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Hintergrund: Von der Selbstversorgung zur arbeitsteiligen Gesellschaft

Arbeitsteilung

  • Bild aus Trickfilm: Steinzeitliche Getreideernte (Herkunft: SWR) Ob Nahrung ...

Die Erfindung eines praktischen Tauschmittels ermöglichte die Ausweitung von Handelsbeziehungen. Aber es war vor allem die Arbeitsteilung, die dem Handel den Weg bereitete. Wer heute ein Brötchen essen will, kauft es in der Regel beim Bäcker. Wer Milch trinken möchte, geht in den Supermarkt oder direkt zum Milchbauern. Fast alles, was wir zum Leben benötigen, stellen andere Menschen für uns her, und wieder andere verkaufen uns die Ware. Es wäre viel zu aufwendig, wenn jeder sein eigenes Getreide anbauen und seine eigenen Brötchen backen würde. Oder wenn sich jeder selbst Kühe halten müsste, um Milch trinken zu können. Das war natürlich nicht immer so.

  • Bild aus Trickfilm: Kleidernähen im Steinzeitdorf (Herkunft: SWR) ... oder Kleidung – die Menschen der Steinzeit mussten alles selbst herstellen

Jeder nach seinen Fähigkeiten ...

In der Steinzeit, als die Menschen Jäger und Sammler waren, da haben sich die Familien selbst versorgt. Sie haben sich ihr Essen erjagt, aus dem Fell der geschossenen Tiere Kleidung gefertigt und aus Steinen Werkzeug hergestellt. Erst mit dem Aufkommen der Landwirtschaft und der Erwirtschaftung von Überschüssen konnten die Menschen die Arbeit in der Sippe besser untereinander aufteilen. Wenn jemand zum Beispiel ein besonders begabter Jäger war, dann hat er nicht nur für sich gejagt, sondern auch für andere. Einer, der weniger Jagdglück hatte, dafür aber handwerklich geschickt war, hat dann eben Werkzeuge für die anderen hergestellt. So entstand Zug um Zug eine ausgeprägte Arbeitsteilung – die Menschen spezialisierten sich auf ihre besonderen Fähigkeiten.

Spezialisierung und Automatisierung

  • Brotlaibe in Großbäckerei (Herkunft: SWR) Automatisierte Brotherstellung: diese Großbäckerei versorgt heute ca. 20.000 Menschen mit Brot und Brötchen

Wenn jeder das macht, was er am besten kann, dann bilden sich automatisch unterschiedliche Berufe und Branchen heraus – es findet eine Spezialisierung statt. Um die Herstellung von Kleidung kümmerte sich früher nur der Schneider. Heute sind daran Designerfirmen, Textilfabriken, Warenhäuser und Werbeagenturen beteiligt. Auch am Autobau sind hunderte Spezialisten beteiligt, die nur noch einzelne Teile herstellen – Bezüge für Autositze, Airbags oder Zündkerzen. Bei Volkswagen oder BMW werden diese Teile dann nur noch zusammengeschraubt.Da die Arbeitsteilung im Laufe der Zeit immer kleinteiliger wurde, entstanden immer speziellere Berufe und Unternehmen. Über 6.000 Berufe sind heutzutage auf den Seiten der Arbeitsagentur aufgelistet. Jedes Jahr kommen neue dazu: Mechatroniker für Kältetechnik oder mathematisch-technischer Softwareentwickler beispielsweise. Eine wichtige Rolle bei der Arbeitsteilung spielt auch die Automatisierung: Maschinen übernehmen einzelne Produktionsschritte – sie tackern Schilder an die Kleidungsstücke oder schneiden die Stoffe zu. Die Menschen, die diese Maschinen bedienen, brauchen dafür keine Schneiderlehre zu machen. Dafür sehen sie aber oft nicht mehr, wie die Hose, die sie bearbeiten, am Schluss aussieht – und welchen Sinn ihre Handgriffe haben. Die Arbeit ist oft monoton.

