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Hintergrund: Der Un­ter­gang der Un­kräu­ter

Un­kraut - ein un­er­wünsch­tes Kraut, das auf un­se­ren Fel­dern und in un­se­ren Gär­ten nichts zu su­chen hat, so lau­tet wohl die üb­li­che De­fi­ni­ti­on für die mit­un­ter läs­ti­gen "Be­gleit­pflan­zen" un­se­rer Kul­tur­land­schaft. Als Un­kräu­ter be­zeich­net man für ge­wöhn­lich sol­che Pflan­zen, die sich in un­mit­tel­ba­rer Nähe un­se­rer Nutz­pflan­zen an­sie­deln und diese im Wachs­tum be­ein­träch­ti­gen oder ver­drän­gen. Man­che Un­kräu­ter rich­ten sogar grö­ße­ren Scha­den an, weil sie gif­tig sind. So kommt es immer wie­der zu Un­fäl­len mit dem gif­ti­gen Ja­kob­s­kreuz­kraut, das mit dem Heu­ein­trag in die Scheu­nen ge­lan­gen und so Pfer­de und Rin­der töten kann.

  • Nahaufnahme zweier Klatschmohnblüten (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock) Der Klatschmohn ist durch Herbizideinsatz seltener geworden (Quelle: Jupiterimages/Thinkstock)

Es ist wich­tig fest­zu­hal­ten, dass es "das" Un­kraut nicht gibt. Ob wir eine Pflan­ze als Un­kraut an­se­hen, ist davon ab­hän­gig, ob wir diese Pflan­ze als Schäd­ling be­trach­ten oder nicht. Die Schaf­gar­be, eine Pflan­ze aus der Fa­mi­lie der Korb­blüt­ler, wächst in vie­len Gär­ten als "Un­kraut", in an­de­ren aber als "Heil­pflan­ze", denn ihre me­di­zi­ni­schen Wir­kun­gen sind be­reits seit Jahr­hun­der­ten be­kannt. Auch wenn viele Wild­kräu­ter, die in der Land­wirt­schaft als Un­kraut an­ge­se­hen wer­den, tat­säch­lich als Kon­kur­ren­ten der Nutz­pflan­zen auf­tre­ten, hat man in­zwi­schen den öko­lo­gi­schen Wert der "Ge­trei­de-Acker­be­gleit­flo­ra", so ein neu­tra­ler, aber sper­ri­ger Be­griff für die Un­kräu­ter am Feld­rand, er­kannt. Für viele Tiere, be­son­ders In­sek­ten, ist eine Viel­falt an Blu­men­ar­ten zum Über­le­ben un­ver­zicht­bar.

  • Einige Kornblumen in einem Getreidefeld (Quelle: Nautilus Film) Das Verschwinden der Kornblume geht oft auf Überdüngung der Felder zurück (Quelle: Nautilus Film)

Her­bi­zi­de (che­mi­sche Pflan­zen­be­kämp­fungs­mit­tel) haben sich in der Land­wirt­schaft als ge­eig­ne­tes Mit­tel gegen Un­kräu­ter durch­ge­setzt, nicht zu­letzt weil die zum Teil rie­si­gen Acker­flä­chen der mo­der­nen Land­wirt­schaft an­de­re Me­tho­den, wie bspw. das me­cha­ni­sche Ent­fer­nen des Un­krauts, meist un­mög­lich ma­chen. Man un­ter­schei­det ganz un­ter­schied­li­che Wir­kungs­klas­sen bei Her­bi­zi­den, je nach dem Wirk­me­cha­nis­mus des Mit­tels. Es gibt Her­bi­zi­de, die prak­tisch gegen alle Pflan­zen wir­ken. Sol­che wer­den ein­ge­setzt, um z. B. ein Feld vor der Aus­saat einer Nutz­pflan­ze kom­plett von an­de­ren Pflan­zen zu be­frei­en. An­de­re Mit­tel wir­ken spe­zi­fi­scher. Ei­ni­ge än­dern hor­mo­nell die Wachs­tums­ra­ten be­stimm­ter Un­kräu­ter, an­de­re hem­men die Pho­to­syn­the­se oder die Zell­tei­lung be­stimm­ter Pflan­zen oder Pflan­zen­grup­pen. Durch sol­che Her­bi­zi­de oder eine Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Her­bi­zi­de ist es mög­lich ge­wor­den, alle un­er­wünsch­ten Pflan­zen auf den Fel­dern oder im Gar­ten sehr ef­fek­tiv zu be­kämp­fen. Da­durch ver­än­dert sich nicht nur das Ar­ten­ge­fü­ge bei den Wild­pflan­zen, es gehen allzu oft ganze Le­bens­ge­mein­schaf­ten ver­lo­ren. Denn mit den Wild­pflan­zen, den "Un­kräu­tern" ver­schwin­den auch die von ihnen ab­hän­gi­gen In­sek­ten und wie­der­um von die­sen ab­hän­gi­ge Vögel und Säu­ge­tie­re.

  • Ein Feldhamster frisst an einem Blütenblatt (Quelle: SWR) Der Feldhamster findet kaum noch Nahrung auf den Feldern (Quelle: SWR)

Her­bi­zi­de sind noch aus einem an­de­ren Grund pro­ble­ma­tisch. Oft­mals ver­blei­ben die Gift­stof­fe des Pflan­zen­be­kämp­fungs­mit­tels noch für lange Zeit im Boden oder ge­lan­gen über die Nutz­pflan­zen in den Kör­per des Men­schen. Viele Her­bi­zi­de sind aber nicht un­be­denk­lich für die Ge­sund­heit. Man­che Gift­stof­fe kön­nen den Hor­mon­haus­halt des Men­schen ver­än­dern oder sogar das Ner­ven­sys­tem schä­di­gen. So man­ches Her­bi­zid wurde in der Ver­gan­gen­heit ver­bo­ten, weil man erst nach­träg­lich er­kann­te, wie ge­sund­heits­schä­di­gend es sein kann. Ein wei­te­res Pro­blem be­steht in der Re­sis­tenz­bil­dung der Un­kräu­ter. Nor­ma­ler­wei­se wer­den durch den Ein­satz eines Pflan­zen­be­kämp­fungs­mit­tels nie­mals 100% der Pflan­zen ver­nich­tet, ei­ni­ge über­le­ben die Gift­wir­kung, auch wenn es nur we­ni­ge sind. Diese Über­le­ben­den, die gegen das Gift of­fen­sicht­lich immun oder zu­min­dest recht un­emp­find­lich sind, pflan­zen sich fort und über­tra­gen die Im­mu­ni­tät auf ihre Nach­kom­men. Schließ­lich hat man im un­güns­tigs­ten Fall eine Po­pu­la­ti­on von Un­kräu­tern, die gegen das ur­sprüng­lich ein­ge­setz­te Her­bi­zid immun ge­wor­den ist. Es hat sich eine Re­sis­tenz gegen das Her­bi­zid ent­wi­ckelt, und man hat ein grö­ße­res Pro­blem als vor dem Her­bi­zid­ein­satz. In der Folge müs­sen immer neue Her­bi­zi­de oder Kom­bi­na­tio­nen ver­schie­de­ner Mit­tel ein­ge­setzt wer­den. In Deutsch­land sind zur Zeit weit über 1000 Pflan­zen­schutz­mit­tel zu­ge­las­sen.