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Hintergrund: Saarland: Muschelkalk und Keuper

Garanten edler Weine aus den Tiefen der Trias

Der Weinbau ist eine wichtige Säule der saarländischen Landwirtschaft und Kultur. Guter Wein ist von vielen Faktoren abhängig: edle Rebstöcke, eine sonnige Lage, ausreichend aber nicht zu viel Wasser sowie viel Mühe und Arbeit. Ein guter Boden zählt selbstverständlich auch dazu. Im Saarland wird die geschützte geografische Angabe des Saarländischen Landweins vom Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft geregelt. Und die Geologie spielt dabei eine wichtige Rolle.

  • (Quelle: SWR) (Quelle: SWR)

So heißt es in der Verordnung: "Das Weinbaugebiet erstreckt sich entlang des saarländischen östlichen Randes des Pariser Beckens, der durch die Taleinschnitte der Flüsse Saar, Nied und Blies an ihrer südlichen Ausrichtung gute Bedingungen für Weinbau bietet. Auf überwiegend vom Muschelkalk und Keuper geprägten Böden reifen in Höhenlagen zwischen 300 und 400 Meter über dem Meeresspiegel bei Niederschlägen von 800 bis 1.000 Millimeter pro Jahr und einem hohen Anteil sonnenreicher Tage spritzige Landweine heran. Besonders im Bliesgau, aber auch im Saargau bei Merzig reicht der Buntsandstein des Pfälzer Waldes in den Muschelkalk hinein und ergibt filigrane feingliedrig strukturierte Weine. […] Geologie, klimatische Verhältnisse und die Exposition der Rebflächen geben dem Landwein seine charakteristischen Eigenschaften."

Woher stammen Muschelkalk und Keuper? Badeparadies am Hunsrück

Der Muschelkalk entsteht vor 242 bis 235 Millionen Jahren in der Mittleren Trias am Rand eines flachen Binnenmeeres – dem Pariser Becken, das vollständig auf einer kontinentalen Platte liegt. Hunsrück und Ardennen bilden die damalige Küstenlinie. Muscheln, Kopffüßer und Seelilien gedeihen im flachen lichtdurchfluteten Küstenwasser prächtig. Aus Muschelbänken sowie im Meerwasser gelöstem Calcium- und Magnesium-Karbonat bilden sich mächtige horizontale Sedimentgesteine mit unzähligen Fossilien. Unterbrochen werden die Muschelkalkbänke von dünnen Gips- und Ton-Lagen, die entstehen, wenn der Meeresspiegel zwischenzeitlich sinkt und die Muschelbänke trocken fallen. In den jüngsten Muschelkalk-Schichten finden sich kaum noch Fossilien. Der sogenannte Obere Muschelkalk hat für das Saarland eine besondere wirtschaftliche Bedeutung, da er als Düngemittel, Mörtel und insbesondere als Zuschlagmittel bei der Stahlgewinnung im Hochofen genutzt wird.

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Geo-Tour Saarland: Was ein guter Tropfen dem urzeitlichen Meer verdankt (03:48 min)

Ein Meer verschwindet

Vor 235 Millionen Jahren hebt sich das Gebiet durch tektonische Bewegungen und das Meer zieht sich zurück. Durch Wind und Flüsse wird feinkörniges Material im Hunsrück und in der Vulkan-Eifel abgetragen und auf dem ebenen Muschelkalk ablagert. Dieser Prozess vollzieht sich über 65 Millionen Jahre und bildet die Tone, Mergel und Sandsteine des Keupers.

Steter Tropfen höhlt den Stein

  • (Quelle: SWR) Bei Perl (links im Bild) fließt die Mosel durch den Muschelkalk und Keuper des Saarlandes. (Quelle: SWR)

Neben den Flussläufen von Saar, Nied und Blies bahnt sich auch die Mosel auf der Gemarkung der Großgemeinde Perl den Weg durch Muschelkalk und Keuper des Saarlandes, weshalb die Gegend auch Moseltor genannt wird. An den steilen Südlagen werden Mineralsalze vom Regenwasser aus dem porösen Gestein gelöst und verleihen dem Wein Charakter. Außerdem besitzt das Gestein gute Wärmeleiteigenschaften, sodass selbst bei wenig Sonne gute Wachstumsbedingungen mit starker Fruchtzuckerbildung und folglich hohen Oechsle-Graden gewährleistet sind – beste Voraussetzungen für Spitzenweine!