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Unterricht: Was glaubst du denn?


Themen
• Religion
• Islam
• Christentum
• Judentum

Fächer
• Religion
• Ethik
• Gemeinschaftskunde
• EWG
• WZG

Klassenstufen
• ab Klasse 8, alle Schularten

  • Junger Mann mit Brille. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Patric ist 23 und will katholischer Priester werden (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Junge Frau mit schwarzem Kopftuch. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Laila hat sich in der 11. Klasse entschlossen, das Kopftuch zu tragen (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)
  • Junger Mann mit Kinnbart. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Boris ist gläubiger Jude, der sich in der Jugendarbeit engagiert (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Bezug zu den Bildungsplänen

Im Zuge aktueller Vielfalt an Religionen in Deutschland gewinnt das Thema Toleranz an Bedeutung. Dabei reicht es nicht, die Weltanschauungen und Glaubensrichtungen unserer Mitmenschen nur zu dulden. Vielmehr muss ein Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Respekts entstehen, wenn ein friedliches Miteinander bestehen soll. Um Toleranz zwischen und gegenüber verschiedenen Religionen zu fördern, bedarf es einer frühen Auseinandersetzung mit dem Thema, um Barrieren und Ängste erst gar nicht entstehen zu lassen. Brücken müssen dort entstehen, wo Unsicherheiten und Vorurteile wachsen. Der Film „Was glaubst du denn?“ aus der SWR-Reihe „Ich und die Anderen“ kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten, weil er sehr nah und einfühlend die Lebenswege dreier Jugendlicher beschreibt, die ihre Religion auf unterschiedlichste Weise leben. Trotz unterschiedlicher Glaubensrichtungen verbindet sie der Wunsch nach Akzeptanz in der Gesellschaft sowie die eigene Toleranz gegenüber anderen Menschen und Weltanschauungen.

In einer von Vielfalt geprägten Welt sind Respekt, Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit als Kernkompetenzen der Bildungspläne zu sehen. Hierbei wird Schule als Ort von Toleranz und Weltoffenheit beschrieben, der Schülern Raum gibt, auf Identitätssuche frei von Angst und Diskriminierung zu gehen und darüber hinaus andere Lebensentwürfe unter dem Blickpunkt toleranter Lebensweise kennenzulernen. Unseren Schülern soll es gelingen, Respekt gegenüber anderen Weltanschauungen aufzubauen, indem sie sich aktiv mit ungewohnten Denkweisen befassen. Dies stärkt einerseits das gegenseitige Verständnis und schärft gleichermaßen das persönliche Bewusstsein für die eigene Identität. Der Mut und die Fähigkeit zum interreligiösen und -kulturellen Dialog ist des Weiteren als Beitrag zur Menschenrechts- und Friedenserziehung zu sehen, der Vorurteilen entgegenwirkt und die Grundlage für ein tolerantes Miteinander in der modernen Gesellschaft bildet. Da in den Bildungsplänen vielerorts ein differenziertes Unterrichten gefordert wird, hält der folgende Unterrichtsvorschlag Wahlmöglichkeiten zur Bearbeitung der Aufgaben bereit.

Die Sendung kann ab Klasse 7 im Unterricht zum Einsatz kommen, weil sie, gemäß Bildungsplan, Gemeinsamkeiten und Unterschiede religiöser Überzeugungen benennt und Themen für den interreligiösen Diskurs aufzeigt. Schüler lernen so die wichtigsten Glaubenselemente und Traditionen der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam kennen und bekommen darüber hinaus Einblicke in das Leben von gläubigen Jugendlichen. Die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Lebensentwürfen soll Schüler befähigen, sich auf die Perspektive anderer einzulassen, um sie miteinander in Bezug zu setzen und letztlich die Kernelemente des Glaubens zu erfassen und zu tolerieren.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig. In erster Linie bezieht sich der Film auf Elemente des Religions- und Ethikunterrichts und auf Aspekte verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Gleichermaßen kann er auf Grundlage pluralistischer Lebensentwürfe beim Themenbaustein ‚Toleranz‘ Verwendung finden. Des Weiteren kann er in den Fächern Politik, Gesellschafts- beziehungsweise Gemeinschaftskunde eingesetzt werden in Hinblick auf die Themen Menschenwürde, Religionsfreiheit und Leben in demokratischen Gemeinschaften mit besonderem Schutz der eigenen Person.

Der folgende Unterrichtsentwurf steht unter dem Themenschwerpunkt Toleranz und Andersartigkeit und hat zum Ziel, Schülern Einblicke in eine heterogene Gesellschaft unter Berücksichtigung unterschiedlicher Glaubensfelder zu geben. Hierbei erscheint wichtig, sich vorerst mit dem Thema „Vorurteile“ auseinanderzusetzen, indem diese definiert, erfasst und in Bezug zu persönlichen Erfahrungen gesetzt werden. Anschließend folgen Informationen über das religiöse Leben Jugendlicher durch den Film. Er hilft Schülern, Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und die Religionen Judentum, Christentum und Islam kennenzulernen und zu verstehen. Im Zuge der Toleranzbildung erfolgt eine Auseinandersetzung mit Lessings Ringparabel, die in direkten Bezug zu den genannten Religionen gesetzt wird, um den Mythos einer „wahren“ Religion zu entkräften und statt dessen Respekt und Achtung gegenüber Andersartigkeit entstehen zu lassen. In einem letzten Schritt erfahren die Schüler eine neue Art der Religionstoleranz, indem das Gotteshaus „House of One“ vorgestellt wird, welches in Berlin gebaut wird und das alle drei genannten Religionen unter einem Dach beherbergt. Durch die Vielfalt eingesetzter Methoden ergibt sich ein breites Spektrum an erworbenen Kompetenzen in sozialer, persönlicher, fachlicher und methodischer Hinsicht.

