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Unterricht: Die RAF vor Gericht – Der Stammheimprozess 1975–1977


Themen
• Rote Armee Fraktion
• RAF
• Terrorismus
• Siebziger Jahre
• Deutscher Herbst
• Hungerstreik

Fächer
• Geschichte
• Politik

Klassenstufen
• ab Klasse 9, alle Schularten

  • Zeichnung: Jan-Carl Raspe, Andreas Baader, Gudrun Ensslin u. Ulrike Meinhof im Gerichtssaal (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Die RAF-Terroristen vor Gericht: Jan-Carl Raspe, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)
  • Demonstranten mit roten Transparenten (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Nach dem Tod von Holger Meins kommt es zu Protesten gegen die Haftbedingungen der Angeklagten (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)
  • Beschädigte Autos nach Sprengstoffanschlag (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) 1972 verübte die RAF sechs Sprengstoffanschläge, bei denen es Tote und Verletzte gab (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Lehrplanbezüge

Der Einsatz der Sendung „Die RAF vor Gericht – Der Stammheimprozess 1975–1977“ lässt sich im Fach Geschichte sowie in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern einordnen.

Baden-Württemberg

Den aktuellen Bildungsplänen für die Oberstufe der Gemeinschaftsschule und das Gymnasium kann man unter anderem folgende Kompetenzen und Inhalte entnehmen:

„3.4.5 West- und Osteuropa nach 1945: Streben nach Wohlstand und Partizipation […]
(4) den Umgang mit Protest in West- und Osteuropa überblicksartig vergleichen und bewerten (Aufstand des 17. Juni, „Republikflucht“, Mauerbau, Wiederbewaffnung; 68er-Bewegung, Prager Frühling, Wertewandel)“ (BP 2016 GK, GYM S. 43ff.)

„Die Schülerinnen und Schüler können […]
(4) Anti-Terror-Gesetze im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit bewerten
2.2 Urteilskompetenz 2, 3
3.1.2.2 Grundrechte (1)
BNE Werte und Normen in Entscheidungssituationen
BTV Formen interkulturellen und interreligiösen Dialogs; Formen von Vorurteilen, Stereotypen, Klischees“ (BP 2016 GK, GYM S. 32 und GMS S. 46)

Rheinland-Pfalz

Die aktuellen Lehrpläne sehen in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern (Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde) ab Klasse 9 unter anderem folgende Lernfelder, Kompetenzen und Leitfragen vor:
„Lernfeld II.2.1 Die Welt nach 1945 – Orientierung“ „Welche gesellschaftlichen Konflikte treten auf und wie versucht man sie zu lösen?“
„Alltagsleben im Spannungsfeld von staatlicher Sicherheit und gesellschaftlicher Freiheit, z. B. […] Terrorismus“
„Terrorismus als radikales Mittel zur Durchsetzung von Ideologien“ (Lehrplan Gesellschaftswissenschaften 2016, S.125 und S. 128)

Saarland

Unter dem Themenfeld „Demokratie und Diktatur im 20. Jahrhundert“ nennt der saarländische Lehrplan im Fach Gesellschaftswissenschaften der 9. Klasse folgende Basisbegriffe:
„[…] Grundgesetz, Menschenrechte, Bürgerrechte, Zivilprozess, Strafprozess, Richter, Schöffen, Zeugen, Angeklagter, Beklagter, Kläger, Staatsanwalt, Verteidiger, Rechtsgleichheit, Rechtssicherheit, Grundgesetzbindung, Rechtswegegarantie, Unabhängigkeit der Richter, Rechtsordnung.“ (LP GMS 2014, S. 63)

Der aktuelle Geschichtslehrplan fordert zudem eine „Diskussion der Zusammenhänge zwischen Revolution und eskalierender Gewalt – mit Gegenwartsbezug“ (LP Geschichte 2020, S. 13)

  • Theodor Prinzing (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Theodor Prinzing war Vorsitzender Richter im Stammheimprozess (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)
  • Gabriele Prinzing (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Prinzings Tochter Gabriele sympathisierte damals mit der RAF (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Unterrichtsablauf/Methodische Erläuterungen

Für die Unterrichtssequenz mit dem Einsatz der Sendung „Die RAF vor Gericht“ sollten zwei bis drei Doppelstunden eingeplant werden, abhängig davon, ob einige Aufgaben als weiterführende Hausaufgaben erteilt werden oder im Unterricht vertieft werden sollen.

