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Hintergrund: Kakerlaken - Entwicklung und Lebensraum

Fakten: Entwicklung der Schabe

Die Schaben gehören zu den hemimetabolen Insekten, d.h. ihre Entwicklung ist unvollständig. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die bereits den erwachsenen Tieren ähneln (Abb. unten). Neben der geringeren Größe fehlen ihnen allerdings die Flügel und natürlich die Geschlechtsreife. Die Entwicklung vollzieht sich in der Regel über 5 Larvenstadien, bei ungünstigen Bedingungen können weitere Häutungen hinzukommen. Das letzte Larvenstadium häutet sich direkt zur erwachsenen Schabe. Ein Puppenstadium wie bei den holometabolen Insekten (z.B. Käfer und Schmetterlinge) fehlt. Die Schaben unterscheiden sich hinsichtlich der Brutfürsorge in ovipare (eierlegende) und vivipare (lebendgebärende) Arten.

Ovipare Arten

Die oviparen Arten, die zur Unterordnung Blattoidea gehören, bilden Ootheken (Eibehälter) mit einer harten Schale aus, die über einen bestimmten Zeitraum außen am Hinterleib umhergetragen werden, entweder nur wenige Tage (Orientalische Schabe, Amerikanische Schabe) oder bis kurz vor dem Schlupf der Larven (Deutsche Schabe). Die Eibehälter können je nach Form, Größe und Schabenspezies 16 bis 36 Embryonen enthalten. Die äußere Hülle der Ootheken ist dick und wasserundurchlässig. Zu diesem Fortpflanzungstyp gehören die wirtschaftlich wichtigsten Arten.

Vivipare Arten

Die lebendgebärenden Arten im weiteren Sinne (fast alle Blaberidae und 2 Gattungen der Blattellidae) bilden eine fertige Ootheke aus, die im Uterus oder in einem speziellen Brutsack gelagert wird. Die Embryonen erhalten genügend Dotter zur Entwicklung und werden vom Muttertier vor allem mit Wasser versorgt. Die Eikapsel ist im Gegensatz zu den oviparen Arten dünnwandig und durchlässig für Wasser und Nährstoffe. Zu den echten lebendgebärenden Schaben gehören nur relativ wenige Arten (z.B. Diploptera punctata). Die Eier sind bei diesen Arten klein und müssen während der Embryogenese vom Weibchen über die Uterusmembran mit Nährstoffen und Wasser versorgt werden. Parthenogenese (ungeschlechtliche Fortpflanzung) wurde nur bei der Surinamschabe (Pygnocelis surinamensis) nachgewiesen.

Entwicklungszyklus der Deutschen Schabe

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Weibchen mit Ootheke (oben) (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    ausgewachsene Schabe, misst max. 15mm (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    3mm sind die Winzlinge (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Eipaket (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Eipaket der Deutschen Schabe (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Lebensraum

Ökologische Bedeutung

In ihren ursprünglichen Lebensräumen ernähren sich Schaben vor allem von abgestorbenen Pflanzenteilen und Früchten und liefern einen wichtigen Beitrag zur Zersetzung der Bodenstreu und der Bildung von Humus. In den Nahrungsketten vieler Ökosysteme sind die Schaben ebenfalls ein essentieller Bestandteil. Sie haben damit vor allem in den tropischen Waldöko-Systemen eine wichtige Funktion.

Übertragung von Krankheiten

Die Gefahr der Krankheitsübertragung durch Schaben auf Mensch und Tier darf nicht unterschätzt werden. Während die Vernichtung von Lebensmitteln durch Fraß nur eine untergeordnete Rolle spielt, kommt der Kontaminierung von Lebensmitteln mit Schabenkot und Krankheitskeimen eine große Bedeutung zu (Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen = Einzeller, Nematoden = Fadenwürmer). Diese Mikroorganismen werden mechanisch über den Körper, durch erbrochenen Kropfinhalt oder Kot verbreitet. Besonders problematisch ist der Kropfinhalt, da hier eine Massenvermehrung der Mikroorganismen stattfinden kann. Außerdem werden aus dem Kropfinhalt sowie durch Teile der Kutikula Allergene freigesetzt. Krankheitskeime können durch Anheftung an die Oberflächen des Panzers oder durch Aufnahme mit der Nahrung und spätere Ausscheidung übertragen bzw. verschleppt werden.

Natürliche Feinde

Schaben dienen in ihrer natürlichen Umgebung vielen Arthropoden sowie Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren als Beute. Die abgelegten Ootheken werden von Schlupfwespen parasitiert. Die Larven der Fächerkäfer (Familie Rhipiphoridae) parasitieren ebenfalls an Schaben.