zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Der Erste und der Zweite Golfkrieg

Der Erster Golfkrieg

  • Irakische Soldaten vor dem brennenden Ölfeld Khorramshar (Quelle: dpa) Irakische Soldaten vor dem brennenden iranischen Ölhafen Khorramshar 1980 (Quelle: dpa)

Bereits 1980, im zweiten Jahr seiner Präsidentschaft, beginnt Saddam Hussein einen Krieg gegen das Nachbarland Iran – den ersten Golfkrieg. Wegen der dortigen, seit 1978 aufkommenden islamischen Revolution, hält Hussein den Iran für hinreichend geschwächt und seinen Angriff für strategisch günstig. Auslöser sind Grenzstreitigkeiten. Der wahre Hintergrund aber sind Saddams Befürchtungen, die irakischen Shiiten könnten sich durch die islamische Revolution im Nachbarland beflügelt fühlen, auch im Irak nach der Macht zu greifen. Zunächst ist die irakische Armee erfolgreich und erobert die iranische Stadt Khorramshar. Doch der Iran verfügt über ungleich höhere menschliche und materielle Ressourcen, nicht zuletzt durch die Rüstungshilfe der USA. Teheran startet eine erfolgreiche Gegenoffensive und vertreibt die irakischen Truppen. Ein zäher Stellungskrieg beginnt, bis der Iran nach einem Jahr in den Irak vorstößt. Als kurdische Kämpfer mit iranischer Untersützung im Norden des Landes aktiv werden, lässt Saddam 1988 über der nordostirakischen Stadt Halabdscha Giftgas abwerfen. 5.000 Zivilisten kommen bei dem Angriff um. Für eine ganze Generation von Kurden wird Halabdscha zum neuen Symbol des Widerstandes. Im selben Jahr noch schließen der Iran und der Irak einen Waffenstillstand. Hunderttausende Iraker und Iraner sind in den acht Kriegsjahren gestorben. Der in den 1970er Jahren noch wohlhabende Irak ist ruiniert.

Die Besetzung Kuwaits

  • Irakische Soldatinnen bei der Truppenparade (Quelle: dpa) Truppenparade: Irakische Soldatinnen demonstrieren am 15. Oktober 1990 vor dem Portrait Saddams ihren Kampfeswillen (Quelle: dpa)

Einziges Mittel, um das Niveau der "fetten 1970er Jahre" wieder zu erreichen, sind für den Irak die Öleinnahmen. In der OPEC, dem Verband erdölexportierender Staaten, dringt Saddam Hussein darauf, die irakische Förderquote steigern zu dürfen. Doch vor allem das Nachbarland Kuwait widersetzt sich dem, weil eine steigende Produktion die Ölpreise drücken könnte. Nach dem erfolglosen Krieg gegen den Iran glaubt Saddam Hussein zudem, seiner Bevölkerung einen "Erfolg" vorweisen zu müssen. Daher überfallen irakische Truppen am 2. August 1990 das militärisch schutzlose Emirat Kuwait – aus Sicht der USA, Großbritanniens, Saudi Arabiens und anderer westlich dominierter Staaten eine Bedrohung der eigenen Wirtschaftsinteressen.

Kurz nach dem Einmarsch in Kuwait lässt Saddam Hussein dort eine "Marionettenregierung" bilden, die am 8. August den Anschluss an den Irak verkündet. Der UN-Sicherheitsrat erklärt die Annexion Kuwaits für völkerrechtlich null und nichtig und beschließt mit der UN-Resolution 661 harte Sanktionen gegen den Irak. Im besetzten Territorium geht die irakische Armee äußerst brutal vor, plündert und verschleppt zahlreiche Kuwaitis, die spurlos verschwinden. Einige hundert westliche Ausländer lässt Saddam Hussein als Geiseln nehmen und zwingt manche von ihnen, vorgefertigte Erklärungen im Staatsfernsehen abzugeben. Bis zum November 1990 können die westlichen Geiseln, nach Interventionen ihrer Heimatländer, den Irak verlassen.

Irakische Schüler demonstrieren gegen die UN-Sanktionen (Quelle: dpa)

Irakische Schüler demonstrieren gegen die UN-Sanktionen (Quelle: dpa)

Stimmungsmache

  • Demonstration kuwaitischer Kinder mit Plakaten von Emir al Sabah (Quelle: dpa) Demonstration kuwaitischer Kinder mit Plakaten von Emir al Sabah (Quelle: dpa)

Der ins Ausland geflohene kuwaitische Emir al Sabah setzt währenddessen alle Mittel in Bewegung, die Weltöffentlichkeit für sich zu gewinnen. In den USA erhält der Herrscher Unterstützung. Die amerikanische Werbefirma Hill and Knowlton startet eine sensationelle Medienkampagne mit einer erfundenen Geschichte: Irakische Soldaten hätten Brutkästen aus kuwaitischen Krankenhäusern gestohlen und über 300 Frühgeborene sterben lassen. Zeugen für die Gräueltat werden gefunden, und im November 1990 kommt es zu einer Anhörung vor der UNO. Die Weltöffentlichkeit ist schockiert.

