zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Kakerlaken - Deutsche Schabe

Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Die Deutsche Schabe Blattella germanica (Linnaeus, 1767) ist in den gemäßigten Breiten die häufigste und wirtschaftlich wichtigste Schabenart. Sie wurde aus ihrer ursprünglichen Heimat durch den Menschen über den gesamten Erdball verschleppt.

Aussehen:

Die ausgewachsenen Schaben sind 13 bis 16 mm lang und hellbraun bis dunkelbraun gefärbt. Auf der Vorderbrust befinden sich zwei parallele schwarze Längsstreifen. Die Weibchen sind dunkler gefärbt als die Männchen. Ihr Hinterleib ist im Vergleich zu den Männchen breiter und hinten abgerundet. Die erwachsenen Tiere besitzen zwar Flügel, können aber nicht fliegen. Bei den leichteren Männchen kann man allenfalls einen Gleitflug beobachten. Dafür ist die Deutsche Schabe ein guter Läufer und kann bis zu 29 cm pro Sekunde zurücklegen. Die Deutsche Schabe ist ovipar und produziert 6 bis 9 mm lange, hell- bis mittelbraun gefärbte Eibehälter. Die Ootheken sind in der Regel mehr als doppelt so lang wie breit und leicht sichelförmig gebogen. Die ersten beiden Larvenstadien haben eine dunkelbraun bis schwarz gefärbte Brust. Auf dem Rücken befindet sich ein hellbrauner Streifen. Die späteren Larvenstadien sind heller gefärbt.

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Weibchen mit Ootheke (oben) (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Blattella Germanica (Deutsche Schabe) (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Blattella Germanica (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Schabenkot kann Allergien auslösen (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

  • Eipaket der Deutschen Schabe (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Eipaket der Deutschen Schabe (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Entwicklung

Die ausgewachsenen Schaben kopulieren bereits wenige Tage nach der Häutung, und die 1. Oothek wird nach 1 bis 2 Wochen gebildet. Die mittlere Lebenserwartung der erwachsenen Tiere beträgt 100 bis 200 Tage. Die Weibchen produzieren in diesem Zeitraum ca. 4 - 8 Ootheken (im Mittel 5), die jeweils 18 bis 50 Eier enthalten können, meist ca. 36. Die Eibehälter werden von den Weibchen während der Embryonalentwicklung umhergetragen und mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt. Kurz vor dem Schlupf der Larven suchen die Weibchen eine Wasserquelle auf und erhöhen durch Wasseraufnahme ihren Haemolymph-Druck, wodurch die Oothek abgestoßen werden kann. Durch die obligatorische Wasseraufnahme der Weibchen wird gewährleistet, dass die frisch geschlüpften Larven, die nur einen eng begrenzten Aktionsradius haben, eine Feuchtigkeitsquelle zur Verfügung haben. Die Entwicklung vom Ei bis zur geschlechtsreifen Imago kann unter optimalen Bedingungen bereits nach 40 Tagen abgeschlossen sein. Sie dauert in der Regel 2 bis 3, selten mehr als 7 Monate. Die Deutsche Schabe hat damit eine kurze Entwicklungszeit, was sicher neben ihrer geringen Körperlänge ein Grund für ihre erfolgreiche Ausbreitung in der Umgebung des Menschen ist.

