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Hintergrund: Spinnen

  • Spinnseide (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Durch Mischung der verschiedenen Spinnseiden entstehen Fadenarten mit den unterschiedlichsten Eigenschaften: zum Sichern, Kleben, Fesseln, Isolieren, zum Kokon- und Netzbau. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Systematik
Entgegen landläufiger Meinung sind Spinnen keine Insekten. Sie gehören zur Klasse der Arachnida (Spinnentiere), Insekten bilden eine eigene Klasse (Insekta). Beide Klassen (Spinnentiere, Insekten) gehören dem Stamm der Arthropoda (Gliederfüßer) an.
Zur Ordnung Aranaea gehören mit etwa 34.000 Arten die Webspinnen, also Spinnen mit Spinnwarzen. Es ist eine artenreiche, weltweit verbreitete Gruppe, die – mit Ausnahme des Meeres – alle Lebensräume erschlossen hat. Im Naturhaushalt spielen sie eine äußerst wichtige Rolle. Sie zählen neben Vögeln und Fledermäusen zu den wichtigsten Insektenvertilgern. Diese Tatsache ist auch für den Menschen wichtig. Bei südamerikanischen Indianern z.B. sind einige Spinnenarten gern gesehene „Mitbewohner“, da sie unangenehme Stechmücken vom Leib halten.

  • Wespenspinne wickelt Beute ein (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Wer sich einmal im Netz verfangen hat, kann kaum noch entkommen. (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Gift
Spinnen injizieren beim Biss mit den Cheliceren Gift. Es lähmt die Beute, ist für Menschen jedoch meist harmlos. Es sind weltweit nur 50 Arten, die dem Menschen gefährlich werden können. Unter den einheimischen Spinnen sind es nur die Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium) und die Wasserspinne Argyronauta aquatica. Die Dornfingerspinne tritt in klimatisch begünstigten Regionen, vor allem im Gebiet Odenwald-Rheinhessen und am Kaiserstuhl auf. Im August, wenn die Weibchen die Eigelege bewachen, kommt es zu den recht seltenen Bissunfällen. Ihr Biss verursacht Schmerzen wie ein Wespenstich. Außerdem kann es zu allgemeinem Unwohlsein, Schüttelfrost und leichtem Fieber kommen. Ähnliche Symptome treten auch beim Biss der Wasserspinne auf. Allerdings muss auch sie vehement gestört werden, wenn z.B. beim Griff nach Wasserpflanzen die Spinne erwischt und gedrückt wird.

  • Kieferklauen einer Vogelspinne (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Kieferklauen einer Vogelspinne (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Verdauung
Nicht nur Gift wird beim Beutefang abgegeben. Mit Verdauungsenzymen wird die Beute vor dem Mund verflüssigt, bevor sie aufgenommen werden kann. Man spricht von extraintestinaler Verdauung. Die verflüssigte Nahrung wird mit Hilfe des Saugmagens eingesogen.

  • (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Netz einer Wespenspinne Netz einer Wespenspinne (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Beuteerwerb
Viele Spinnenarten fangen fliegende Insekten in ihrem Netz. Die Seide ist ein Protein, das in den Warzen zu Fäden gesponnen wird und sich erst an der Luft verfestigt. Nicht alle Seidenfäden sind gleich. Radialfäden und der Rahmen sind besonders fest und erhalten die Grundstruktur des Netzes. Die Fäden der Fangspirale sind hochelastisch und damit in der Lage, Stöße, z.B. durch gefangene Insekten abzufedern. Jede Spinnenart baut ein artspezifisches Netz, eine komplexe Fähigkeit, die angeboren ist. Es gibt aber auch Spinnen, die ohne Netz auf Beutefang gehen. Man unterscheidet hier Lauerjäger und Jagdspinnen. Letztere gehen aktiv auf Beutesuche. Springspinnen gehören zu den Jagdspinnen.

Jagdspinnen benötigen einen sehr guten optischen Sinn um beim Beutefang erfolgreich zu sein. Spinnenarten wiederum, die ihre Beute mit dem Netz fangen, sehen meist sehr schlecht. Bei ihnen ist der mechanische Sinn stark ausgeprägt, so dass sie das Annähern von Beute bzw. die Bewegung der Beute im Netz wahrnehmen. Trichobothrien und Spaltsinnesorgane helfen ihnen dabei. Trichobothrien sind leicht bewegbare Haare mit denen Schwingungen der Luft, z.B. durch ein vorbeifliegendes Insekt, wahrgenommen werden. Spaltsinnesorgane sind von Membranen überzogene Gruben auf der Körperoberfläche. Spannungsänderungen der Membranen werden wahrgenommen, die z.B. durch Vibration des Untergrundes bzw. des Netzes ausgelöst werden.

