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Hintergrund Mali: Geographie, Klima und Geschichte

Geographie und Klima

  • Silberner Fluss, darauf als Silhouette langes schmales Boot mit fünf Menschen. Im Vordergrund Sand, im Hintergrund grüne Felder. (Quelle: SWR) Der Niger ist Transportweg und Lebensader
  • Sanddünen in der Sahara (Quelle: SWR) Sanddünen in der Sahara

Die Republik Mali befindet sich mitten in Westafrika. Sie grenzt an sieben Nachbarstaaten: Algerien im Norden, Niger im Osten, Burkina Faso, Elfenbeinküste und Guinea im Süden, Senegal und Mauretanien im Westen. Das Staatsgebiet besteht zu zwei Dritteln aus Wüste, der Sahara, mit ihrer Übergangszone, dem Sahel. Der südlich der Sahara gelegene Teil Malis gehört dem sich über die ganze Breite Afrikas erstreckenden Landschaftsraum Sudan an. Von Norden nach Süden findet man Wüste, Halbwüste, Dornbuschsavanne und Feuchtsavanne. Durch den südlichen Teil fließt der Niger in breiten Tiefländern und bildet zwischen Ségou und Timbuktu ein großes Binnendelta. Das Land hat keinen Zugang zum Meer, und die Häfen von Dakar und Abidjan, über die der Großteil des internationalen Warenverkehrs abgewickelt wird, sind etwa 1.200 km von der Hauptstadt Bamako entfernt.

Klima

Das Klima reicht vom Wüstenklima im Norden bis zum tropisch-feuchten Klima im Süden. Die Regenzeit dauert im Norden weniger als einen Monat, im Süden durchschnittlich fünf Monate. Im Norden fallen oft weniger als 100 mm Regen im Jahr, im Süden bis zu 1500 mm. Im Norden variieren die Temperaturen von 10 Grad im Januar bis über 35 Grad im Juli, im Süden gibt es bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad weniger Unterschied zwischen Winter und Sommer.

Klimaveränderung

Mali ist eines der von der globalen Klimaerwärmung am stärksten betroffenen Länder. Es gibt Expertenaussagen wie: „Innerhalb einer Generation hat die Niederschlagsmenge in Mali um fast die Hälfte abgenommen.“ Andere stellen fest, dass die Regenmenge zwar noch die gleiche sei, dass die Regenfälle jedoch erst nach wesentlich längeren Trockenperioden kämen, wenn die ausgetrockneten und verkrusteten Böden das mit großer Intensität auftreffende Wasser gar nicht mehr aufnehmen können. So leidet das Land, dessen erwerbstätige Bevölkerung zu 80 Prozent von der Landwirtschaft lebt, unter Dürre und ist gleichzeitig von Überschwemmungen bedroht. Der Grundwasserspiegel sinkt ständig. Um die Landwirtschaft dem Klimawandel anzupassen, Folgen von Wassermangel und Wüstenwachstum zu bewältigen, Wälder aufzuforsten und um sich greifende Tropenkrankheiten zu bekämpfen, veranschlagt der jüngste Weltklimabericht 5 bis 10 Prozent des gesamten Bruttosozialprodukts in Afrika.

Sahara und Wüstenwachstum (Desertifikation)

Die Sahara („die Rotbraune“) bildet mit dem Sahel den größten Trockenraum der Erde (rund 9 Millionen Quadratkilometer). Sie ist ein hoch gelegenes Tafelland (200 bis 500m ü.M.), das größtenteils aus Felswüsten sowie, in tieferen Lagen, Geröll- und Kieswüsten besteht. Sandwüsten nehmen nur circa 10 bis 20 Prozent der Fläche ein. In den letzten 20 Jahren soll sich die Wüste um 100 Kilometer weiter nach Süden vorgeschoben haben. Verdeutlicht werden kann das nicht neue, aber immer schneller voranschreitende Problem der Desertifikation auch am Beispiel Timbuktus: Vor 1000 Jahren lag die Stadt noch inmitten grüner Landschaften, vor 40 Jahren direkt an einem inzwischen ausgetrockneten Nigerarm und heute mitten in der Wüste. An der Desertifikation haben auch Faktoren wie Kulturlandgewinnung in der Wüstenrandzone, in der nur nomadische Weidewirtschaft ökologisch verträglich wäre, Überweidung sowie das Fällen von Bäumen zur Holzgewinnung ihren Anteil.

