Collage Bannerbild (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)

Die Stadt im späten Mittelalter

Frauen, Fortschritt, Vorurteile | Unterricht

STAND
Autor/in
Karin Merz

Das Leben der Frauen, ihre persönlichen Perspektiven, ihre Bedeutung für die mittelalterliche Gesellschaft, das sind Aspekte mittelalterlichen Lebens, die lediglich ein Randthema im Geschichtsunterricht darstellen und angesichts der Stofffülle meist nur exemplarisch oder schlaglichtartig thematisiert werden können. Aufgrund seiner klaren Gliederung und überblicksartigen Darstellung kann der Film sehr gut als Einstieg in das Thema "Frauen im Mittelalter" oder aber als Ausblick bzw. Zusammenfassung eingesetzt werden. Als Einstieg, um dann einzelne Bereiche zu vertiefen, oder als Ausblick, der zeigt, dass weibliche Existenz in der Stadt des Mittelalters nicht auf das Dasein als Handwerksgattin begrenzt war. Dabei ist der Film zum Einsatz sowohl in der Sekundarstufe 1, als Informationsfilm, aber auch in der Sekundarstufe 2, als Diskussionsgrundlage für die Erörterung der Rolle der Frau geeignet.

Gemälde (Foto: SWR - Screenshot aus der Sendung)
Gott erschafft Eva aus einer Rippe Adams SWR - Screenshot aus der Sendung

Es bietet sich auch an, den Film im Fach Gemeinschaftskunde einzusetzen, als überraschender - da zunächst irritierender - Einstieg in Unterrichtseinheiten zum Themenbereich Verhältnis Mann - Frau. Die an das heutige Rollenverständnis und Geschlechterverhältnis zu stellenden Fragen und die Frage nach den Handlungsspielräumen der Frauen von heute lassen sich anhand der Sendung erarbeiten und die Ergebnisse können dann verglichen und diskutiert werden.

Aufgrund der vielen zeitgenössischen Darstellungen ist auch eine Zusammenarbeit mit dem Fach Bildende Kunst möglich.

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Höllenangst und Seelenheil

Das Leben im Mittelalter war von Krankheit geprägt. Der Tod war allgegenwärtig. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 30 Jahren war der Glaube an Gott die zentrale Lebensauffassung. Das irdische Leben sahen die Menschen als einen Übergang in ein nächstes Leben an. Dabei war die Angst groß, wegen begangener Sünden in die Hölle zu kommen. Die Kirche bot verschiedene Wege an, die Seele vor dem Fegefeuer zu retten. Das Exklusivrecht der Kirche, Sünden zu vergeben, führte aber zu Missbrauch und Missständen, die schließlich die Reformation auslösten.

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Mauern, Brunnen, Galgenstricke

Innerhalb der Stadtmauern hatten Recht und Ordnung zu herrschen. Pflichten und Rechte der Bürger waren in den Verordnungen des Städtischen Rats genau festgelegt. Die Ratsherren waren auch Richter. Gesetzesbrecher wurden hart bestraft; Folter und Todesstrafe waren an der Tagesordnung. Erstaunlich dagegen: Den Steuerzahlern überließ der Rat weitgehend selbst die Entscheidung, wie viel sie in den Stadtsäckel einzahlen wollten. Wie der Rat das Geld zum Wohle der Bürger wieder ausgab, wird anhand der Wasserversorgung deutlich: Brunnen und Wasserläufe durften nicht verschmutzt werden. Doch die hygienischen Zustände in der Stadt waren oft miserabel. Müll, Kot und Dreck gehörten zum alltäglichen Stadtbild. Gegen Seuchen wie die Pest waren die Menschen machtlos. Eine weitere Ausnahmesituation: Krieg. Wie funktionierte die Stadtverteidigung, und was geschah mit der Stadt, wenn sie vom Feind erobert wurde?

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Handel, Handwerk, Marktgeschehen

Jeder zweite Stadtbewohner war Handwerker. Organisiert in Zünften sorgten sie zusammen mit den Kaufleuten für die wirtschaftliche Stabilität der Stadt. Wichtigster Warenumschlagplatz war der Markt und wichtigstes Zahlungsmittel das Geld. Von einer einheitlichen Währung wie dem Euro war man im Mittelalter aber weit entfernt. Jede Stadt mit Münzrecht konnte eigenes Geld in Umlauf bringen. Die Verbindung zwischen den Städten stellten die Kaufleute her. Sie unternahmen Handelsreisen und füllten die Kontore und Kaufhäuser mit Waren. Eine Revolution in der Verbreitung von Informationen brachte die Erfindung von Papier und Buchdruck. Aus manchem Handwerker wurde ein reicher Verleger und Geschäftsmann.

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Gassen, Ghettos, Baubetrieb

Holz und Lehm waren die wichtigsten Baustoffe für den Bau von Fachwerkhäusern, aber auch leicht brennbare Materialien. Stadtbrände vernichteten oft ganze Stadtviertel. Steinhäuser mit Ziegeldächern schützten besser vor Feuer. Leben und arbeiten war in den Häusern selten getrennt. Nur reiche Leute leisteten sich etwas mehr Privatsphäre. Regelrecht isoliert im Gesellschaftsgefüge: die Juden. Sie mussten in einem Ghetto leben und waren rechtlich Menschen zweiter Klasse. Dennoch waren sie meist reicher als ihre christlichen Mitbürger, weil sie sich auf den Handel und das Bankgeschäft konzentrierten. Zum Zeichen der Hoheit des Christentums entstanden in den Städten mächtige Kirchen und Kathedralen. Alle Bürger beteiligten sich am Bau der Gotteshäuser, so wie auch Kirchenfeste in aller Öffentlichkeit gefeiert wurden. Weniger fromm ging es in den städtischen Badehäusern zu. Hier gab man sich bei gutem Essen und Musik den Liebesdiensten der Prostituierten hin.

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Frauen, Fortschritt, Vorurteile

Die Pest hatte um 1350 ein Drittel der gesamten Bevölkerung Europas dahingerafft. Arbeitskräfte waren knapp. Das verschaffte den Frauen Aufstiegschancen. Sie drängten in das wirtschaftliche Leben der mittelalterlichen Städte. Zwar war das Bild der Frau immer noch von religiösen Vorurteilen geprägt, doch wirkte es sich kaum mehr auf den Alltag aus. Frauen waren bald in allen Berufsfeldern zu finden, jedoch behielten die Männer stets die Oberhand. Ehemann oder Vater waren Vormund der Frau - offiziell zum Schutz des schwachen Geschlechts. Allein der Weg ins Kloster ermöglichte die Loslösung vom Mann. Dennoch war das späte Mittelalter eine fortschrittliche Epoche. Mit Beginn der Neuzeit gingen viele Errungenschaften für die Frauen wieder verloren.

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Karin Merz