  • Mona in Großbäckerei (Herkunft: SWR) Mona hat mit dem Brotbacken am Fließband so ihre Probleme ...

Steigerung der Produktivität

Doch: Je weniger Arbeitszeit, Materialkosten und Maschinen eingesetzt werden müssen, desto produktiver ist ein Unternehmen. Wo vor 20 Jahren noch über 100 Arbeiter mit der Verschweißung eines VW Polos beschäftigt waren, kann man sie heute an einer Hand abzählen – das Ergebnis von Automatisierung und neuen Technologien. 1975 benötigte man noch acht Stunden um einen Fernseher herzustellen, 1979 waren es noch vier, heute lassen sich mehrere Geräte in einer Stunde anfertigen. Ein anderes Beispiel aus der Landwirtschaft: Vor 100 Jahren ernährte ein Bauer drei weitere Personen – heute sind es mehr als hundert Menschen, die von seinen Erträgen leben können.


Textquelle: Arbeiten vollautomatisch?

André hat gerade Kupplungen montiert, 72 Stück in anderthalb Stunden. Das geht so: Der drahtige Blonde sitzt auf einem grauen Stuhl vor dem Fließband, dreht sich nach rechts, bückt sich, wuchtet eine Fünf-Kilo-Kupplung aus einer Kiste und steckt sie auf den halbfertigen Motor. Er zieht sechs Schrauben fest – fertig. Der nächste bitte. Fünfmal am Tag wechselt André seinen Platz am Fließband, schraubt mal im Stehen, montiert mal im Sitzen, damit die Belastung nicht ganz so einseitig ist. Trotzdem kamen irgendwann die Rückenschmerzen, inzwischen wacht er morgens davon auf. Seit 22 Jahren malocht er im VW-Werk in Salzgitter, Schichtdienst inklusive, für knapp 2.500 Euro brutto im Monat.

Ob er sich nicht mal versetzen lassen will? „Wohin denn?", fragt er ratlos. Er muss fast schreien, damit die Reporter, die ihn mit Schreibblöcken in der Hand umzingeln, verstehen. Autos zu montieren, macht Krach. (...) Die meisten Arbeiter schaffen mehr als zehn Jahre am Fließband, erzählt Betriebsrat Detlef Kays. Manche bleiben bis zur Frührente, weil sie sich irgendwann nichts anderes mehr zutrauen. Andere greifen zu, wenn sie die Chance haben, einen anderen Job zu übernehmen.

Viele wechseln in die Halle nebenan, wo Kurbelgehäuse gefertigt werden – und zwar vollautomatisch. Dort ist der Lärmpegel noch höher, aber immerhin gibt's hier keine Fließbandarbeit. Der 38-jährige Mehmet pult die gelben Stöpsel aus seinen Ohren und erklärt den Journalisten: „Wir überwachen die Produktion der Gehäuse." Er prüft, ob die Maschinen richtig gebohrt haben, korrigiert die Einstellung und wechselt die Werkzeuge. "Manchmal muss ich die Gehäuse vom Band nehmen, die Dinger wiegen fast 20 Kilo", sagt Mehmet. "Und manchmal muss ich auch in die Maschine reinkrabbeln und was reparieren.“

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 30.1.2007

Globalisierung

  • (Rechte: picture-alliance/ dpa) Textilfabrik in Vietnam: Produziert wird überwiegend für Europa und die USA

Das T-Shirt ist „Made in China“. Der Computer kommt aus Taiwan. Und das Auto wurde vielleicht in Japan hergestellt. Würden unsere Turnschuhe in Deutschland statt in China produziert, wären sie um ein vielfaches teurer. Das liegt daran, dass ein chinesischer Arbeiter weniger als 100 Euro im Monat verdient. Davon könnte ein Deutscher nicht mal seine Miete bezahlen.

Jeder macht das, was er im Vergleich am besten und am billigsten kann. Dieses Prinzip der Arbeitsteilung macht in einer offenen Welt keinen Halt vor Ländergrenzen. Die Unternehmen, die in China produzieren, haben wegen der dort im Vergleich niedrigen Löhne einen Kostenvorteil gegenüber denen, die ihre Waren in Deutschland herstellen lassen.

