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Hintergrund: Die Anfänge des Irak

Unter fremder Herrschaft

  • Friedenskonferenz von Versailles 1918 (Quelle: dpa) Friedenskonferenz von Versailles 1918 (Quelle: dpa)

Bis zum Ersten Weltkrieg ist das Gebiet des heutigen Irak eine Provinz des Osmanischen Großreichs. 1915 eröffnen britisch-indische Truppen eine Offensive gegen die osmanische Armee; zwei Jahre später, im März 1917 erobern sie Bagdad. Die Briten beginnen daraufhin den Irak hinter dem Rücken des Araberführers Faisal mit eigenen Beamten im Stile einer Kolonie zu verwalten. Auf der Friedenkonferenz von Versailles 1919 segnen die Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges das englische Mandat über den Irak ab – gegen den Willen der Iraker.

Die Revolution von 1920

  • König Faisal I. (Quelle: dpa) Faisal I. wird 1921 König des Irak (Quelle: dpa)

Die Enttäuschung über die verlorene Unabhängigkeit entfacht großen Unmut in der irakischen Bevölkerung. Zunächst sind es Schiitengeistliche, die in den Moscheen zum Widerstand aufrufen. Sunnitische Korangelehrte schließen sich an. Mit dem Mord an dem britischen Kolonialoffizier Gerald Leachman beginnt schließlich der offene Krieg gegen die britische Armee. Den vereinigten Stammeskämpfern hat die britische Armee zunächst nur wenig entgegenzusetzen. Dennoch gelingt es, vor allem mit Hilfe der Luftwaffe, den Aufstand niederzuschlagen. Als "Revolution von 1920" geht er in die irakische Geschichte ein und bildet bis heute den Kern des irakischen Nationalbewusstseins.

In London sieht man ein, dass der Irak nicht weiterhin als Kolonie zu verwalten ist. Um eine Lösung der Krise zu finden, beauftragt 1921 das Kolonialministerium in London seinen ehemaligen Verbündeten Faisal, König des Irak zu werden. Von nun an regiert das Londoner Kolonialministerium das Land auf indirekte Weise: durch britische Berater, die der irakischen Regierung zugeordnet sind.

Der Irak als Monarchie

  • Winston Churchill 1911 (Quelle: dpa) Winston Churchill 1911 (Quelle: dpa)

Faisal gilt als Verbündeter des britischen Kolonialministeriums und wird dort aber zum Spielball für eine von der britischen Regierung gelenkte irakische Monarchie. Der neue Monarch, Sohn des Scherifen von Mekka, aus der arabischen Herrscherdynastie der Haschemiten stammend, erhält von den Irakern keinen Rückhalt. Mit Faisal sind alle Mitglieder der Führungsschicht Sunniten - eine ungünstige Ausgangslage, denn die irakische Bevölkerung besteht zu 60 Prozent aus Schiiten, die vehement gegen die unbeliebte Monarchie rebellieren. Auch die Kurden im Norden pochen auf Unabhängigkeit. Faisal ist somit für den Aufbau von der Armee und der Verwaltung auf britische Unterstützung angewiesen – ein vom damaligen Kolonialminister Churchill klug ersonnenes Kalkül.

1932 endet das britische Mandat im Irak, das der Völkerbund 1919 Großbritannien übertragen hatte. Obwohl der Irak damit formell unabhängig wird, bestimmen britische Berater und Wirtschaftsvertreter weiterhin den politischen Kurs im Land. Hauptgrund dafür ist das Ölvorkommen im Land. 1927 wurden in der Provinz Mossul reichhaltige Ölquellen entdeckt und die britische Ölgesellschaft, IPC, hatte sich für 75 Jahre das Monopol auf die Ausbeutung sämtlicher Ölvorräte gesichert. Laut Experten gehören die Ölquellen der Irak zu den ergiebigsten der Welt.

Ölquellen bei Kirkuk (Quelle: dpa)

Die Ölquellen bei Kirkuk (Nordirak) gehören zu den ergiebigsten des Landes (Quelle: dpa)

Der Sturz der Monarchie

  • Zerstörter Königspalast (Quelle: dpa) Sturz der Monarchie 1958: Zerstörter Königspalast des Kronprinzen Abdul-Ilah. Im Vordergrund ein Bild von Kronprinz Abdul-Ilah mit seiner Gattin (Quelle: dpa)

Während des Zweiten Weltkriegs entwickelt sich in der irakischen Armee ein starker arabischer Nationalismus. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen nationalistischen Offizieren und den britischen Beratern, die den Irak auf alliierter Seite am Krieg beteiligen wollen. Doch die Iraker wollen sich nicht für die britischen Belange einzusetzen, was 1941 zum Krieg mit der langjährigen Kolonialmacht führt bei dem die irakischen Truppen unterliegen. Seitdem wird der Irak wieder enger an das britische Empire gebunden, doch in der irakischen Armee formiert sich Widerstand. Seit 1952 in Kairo der spätere ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser und die „Freien Offiziere“ den großbritannienfreundlichen König Faruk gestürzt haben, orientieren sich viele Iraker am ägyptischen Modell eines antikolonialen arabischen Nationalismus. 1958 wird schließlich König Faisal II. gestürzt und zusammen mit seiner Familie erschossen. General Kassem und sein Adjutant, Oberst Aref, übernehmen die Macht im Bagdad. Doch die neuen Machthaber unter General Kassem verstaatlichen das Ölgeschäft nicht, sondern arbeiten weiter mit den britischen Ölgesellschaften zusammen.

Der „Baathismus“

  • Protestierende Studenten (Quelle: dpa) Irakische Studenten besetzen 1963 die irakische Botschaft in London. Sie protestieren gegen die Regierung unter Oberst Arif im Irak und sprechen sich für die sozialistische Baath-Partei aus (Quelle: dpa)

Viele wollen das Regime stürzen, so auch die Anhänger der jungen Baath-Partei, die für einen arabischen Sozialismus und die Unabhängigkeit von den Kolonialmächten einstehen. Ein Attentat 1959 auf Kassem scheitert, der Attentäter ist ein 22-jähriger Mann namens Saddam Hussein. 1963 wird General Kassem bei einem Putsch mit Hilfe der Privatmiliz der Baath-Partei erschossen. Doch der neue Präsident Aref beteiligt die Baath-Partei nicht an der Macht. 1968 besetzen frustrierte Baath-Offiziere alle wichtigen Schaltstellen in Bagdad und mit einem Putsch gegen Präsident Aref übernimmt die Partei gewaltsam die Macht im Irak. Ein junger Offizier namens Saddam Hussein, der bald eine wichtige Rolle spielen wird, zieht hier bereits die Fäden. 1969 wird Saddam stellvertretender Parteivorsitzender. 1979 lässt er seine parteipolitischen Gegner ermorden und übernimmt offiziell alle Machtpositionen. Schnell wird die Baath-Partei zur Massenorganisation. Mit der Verstaatlichung der Ölindustrie kann sie den versprochenen Wohlfahrtsstaat auch vorantreiben: ein umfangreiches Sozialsystem und billige Lebensmittel werden eingeführt. Allerdings werden die Programme auch bald wieder gestoppt. Schnell zeigt sich auch, dass sich hinter der Baath-Ideologie rassistische und antimoderne Ideen verbergen: Kurden und nichtsunnitische Araber werden als „unarabisch“ bezeichnet und ausgegrenzt. Hinter der Baathpartei steht eine kleine Gruppe von Sunniten aus der Gegend um Tikrit, die nun alle Macht bei sich gebündelt hat.