Vorkommen und Bedeutung

Die Deutsche Schabe ist in den gemäßigten Breiten die häufigste Spezies und kommt in Gaststätten, Großküchen, Hotelbetrieben, Krankenhäusern, aber auch in (meist zentralbeheizten) Wohnungen vor. Der Befalls-Schwerpunkt liegt häufig im Küchenbereich oder in Räumen, in denen Lebensmittel verarbeitet werden. Wäschereien werden aufgrund der hohen Temperatur und Feuchte ebenfalls gern von der Deutschen Schabe besiedelt und können bei der Verbreitung der Deutschen Schabe besonders in Krankenhäusern eine wichtige Rolle spielen. Zoologische Gärten und Zoohandlungen haben aufgrund der dort herrschenden hohen Temperaturen ebenfalls häufig Schabenprobleme. Moderne Einkaufszentren sind aufgrund der hohen Temperaturen, des vielfältigen Nahrungsangebotes und der zahlreichen Versteckmöglichkeiten besonders gefährdet. Viehställe (bes. Schweineställe) in landwirtschaftlichen Betrieben können ebenfalls von der Deutschen Schabe besiedelt werden. Im Freien kann diese Art nur unter günstigen warmen Bedingungen überleben, z.B. in Rottedeponien. Bevorzugt werden Bereiche, deren Temperatur mehr als 20°C beträgt, in der Nähe einer Nahrungs- und einer Feuchtigkeitsquelle, (hinter Waschbecken, Küchenschränken, Wärmeaustauschern von Kühlschränken, aber auch in elektrischen Geräten). Hinter Scheuerleisten, Türrahmen, defekten Fliesen, Mauerfugen, Bildern und Spiegeln werden die Tiere regelmäßig gefunden. Schächte mit Warmwasser-, Abfluss- und Heizungsrohren, Fernheizungen und Müllschlucker-Anlagen sind ebenfalls ideale Verbergeorte und dienen gleichzeitig der Verbreitung. Während der Aktivitätszeit können sich die Tiere aber durchaus auch in kalten Bereichen aufhalten (z.B. zur Nahrungsaufnahme). Unter 4°C sind die Tiere allerdings nicht mehr aktiv. Ihre obere Temperaturgrenze liegt bei 42°C. Die Imagines sowie die älteren Larvenstadien können durchaus bis zu 40 Tage hungern, wenn eine ausreichende Feuchtigkeitsquelle zur Verfügung steht. Jeder Spalt in der Umgebung einer Nahrungsquelle kann tagsüber als Versteck genutzt werden, wobei die Schaben ein auffälliges Aggregationsverhalten zeigen, das durch sog. Aggregationspheromone gesteuert wird, die mit dem Kot abgegeben werden. Hierbei reichen dem 1. Larvenstadium Spalten von 1 mm Höhe, die Imagines benötigen mindestens 5mm. Die Deutsche Schabe ist generell nachtaktiv und verbringt ca. 75% des Tages in ihren Verstecken. Tagsüber umherlaufende Tiere deuten meist auf einen sehr starken Befall und auf eine hohe Besatzdichte in den Verstecken hin. Die Tiere werden meist in Verpackungen von Lebensmitteln (z.B. Wellpappe), in Paletten und dergl., aber auch in gebrauchten Elektrogeräten (Kühlschränke, Fernseher, Mikrowellen usw.) in den Wohnbereich eingeschleppt. Von einer günstigen Befallsquelle (z.B. Gastwirtschaft) kann eine kontinuierliche Einwanderung in die Umgebung erfolgen. Die Deutsche Schabe kann sich von allen möglichen organischen Substanzen ernähren, die energetisch verwertbare Materialien enthalten. Die Aktivität der Tiere hängt vom Stadium bzw. von ihrer Physiologie ab. Die Weibchen reduzieren ihre Aktivität während des Austragens der Ootheken. Die Larven verharren die letzten drei Tage vor der nächsten Häutung in ihren Verstecken und bereiten sich auf diesen Prozeß vor. Die ersten beiden Larvenstadien haben nur einen geringen Aktivitätsradius im Bereich ihrer Feuchtigkeitsquellen. Die durch die Deutsche Schabe hervorgerufenen Fraßschäden an Lebensmitteln und Vorräten, aber auch an Leder, Textilien und Papier sind meist gering. Die Kontamination der Nahrungsmittel mit Kot, Kropfinhalt oder Exkreten aus Speicheldrüsen stellt dagegen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar. In landwirtschaftlichen Betrieben kommt es aufgrund der Übertragung von Krankheitskeimen durch Schaben auf das Vieh zu Verlusten im Fleisch- und Milchertrag.