Unter dem Eindruck dieser Medieninszenierung wendet sich die Stimmung in den USA und im UN-Sicherheitsrat für eine militärische Intervention am Golf. Am 29. November 1990 verabschiedet die UNO die Resolution 678: Der Irak wird unter Androhung militärischer Gewalt ultimativ aufgefordert, bis zum 15. Januar 1991 Kuwait zu räumen. Ein Jahr später, nach dem Ende des Golfkriegs, entlarven Journalisten die Geschichte der getöteten Brutkastenbabys als Lüge

Der Zweiter Golfkrieg

  • CNN-Reporter Peter Arnett (Quelle: dpa) CNN-Reporter Peter Arnett berichtet live aus dem Irak (Quelle: dpa)
  • Tote irakische Zivilisten (Quelle: dpa) Opfer in der irakischen Zivilbevölkerung (Quelle: dpa)

Am 17. Januar 1991 beginnt der Zweite Golfkrieg mit einem schweren Bombardement Bagdads – live von den Kameras des US-Nachrichtensenders CNN übertragen. Die US-Armee stellt den Beschuss als "Präzisionsbombardement" mit "intelligenten Bomben" dar. Belegen sollen das Mitschnitte aus Flugzeugkameras, auf denen Raketen wie in Videospielen ihre Ziele zerstören, ohne dass menschliche Opfer zu erkennen sind. Anders als im Vietnamkrieg 20 Jahre zuvor, haben Kriegsberichterstatter nicht die Möglichkeit, den Angriff vom Boden aus selbst zu beobachten. Das Bild vom "sauberen Krieg" soll gewahrt bleiben.

Tatsächlich fordert das Vorgehen der US-Armee Hunderttausende von Toten unter dem Militär und der Zivilbevölkerung. Seinerseits schießt der Irak Scud-Raketen auf Wohngebiete in Saudi Arabien und Israel in der Absicht, Zivilisten zu töten. Gegen Ende des Krieges, im März 1991, erheben sich, von der US-Regierung aufgefordert, die Schiiten im Süden des Irak und die Kurden im Norden. Das Land droht zu zerbrechen. Um einen Kurdenstaat und einen iranfreundlichen Schiitenstaat zu verhindern, unternimmt US-Präsident Bush nichts gegen die Strafmaßnahmen der verbliebenen irakischen Truppen: Zehntausende Kurden und Schiiten, unter ihnen viele Zivilisten, werden so vom Saddam-Regime ermordet und in Massengräbern verscharrt.

Zwischen den Kriegen

  • Irakische Kinder an einer Lebensmittelausgabestelle (Quelle: dpa) Lebensmittel werden knapp: Irakische Kinder an einer Lebensmittelausgabestelle in Bagdad (Quelle: dpa)

Der UN-Sicherheitsrat verpflichtet den Irak zur vollständigen Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen und setzt eine Sonderkommission zur Rüstungskontrolle ein. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) soll die Beseitigung des irakischen Nuklearwaffenprogramms gemäß dem Atomwaffensperrvertrag verifizieren. Das seit 1990 bestehende Wirtschafts- und Waffenembargo wird nach Kriegsende immer wieder erneuert, da der Irak die Auflagen der UNO nur schleppend erfüllt. Die Bevölkerung verarmt zusehends. Die medizinische Versorgung kann nicht mehr gewährleistet werden. Millionen Menschen sterben aufgrund der Versorgungsengpässe. Im Januar 1998 kündigt der Irak daraufhin der UN-Abrüstungsbehörde die Zusammenarbeit auf. Nach einem diplomatischen Tauziehen verlassen die UN-Inspektoren am 16. Dezember 1998 den Irak. In den folgenden vier Tagen bombardieren US-amerikanische und britische Flugzeuge in der "Operation Desert Fox" Ziele im Irak.

Mit sporadischen Bombardements reagieren die USA und Großbritannien bis ins Jahr 2001 immer wieder auf die "Zielerfassungen durch irakische Flugabwehr". Die Lage spitzt sich nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 weiter zu: Aus US-amerikanischer Sicht bildet der Irak zusammen mit dem afghanischen Taliban-Regime die Speerspitze der antiwestlichen Propaganda. Nach Ansicht der konservativen Führungsschicht in den USA könnte ein demokratischer Irak einen Domino-Effekt auf die gesamte Region ausüben und dadurch letztlich dem islamisch motivierten Extremismus Einhalt gebieten. Mit großer finanzieller Unterstützung bereitet die Bush-Administration die im Irakischen Nationalkongress (INC) vereinigte irakische Exilopposition auf die Regierungsübernahme vor.

  • Inspekteure der UN-Abrüstungskommission beseitigen chemische Waffen in der irakischen Wüste (Quelle: SWR)

    Inspekteure der UN-Abrüstungskommission beseitigen chemische Waffen in der irakischen Wüste (Quelle: dpa)

  • Brennendes World Trade Center in New York am 9.11.2001 (Quelle: dpa)

    Terrorangriff vom 11.09.2001 in New York (Quelle: dpa)