Bannerbild (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Tschernobyl

Die Schlacht von Tschernobyl | Unterricht

STAND
Autor/in
Thomas Schmid

Spätestens nach den Katastrophen von Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 ist klar: Die Nutzung der Kernenergie, die offensichtlichen Gefahren diesbezüglich und der Umgang mit den Folgen nuklearer Katastrophen ist nicht allein ein naturwissenschaftliches Thema. Eng damit verknüpft sind gesellschaftspolitische und historische Fragestellungen. Dies zeigt sich deutlich in den Kompetenz-Formulierungen in den Bildungsplänen für die folgenden Fächer (hier am Beispiel für Realschulen, Stand 2011):

NWA (Naturwissenschaftliches Arbeiten):

„Auf der Basis von wenigen welterschließenden Begriffen und Strukturen, der Fähigkeit zum naturwissenschaftlichen Arbeiten und der effektiven Nutzung allgemeiner Informationsquellen zeigt sich die naturwissenschaftliche Bildung in folgenden Kompetenzen: naturwissenschaftliches Wissen anwenden, naturwissenschaftliche Fragen erkennen und aus Belegen Schlussfolgerungen ziehen, um Entscheidungen zu verstehen und zu treffen, die die natürliche Welt und die durch menschliches Handeln an ihr vorgenommenen Veränderungen betreffen.“

Im projektorientierten Unterricht der Klasse 10 wird das Thema „Kernenergie“ explizit im offenen Katalog als Inhaltsschwerpunkt zum Nachweis erworbener Kompetenzen angeboten.

EWG (Erdkunde – Wirtschaftskunde – Gemeinschaftskunde):

„Zu den gemeinsamen Zielen, die im Rahmen des Fächerverbundes EWG angestrebt werden sollen, gehören insbesondere die Analyse der Lebens- und Umwelt an exemplarischen Beispielen. Dabei gilt es, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Raum, Abhängigkeiten von Naturkräften sowie von wirtschaftlichen und politischen Einflussnahmen zu verdeutlichen.“

Geschichte:

„Der Geschichtsunterricht im Sinne historischer Bildung schafft die Voraussetzung für historisches Fachwissen. Dies benötigen junge Menschen, um als mitdenkende und aktiv handelnde Staatsbürgerinnen und Staatsbürger unsere komplexe Welt verstehen, beurteilen, kritisch betrachten, verantwortungsvoll mitgestalten, modifizieren und sinnvoll zukunftsorientiert planen zu können. Sachbestimmtes historisches Grundwissen ist unerlässlich für die politische Bildung.“

Karte von Europa, eingezeichnet sind Tschernobyl und eine Wolke, die bis Skandinavien reicht. (Foto: Screenshot aus der Sendung „Die Schlacht von Tschernobyl“)
Die Ausbreitung der radioaktiven Wolke nach zwei Tagen Screenshot aus der Sendung „Die Schlacht von Tschernobyl“ Bild in Detailansicht öffnen
Die radioaktive Wolke breitet sich über ganz Westeuropa aus SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Der zerstörte Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl SWR – Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen
Um das zerstörte Reaktorgebäude wird ein Sarkophag gebaut SWR - Screenshot aus der Sendung Bild in Detailansicht öffnen

Einsatz im fächerübergreifenden Unterricht in Klasse 9/10

Die projektorientierte, fächerübergreifende Doppelstunde beginnt mit dem Gedicht „Frühling 1986“ von Elke Tashiro (Material-Blatt). Thematisiert wird eine Wolke, die sich offensichtlich bedrohlich nähert und vor der es sich zu schützen gilt. Davon ausgehend wird ein Unterrichtsgespräch geführt, was genau mit dieser Wolke aus dem genannten Jahr gemeint ist. Aufgrund der aktuellen Diskussionen zu den Folgen der Reaktor-Katastrophe in Fukushima können bestimmt einige Schülerinnen und Schüler an den ersten großen Nuklear-Unfall in Tschernobyl anknüpfen. Nach dem Sammeln einzelner Eindrücke werden bestimmte kurze Passagen des Gedichts hinterfragt (eventuell das Gedicht als Folie einblenden), zum Beispiel: Warum wirkt die Wolke bedrohlich? Warum soll sie an uns, an allen vorübergehen? Warum sollen Türen und Fenster geschlossen werden?

Im Anschluss daran aktivieren die Schülerinnen und Schüler ihr Vorwissen und tauschen sich in Kleingruppen darüber aus, was sie über den Reaktor-Unfall von Tschernobyl wissen.

