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Zu Hause in Deutschland

Privet heißt Hallo | Unterricht

STAND
Autor/in
Ursula Becky

Filminhalt

Der Film begleitet die achtjährige Kristina und ihre Mutter auf ihrer Reise nach Kasachstan. Deutlich wird, welch weite Entfernung zwischen der Heimat der Mutter und der neuen Heimat von Kristina liegt, und welch unterschiedliche Gefühle die beiden erleben. Dabei wird aus wechselnden Perspektiven klar, welche Rolle Heimat, Sprache, Essen und Zugehörigkeit für Menschen spielen können, die gemischte Kulturen in sich tragen. Stationen des Films sind der Lebensraum von Kristina in Deutschland, die Reise im Flugzeug, Ankunft in Kasachstan, das Zusammentreffen mit der Großfamilie sowie das Wandern auf den Spuren der Kindheit der Mutter.

Die Protagonistin des Films besucht die 2. Klasse einer deutschen Grundschule. Um altersartige Identifikationseffekte zu erzielen, empfiehlt es sich, den Film bereits in der Grundschule ab Klasse 2 einzusetzen. Einige Arbeitsblätter lassen sich auch in Klasse 2 verwenden. Längere Textteile müssten in diesem Fall unterstützend von der Lehrkraft erklärt oder eingekürzt werden. Das Herkunftsland Kasachstan kann exemplarisch für „ferne Heimat“ aufgegriffen werden. Es geht weniger um Vermittlung von landeskundlichen kasachischen Informationen, als vielmehr um die emotionale Dimension der geteilten Identität durch eine „ferne Heimat“ und eine “nicht typisch-deutsche“ Herkunft.

Filmeinsatz

Der Film eignet sich zum einen zur Verdeutlichung des (nicht nur sozialen) Mehrwerts von Mehrsprachigkeit, um Kulturzugehörigkeiten positiv zu erleben, zum anderen kann der Film als Eisbrecher im interkulturellen Kontext eingesetzt werden. Zum Beispiel kann er als Impuls und zur Weiterentwicklung interkultureller Themen sowohl im Rahmen des DaZ-Unterrichts als auch fächerübergreifend im Fächerverbund MeNuK und Deutsch verwendet werden. Der Filmeinsatz im Klassenverbund mit Schülern nicht-deutscher Herkunft und deutschen Schülern ist jedoch eindeutig vorteilhafter, da Interkulturalität sinnvollerweise interagierend erlernt, verhandelt und ausprobiert werden sollte.

Bezug zum Bildungsplan

Die Bildungspläne für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland sehen in den Fächern MeNuK/Sachunterricht ab Klasse 3 einen Schwerpunkt für das Ausbilden sozialer Kompetenzen - insbesondere auch in Auseinandersetzung mit Menschen aus anderen Kulturkreisen (Stand 2011). Bereits ab Klasse 2 fordert der Bildungsplan, Schüler darin zu bestärken, „Besonderheiten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten vertrauter und fremder Kulturen in ihrer Alltagswelt zu entdecken“, sowie den gegenseitigen Respekt für Angehörige fremdartiger Kulturen zu schulen. Andere Vorstellungen vom Leben sollten bereits ab dieser Klassenstufe eingeführt werden.

Ab Klasse 3 und 4 fordert der Bildungsplan von den Schülern, vielfältige Ausdrucksformen „für ihre Persönlichkeit, ihre Gedanken ihre Gefühle und ihre Selbstwahrnehmung zu finden“. Schüler der 4. Klasse sollen „ihre Lebenswelt differenziert wahrnehmen und reflektieren können“, Zuneigung und Abgrenzung erkennen und ausdrücken, kulturelle Vielfalt (er)kennen und anerkennen. Die eigene Lebensgeschichte sowie Zukunftsvorstellungen sollen ausgedrückt werden können.

Im Themenkomplex „Ich –du – wir“ sieht der Bildungsplan einen Erfahrungsaustausch unter Schülern vor, die in Klasse 4 die soziale Kompetenz des Zuhörens, der Toleranzentwicklung sowie gemeinsame Gestaltungsaktionen einüben. Der Bildungsplan strebt an, zu vermitteln, dass andere Sichtweisen als Bereicherung erfahren werden können.