Einstieg

Der Unterricht beginnt mit einem stummen Impuls in Form eines Zitates und dem Logo der RAF. Hierzu wird das Materialblatt per Overheadprojektor oder interaktivem Whiteboard der gesamten Klasse kommentarlos präsentiert. In der Regel äußern sich die Schüler*innen dann spontan dazu. Ansonsten können (kommentarlos) Folienstifte an einige Schüler*innen verteilt werden. Um den RAF-Stern herum ist genügend Platz für Notizen. Hier sollen die Schüler*innen ihr Vorwissen zusammentragen und schriftlich fixieren.

Dieser Einstieg ist zunächst meist irritierend und doch, beziehungsweise gerade deshalb, sehr motivierend für die Schüler*innen, da ihr Interesse geweckt wird. Zudem ermöglicht er der Lehrkraft sich ein gutes Bild über das vorhandene Vorwissen der Klasse zu machen.

  • Gebäude der JVA Stuttgart-Stammheim hinter Mauer u. Stacheldraht (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Die führenden Köpfe der RAF wurden im Hochsicherheitstrakt in Stammheim inhaftiert (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Erarbeitungs- und Korrekturphase I

Mithilfe von Arbeitsblatt 1 soll das Vorwissen der Schüler*innen um Überblickswissen zu den drei Generationen der RAF ergänzt werden.

Als Hilfsmittel zur Bearbeitung dienen die Hintergrundtexte bei planet schule im Wissenspool zur Sendung (https://www.planet-schule.de/wissenspool/die-raf-vor-gericht/inhalt/hintergrund.html) sowie weitere Quellen, die den Schüler*innen zugänglich sind.

Vielleicht war die RAF in vorausgegangenen Stunden schon Thema, dann kann Arbeitsblatt 1 zur Vertiefung und Festigung dienen. Das Arbeitsblatt kann in Einzel- oder Partnerarbeit bearbeitet werden, im Plenum sollten die Ergebnisse kurz verglichen werden.

Im Anschluss daran wird die Sendung gezeigt. Die Schüler*innen können sich Notizen zum Film machen. Ein Gespräch im Plenum schließt sich an.

  • Polizist mit Maschinengewehr bewacht eine Straße (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Nach den RAF-Anschlägen beginnt eine umfangreiche Fahndungsaktion (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Erarbeitungs- und Korrekturphase II

Im nächsten Schritt sollen sich die Schüler*innen mit den wichtigsten Personen der RAF genauer befassen, indem sie je einen Steckbrief zu den „Gründungsmitgliedern“ (Holger Meins, Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe) erstellen. Dies kann in Partner- oder aber auch Kleingruppenarbeit mithilfe von Arbeitsblatt 2 erfolgen. Jede Person sollte von einem Team/einer Gruppe vorgestellt werden. Weitere Infos aus anderen Teams/Gruppen können mündlich ergänzt werden.
Der Blick auf die Menschen hinter den Terroristen sorgt für Gesprächsstoff und regt den Austausch in der Klasse an.

Mit Arbeitsblatt 3 widmen sich die Schüler*innen dann dem Stammheimprozess. Die wichtigsten Ereignisse müssen den korrekten Daten zugeordnet, in eine chronologische Reihenfolge gebracht sowie um einzelne Begriffe ergänzt werden. Hierzu dienen neben dem Internet vor allem auch die Hintergrundtexte von Planet Schule als Hilfsmittel. Die Daten können und sollen um weitere wichtige Ereignisse ergänzt werden und in einer Chronik aufgelistet werden.

