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Hintergrund: Soziales Leben und Kultur in der Jungsteinzeit

Steinzeitkinder: Alltag – Lernen – Spiele – Spielzeug

  • Till brät einen selbst gefangenen Fisch am Feuer. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) In der Steinzeit mussten auch die Kinder bei der Nahrungsbeschaffung mithelfen. Till hat einen Fisch gefangen und brät ihn für die Sippe.

Frauen bekamen in der Jungsteinzeit relativ früh und in kurzer Folge Kinder, die, von Krankheiten bedroht, rasch sterben konnten. Das Leben als Kind in der Jungsteinzeit war kurz. Mit sechs bis acht Jahren wurden Heranwachsende in den Arbeitsalltag der dörflichen Gemeinschaften eingebunden. Mit etwa 14 bis 16 Jahren erfolgte die Aufnahme in die Welt der Erwachsenen, was bei einem Kinderanteil von 50-60% und einer Lebenserwartung von 30-35 Jahren verständlich ist. Die Spuren körperlicher Arbeit sind einerseits an Verschleißerscheinungen der Skelette neolithischer Kinder und Jugendlicher ablesbar, andererseits an stark ausgeprägten Muskelmarken schon ab einem Alter von sechs Jahren. Kinder halfen bei den Ernten, hüteten Tiere, entspelzten Getreide, holten Wasser, trockneten Vorräte und lagerten sie ein, sie fischten, sammelten Brennholz, Beeren und Pilze und was sonst so anfiel im Alltag der Jungsteinzeit. Die landwirtschaftliche Lebensweise brachte insgesamt eine erhöhte Arbeitsbelastung für alle und jeder einzelne wurde gebraucht.

Trotz der vielen Arbeit taten auch damals Kinder sicher das gleiche wie Kinder heute: Spielen. Bei Ausgrabungen finden sich immer wieder Miniaturausgaben von Werkzeugen, Keramiken, Jagdwaffen, Wagen oder Einbäumen und kleine Tier- oder Menschenfiguren aus Ton. Damit ahmten Steinzeitkinder das nach, was sie als Erwachsene täglich zu tun hatten: Jagen, Einbaum fahren, Tiere hüten usw. Das Nachspielen der Tätigkeiten der Erwachsenen, das Erzählen von Geschichten, Sagen, Schauermärchen und Mythen, das war der „Schulstoff“, den Steinzeitkinder lernten.

  • Till und Ronja hüten Ziegen. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Ziegenhüten war Kinderarbeit – Till und Ronja kommen gut mit den Tieren zurecht.

  • Merlin übt das Bogenschießen – eine wichtige Steinzeitwaffe. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Merlin übt das Bogenschießen – eine wichtige Steinzeitwaffe.

Informationsweitergabe in der Jungsteinzeit

  • Rötel (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Das Tonmineral Rötel zeichnet sich durch seine intensive rote Farbe aus.
  • Die Kinder bemalen sich gegenseitig mit Rötel. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Rötel wurde in der Jungsteinzeit für Wandmalereien aber auch zur Körperbemalung genutzt.

Den Erfahrungsschatz eines jungsteinzeitlichen Ackerbauern werden wir leider nie kennen lernen. Denn damals wurde das Wissen von Generation zu Generation nur mündlich weiter gegeben. Schriftliche Aufzeichnungen sind bislang unbekannt. Auch vor 6000 Jahren lebten die Menschen in ihren Dörfern nicht in Isolation. Andere Ortschaften, Stämme und Landschaften und die Entfernungen zu ihnen waren sicher bekannt. Auf Jagdausflügen, Handelsreisen oder bei der Beschaffung von Rohstoffen wie Feuerstein oder Salz wurden zum Teil weite Strecken zurück gelegt. Die entlang dieser Routen lebende Bevölkerung und ihre Dörfer, die Tierwelt, die Landschaften, Quellen, Flüsse, Seen, Wälder, Berge und Moore wurden wahrscheinlich in mündlichen Berichten oder ausgearbeiteten Geschichten, Gesängen, Gedichten, Sagen oder Mythen beschrieben. Die reisenden berichteten oft von bisher Unbekanntem oder auch „übernatürlichen“ Erscheinungen. Manches wurde auch bildhaft dargestellt, z. B. auf Hauswänden oder Keramiktöpfen.

Unser heutiger Wissensstand zu all diesen Bereichen ist lückenhaft. Handelswege, Praktiken und Objekte sind ist recht gut nachvollziehbar, weil es in manchen Fundstellen oder auch Gräbern Gegenstände aus Materialien von weit her gibt, die lokal nicht vorhanden waren. Eine Geschichte dagegen kann man nicht ausgraben und eine Wandmalerei ist vieldeutig. Eines darf man den Menschen aller Zeiten jedenfalls unterstellen: Neugier. Das Unbekannte hinter den weißen Bergen der Alpen war reizvoll und was am anderen Seeufer geschah interessierte. Durchreisende waren damals Zeitung, Internet, Post, e-mail, Radio und Fernsehen zugleich. Sie konnten den Leuten vor Ort Neuigkeiten bringen und sicher schmückten sie das Erlebte häufig genug aus, um ihren Gastgebern zu imponieren. Hier stehen wir am Beginn der Literatur, auch wenn die Schrift zum Aufzeichnen dieser Geschichten noch nicht erfunden war.

Sozialstrukturen und Religion in der Jungsteinzeit

  • Prähistorische Höhlenzeichnung. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Prähistorische Höhlenzeichnung.

Wie die Menschen zwischen 6000 und 2000 v. Chr. in Mitteleuropa organisiert waren und an welche Götter sie glaubten wissen wir auch nach fast 200 Jahren Forschung noch kaum. Über Vergleiche mit den Kulturen des Mittelmeerraumes und Osteuropas können wir immerhin annehmen, dass der Wechsel der Jahreszeiten, die Rhythmen der Aussaat, Pflege und Ernte des Getreides für die jungsteinzeitlichen Religionen wesentlich waren. Damit verbundene Fruchtbarkeitskulte sind sehr wahrscheinlich. Kleine Frauen-, Männer- und Tierdarstellungen aus Ton waren das eine oder andere Mal sicher auch Darstellungen von Gottheiten mit bestimmten Aufgaben. Familien, Clans, Stämme und Völker mit fest umgrenzten Territorien – gab es das damals schon? Zu vermuten ist es, denn soweit die Forscher die Situation bei Völkern überblicken, die auch heute noch so ähnlich wie die Menschen der Jungsteinzeit leben, gibt es das dort immer. Auch die Organisation der ausgegrabenen Dörfer und die Häuser selbst sprechen dafür. Wir wissen auch, dass die Menschen sich spezialisierten und unterschiedlichen Tätigkeiten nachgingen: es gab Jäger, Fischer für die tieferen Abschnitte der Seen, solche für die Flachwasserzone, Tierzüchter, Feuersteinschläger, Schmuckperlenhersteller, Getreidebauern, Töpfer und mehr. Aber ob es verschiedene Gesellschaftsschichten und politische, rituelle oder militärische Organisationen gab verraten uns die archäologischen Quellen nicht. Natürlich trennen uns von der Jungsteinzeit 8000-4000 Jahre und vieles war damals sicher ganz anders, als wir es uns heute vorstellen können.