Bereits ab Klasse 2 sollen die Konzepte Vertrautheit und Fremdheit beleuchtet und im Bezug auf Heimat und Kultur überprüft werden. Der Begriff „Heimatgefühl“ soll laut Bildungsplan über verschiedene Kanäle angelegt werden.

Unterrichtsvorschlag

Der Film als Gesamtvorführung (15 Minuten) eignet sich als Einstieg für sämtliche im Folgenden beschriebenen Sensibilisierungsaufgaben. Die Arbeitsblätter und Anregungen beziehen sich dann auf einzelne Filmszenen. Der Film sollte durchaus auch in niedrigen Klassenstufen als Ganzes vorgeführt werden, da beim Vorführen von Einzelszenen ansonsten die erzählte Geschichte verloren gehen könnte. Es ist zu erwarten, dass sich die Schüler an alle auf den Arbeitsblättern beschriebenen Szenen (in Fettdruck markiert) erinnern.

Da die Arbeitsblätter kein Wissen vermitteln oder abfragen, sondern ausschließlich Sensibilisierungsübungen, Übungen zum Meinungsausdruck und biographische Aufgaben abverlangen, benötigt der Film als Impulsgeber keinerlei Vorentlastungsphase. Das Thema kulturelle Vielfalt und kulturelles Miteinander sollte vor Filmbeginn entsprechend angekündigt oder begrifflich altersgerecht eingeführt werden. Allerdings sollte vor dem Film noch nicht zu viel über das Thema geredet werden. Die Kinder sollten vielmehr motiviert werden, im Anschluss an den Film einiges auszuprobieren, was im Film angedeutet oder gezeigt wird.

Arbeitsblätter

Nach Abspielen des Films können die Arbeitsblätter 1-14 wahlweise oder komplett eingesetzt werden. Je nach Zeit, die dem Thema gegeben werden kann, müssen mehrere Vormittage für die gesamten Arbeitsblätter eingeplant oder das Thema in mehrere Fächer übergreifend „verteilt“ werden. Es liegt nahe, ist aber nicht zwingend, die Arbeitsblätter in der vorgeschlagenen Reihenfolge einzusetzen (die auch der Reihenfolge im Film entsprechen), um sicher zu stellen, dass zuerst eine schrittweise Sensibilisierung und Selbstreflexion der Schüler und dann erst der Austausch der Schüler und das Auseinandersetzen der Kulturen untereinander stattfindet.

Sämtliche Arbeitsblätter sind so angelegt, dass auf dem Blatt selbst Dinge gemalt, Fragen beantwortet oder Begriffe in Listen gesetzt werden sollen. Als Lehrkraft sollten Sie vorher festlegen, in welcher Form die bearbeiteten Blätter später aufbewahrt oder verwertet werden. Die Blätter können in kleineren Gruppen an Pinnwänden gesammelt werden um dort kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen oder in schülereigenen Heftern als persönliches Portfolio abgeheftet werden. Auch Mischformen sind natürlich denkbar.

Zum Einstieg können Sie die Arbeitsblätter 1 und 2 (Flaggenbild Arbeitsauftrag und Flaggenbild Gruppenarbeitsblatt) als gemeinsame Gruppenarbeit einsetzen. Die Kinder malen ihre Flagge einmal klein in das untere Kästchen, das sie später ausschneiden und auf das Gruppenblatt aufkleben, wo sie auch den Namen ihres Landes – wenn möglich in Landessprache – hinschreiben. Im größeren Leerkästchen können die Kinder ihre Flagge nochmals großformatiger für ihre eigene Mappe malen und abheften.

