Gattung: Novelle Titel in Anführungszeichen: „Das Bettelweib von Locarno“
Autor: Heinrich von Kleist
Quelle: Berliner Abendblätter. 10. Blatt. Berlin: J. E. Hitzig, 1810. (Im Aufsatz ist es für viele Lehrkräfte ausreichend, wenn der Verfasser, der Titel, Erscheinungsort und -jahr angegeben werden.)
Thema: Ein Akt der Grausamkeit gegenüber einer Schwachen rächt sich, der Täter wird vom eigenen Gewissen verfolgt und vernichtet.
Handlungskern: Ein Marchese behandelt eine alte, gebrechliche Bettlerin unmenschlich und zwingt sie, sich vom wärmenden Platz wegzubewegen. Dabei verletzt sie sich tödlich und stirbt. Jahre später erscheint ihr Geist jede Nacht im Schloss, wiederholt die Szene ihres Sterbens und vertreibt potenzielle Käufer. Als der Marchese den Spuk selbst erlebt, gerät er in Panik. In der letzten Nacht flieht seine Frau, und der Marchese steckt – wahnsinnig vor Angst und Schuld – das Schloss in Brand und kommt dabei um. Seine Gebeine bleiben an derselben Stelle zurück, an der die alte Frau einst sterben musste.
Deutungsansatz: Der Geist erscheint nicht als übernatürliches Phänomen, sondern als symbolische Veranschaulichung der Schuld des Marchese. Der Spuk setzt erst ein, nachdem der Marchese sozial und wirtschaftlich abgestürzt ist – also in einem Moment, in dem die verdrängte Tat an die Oberfläche drängt.
Möglicher Basissatz
Die Novelle „Das Bettelweib von Locarno“ hat Heinrich von Kleist verfasst. Sie ist 1810 in Berlin erschienen und behandelt das Thema, wie sich ein Akt der Grausamkeit gegenüber einer Bettlerin rächt, der Täter wird vom eigenen Gewissen verfolgt und vernichtet. Im Zentrum der Handlung steht ein Marchese, der eine alte, gebrechliche Frau unmenschlich behandelt und sie zwingt, sich vom wärmenden Platz wegzubewegen. Dabei verletzt sie sich tödlich und stirbt. Jahre später erscheint ihr Geist jede Nacht im Schloss, wiederholt die Szene ihres Sterbens und vertreibt potenzielle Käufer. Als der Marchese den Spuk selbst erlebt, gerät er in Panik. In der letzten Nacht flieht seine Frau, und der Marchese steckt – wahnsinnig vor Angst und Schuld – das Schloss in Brand und kommt dabei um. Seine Gebeine bleiben an derselben Stelle zurück, an der die Bettlerin einst sterben musste. Die Geschichte lässt sich als symbolische Veranschaulichung der Schuld des Marchese deuten, also weniger als übernatürliches Phänomen. Der Spuk setzt erst ein, nachdem der Marchese sozial und wirtschaftlich abgestürzt ist – also in einem Moment, in dem die verdrängte Tat an die Oberfläche drängt.