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Hintergrund: Flusskrebs

Lebensraum der Flusskrebse

  • Bach (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Lebensraum für Flusskrebse: naturnahe, saubere Bäche mit überhängenden Ufern und steinigem Grund.
  • Jungkrebse (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Jungkrebse im Schutz der Mutter

Noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts besiedelte der Flusskrebs in rauhen Mengen die Bäche. Die Krebspest seit Ende des 19. Jahrhunderts, aber auch die Begradigung und Verschmutzung unserer Gewässer im 20. Jahrhundert haben ihn stark dezimiert. Wild lebende Flusskrebse sind geschützt, denn man findet sie nur noch an wenigen naturnahen, sauberen Bächen mit überhängenden Ufern und steinigem Grund. Im Laufe der Evolution haben sich die Extremitäten der „zehnfüßigen Krebse“ in zahlreichen Variationen abgewandelt. Die größten Gliedmaßen sind die Scheren zum Kämpfen und Zupacken. Die darauffolgenden vier Beinpaare dienen vor allem der Fortbewegung. Das erste, kürzere Antennenpaar trägt Sinneszellen zum Schmecken. An der Basis sitzen mit Chitin ausgekleidete Gruben, die Sandkörnchen enthalten und als Gleichgewichts-Organe dienen. Die zweiten, viel längeren Antennen sind Fühler, mit denen der Flusskrebs seine Umgebung abtastet. Außerdem orientiert sich das vorwiegend nachtaktive Tier mit seinen auf Stielen sitzenden Facettenaugen. Außerhalb der Paarungszeit sind Flusskrebse Einzelgänger und dulden keine Artgenossen im selben Unterschlupf. Der Eindringling richtet sich auf, um größer zu wirken. Doch der angestammte Besitzer wehrt sich und setzt seine Scheren ein, sodass der Angreifer ruckartig den Hinterleib zur Bauchseite einschlägt und rückwärts flüchtet. Flusskrebse nutzen nicht nur Naturverstecke, sie bauen sich mit Gliedmaßen und Schwanzfächer auch „eigenfüßig“ Höhlen.

  • Flusskrebs (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Die Vier Beinpaare sind zum maschieren. Sie dienen dem Krebs zum Tasten.

  • Flusskrebs (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Krebse sind vor allem nachts aktiv. Zur Orientierung benutzen sie die Antennen.

Häutung

  • Krebs (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Krebse gehören zu der Tiergruppe der Gliederfüßler

Nierenähnliche Drüsen liegen im Kopf der Tiere, der Harn wird an der Fühlerbasis ausgeschieden. Der Flusskrebs ist ein Allesfresser, der Aas beseitigt, an Wasserpflanzen knabbert, Wasserinsekten fängt, sich von Schnecken, Muscheln, Lurchen ernährt und gelegentlich sogar einen Fisch erbeutet. Auch Schlammröhrenwürmer scheinen ihm zu schmecken. Wenn der Krebs nicht mehr nach Nahrung sucht und die harte Hülle grau und fleckig wird, steht die „Häutung“ unmittelbar bevor. Der Panzer besteht aus Chitin, in den Kalk eingelagert ist. Diesen Kalk gewinnt der Krebs vor der Häutung zurück und speichert ihn an seiner Magenwand als sogenannte Krebssteine. Die Gelenkhaut zwischen Kopfbrust und Hinterleib platzt. Dann befreit sich das Tier nach und nach, manchmal in wenigen Minuten, manchmal dauert dies viele Stunden, wobei sogar Gliedmaßen abbrechen können. Das neue Gewand ist noch weich und schützt nur ungenügend vor Feinden. Es dauert mehr als eine Woche, bis der Panzer des „Butterkrebses“ ausgehärtet ist. Nach einiger Zeit wird die abgelegte Hülle von den Krebsen aufgefressen.

  • (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Butterkrebs heißt der Krebs kurz nach der Häutung. Die Butterkrebse verstecken sich in Höhlen unter den Wasserpflanzen.

  • (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

    Ende Oktober - Paarung

Fortpflanzung

  • Samenträger (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Der männliche Krebs hat seinen Samenträger plaziert.
  • Flusskrebs-Eier (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung) Flusskrebs-Eier: zwischen 60 und 300 befruchtete Eier haften an den Füßchen des Hinterleibs.

