch vertieft werden kann.

Danach nimmt der Unterricht Bezug zur aktuellen Situation. Die Schüler werden zunächst gefragt, ob sie Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien kennen und ob ihnen die Gründe bekannt sind, aus denen sie nach Deutschland kamen. Dann sehen die Schüler den letzten Teil des Films (Timecode 13:56-14:45 Min.). Arbeitsblatt 5 fragt nach der Darstellung der aktuellen Situation. Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass der Jugoslawienkonflikt nicht gelöst ist und dass seine Auswirkungen nicht nur auf die Region selbst beschränkt sind. Es bietet sich hier auch an, über die Diskussion um die Einstufung zahlreicher Staaten des ehemaligen Jugoslawiens als „sichere Herkunftsländer“ zu sprechen.

Zur Sicherung der erarbeiteten Inhalte füllen die Schülerinnen und Schüler abschließend einen Krisensteckbrief aus. Ihre Aufgabe ist es, die zentralen Akteure, ihre Ziele sowie die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Konflikts überblicksartig darzustellen. Sie greifen dabei auf die Ergebnisse der Arbeitsblätter 2 und 4 zurück. Neben einer stichwortartigen Liste beantworten sie auch offene Fragen zur Krise, mit denen das Gesamtverständnis und eine eigene Einschätzung eingefordert werden. Gerade diese offenen Fragen sollten anschließend im Plenum aufgegriffen werden. Unterschiedliche Antwortmöglichkeiten bieten hier Anlass zu kontroversen Diskussionen.

Ein ähnlich aufgebautes Arbeitsblatt findet sich bei allen Filmen der Reihe. Wenn mehrere Konflikte im Unterricht besprochen werden, lassen sich hierüber strukturierte Vergleiche anstellen.


Materialien: PC, Beamer, Lautsprecher, Plakate, Scheren, Klebstoff.

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