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Hintergrund: Der Dritte Golfkrieg

Fehlendes UN-Mandat

  • US-Außenminister Colin Powell (Quelle: dpa) US-Außenminister Colin Powell spricht vor dem UN-Sicherheitsrat (Quelle: dpa)
  • Demonstration in Berlin gegen das militärische Vorgehen der USA (Quelle: dpa) Demonstration in Berlin gegen das militärische Vorgehen der USA (Quelle: dpa)

Auf Druck der neuen UN-Resolution 1441 und um die US-amerikanischen Vorwürfe zu entkräften, lässt der Irak am 27. November 2002 erstmals wieder UN-Waffeninspektoren ins Land – deren Tätigkeit allerdings massiv behindert wird. Am 5. Februar 2003 tritt US-Außenminister Colin Powell vor den Weltsicherheitsrat: Er führt den Beweis, dass der Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Sein Vortrag gleicht einer Multimedia-Präsentation, bestehend aus "Fakten und Schlussfolgerungen auf der Basis geheimdienstlicher Erkenntnisse". Doch Washington gelingt es nicht, eine Mehrheit unter den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats von der Existenz der Waffen zu überzeugen. In seinem Resümee vom 7. März 2003 beklagt sich der Chef der UN-Rüstungskontrollkommission Hans Blix zwar über die lückenhaften Dokumentationen, die der Irak geliefert habe; viele Fragen würden offen bleiben. Andererseits gebe es aber keine Hinweise auf die Existenz von Massenvernichtungswaffen.

Vor diesem Hintergrund kann Washington keine internationale, sondern nur eine "Koalition der Willigen" für einen neuen Krieg zusammenschmieden. Vor allem Deutschland und Frankreich lehnen einen Angriff ab, der aus ihrer Sicht nur neues Chaos und Leid produzieren könne und die gesamte Region zu destabilisieren drohe. In der ganzen Welt kommt es zu Protesten gegen den drohenden Krieg in Form von großen Massendemonstrationen. Kritiker der US-Regierung und die Friedensbewegung werfen Bush vor, einen Krieg wegen Öl führen zu wollen. Mitte März 2003 fordert US-Präsident Bush Saddam Hussein zum wiederholten Male auf, zusammen mit seinen Söhnen das Land zu verlassen. Als daraufhin keine Antwort erfolgt, beginnen US- und britische Truppen am 19. März mit dem Angriff auf den Irak – ohne UN-Mandat.

Krieg gegen Saddam

  • Irakische Spezialeinheit Fedayin Saddam (Quelle: dpa) Irakische Spezialeinheit Fedayin Saddam (Quelle: dpa)
  • Brennendes Bagdad, 2.4.2003 (Quelle: dpa) Brennendes Bagdad, 2.4.2003 (Quelle: dpa)

Die Kriegsstrategie der US-Armee besteht im Dritten Golfkrieg darin, mit Panzerspitzen so schnell wie möglich vorzumarschieren, um nach wenigen Tagen das Herz des Regimes in Bagdad zu erreichen. Widerstandsnester werden nachfolgenden Einheiten überlassen. Die reguläre irakische Armee tritt kaum in Erscheinung. Engagierter zeigen sich einzelne Spezialeinheiten wie die Fedayin Saddam, eine Truppe von "Kamikaze-Kämpfern". Zu härteren Kämpfen kommt es nur in der südirakischen Stadt Nasirija und am Flughafen von Bagdad. Bereits am 8. April marschieren US-Truppen in der irakischen Hauptstadt ein. Kurz darauf reißen sie die Saddam-Statue vom Sockel, und das Regime des Diktators gilt als gestürzt; eine US-geführte Übergangsverwaltung wird eingerichtet.

Am 1. Mai 2003 erklärt George Bush vor einigen tausend Soldaten an Bord eines Flugzeugträgers den Krieg für beendet, doch er betont, die Aufgabe im Irak sei noch nicht erfüllt. Allzu deutlich ist zu erkennen: Der Irak ist von Gewaltlosigkeit oder gar Befriedung weit entfernt. Washington hat zwar den Krieg in allen Einzelheiten vorausgeplant. Genaue Pläne für die Nachkriegszeit liegen allerdings nicht vor. Der rasche militärische Erfolg der US-geführten Truppen steht von Anfang an in Kontrast zu dem Misserfolg auf dem Gebiet der Zivilverwaltung. Einen ersten Eindruck geben die Plünderungen, die kurz nach dem US-Einmarsch in Bagdad beginnen. Die US-Truppen sind Kampfeinheiten, dünn gesät und auf Aufgaben der Friedenssicherung weder vorbereitet noch ausgebildet. Hinzu kommt, dass die Soldaten der irakischen Armee sich nicht ergeben, sondern samt ihren Waffen nach Hause gehen. Auch die meisten Polizisten erscheinen nicht mehr zur Arbeit.