Ende Oktober ist die Zeit der Paarung. Das auf dem Rücken liegende Männchen versucht das Weibchen in diese Position zu bringen. Mit seinen Begattungsorganen, den umgebildeten ersten beiden Beinpaaren des Hinterleibs, müht er sich, eine klebrige Masse, die die Spermien enthält und im Wasser sofort erhärtet, auf der Bauchseite des Weibchens anzuheften. Die richtige Plazierung des Spermienträgers zwischen dem zweiten Schreitbeinpaar gelingt nur, wenn das Weibchen auf dem Rücken liegt. Zur Befruchtung kommt es erst etliche Tage später, wenn das Weibchen die Eier zusammen mit einem Sekret auspresst, das die Spermien aktiviert. Zwischen 60 und 300 befruchtete Eier haften an den Extremitäten des Hinterleibs, der zum Schutz der Brut nach vorn geklappt wird. Über ein halbes Jahr dauert die Entwicklung in den Eihüllen, denn die Temperatur der wechselwarmen Tiere entspricht der Umgebungstemperatur. Meist entwickelt sich höchstens ein Drittel der Eier vollständig. Von Ende Mai bis Mitte Juni schlüpfen aus den nur 2 bis 3 Millimeter großen Eiern die Jungkrebse. Sie bleiben bei der Mutter und zehren zunächst vom restlichen Dottervorrat. Nach acht bis zehn Tagen häuten sich die nahezu farblosen Tierchen zum ersten Mal, machen kleinere Ausflüge, kehren aber immer noch zur Mutter zurück. Im ersten Lebensjahr bringen es die Krebse auf acht Häutungen, im zweiten auf fünf, im dritten auf drei, und dann häuten sie sich nur noch einmal im Jahr. Mit vier Jahren sind sie geschlechtsreif. Viele Feinde lauern auf die jungen, aber auch auf die älteren Tiere: Fische, Wasseramseln, Eisvögel und Otter. Der Flusskrebs Astacus astacus wird von seinen Feinden zwar dezimiert, aber niemals in seinem Bestand gefährdet. Nur ein Pilz, die sogenannte Krebspest, und der Mensch konnten ihm bisher ernsthaft zusetzen.

Edelkrebs (Astacus astacus)

Der Edelkrebs ist der größte und bekannteste unter den einheimischen Krebsarten. Die Männchen können bis zu 20 cm groß werden, die Weibchen bleiben etwas kleiner. Die Unterseite der Scheren und Beine ist – vor allem an den Gelenken – rot gefärbt. Die Scheren zeigen eine starke Einbuchtung. Die Leiste auf dem Rostrum ist deutlich gezackt. Die Oberseite ist in Abhängigkeit vom Untergrund braun bis olivgrün; regelmäßig kommen auf blauen Mergelböden auch blaue Tiere vor. Der Edelkrebs kommt in größeren Bächen, kleineren Flüssen, Seen und Weihern vor. Er ist überwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber in selbst gegrabenen Höhlen. Hauptverbreitungsgebiete in Baden-Württemberg z.B. waren früher der Rhein mit seinen Altarmen und größeren Nebenflüssen (Neckar) sowie die Donau und die oberschwäbischen Seen. Heute wird versucht, den Edelkrebs besonders im oberschwäbischen Raum wieder vermehrt anzusiedeln.

Zeichnung

© 1980 by Parey Buchverlag im Blackwell Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin

  • Frischgeschlüpfter Krebs © 1980 by Parey Buchverlag im Blackwell Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin

Weitere einheimische Krebsarten sind der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes). Der Steinkrebs ist mit etwa 8 cm Länge die kleinste Krebsart. Der Dohlenkrebs wird mit etwa 10 cm nur wenig größer. Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus) (vorwiegend aus der Türkei), Kamberkrebs (Orconectes limosus) und Signalkrebs (Pacifastacus leniusulus) (aus Amerika) sind fremde Krebsarten, die bei uns eingeführt wurden. So hat z.B. der bekannte Fischzüchter M. von dem Borne um 1890 etwa 100 Kamberkrebse aus Pennsylvania in seine Teiche im Raum Frankfurt an der Oder eingesetzt, von wo sie sich nach und nach in die Flußgebiete der Oder, in den Mittellandkanal und bis zum Rhein hin ausbreiteten.

Krebspest:

Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde aus Nordamerika die Krebspest – vermutlich mit Importen lebender Krebse – nach Europa eingeschleppt. Innerhalb von wenigen Wochen wurden die Krebsbestände ganzer Gewässersysteme ausgerottet. Erreger der Seuche ist der Pilz Aphanomyces astaci. Nur wenige Bestände blieben verschont, konnten sich wieder erholen und ausbreiten. Zwar werden auch die amerikanischen Arten vom Krebspest-Erreger befallen, aber die Krankheit verläuft bei ihnen nicht seuchenartig.