Balz
Artspezifisch ist neben dem Netzbau das Balzverhalten. Bei den Webspinnen gibt es eine sehr breite Palette an Verhaltensweisen. Es spielen Berührungen, Pheromone, optische und akustische Signale eine Rolle. Springspinnen-Männchen zeigen den Weibchen einen zickzackförmigen Tanz. Bei manchen Raubspinnen bringt das Männchen dem Weibchen ein Brautgeschenk – ein durch Giftbiss gelähmtes und in Seide gewickeltes Beutetier. Bei den Wolfsspinnen werden die Kieferntaster und Vorderbeine artspezifisch bewegt. Sinn all dieser Verhaltensweisen ist, dass die Weibchen artgleiche Männchen als Paarungspartner erkennen, sie also von der Beute unterscheiden.

Spinnenphobie

Schweißausbrüche, Herzrasen, Ekel – treten diese Symptome beim Anblick einer Spinne auf, sind dies Anzeichen für eine Phobie. Spinnenphobiker unternehmen zahlreiche Anstrengungen, um den Achtbeinern aus dem Weg zu gehen und schränken sich so immer mehr ein: z.B. Schutz der Wohnung durch Fliegengitter, Absuchen von Räumen auf Spinnen, Lüften nur, wenn sicher ist, dass keine Spinne hereinkrabbelt, etc. Wer sich lediglich vor Spinnen grault, sich von den Tieren ansonsten aber weniger beeindrucken lässt, gilt nicht als Phobiker. Betroffen sind – entgegen landläufigen Meinungen – Männer und Frauen!

Die Ursache(n) für Spinnenangst werden noch immer erforscht, es gibt inzwischen zahlreiche Theorien:

  • Je mehr das Tier vom Körperschema des Menschen abweicht, desto eher erzeugt es Angst.
  • Plötzliches Auftauchen in Körpernähe
  • Schnelle, nicht vorhersehbare Bewegungsänderungen
  • Ekel vor Schmutz, mit dem Tiere meist in Zusammenhang gebracht werden
  • Angeborene Schutzreaktion vor Giftspinnen
  • Erlerntes Verhalten, z.B. bei Kindern, die Spinnenangst bei einem Elternteil beobachten

Spinnen in der Medizin

Fast jede Spinne ist giftig – aber nur die wenigsten auch für Menschen gefährlich. Ebenso wie bei Giftpflanzen, die in der Medizin genutzt werden, wird auch die Verwendung von Spinnengift in Medikamenten erforscht. Erste Forschungserfolge gibt es bei der gezielten Bekämpfung von Tumoren; bei Herzrhythmusstörungen soll künftig das Gift der Roten Chile-Vogelspinne helfen. In der Volksmedizin versprach man sich schon früher Heilung durch Spinnen: Sie wurden äußerlich angewandt (als Pflaster, als Salbe, Spinnen über Hände laufen lassen, etc.), aber auch innerlich: zerrieben, in Öl, gedörrt, um nur einige Beispiele zu nennen. Spinnen sollten gegen Fieber, die Schwindsucht, Keuchhusten, Rheumatismus, Gelbsucht und weitere Krankheiten helfen.

Spinnen in Filmen

In Kinofilmen haben Spinnen ein wahres Imageproblem. Bis auf „Spiderman“, den Film basierend auf dem gleichnamigen Kult-Comic, kommen Spinnen vor allem als mörderische Bestien vor.