Armut als „Kostenvorteil“?

Warum viele Menschen in Bangladesch, in vielen Ländern Afrikas oder auch heute noch in China sehr viel weniger verdienen als in Deutschland und dass in diesen Ländern sehr viele Menschen nach wie vor sehr arm sind, hat viele Gründe. Einer davon ist, dass die Menschen dort oft keine Ausbildung oder nicht einmal Schulbildung haben. So finden sie nur in den Fabriken Arbeit, für wenig Geld und unter schlechten Bedingungen. Firmen aus Europa und den USA sind dazu übergegangen, einfache Arbeitsschritte in diese Länder auszulagern – das Zusammenschrauben von Einzelteilen, das Nähen von T-Shirts oder das Kleben von Schuhen. Doch auch kompliziertere Arbeiten werden zunehmend verlagert. So entwickeln indische Computerspezialisten Software für Unternehmen aus Europa und den USA. Manche Länder spezialisieren sich aufgrund ihrer klimatischen Lage auch auf den Tourismus oder wegen ihrer Rohstoffvorkommen auf die Förderung von Erdöl oder Diamanten.


Textquelle: Spielzeug aus China

In den Fabrikhallen riecht es nach verbranntem Plastik. An langen Tischen stecken Arbeiter, die meisten sind Frauen, mit monotonen Handbewegungen bunte Plastikteile ineinander. Die Industriegebiete um Shenzhen und Guangzhou, im Süden Chinas an der Grenze zu Hongkong, sind das Zentrum der chinesischen Spielzeugindustrie. Schon vor ein paar Jahren gab es dort mehr als 1600 Spielzeugfabriken. Viele davon sind Hinterhoffabriken, ohne Lizenzen und Kontrollauflagen, in denen nur eines zählt: Das Spielzeug soll möglichst billig hergestellt werden.

China ist der weltweit größte Spielzeugproduzent. Schätzungsweise 75 Prozent aller Kinderspielzeuge werden in der Volksrepublik produziert. In Deutschland waren 2004 rund noch 58 Prozent aller verkauften Spielwaren "Made in China". Drei Jahre später sind es bereits 80 Prozent. Der Grund für den Erfolg: Die Herstellung von Spielzeug ist technisch anspruchslos, aber arbeitsintensiv. Die Arbeiter in Chinas Spielzeugfabriken verdienen oft weniger als den monatlichen Mindestlohn von 810 Yuan - umgerechnet 79 Euro. Dafür müssen die Wanderarbeiter aus den Provinzen, die in engen Mehrbettzimmern auf dem Fabrikgelände wohnen, häufig zwölf Stunden am Tag im Akkord schuften. In der Hauptsaison, den Monaten vor Weihnachten, haben sie oft wochenlang keinen freien Tag. (...)

Viele westliche Spielzeugmarken, darunter auch der US-Großkonzern Mattel, verlangen von chinesischen Zulieferern die Einhaltung von Mindeststandards in der Produktion und faire Arbeitsbedingungen. In der Praxis ist eine Kontrolle oft nicht möglich. Die Einkaufspreise für Spielzeug sind so niedrig, dass die Hersteller die Produktion in illegale Hinterhoffabriken auslagern. Dort sind die Arbeitsbedingungen brutal. Manche Landkreise in Südchina sind unter den Wanderarbeitern als "Fingerabschneide-Dörfer" berüchtigt, weil es an den Fließbändern so häufig zu Verletzungen kommt. In einer Fabrik bei Shenzhen wurden die Plastikteile für einen "Hello Kitty"-Spielzeugfotoapparat mit einer glühendheißen Maschine ausgestanzt, aus der das flüssige Plastik tropfte. Für die Arbeiter gab es weder Schutzvorrichtungen für die Hände noch Atemmasken. (...)

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 16.8.2007

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