zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Hintergrund: Entwicklung der Sesshaftigkeit

Zusammentreffen verschiedener Kulturen

  • Getreideähre Emmer (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Emmer ist eine typische steinzeitliche Getreidesorte.

Aus dem Ursprungsgebiet der bäuerlichen Lebensweise brachen immer wieder Gruppen auf, um noch unkultiviertes Land zu finden. Sie kolonisierten nach und nach Anatolien, Griechenland, den Balkanraum und die Mittelmeerregion. Ab ca. 5.800 v. Chr. kamen aus Süd- und Westeuropa die Träger der "La Hoguette"-Kultur mit ihren Schafen und Ziegen nach Südwestdeutschland. Sie wussten Keramik herzustellen, sie jagten, sammelten Wildpflanzen und wanderten mit dem Wechsel der Jahreszeiten von Ort zu Ort. Etwa 300 Jahre später trafen die Bauern der "Bandkeramischen Kultur" ein, die vom Schwarzmeergebiet kommend entlang der großen Flusssysteme, wie dem der Donau, nach Mitteleuropa gewandert waren. Die bäuerlichen Gruppen trafen auf einheimische Jäger und Sammler. Diese waren sehr mobil und hatten schon längere Zeit Kontakte mit den Bauern weiter im Süden und Osten gehabt. Auch führten sie Versuche im Anbau von Getreide durch und als sich die Bauern in unmittelbarer Nähe zu ihnen niederließen, formte sich in der Zeit zwischen 5800 und 5000 v. Chr. eine relativ einheitliche Kultur, die Elemente aller drei Kulturgruppen verschmolzen miteinander.

Ackerbauer und Viehzüchter

Die Steinzeit nahm zeitlich betrachtet die letzten 4 Mio. Jahre bis etwa 2000 v. Chr. ein. Dabei war die vor 10.000 Jahren eingeleitete Zeit am spannendsten für die Menschheit, da die produzierende Wirtschaftsweise der Ackerbauer und Viehzüchter die vorher übliche, aus der Natur lediglich entnehmende, Lebensweise der Jäger und Sammler ablöste. Der Umbruch in den Lebensgewohnheiten von umherziehenden Klein- und Familiengruppen hin zu größeren Siedlungsgemeinschaften, die sesshaft wurden, leitete eine rasante Entwicklung vor allem auch im technischen Bereich ein, die noch bis heute fortdauert. Die Entwicklung der Sesshaftigkeit mit stationären Ackerbauflächen, um die sich Siedlungen gruppierten und Tierhaltung durchführten, ermöglichte das Zusammenleben immer größerer Bevölkerungsgruppen. Technologischer Fortschritt, Spezialistentum und auch eine planvolle Erschließung der Umwelt zum Nutzen der Menschen waren die Folge.

  • Hausschwein (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Die Menschen der Jungsteinzeit hielten sich Haustiere. So hing das Überleben der Sippe nicht mehr so stark vom Jagdglück ab.

  • Getreidefeld (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Mit der Sesshaftigkeit begannen die Menschen auch Getreide anzubauen.

Siedlungen

  • Henning geht im Einbaum auf Fischfang. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Henning geht im Einbaum auf Fischfang.

In der Jungsteinzeit (6000 – 2000 v. Chr.) waren in Mitteleuropa mehrere Siedlungstypen bekannt. Pfahlbauten und Ufersiedlungen nutzten die Seen und ihre Uferzonen, die Tümpel und Flüsse mit ihren reichen Möglichkeiten und ihrem vielfältigem Lebensumfeld intensiv. Die Lage der Pfahlbau-, Seeufer- und Flusssiedlungen orientierte sich nicht ohne Grund am Wasser. Wasser ist überlebensnotwendig , nicht nur zum Trinken, Einbaum fahren oder Fische fangen, sondern vor allem auch deswegen, weil sich an jedem Ufer ein überaus reichhaltiges Spektrum an natürlichen Rohstoffen erschloss. Lehm und Schilf eignen sich hervorragend für den Hausbau. Im vorgeschichtlichen Auewald kamen die Wassernuss, Frösche, Enten oder Rentiere, Biber oder Auerochsen vor. Der Mensch schuf hier kleinteilige und abwechslungsreiche Landschaften, die ideale Voraussetzungen für alle grundlegenden Wirtschaftsformen von Ackerbau über Viehzucht bis zu Sammeln und Jagen ermöglichten. Dadurch verbesserte sich die Ernährungsgrundlage für größere Gruppen, die sich in regional verbundenen Netzwerken entlang der Wasserstraßen entwickelten. Die Dörfer waren allerdings noch keine Dauersiedlungen im heutigen Sinne. Sie wurden, wie die Datierungen der ausgegrabenen Bauhölzer zeigen, meist nach 10 – 15 Jahren wieder verlassen und an anderer Stelle neu gegründet. Dies lag einerseits daran, dass die Ressourcen vor Ort in dieser Zeit weitgehend erschlossen und verbraucht waren. Andererseits war es einfacher, baufällig gewordene Häuser durch Neubauten zu ersetzen, als sie zu reparieren.

  • Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee gibt einen lebendigen Eindruck vom steinzeitlichen Dorfleben.

  • Nahaufnahme Schilf einer Dachabdeckung. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Dächer wurden häufig mit Schilf gedeckt.

Bäuerliches Leben

  • Steinzeitlicher Reibstein (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Steinzeitlicher Reibstein

In den Dörfern der frühen Jungsteinzeit mit ihren Langhäusern sicherten der Anbau von Emmer, Einkorn, Gerste, Weizen, Erbsen, Schlafmohn, Linsen und die Haltung von Haustieren wie Hunden, Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen einer immer größer werdenden Bevölkerung das Überleben. Die bäuerliche Lebensweise und das Leben in größeren Gemeinschaften wandelte die Sozialstrukturen, religiöse Ideen, Lieder, Mythen, Sagen, Geschichten und Rituale grundlegend. Ein Bauer musste etwa doppelt so viel Zeit und Arbeit investieren wie ein Jäger und Sammler, um das Überleben zu sichern. Der Wald war für die Anlage von Siedlungs- und Ackerflächen zu roden. Äcker und Gärten mussten gegen Wildtiere und räuberische Menschen geschützt werden. Auch der Hausbau oder das Versorgen der Haustiere waren sehr zeitaufwändig. Dem stand jedoch eine größere und vor allem im Voraus planbare Sicherheit gegenüber, die insbesondere der Anbau von Getreide bot.

  • Sippe bei der Getreideernte. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Getreideernte mit der Feuersteinsichel ist harte Arbeit – jeder aus der Sippe muss mithelfen.

  • Ziegen auf Wiese. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung)

    Ziegen liefern Fleisch und Milch.