  • Junge Leute bei Auftritt auf Bühne. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Boris mag Rap, macht Musikvideos und tritt beim Jewrovision Song Contest auf (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

  • Junge Frau mit Kopfschleier in Bibliothek. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Laila studiert Politikwissenschaft und lernt Chinesisch und Japanisch (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

  • Zwei Junge Männer in Kletter-Montur. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Für Patric (rechts) ist es sein Traumberuf, Seelsorger zu sein (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Unterrichtsverlauf

Der knapp 30-minütige Film eignet sich aufgrund zeitlicher Aspekte besonders für eine Doppelstunde oder zwei aufeinanderfolgende Stunden.

Die Lehrperson eröffnet den Unterricht mit dem Vortrag eines Textes (Arbeitsblatt 1), der die außergewöhnlichen Pläne einer 14-jährigen Schülerin beschreibt, die sie ihren Eltern in einem Brief offenbart. Am Ende des Vortrags steht die Frage im Raum, weshalb die Pläne der Schülerin für die Eltern schockierend und fragwürdig erscheinen. Hierbei kommt man schnell auf das Thema „Vorurteile“, die einem während des Textes bildhaft vor Augen sind.

Anschließend sollen sich die Schüler aktiv mit dem Thema „Vorurteile“ auseinandersetzen (Arbeitsblatt 2), indem Definitionen, Nachteile und eigene Erfahrungen herangezogen werden, um sie für den nachfolgenden Film zu sensibilisieren.

Der Film kann unter Bezug auf die Problematik von Vorurteilen angekündigt werden. Während des Anschauens werden die Profile der Protagonisten verglichen, indem Besonderheiten aufgenommen werden (Arbeitsblatt 3), um diese im nächsten Schritt miteinander zu vergleichen und unter Einbeziehung weiteren Wissens über die Religionen der Klasse zu präsentieren (Arbeitsblatt 4). Dazu ist es dienlich, Literatur oder Internetzugang zur Recherche für die Schüler bereitzustellen.

Nach der Präsentation stellt sich die Frage, welche der Religionen denn nun „im Recht“ sei in Hinblick auf Glaube und Weltanschauung. Hier empfiehlt es sich, ein Stimmungsbild der Klasse entstehen zu lassen, indem einzelne Meinungen aufgenommen werden. Aufschluss über Antworten auf diese Frage soll nun die Ringparabel aus Lessings Drama „Nathan der Weise“ geben, das als Plädoyer für Toleranz und Humanität gilt. Die Schüler lernen die Parabel kennen, erschließen den Inhalt (Arbeitsblatt 5) und transferieren ihn auf die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam (Arbeitsblatt 6).

Hieraus ergeben sich Entwürfe friedlichen Miteinanders auf Basis einer toleranten Denk- und Lebensweise. Vertieft werden diese Erfahrungen durch eine eigene, kreative Fortsetzung der Parabel, die die Entwicklungen und Situationen der Protagonisten 50 Jahre später beschreiben soll, wobei die Schüler unterschiedliche Methoden der Verarbeitung auswählen können (Arbeitsblatt 7). Diese können nach Fertigstellung beispielsweise in einem Galerie-Gang von den Mitschülern bestaunt und gewürdigt werden.

Im letzten Schritt erfolgt eine Hausaufgabe, wobei die Schüler erneut eine methodische Form der Bearbeitung auswählen (Arbeitsblatt 8), um die Berliner Idee des „House of One“, ein Gotteshaus, das alle drei Religionen beherbergt, kennenzulernen und in Hinblick auf die gesellschaftliche Bedeutung für ein tolerantes Miteinander zu bewerten. Dies dient der Akzeptanzbildung und zeigt gleichermaßen die gesellschaftlichen Möglichkeiten im interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Phase Inhalt Sozialform Medien
Einstieg ● Lehrervortrag: Brief eines jungen Mädchens an die Eltern.
● Mögliche Reaktion der Eltern wird thematisiert (->Basiert diese auf Vorurteilen?)
Plenum Arbeitsblatt 1
Hinführung ● Schüler bearbeiten Arbeitsblatt 2 (Thema Vorurteile)
● Vergleich der individuellen Antworten im Plenum
Einzelarbeit
Plenum
Arbeitsblatt 2
Erarbeitung ● Ankündigung Film
● Film: Was glaubst denn du?
● Währenddessen Bearbeitung Arbeitsblatt 3
Einzelarbeit Arbeitsblatt 3
Sicherung I ● Gruppe erstellt Präsentation zu jeweils einer Person/Religion
● Präsentation der Ergebnisse
Gruppenarbeit

Plenum
Arbitsblatt 4
Transfer I ● Schüler erschließen den Inhalt der Ringparabel nach Lessing
● Schüler transferieren Ringparabel auf die drei Religionen
● Schüler schreiben eine Fortsetzung der Ringparabel
Einzelarbeit

Einzelaufgabe

Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit
Arbeitsblatt 5

Arbeitsblatt 6

Arbeitsblatt 7: 3 Wahlaufgaben
Transfer II
(Hausaufgabe)
● Schüler setzen sich mit der Idee von „House of One“ auseinander Einzelarbeit Arbeitsblatt 8: Wahlaufgaben