Ausschnitt einer Übersicht über Flaggen. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Wer kommt woher? Flaggenkunde im Unterricht Bild in Detailansicht öffnen
Noch ist alles fremd: Kristina zum ersten Mal bei ihren Verwandten Bild in Detailansicht öffnen

Die Arbeitsblätter 3-10 befassen sich alle – ausgehend von jeweils einer anderen Filmszene – mit dem Thema Selbstreflexion, Heimatgefühl, biographische Arbeit und Simulationsübungen. Die Reihenfolge dieser Arbeitsblätter ist unwichtig. Im Folgenden bietet es sich daher an, die Arbeitsblätter (alle oder wahlweise) im Lernthekenformat (Stationenlernen) von den Schülern bearbeiten zu lassen. Diese Arbeitsform ermöglicht es den Kindern, sich den Inhalten so frei wie möglich und in der von ihnen gewünschten Reihenfolge zu nähern. Wichtig bei der Bearbeitung der Blätter ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. Die Blätter sind so konzipiert, dass deutsche und nicht-deutsche Schüler sich gleichermaßen den Aufgaben auf den Blättern stellen können.

Die Aufgaben sind manchmal nicht ganz einfach. Deshalb sollten die Schüler die Möglichkeit haben, beim Bearbeiten Hilfe durch die Lehrperson zu erhalten. Den Schülern sollte dabei klar werden, dass grundlegende Fragen zu Heimat und Identität alle Menschen gleichermaßen betreffen, dass „einheimisch – deutsch –ausländisch“ aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann. Damit wächst die Erkenntnis, dass das, was für den einen fremd für den anderen vertraut ist und umgekehrt. Mit dieser Erkenntnis kann mit der Zeit ein souveräner Umgang mit verschiedener Herkunft und einfühlsames Verhalten aufgebaut werden. Planen Sie allerdings auch unverhoffte Reaktionen ein (die Aufgabenstellung ist teilweise sehr offen).

Mutter und Tochter in einem Klassenzimmer. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Kristinas Mutter zeigt ihrer Tochter ihre frühere Schule

Die Arbeitsblätter 11 und 12 bieten sich in Gruppen oder Klassen an, in denen unter Umständen Klärungsbedarf zwischen den Kulturen (frühestens ab Klasse 4) besteht. Arbeitsblatt 11 regt zur Selbstreflexion an, in Arbeitsblatt 12 werden Positionen „ausgehandelt“ (Spielvariante). Sinnvollerweise sollte die Gruppenzusammensetzung dahingehend gesteuert werden, dass Angehörige verschiedener kultureller Zugehörigkeiten jeweils eine Gruppe bilden. Vorher sollten die Spielregeln geklärt und auf wertschätzenden Umgang mit der Meinung anderer hingewiesen werden. Dieses Arbeitsblatt kann eingesetzt werden, wenn die Lehrperson den Mut hat, Konflikte, die hier zu erwarten sind, zu akzeptieren und zu moderieren. Sinn dieses Übungsaufbaus ist es, zu verdeutlichen, dass Zugehörigkeit mit das stärkste und am schwierigsten zu verhandelnde Thema im Leben überhaupt ist und dass Toleranz kein einzuforderndes Recht oder ein Anspruch ist, sondern vielmehr mühsam in der Auseinandersetzung mit anderen erarbeitet werden muss. Zudem wird die Diskussion zeigen, dass nicht nur die Klassiker wie Geburt und Eltern über die Zugehörigkeit entscheiden, sondern dabei in erheblichem Maße Lebensweise und Werte eine Rolle spielen. Wenn es gelingt, diesen Ansatz durch das Diskussionsspiel anzuregen, ist ein interkultureller Grundstein gelegt.

Kristina vor einem riesigen Lenin-Denkmal. (Foto: SWR – Screenshot aus der Sendung)
Fotoshooting in der Heimatstadt der Mutter: Kristina vor Lenin-Denkmal

Die Arbeitsblätter 13 und 14 bilden den Abschluss der thematischen Bearbeitung des Themas kulturelle Vielfalt und Fremdheitsmanagement. Der Tafelanschrieb von Begrüßungs- Abschiedsformeln und Namen, was auch noch mal auf das Arbeitsblatt selbst geschrieben werden kann, stellt die identitätsstiftende Wirkung der Muttersprache in den Vordergrund. Die Hausaufgabe entlässt die Schüler mit einem Auftrag, der sie anregt, sich weiter mit dem Thema zu befassen. Die am nächsten Tag mitgebrachten Gegenstände können in der Gruppe kurz vorgestellt, ausprobiert und vielleicht auch getauscht werden, wobei der lustige Aspekt hier ruhig mit eingebracht werden darf.