  • Otto Schily (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Otto Schily, einer der Verteidiger im RAF-Prozess, wird 1998 Bundesinnenminister (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Weiterführende (Haus-)Aufgaben

Die Arbeitsblätter 4 und 5 enthalten weiterführende Aufgaben, die beispielsweise als Hausaufgabe oder zur Differenzierung für schnellere Schüler*innen eingesetzt werden können. Arbeitsblatt 4 thematisiert die Sondergesetze, die für den Prozess erlassen wurden und auch heute noch gelten. Zudem regt es die Schüler*innen an, sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Arbeitsblatt 5 rückt den Vorsitzenden Richter Theodor Prinzing sowie seine Tochter Gabriele Prinzing in den Fokus. Die beiden kommen in der Sendung zu Wort und schildern ihre persönlichen Gedanken zum Thema RAF und zum Stammheim-Prozess. Die Schüler*innen sollen dann den Konflikt herausarbeiten, der für die beiden durch den Prozess entstand. Und sie können die Frage erörtern/sich die Frage stellen, weshalb die RAF so viele Sympathisanten hatte.

  • S-w-Foto: Jean-Paul Sartre u. Klaus Croissant (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre (links) kritisiert nach seinem Besuch in Stammheim die Haftbedingungen (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Ergebnissicherung

Die Ergebnissicherung der Unterrichtssequenz findet in Form eines Rätsels auf Arbeitsblatt 6 statt. Angelehnt an die mit Codes verschlüsselte Kommunikation der RAF (unter anderem durch sogenannte Kassiber – geschmuggelte Nachrichten im Gefängnis) sollen die Schüler*innen hier auch einen Code knacken, nämlich den Zahlen die richtigen Buchstaben zuordnen und so wichtige Schlüsselbegriffe zum Thema RAF/Stammheimprozess herausfinden. Zu jedem Begriff oder Namen sollen sie, anhand der erarbeiteten Themen in der Unterrichtssequenz, einige Stichworte als Erinnerungshilfe notieren.
Das Lösungswort ist der Titel eines Filmes aus dem Jahr 2008: „Der Baader Meinhof Komplex“ und dient somit als Filmtipp für Zuhause. Wer möchte, kann sich den Film zur Wiederholung des Themas ansehen.

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Phase und Zeit Inhalt Sozialform Medien
Einstieg
10‘
Stummer Impuls: RAF-Zitat und RAF-Stern (Materialblatt);
Aktivierung von Vorwissen: Beschriftung rund um den Stern herum durch Schüler*innen auf OHP oder interaktivem Whiteboard
Plenum Materialblatt auf OHP-Folie kopiert und Folienstifte oder interaktives Whiteboard
Erarbeitungs- und Korrekturphase I
80‘
Erarbeitung von Überblickswissen mit Arbeitsblatt 1

Abgleichen der Ergebnisse

Überleitung zum Film, Ansehen des Filmes

Kurzes Gespräch über den Film
Einzel- oder Partnerarbeit

Plenum
Arbeitsblatt 1, Computer mit Internetzugang, Hintergrundtexte


Film
Erarbeitungs- und Korrekturphase II
mind. 90
Erstellen von Steckbriefen anhand von Arbeitsblatt 2 (Kopiervorlage)

Vorstellen der einzelnen Personen, kurzer Austausch über die Ergebnisse

Erstellen einer Chronik zum Stammheim-Prozess mithilfe von Arbeitsblatt 3

Abgleichen der Ergebnisse
Partner- oder Kleingruppenarbeit

Plenum



Partnerarbeit



Plenum
Arbeitsblatt 2, Computer mit Internetzugang




Arbeitsblatt 3, Computer mit Internetzugang, Hintergrundtexte
Weiterführende (Haus-)Aufgaben
ca. 30‘–60‘ pro Aufgabe
Bearbeitung der Arbeitsblätter 4 und 5 als Hausaufgabe oder Differenzierung für schnelle Schüler*innen

Vorstellen der Ergebnisse sowie Diskussion / Austausch darüber
Einzelarbeit




Plenum
Arbeitsblatt 4
Arbeitsblatt 5
Ergebnissicherung
20‘
Bearbeitung Arbeitsblatt 6

ggf. Abgleich im Plenum
Einzelarbeit

Plenum
Arbeitsblatt 6