Die Geschichte Malis

  • Türme und Mauern der Wüstenstadt Timbuktu (Quelle: SWR) Timbuktu

Das heutige Staatsgebiet Mali war vom 5. bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum. Im 13. Jahrhundert gründeten Malinke das Reich Mali. Es erstreckte sich vom Atlantik bis an die Grenze des heutigen Nigeria. Im Mittelalter war das Mali-Reich eines der bedeutendsten Handelszentren in der gesamten islamischen Welt. Die Städte Djenné, Timbuktu und Gao wurden weltberühmt. Ihr Reichtum basierte auf dem Handel mit Gold, Salz und Sklaven. Im 15. Jahrhundert schrumpfte das Mali-Reich unter den Angriffen der Tuareg und Songhai zu einem Kleinstaat zusammen. Nach der marokkanischen Invasion im 17. Jahrhundert und der späteren französischen Kolonisation wurde Mali zu einem der ärmsten Länder der Welt.

Das Königreich der Malinke

Das Königreich Mali war das zweite der drei aufeinanderfolgenden westafrikanischen Sudanreiche. Die Malinke (auch Mandinke oder Maninka), ein mande sprechendes, sudanides Volk, kamen ursprünglich von jenseits des Quellgebietes von Niger und Senegal. In ihren Mythen wird der Kriegerkönig Soundjate Keita gepriesen, der das Reich im 13. Jahrhundert zu der Macht und Größe führte, die es bis ins 15. Jahrhundert behielt. Einen der raren schriftlichen Belege vergangener Prachtentfaltung und wirtschaftlicher Potenz einer Kultur, deren Überlieferung auf Mündlichkeit basiert, liefern zeitgenössische ägyptische Quellen: Als Mansa Musa, malischer Herrscher von 1312 – 1337, auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka durch Kairo zog, kam es durch die Unsummen Goldes, die er dort verschenkte oder bezahlte, zu einem mehrjährigen Wertverfall des ägyptischen Dinars.

Die legendäre Wüstenstadt Timbuktu

Das mit der Legende unermesslichen Reichtums und sagenhafter Pracht umgebene Timbuktu übte auf die europäische Welt eine starke Faszination aus. Im 19. Jahrhundert schrieb die Geografische Gesellschaft von Paris in Anbetracht der britischen Konkurrenz einen Wettbewerb aus, wem es als Erstem gelänge, die „Ungläubigen“ verbotene Stadt aufzusuchen. Der Franzose René Caillié war 1828 zwar nicht der erste Weiße, der Timbuktu erreichte und Aufnahme fand, jedoch der erste, der lebend zurückkehrte und dessen Aufzeichnungen als authentisch anerkannt wurden. Wer nicht wie der deutsche Historiker, Ethnologe und Sprachforscher Heinrich Barth 30 Jahre später den eigentlichen Reichtum in den unzähligen Handschriften, die die Gelehrten des einstigen religiösen und intellektuellen Zentrums hinterlassen hatten, entdecken konnte, reagierte allerdings mit Enttäuschung auf die vom Flugsand bedeckte Stadt mit ihren Lehmbauten. Heute zählt sie jedoch mit ihren zahlreichen Moscheen des 13. – 15. Jahrhunderts zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die 2012 im nördlichen Mali an die Macht gekommenen radikalen Islamisten haben in der Zeit ihrer Herrschaft (bis Ende Januar 2013) einige der Kulturdenkmäler, Bauten, aber auch Bibliotheksbestände, zerstört.