Am Ende werden im Plenum Stichworte an der Tafel gesammelt. Um über die Vorgänge in und um Tschernobyl an jenem 26. April 1986 und in der Zeit danach genau zu informieren, wird nun der 30-minütige Film gezeigt. Zuvor wird auf das bereitliegende Spektrum von Arbeitsblättern hingewiesen, welches es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, individuell und differenziert am Thema weiter zu arbeiten:

Arbeitsblatt 1 ermöglicht die geographische Einordnung Tschernobyls und die Ausbreitung der Wolke.

Arbeitsblatt 2 wiederholt die Vorgänge während und nach der Katastrophe.

Arbeitsblatt 3 bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich in die Betroffenen hineinzuversetzen.

Arbeitsblatt 4 setzt die Problematik gestalterisch um. Dazu sollten Tusche und/oder Zeichenkohle für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt werden.

Ideal wäre es, wenn sich die Klasse nach dem Bearbeiten ausgewählter Aufgaben in Kleingruppen zusammenfindet, um sich über ihre unterschiedlichen Erkenntnisse beziehungsweise Lernprodukte auszutauschen.
Die Doppelstunde schließt mit dem zweiten Tschernobyl-Gedicht der Autorin (Materialblatt) und der Frage, warum sie es für wichtig hält, auch nach so langer Zeit noch über die Ereignisse zu reden (bezogen auf den letzten Satz des Gedichts).

Methodische Erläuterungen

Die verschiedenen fächerübergreifenden Aspekte der Stunde entsprechen der kompetenzorientierten Herangehensweise an diese Thematik (siehe oben: Bezug zu den Bildungsplänen). Die Gedichte am Beginn und am Ende der Stunde bieten den Schülerinnen und Schülern einerseits anregende Denk- und Sprechanlässe und bilden formal eine didaktische Klammer. Die Wahlmöglichkeiten bei den Aufgaben kommen der individuellen Lernmotivation der Altersstufe entgegen und zeigen zudem, wie umfassend das Thema unter die Lupe genommen werden kann.

Alle Themen zum Schwerpunkt Tschernobyl

Die Schlacht von Tschernobyl

Am 26. April 1986 explodierte ein Reaktor im Kernkraftwerk von Tschernobyl und schleuderte riesige Mengen radioaktiven Materials in die Atmosphäre. Sieben Monate lang kämpften 800 000 sowjetische Soldaten, Bergleute und Zivilisten, um die Radioaktivität vor Ort einzudämmen und um eine zweite Explosion zu verhindern, die halb Europa unbewohnbar gemacht hätte. 50.000 bis 100.000 dieser Katastrophenhelfer sind inzwischen an den Folgen der Strahlenbelastung gestorben, die meisten Überlebenden sind krank. Die Dokumentation zeichnet die Ereignisse in Zeugenberichten und Archivaufnahmen nach.

Die Schlacht von Tschernobyl SWR Fernsehen

total phänomenal · Kernkraft (2016)

Die Atomkatastrophe von Fukushima hat die Welt erschüttert. Spätestens seitdem ist klar: Prinzipiell kann so ein Unfall in jedem Reaktor überall auf der Welt geschehen. Deutschland hat deswegen den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. In vielen anderen Ländern aber spielen Kernkraftwerke immer noch eine wichtige Rolle für die Energieversorgung.
Die Sendung erläutert die Mechanismen der Kernspaltung und die Funktionsweise eines Druckwasserreaktors. Sie erklärt, wie es zur Katastrophe von Fukushima kommen konnte und was dabei in den Unglücksreaktoren vor sich ging. Die Erkenntnisse aus den Vorgängen in Japan haben große Auswirkungen auf die Sicherheitstechnologie neuer Kernreaktoren, wie ein Beispiel aus Finnland zeigt.
Der atomare Rückbau stellt für Deutschland eine große Herausforderung dar. Am Beispiel des stillgelegten Kernkraftwerks Greifswald wird deutlich, wie schwierig und aufwendig der atomare Rückbau ist.
Ein Problem bleibt für alle Kernkraftwerke bestehen, ob stillgelegt oder noch in Betrieb: die Entsorgung der abgebrannten Uran-Brennelemente. Das Problem der atomaren Endlagerung ist noch immer ungelöst.

total phänomenal SWR Fernsehen

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Autor/in
Thomas Schmid