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Hintergrund: Vom Ster­ben der In­sek­ten

  • Ein Marienkäfer auf der Unterseite einer Blütenknospe (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock) Insekten brauchen intakte Ökosysteme (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock)

In­sek­ten gel­ten als sehr wi­der­stands­fä­hi­ge Tiere. Trotz­dem sind ge­ra­de sie es, die in den letz­ten Jahr­zehn­ten einen dra­ma­ti­schen Schwund zu ver­zeich­nen hat­ten. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig. Eine der Ur­sa­chen des Ver­schwin­dens hängt si­cher mit der star­ken Spe­zia­li­sie­rung vie­ler In­sek­ten­ar­ten zu­sam­men. In­sek­ten stel­len mit Ab­stand die ar­ten­reichs­te Tier­grup­pe dar, über eine Mil­li­on Arten sind von ihnen be­reits be­schrie­ben, und man schätzt, dass es meh­re­re 10 Mil­lio­nen Arten auf dem Glo­bus gibt. Nicht we­ni­ge der Sechs­bei­ner sind Ge­ne­ra­lis­ten, die mit un­ter­schied­lichs­ten Um­welt­be­din­gun­gen zu­recht­kom­men. Doch viele sind auf ganz be­stimm­te Bio­to­pe spe­zia­li­siert, die oft­mals auch noch sehr klein oder re­gio­nal be­grenzt sein kön­nen. Ver­lie­ren diese Arten nun ihren Le­bens­raum, sind sie nicht in der Lage, auf an­de­re Bio­to­pe aus­zu­wei­chen. Im Zuge der Flur­be­rei­ni­gung sind ge­ra­de sol­che klein­räu­mi­gen Le­bens­räu­me in gro­ßem Um­fang ver­nich­tet wor­den.

Weil die In­sek­ten ver­gleichs­wei­se klein sind, ist ihr Rück­gang nicht so auf­fäl­lig wie bei den grö­ße­ren Säu­ge­tie­ren, wie dem Feld­ha­sen oder dem Feld­hams­ter. Aber das zu frühe Mähen einer Wiese kann für Aber­tau­sen­de In­sek­ten, bzw. ihre Brut den si­che­ren Tod be­deu­ten.

Hinzu kommt der Ein­satz von Pes­ti­zi­den auf den Fel­dern. Allzu oft töten die Gifte nicht nur den Pa­ra­si­ten, gegen den sie ei­gent­lich ge­rich­tet sind, son­dern auch an­de­re In­sek­ten. So wer­den Pes­ti­zi­de z. B. auch mit dem mys­te­riö­sen Mas­sens­ter­ben von Ho­nig­bie­nen in Ver­bin­dung ge­bracht, das seit ei­ni­gen Jah­ren welt­weit zu be­ob­ach­ten ist. Und mit den ver­gif­te­ten In­sek­ten kann sich das Gift in der Nah­rungs­ket­te an­rei­chern, wenn Tiere die ver­gif­te­ten Tiere fres­sen und selbst Beute von grö­ße­ren Raub­tie­ren wer­den und diese ver­gif­ten. Der Rück­gang der In­sek­ten hat nicht nur für die klei­nen Krabb­ler selbst dra­ma­ti­sche Fol­gen, son­dern für alle Tiere, die di­rekt oder in­di­rekt von ihnen leben. Der Rück­gang der Fle­der­maus­be­stän­de von 80% in den letz­ten Jahr­zehn­ten ist zu einem gro­ßen Teil auf den Schwund der In­sek­ten zu­rück­zu­füh­ren, von denen sie leben.

  • Ein Schmetterling saugt Nektar auf einer Blüte (Quelle: colourbox.​com) Schmetterlinge sind oft auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert (Quelle: colourbox.​com)

Ein weit­hin un­be­kann­tes Pro­blem für die In­sek­ten stellt mitt­ler­wei­le die Licht­ver­schmut­zung in den In­dus­tri­e­staa­ten dar. Damit ist schlicht und ein­fach der Um­stand ge­meint, dass es hier­zu­lan­de kaum noch rich­tig dun­kel wird. Vor dem Auf­tre­ten des mo­der­nen Men­schen, selbst noch zur Zeit des Mit­tel­al­ters, waren die hells­ten Licht­quel­len in der Nacht der Mond und die Ster­ne, von ein paar Fa­ckeln und Ker­zen mal ab­ge­se­hen. Das Sa­tel­li­ten­bild des heu­ti­gen Eu­ro­pas bei Nacht hin­ge­gen zeigt das ganze Aus­maß des Di­lem­mas. Leicht sind die Kon­tu­ren des Kon­ti­nents auch in­mit­ten der Nacht aus­zu­ma­chen, der­art hell er­strah­len die Aber­mil­lio­nen von künst­li­chen Licht­quel­len. Die Städ­te tre­ten sogar wie Ster­ne in­mit­ten des Lich­ter­meers her­vor. Was be­deu­tet das für die In­sek­ten? Jeder weiß, dass In­sek­ten von Licht­quel­len an­ge­zo­gen wer­den. Um jede Stra­ßen­la­ter­ne tan­zen des Nachts un­zäh­li­ge Fal­ter und Mü­cken, und auch Ker­zen zie­hen viele Flug­in­sek­ten an, sogar bis in den Flam­men­tod. Auf den ers­ten Blick scheint das ein sehr wi­der­sin­ni­ges Ver­hal­ten zu sein, spü­ren die In­sek­ten die Wärme nicht?

  • Der Mond am Nachthimmel (Quelle: colourbox.​com) Der Mond wird von Insekten zur Orientierung genutzt (Quelle: colourbox.​com)

In­sek­ten fol­gen ihrem In­stinkt, wenn sie in Rich­tung des Lichts flie­gen. Sie be­nut­zen na­tür­li­che Licht­quel­len, haupt­säch­lich den Mond, als Na­vi­ga­ti­ons­mit­tel. Von vie­len Fal­tern ist bspw. be­kannt, dass sie im nächt­li­chen Flug einen be­stimm­ten Win­kel zum Mond ein­hal­ten. Der Mond scheint auf­grund sei­ner gro­ßen Ent­fer­nung und lang­sa­men Be­we­gung am Him­mel still­zu­ste­hen. Die­ses Ver­hal­ten wirkt sich bei einer Stra­ßen­la­ter­ne fatal aus. Beim Ver­such, zur Licht­quel­le einen be­stimm­ten Win­kel ein­zu­hal­ten, ge­ra­ten die Tiere auf eine Spi­ral­bahn, die sie un­wei­ger­lich in das Zen­trum der Licht­quel­le führt. Selbst, wenn sie dort nicht den Hit­ze­tod ster­ben, um­krei­sen sie bis zur Er­schöp­fung die Lampe. In die­ser gan­zen Zeit neh­men sie keine Nah­rung auf, pflan­zen sich nicht fort, be­stäu­ben nicht und die­nen vie­len Tie­ren nicht als Nah­rung, kurz, ihr öko­lo­gi­scher Nut­zen geht weit­ge­hend ver­lo­ren.

In der Nah­rungs­ket­te neh­men die In­sek­ten eine re­la­tiv nied­ri­ge Po­si­ti­on ein. Das be­deu­tet, viele Tiere sind von ihnen ab­hän­gig. So sind viele Vögel auf In­sek­ten­lar­ven wie Rau­pen an­ge­wie­sen, und Fle­der­mäu­se fres­sen prak­tisch nichts an­de­res als Flug­in­sek­ten. Feh­len nun die In­sek­ten in der Land­schaft, lei­den auch viele Wir­bel­tie­re, weil sie nicht genug Fut­ter fin­den.