  • Tarantula (1955): Ein Forscher missbraucht ein Wachstumsserum und züchtet eine Riesentarantel. Sie entwischt aus dem Labor und sorgt für Panik in der Bevölkerung.
  • Mörderspinnen (1977): In einer amerikanischen Kleinstadt kommen exotische Spinnen mit chemischem Müll in Berührung und verwandeln sich in Mörderspinnen, die den Bewohnern der Stadt nach dem Leben trachten.
  • Arachnophobia (1990): Mittels Flugzeug, versteckt in einem Sarg (!), reist eine Spinne aus dem Dschungel Mittelamerikas nach Kalifornien und bedroht die Bevölkerung einer Kleinstadt. Eingenistet hat sie sich bei einem Arzt, der an einer Spinnenphobie leidet, sich aber dennoch dem Kampf stellt.
  • Arac Attack (2002): Nuklearer Abfall verseucht in einem kleinen Dorf in Arizona einen kleinen See. Ein Forscher versorgt mit diesem Wasser seine Spinnen, die daraufhin zu überlebensgroßen, angriffslustigen Bestien mutieren.
  • Nicht als Gruseltier, aber doch als Namensgeber für die Bösewichte müssen Spinnen in Fritz Langs mehrteiligem Filmklassiker „Die Spinnen“ (1919/1920) herhalten. Der Geheimbund „Die Spinne“ will in den Besitz eines diamantenen Buddhakopfes kommen, mit dem einer Legende zufolge die Herrschaft über ganz Asien erlangt wird. Und um dieses Ziel zu erreichen, schrecken die „Spinnen“ auch vor Mord nicht zurück.
  • Die besonderen Fähigkeiten der Spinnen macht sich nur einer zunutze: „Spiderman“ (2002). Der Film basiert auf dem 1963 erstmals erschienenen Kult-Comic. Der schüchterne, unsportliche Schüler Peter Parker wird von einer genmanipulierten (im Comic war es noch eine radioaktiv verstrahlte) Spinne gebissen und verfügt fortan über Spinnen-Fähigkeiten. Er geht Wände senkrecht hoch, verschießt Spinnennetze und nutzt seine besonderen Kräfte, um Gutes zu tun, vor allem Verbrechen zu verhindern.

Spinnen-Mythologie - Die Namensgeberin der Arachnida (Spinnentiere)

Arachne (griech.: Spinne), Tochter eines lydischen Purpurfärbers, war bekannt für ihre Kunstfertigkeit beim Weben, so eine griechische Sage. In ihrem Hochmut forderte sie jedoch Athene, Tochter des Zeus und Göttin der weiblichen Künste und Handfertigkeit, zu einem Wettstreit heraus. Beide webten einen Teppich, beide von gleicher Qualität. Doch Arachnes Teppich stellte die Götter bei ihren Liebesabenteuern dar, was Athene so erzürnte, dass sie den Teppich zerriss. Arachne nahm einen Strick und erhängte sich. Athene aber verwandelte den Strick in ein Netz und Arachne in eine Spinne.

Spinnen haben in allen Kulturen der Erde die unterschiedlichsten Bedeutungen. Sie gelten als Glücksbringer und Todesboten, sind Krankheitsdämon und Medizin. Sie sollen das Wetter „vorhersagen“, dienen als Orakel beim Glücksspiel, sollen vom Militärdienst befreien, gegen Blitz schützen und vieles mehr. Manch ein Volksglaube hat sich über Jahrhunderte bis heute gehalten.

In vielen Mythen wurde die Spinne zum Sinnbild der Schöpferin. Dies aufgrund ihrer Fähigkeit, aus sich heraus einen Faden zu erzeugen, mit der sie Netze bauen kann. Die Spinne als Weltenweberin kommt beispielsweise in den Mythen der Indianer Nordamerikas vor: als Spinnenweib Kokyangwuti, das die Erde formte und sie mit einem weißen Umhang, der schöpferischen Weisheit selbst, umhüllte. Bei den Navajos gibt es die Legende der Spinnenfrau, die am Spider Rock im Canyon de Chelley den ersten Menschen, den „Dineh“ das Weben gelehrt haben soll (siehe „USA – The Sound of...“, Folge: Navajos in Arizona). In der indischen Mythologie ist das Spinnennetz das Sinnbild der kosmischen Ordnung. Der Körper der Spinne in der Mitte wird durch die liegende 8, also das Unendlichkeitssymbol, dargestellt. In China gilt die Spinne als Glückstier. Eine Spinne, die sich am Faden herablässt, bedeutet „Glück kommt vom Himmel herab“. Ganz anders Japan: Dem japanischen Volksglauben zufolge hausen gewaltige Spinnendämonen in Erdlöchern. In den Mythen Westafrikas steht der Name Anansi für eine trickreiche Spinne, der es immer gelingt, sich mit Charme und Witz aus hoffnungslosen Situationen zu befreien.

Im Altertum hatte das Erscheinen einer Spinne eine durchweg negative Bedeutung. Noch im Mittelalter galt die Spinne als Hexentier, nur die Kreuzspinne war, dank des Kreuzes auf ihrem Rücken, ein gutes Omen. Die spätere dualistische Auffassung zeigt sich noch heute in vielen Sprichworten, z.B. Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen | Spinne am Mittag bringt Glück am dritten Tag | Spinne am Abend erquickend und labend. Oder im englischen Aberglauben: One for sorrow – two for mirth – three for a wedding – four for death.