Fächer/Zeit

Der Film eignet sich für die Fächer DaZ, idealerweise im Verbund mit MeNuK und Deutsch. Er ist jedoch darüber hinaus auch ausbaufähig für das Fach Bildende Kunst in der Grundschule ab Klasse 3 für die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen.

Die Behandlung des Films kann sich über mehrere Unterrichtseinheiten erstrecken im besten Fall sogar über ein bis zwei Schulvormittage.

Material:

Schere, Kleber, Plakatpapier, DIN A3-Papier, farbige Stifte, Arbeitsmappen zum Abheften der Arbeitsblätter, Standpinnwand, Tafel

Privet heißt Hallo - Projektverlauf

Tabelle, die einen möglichen Unterrichtsablauf darstellt und dabei auf Unterrichtsphase, -inhalt, Sozialform und benutzte Medien eingeht. (Foto: SWR)

Unterrichtsmaterial zum gesamten Schwerpunkt

Zu Hause in Deutschland | Unterricht

Die Filme sind Teil der Reihe „Zu Hause in Deutschland“, in der Familien verschiedener Herkunft vorgestellt werden. Sie haben alle eines gemeinsam: ihre neue – oder zweite – Heimat ist Deutschland. Die Reihe legt ihren Fokus dabei vor allem auf die Kinder. Sie erzählen und zeigen, wie sie leben, was ihnen an Deutschland gefällt und was am Herkunftsland ihrer Eltern. Dabei kommen sie auch mit ihren Eltern und Großeltern ins Gespräch und spüren der Frage nach, welche Bedeutung ihre Herkunft für sie hat. Außerdem machen sie einen Besuch bei der Verwandtschaft im Geburtsland ihrer Eltern und lernen dort den Alltag kennen.

Alle Themen zum Schwerpunkt Zu Hause in Deutschland

Merhaba heißt Guten Tag

Eren ist der Sohn türkischer Eltern. In seinem deutschen Umfeld ist er gut integriert, feiert aber auch begeistert die türkischen Feste mit seiner Familie und deren Freunden.

Zu Hause in Deutschland SWR Fernsehen

Dobro jutro heißt Guten Morgen

Athina lebt mit ihren Eltern in Deutschland, doch nun ist es Zeit, die Koffer zu packen für die Ferienreise in das Heimatland der Mutter. Mit dem Auto geht über Österreich, Slowenien und Kroatien bis in den Nordosten von Bosnien und Herzegowina. Nicht weit vom Bauernhof der Großeltern fließt die Drina, der Fluss, der Bosnien vom Nachbarland Serbien trennt. Die Mutter versucht Athina zu erklären, wie es hier früher war, warum es Krieg gab, und warum viele Menschen im Krieg gestorben sind.

Zu Hause in Deutschland SWR Fernsehen

Akwaaba heißt Hallo und Willkommen

Laureen und Tracy sind in Deutschland geboren. Ihre Eltern stammen aus Ghana, und die Familie lebt in zwei Kulturen gleichzeitig. Die Mädchen wechseln mit Leichtigkeit zwischen den Sprachen und lieben afrikanisches Fufu wie auch deutsches Schnitzel. Zu Festtagen tragen die Schwestern bunte, ghanaische Kleider, in der Schule aber legen sie Wert auf modisches Teenie-Outfit. Wenn Laureen und Tracy ihre Großeltern in Ghana besuchen, ernten sie Kokosnüsse, besuchen eine Weberei, handeln auf dem Markt und schwimmen im Bosumtwi-See.

Zu Hause in Deutschland SWR Fernsehen

Privet heißt Hallo

Kristina lernt Russisch, denn sie soll zweisprachig aufwachsen. In den Sommerferien besucht sie zum ersten Mal ihre Verwandten im fernen Kasachstan. Kristinas Mutter wurde da geboren und zeigt ihrer Tochter nun ihre Heimatstadt Karaganda: ihr Elternhaus, ihre Schule – sogar das alte Riesenrad gibt es noch. Beim Besuch eines Museums erfährt Kristina einiges über die Geschichte der Menschen in diesem neuntgrößten Land der Welt.

Zu Hause in Deutschland SWR Fernsehen

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Autor/in
Ursula Becky