Am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald steht die Inschrift "Jedem das Seine". Dieser harmlos wirkende Spruch hat eine komplexe Vergangenheit. In der Antike stand er für Individualität und Gerechtigkeit: Jeder bekommt, was er verdient.
Umdeutung des Ausdrucks "Jedem das Seine" durch die Nationalsozialisten
Die Nationalsozialisten verkehrten die Aussage jedoch ins Gegenteil, um die Häftlinge zu verhöhnen. Der Schriftzug wurde absichtlich so am Tor des Konzentrationslagers Buchenwald angebracht, dass ihn die Inhaftierten von innen lesen konnten. Die Buchstaben waren in roter Farbe gehalten und wurden auf der Lagerinnenseite jährlich neu gestrichen. Der Schriftzug war zynisch gemeint und sollte die Häftlinge demütigen In Buchenwald starben zehntausende Menschen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Hinrichtungen. Seitdem hat der Ausdruck "Jedem das Seine"eine negative Bedeutung. Er ist ein Beispiel dafür, wie die NS-Ideologie Sprache veränderte. Der Ausdruck sollte nicht mehr verwendet werden.
Mehr Videos gibt es bei 90SekundenGeschichte auf TikTok
Alle Themen zum Schwerpunkt 90SekundenGeschichte
Antisemitismus
Antijüdische Feindbilder gab es schon in der Antike. Im 19. Jahrhundert waren antisemitische Ideen weit verbreitet. Die Nazis knüpften daran an und planten den Holocaust.
KZ-Schriftzug "Jedem das Seine"
"Jedem das Seine" prangt am Tor des KZ Buchenwald. Dieser Ausdruck hat nichts Neutrales oder Positives mehr. Die Nazis missbrauchten ihn, um Terror und Mord zu rechtfertigen.