Parasiten:

Häufig findet man an den Gelenken, in den Kiemen und an den Augenstielen einen weißen Wurm (Branchiobdella), einen blutsaugenden Schmarotzer, der mehrere Millimeter lang wird (Film!). Beim Häuten wird ein Teil der Parasiten abgestreift.

Körperbau:

Der Krebs hat ein Außenskelett, das aus kalkimprägniertem Chitin besteht und den Körper stützt und schützt. Kopf und Brust sind zu einem Kopfbruststück (Cephalothorax) verwachsen. Eine besonders harte Schale wölbt sich als Panzer darüber. Eine Querfurche lässt erahnen, wo Kopf und Brust aneinanderstoßen. Der Panzer endet zwischen den auf Stielen sitzenden Facettenaugen mit einer Spitze, der sogenannten Krebsnase (Rostrum). Die Bereiche links und rechts der beiden Längsfurchen überdecken die beiden Kiemenhöhlen. Der Hinterleib (Abdomen) ist deutlich in fünf Ringe gegliedert. Alle höheren Krebse bestanden ursprünglich aus 21 Segmenten, mit je einem Paar Gliedmaßen. Beim Flusskrebs sind die Gliedmaßen ihrer Funktion angepasst: Das 1. Antennenpaar ist nicht nur Geruchsorgan, sondern trägt im Sockel auch das Gleichgewichtsorgan (1); das 2. größere Antennenpaar dient zum Tasten (2). Die drei nächsten Gliedmaßenpaare fungieren als Kiefer [Mandibel (3), 1. Maxille (4) und 2. Maxille (5)]. Drei Paar Kieferfüße bilden einen Übergang von den Kiefern zu den Füßen (6,7,8). Das nächste Gliedmaßenpaar sind die Scheren (9), die zum Ergreifen der Nahrung und als Waffe dienen. Nur der innere Teil der Schere ist beweglich. Ein stärkerer Schließmuskel im unteren Bereich des äußeren Teils – außen gelegen – und ein schwächerer Öffnermuskel im unteren Bereich des äußeren Teils – innen gelegen – sind die zur Bewegung notwendigen Antagonisten. Vier Schreitfußpaare (10,11,12,13), die eigentlichen Fortbewegungsorgane, folgen. Der Hinterleib trägt fünf Paar Schwimmfüßchen (Afterfüßchen) (14,15,16,17,18); beim Männchen sind die ersten beiden zu Begattungsorganen umgebildet, beim Weibchen ist das erste verkümmert. Das vorletzte Paar ist zu Flossen umgewandelt und bildet mit dem 21. unpaaren Glied (Telson) den Schwanzfächer (19). Die Scheren und Schreitfüße bestehen aus jeweils fünf Gliedern, die Gelenke sind nur dünn gepanzert: Gliederfüße.

Gliederfüße

aus: Storch, Volker / Welsch, Ulrich, Kükenthals Leitfaden für das Zoologische Praktikum, 23.Aufl., Spektrum Akademischer Verlag 1999, ISBN 3-8274-0901-2

Freipräparierte Kiemen

© 1980 by Parey Buchverlag im Blackwell Wissenschafts-Verlag GmbH, Berlin

1 - erster Fühler
2 - zweiter Fühler
3 - dritter Kieferfuß
4 - Basis der Schere
5 - 8 - Basis der Schreitfüße

Die Kiemen sitzen an der Basis des 2. und 3. Kieferfußpaares und an der Basis der Schreitfußpaare. Sie ragen aufwärts in die vom Rückenschild überdeckte Kiemenhöhle. Das 2. Kieferpaar strudelt das Atemwasser, das von hinten nachfließt, aus der Höhle. Im Unterschied zu Fischen bleiben die Kiemen der Krebse außerhalb des Wassers in feuchter Umgebung tagelang funktionsfähig. Die federähnlichen Kiemen legen sich nämlich nicht aneinander.

Organe

aus: Grundriß der allg. Zoologie, von Alfred Kühn, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1969, S.45

Innere Organe (Schema):

Muskulöses, offenes Röhrenherz (F); zweigeteilter Magen mit Kaumagenteil (C); Mitteldarmdrüsen (Sekretion von Verdauungssäften, Resorption der verdauten Nahrung) (D); Darm (E), Ausscheidungsorgane („Nieren“) im Kopfbereich (K); „Gehirn“ (Oberschlundganglion) (B) mit Bauchmark (Strickleiternervensystem) (H); Geschlechtsorgane (G); Kiemen (I); Facettenauge (A).