Collage Bannerbild (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Die Stadt im späten Mittelalter

Gassen, Ghettos, Baubetrieb | Unterricht

STAND
Autor/in
Siegfried Czernohorsky

Die Sendung kann als Ausgangspunkt einer vergleichenden Analyse zwischen Lebensformen heute und in den Städten des späten Mittelalters dienen.

Die Themen Hausbau, Wohnen, Arbeiten, Feiern und Feste zeigen - im Unterschied zum Leben in der Grundherrschaft - die Freiheit und den Gestaltungsspielraum der bürgerlichen Schichten. Große soziale und ökonomische Diskrepanzen in der städtischen Bevölkerung werden sichtbar, die nicht durch ein Sozialsystem gemildert wurden. Der Einzelne war fest in ein korporatives Sozialgefüge eingebunden, das Individualität und Privatsphäre nicht kannte.

Bild einer Gasse mit Fachwerkhäusern links und rechts. (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Fachwerkarchitektur SWR - Screenshot aus der Sendung

Leitfragen:

Die Menschen in der Stadt des Mittelalters lebten fest eingebunden in Familie, Berufsorganisation, Stadtviertel und Kirchengemeinde. Was bedeutete dies für die Menschen in der mittelalterlichen Stadt? Wie leben Menschen dagegen heute?

Foto in einer Kirche (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Gottesdienst SWR - Screenshot aus der Sendung

Die Sakralbauten sind Ausdruck mittelalterlicher Entwürfe von Leben und Welt, in der die Institution Kirche die entscheidende Rolle spielte.

Leitfragen:

Was bedeutete der Kirchenbau für Lebenseinstellung und Lebensgestaltung der Menschen? Was bedeutet die Kirche den Menschen heute?

Das Verhältnis der Christen zu den Juden kann als Beispiel des Umgangs einer Mehrheit mit einer Minderheit und der kritischen Reflexion von Vorurteilen dienen. Ein Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in der Bundesrepublik liegt nahe.

Leitfragen:

Was lässt sich aus der Geschichte des Verhältnisses zwischen Christen und Juden über die Entstehung von Vorurteilen und die Verfolgung von Minderheiten ablesen? In einer Demokratie sind Toleranz und der Schutz von Minderheiten wichtige Grundprinzipien. Wie können diese Vorstellungen heute im alltäglichen Leben umgesetzt werden?

Mehr Themen zum Schwerpunkt Die Stadt im späten Mittelalter

Höllenangst und Seelenheil

Das Leben im Mittelalter war von Krankheit geprägt. Der Tod war allgegenwärtig. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 30 Jahren war der Glaube an Gott die zentrale Lebensauffassung. Das irdische Leben sahen die Menschen als einen Übergang in ein nächstes Leben an. Dabei war die Angst groß, wegen begangener Sünden in die Hölle zu kommen. Die Kirche bot verschiedene Wege an, die Seele vor dem Fegefeuer zu retten. Das Exklusivrecht der Kirche, Sünden zu vergeben, führte aber zu Missbrauch und Missständen, die schließlich die Reformation auslösten.

Die Stadt im späten Mittelalter SWR Fernsehen

Mauern, Brunnen, Galgenstricke

Innerhalb der Stadtmauern hatten Recht und Ordnung zu herrschen. Pflichten und Rechte der Bürger waren in den Verordnungen des Städtischen Rats genau festgelegt. Die Ratsherren waren auch Richter. Gesetzesbrecher wurden hart bestraft; Folter und Todesstrafe waren an der Tagesordnung. Erstaunlich dagegen: Den Steuerzahlern überließ der Rat weitgehend selbst die Entscheidung, wie viel sie in den Stadtsäckel einzahlen wollten. Wie der Rat das Geld zum Wohle der Bürger wieder ausgab, wird anhand der Wasserversorgung deutlich: Brunnen und Wasserläufe durften nicht verschmutzt werden. Doch die hygienischen Zustände in der Stadt waren oft miserabel. Müll, Kot und Dreck gehörten zum alltäglichen Stadtbild. Gegen Seuchen wie die Pest waren die Menschen machtlos. Eine weitere Ausnahmesituation: Krieg. Wie funktionierte die Stadtverteidigung, und was geschah mit der Stadt, wenn sie vom Feind erobert wurde?

Die Stadt im späten Mittelalter SWR Fernsehen

Handel, Handwerk, Marktgeschehen

Jeder zweite Stadtbewohner war Handwerker. Organisiert in Zünften sorgten sie zusammen mit den Kaufleuten für die wirtschaftliche Stabilität der Stadt. Wichtigster Warenumschlagplatz war der Markt und wichtigstes Zahlungsmittel das Geld. Von einer einheitlichen Währung wie dem Euro war man im Mittelalter aber weit entfernt. Jede Stadt mit Münzrecht konnte eigenes Geld in Umlauf bringen. Die Verbindung zwischen den Städten stellten die Kaufleute her. Sie unternahmen Handelsreisen und füllten die Kontore und Kaufhäuser mit Waren. Eine Revolution in der Verbreitung von Informationen brachte die Erfindung von Papier und Buchdruck. Aus manchem Handwerker wurde ein reicher Verleger und Geschäftsmann.

Die Stadt im späten Mittelalter SWR Fernsehen

Gassen, Ghettos, Baubetrieb

Holz und Lehm waren die wichtigsten Baustoffe für den Bau von Fachwerkhäusern, aber auch leicht brennbare Materialien. Stadtbrände vernichteten oft ganze Stadtviertel. Steinhäuser mit Ziegeldächern schützten besser vor Feuer. Leben und arbeiten war in den Häusern selten getrennt. Nur reiche Leute leisteten sich etwas mehr Privatsphäre. Regelrecht isoliert im Gesellschaftsgefüge: die Juden. Sie mussten in einem Ghetto leben und waren rechtlich Menschen zweiter Klasse. Dennoch waren sie meist reicher als ihre christlichen Mitbürger, weil sie sich auf den Handel und das Bankgeschäft konzentrierten. Zum Zeichen der Hoheit des Christentums entstanden in den Städten mächtige Kirchen und Kathedralen. Alle Bürger beteiligten sich am Bau der Gotteshäuser, so wie auch Kirchenfeste in aller Öffentlichkeit gefeiert wurden. Weniger fromm ging es in den städtischen Badehäusern zu. Hier gab man sich bei gutem Essen und Musik den Liebesdiensten der Prostituierten hin.

Die Stadt im späten Mittelalter SWR Fernsehen

Frauen, Fortschritt, Vorurteile

Die Pest hatte um 1350 ein Drittel der gesamten Bevölkerung Europas dahingerafft. Arbeitskräfte waren knapp. Das verschaffte den Frauen Aufstiegschancen. Sie drängten in das wirtschaftliche Leben der mittelalterlichen Städte. Zwar war das Bild der Frau immer noch von religiösen Vorurteilen geprägt, doch wirkte es sich kaum mehr auf den Alltag aus. Frauen waren bald in allen Berufsfeldern zu finden, jedoch behielten die Männer stets die Oberhand. Ehemann oder Vater waren Vormund der Frau - offiziell zum Schutz des schwachen Geschlechts. Allein der Weg ins Kloster ermöglichte die Loslösung vom Mann. Dennoch war das späte Mittelalter eine fortschrittliche Epoche. Mit Beginn der Neuzeit gingen viele Errungenschaften für die Frauen wieder verloren.

Die Stadt im späten Mittelalter SWR Fernsehen

STAND
Autor/in
Siegfried Czernohorsky