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Hintergrund: Unter Wasser

Säuger unter Wasser

Seehunde, Walrosse oder Seekühe (Dugongs oder Manatis) besitzen Schnurrhaare wie die Hunde, Rösser und Kühe an Land. Am restlichen Körper finden sich, wenn überhaupt, nur wenige Borsten. Die Vibrissen helfen ihnen bei der Jagd auf Fische, vor allem in trüben Gewässern, oder den Seekühen beim Abweiden von Wasserpflanzen am Grund. Walrosse suchen den Meeresboden nach Muscheln und Schnecken ab und wirbeln dabei Sedimente auf. Die Tasthaare melden außerdem Wasserströmungen und Druckänderungen und das Annähern von Freund und Feind. Blinde Tiere können dank ihrer Tasthaare gut überleben, sehende Tiere ohne Tasthaare verhungern hingegen leicht.

  • Seehund (Quelle: picture-alliance ⁄ dpa) Ohne Schnurrhaare wären Seehunde in freier Wildbahn nicht überlebensfähig

Bei Delfinen und anderen Walen ist es die ganze Haut, die die Umwelt erspürt. Die gesamte Körperhülle ist mit Nervenenden übersät. So nehmen sie auch feine Druck- und Temperaturschwankungen wahr. Ebenso natürlich Wasserströmungen und die Bewegungen umgebender Lebewesen. Besonders empfindlich ist die Haut rund um das Atemloch, damit die Tiere genau wissen, ob die Öffnung bereits aus dem Wasser ragt. Von Delfinen heißt es außerdem, dass sie mit ihrem Kinn Gegenstände "betasten", die Mechanorezeptoren in der dort sehr empfindlichen Haut liefern ihnen offenbar mehr Information, als es die Augen tun. Ihr Echo-Ortungssystem nutzen Delfine vor allem zur Jagd und zur großräumigen Orientierung.

Fische und andere Wassertiere

So gut wie alle Fische nehmen feinste Wasserströmungen über die Seitenlinienorgane wahr: Hunderte bis tausende davon sitzen wie aufgereiht entlang den Seiten des Fischkörpers. Das Organ kommt in mehreren Ausprägungen vor, am häufigsten sind Neuromasten, am bekanntesten die Lorenzini-Ampullen beim Hai.

  • Fisch (Quelle: picture-alliance / Burkhard Juettner / vintage.de) Auch Fische haben Sinneswahrnehmungen, die zur Kategorie der Tastsinnesempfindungen zählen
  • Hai (Quelle: Wikipedia.de; US NOAA (Scot Anderson)) Haie besitzen ein sensibles Wahrnehmungssystem
  • Wels (Quelle: picture-alliance; OKAPIA KG) Der Wels – ein Fisch mit Tasthaaren am Maul

Das Seitenlinienorgan

Neuromasten sind Sinneszellen, die auf oder in der Oberhaut sitzen. Ein oder mehrere Sinneshaare, die Zilien, ragen in eine gallertgefüllte Säule hinein. Üben eine Strömung oder vorbeischwimmende Tiere auf das Gallert Druck aus, so registriert die Zilie die Verbiegung und der Fisch kann - dank der vielen Organe auf beiden Körperseiten - recht genau die Richtung ausmachen. So können sich Fische auch geschickt in engen Höhlen und im Dunkeln fortbewegen. Schwimmen sie im Schwarm, so meldet das Organ kleinste Richtungsänderungen der Nachbarn, und der Schwarm bewegt sich geschickt wie ein einziger Körper.

Lorenzini-Ampullen hingegen haben sich genau in die Gegenrichtung entwickeln: Sie ragen als hauchdünne Kanäle tief in die Haut hinein. Auch in ihnen ragen Sinneshaare in eine Gallertsäule. Lorenzini-Ampullen nehmen nicht nur Druck wahr, sondern auch thermische, chemische und elektromagnetische Reize. Haifische registrieren mit diesen Organen schon das schwache elektromagnetische Feld eines kleinen, vorbeischwimmenden Beutetiers. Da die Ampullen beim Hai geschickt ums Maul angeordnet sind, kann er gut die Richtung erkennen, aus der die Bewegung stammt. Mit einem sehr starken elektromagnetischen Feld können Taucher angreifende Haie abschrecken.

Auch einige ständig im Wasser lebende Amphibien besitzen Seitenlinienorgane, etwa manche Frösche oder der Grottenolm. Krebse und Krebstiere hingegen nehmen Druck und Strömung über Mechanorezeptoren an Beinen und Greifern wahr, ähnlich wie die Skorpione.

Manche Fischarten tragen außerdem eine Art Tasthaare am Maul: Die fadenförmigen Barteln helfen zum Beispiel Welsen, Karpfen und Dorschen beim Ertasten und Erschmecken der Umgebung.