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Hintergrund: Die Eroberung Irlands

Frühgeschichte und Religion

  • Kirchenruine (Quelle: SWR) Keltische Tradition und kirchliche Macht ergänzen sich in Irland oft (Quelle: SWR)

Mesolithische Jäger und Sammler gründen ab 8000 v. Chr. Siedlungen in verschiedenen Teilen Irlands. Ab 4500 v. Chr., mit dem Beginn des Ackerbaus, wird Vieh und Getreide aus Großbritannien eingeführt und die Bevölkerungszahl steigt aufgrund der besseren Nahrungsversorgung. Ab 300 v. Chr., als die Bronzezeit in die Eisenzeit übergeht, wandern Kelten vom europäischen Festland ein und verbreiten ihre Sprache, aus der sich später das irische Gälisch entwickelt. Anfang des 5. Jahrhunderts wird Irland von Mönchen christianisiert. Unter ihnen ist auch der heutige Nationalheilige Patrick, ein ehemaliger römischer Sklave britischer Abstammung, der vor allem im Westen des Landes das Evangelium verbreitet. Es folgen viele Klostergründungen, die eine erste irische Blütezeit einleiten. Irische Mönche reisen wiederum als Missionare nach England und auf das europäische Festland und verbreiten dort den christlichen Glauben. Im frühen Mittelalter ist Irland dann in zahlreiche kleine Königreiche zersplittert, die sich untereinander oft wegen Territorialfragen bekämpfen.

Die Unterwerfung der Iren

  • Ein keltisches Kreuz (Quelle: SWR) Frühe Zeugnisse des Christentums: Ein keltisches Kreuz (Quelle: SWR)

Den Nachfolgern des irischen Hochkönigs Brian Borus gelingt es nicht, einen gesamtirischen Thron zu schaffen. Stattdessen flammen die alten Territorialstreitigkeiten wieder auf. Der König von Leinster, Diarmuid MacMorrough, ruft die Normannen zu Hilfe, die 1169 unter dem englischen Adeligen Richard Strongbow in Irland einmarschieren. Damit beginnt die anglo-normannische Invasion Irlands, die sich über Jahrhunderte hinziehen wird und die den Anfang der englischen Fremdherrschaft in Irland markiert.

Als ihm sein Statthalter Richard Strongbow in Irland zu mächtig zu werden droht, beschließt Heinrich II., König von England, selbst nach Irland zu gehen. Heinrich wird von den meisten irischen Königen anerkannt. Als 1348 die Pest in Irland ausbricht, trifft sie die normannischen Siedler, die in Städten auf engem Raum wohnen, stärker als die auf dem Land verstreut lebenden Iren. Der normannische Herrschaftsbereich schrumpft auf ein befestigtes Gebiet um Dublin, das "The Pale" genannt wird. Die außerhalb des "Pale" lebenden Normannen nehmen Sprache und Gebräuche der Iren an. Sie verbünden sich mit ihnen bei Konflikten gegen die Engländer und bleiben auch nach der Reformation katholisch. 1558 besteigt Elisabeth I. den englischen Thron und beschließt, in Irland durch "Plantations" – die gezielte Ansiedlung königstreuer Engländer und Schotten – die Loyalität zur Krone durchzusetzen.

Gräber mit keltischen Kreuzen (Quelle: SWR)

Gräber mit keltischen Kreuzen (Quelle: SWR)

„Plantation“ – Die Ansiedlung von Engländern und Schotten

Da sich die Reformation in Irland nicht per Dekret durchsetzen lässt, siedelt Elisabeth I. königstreue protestantische Schotten und Engländer in Irland an. Diese Maßnahme wird als "Plantation", übersetzt "Pflanzung" oder "Ansiedlung", bezeichnet. Die Einwanderer bekommen Land zugeteilt und ersticken etwaige Rebellionen schon im Keim. Nach der Niederlage der Iren und der mit ihnen verbündeten Spanier in der Schlacht bei Kinsale 1601 und nach der Flucht der irischen Grafen 1607 steht Irland endgültig unter wirtschaftlicher und militärischer Kontrolle Englands.

Als bei einem erneuten Aufstandsversuch der Iren im Jahr 1641 tausende protestantische Siedler getötet werden, entsendet das Londoner Parlament Oliver Cromwell als Statthalter nach Irland. Mit seiner 12.000 Mann starken Armee vertreibt er die keltische Bevölkerung aus den fruchtbarsten Gegenden und drängt sie ins karge Connacht im Westen der Insel zurück. Ein Viertel der katholischen Bevölkerung kommt dabei ums Leben, viele Tausende werden als Sklaven in die englischen Kolonien verkauft. Als der Katholik Jakob II. im Jahr 1685 den englischen Thron besteigt, keimt bei den Iren wieder Hoffnung auf. Doch die Machtverschiebung währt nicht lange, drei Jahre später wird Jakob in der "Glorreichen Revolution" von seinem eigenen Schwiegersohn, dem Protestanten Wilhelm von Oranien, gestürzt. Jakob flieht mit seinen Soldaten nach Irland, wird dort aber 1690 in der Schlacht am Boyne entscheidend besiegt.

Felsen von Cashel (Quelle: SWR)

Felsen von Cashel: Einst Sitz der irischen Könige (Quelle: SWR)

England erlässt Strafgesetze

Der zunehmende Einfluss Englands bedroht nach der Reformation das nach wie vor katholische Irland: 1690 erlässt England eine Reihe von Strafgesetzen, durch die der katholische Bevölkerungsteil praktisch aller Grundrechte beraubt wird. Katholiken dürfen weder ins Parlament, noch an die Universität. Sie dürfen nicht wählen, keine Schulen gründen oder Kirchen bauen, kein Pferd und keine Waffe besitzen. Das Ziel, den Katholizismus in Irland ein für alle mal auszurotten, scheitert freilich daran, dass eine solche Art von Zwangsherrschaft Widerstand herausfordert. Da neben der Religion auch die gälische Sprache und Kultur von der englischen Besatzungsmacht unterdrückt wird, entwickelt sich ein katholischer Nationalismus.