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Hintergrund: Waldarten - Wälder weltweit

Auf Reise als Waldforscher von Grönland bis nach Afrika

Was die Vegetation betrifft, gibt es bereits deutliche Unterschiede zwischen Schwarzwald und Odenwald. Vergleicht man die Wälder an andere Orten der Erde, kann man noch viel extremere Variationen feststellen. Afrikanische Wälder beispielsweise sind kaum mit unseren vergleichbar. Auch am Mittelmeer sehen die Wälder ganz anders aus als bei uns.

Taiga

Wir wollen uns nun als Waldforscher auf eine lange Flugreise begeben von Grönland bis nach Afrika. Bei einigen Zwischenstopps untersuchen wir die Wälder der jeweiligen Region.

Wir begeben uns mit dem Flugzeug auf einen Flug über die Nordhalbkugel. Die Reise startet in Nuuk, das liegt an der Küste Grönlands. Wir überfliegen Grönland und suchen nach Wald - vergeblich! Im Landesinneren überall nur Eis und an der Küste eine spärliche Vegetationsdecke aus Moosen, Flechten und Zwergsträuchern. Nur im Süden Grönlands wird die Pflanzendecke etwas dichter und grüner, hier wachsen die ersten Vorboten von Wald: Birkengestrüpp.

  • Tundralandschaft (Quelle: Imago) Herbstliche Tundralandschaft im Harefjord, Grönland (Quelle: Imago)

Bei der Vegetation Grönlands handelt es sich um die für arktische Gebiete typische Tundra. Diese ist baumlos, denn die langen Winter und kühlen Sommer verhindern das Baumwachstum genauso wie die ungünstigen Bodenverhältnisse. Der Boden taut oberflächlich nur im Sommer auf, der Unterboden ist ganzjährig gefroren (Permafrostboden).

  • Taiga (Quelle: Imago) Berglandschaft mit borealen Wäldern (Taiga) in Norwegen (Quelle: Imago)

Unser Flugzeug lassen wir nun weiter in Richtung Osten steuern. Zunächst überqueren wir große Wassermassen - den Atlantik. Erst allmählich taucht wieder Land auf - wir steuern auf Skandinavien zu. Hier soll unsere erste Landung erfolgen in Helsinki, im Süden Finnlands. Schon beim Überfliegen Skandinaviens fällt auf, dass sich die Wälder von unseren mitteleuropäischen unterscheiden. Es handelt sich hier um fast reine Nadelwälder, die sogenannten borealen Nadelwälder, auch Taiga genannt.

Laub- und Mischwälder

Wir lassen nun die borealen Nadelwälder hinter uns und fliegen weiter Richtung Süden. Die Veränderungen in der Landschaft sind offensichtlich: Langsam treten neben Nadelwäldern auch Laub- und Mischwälder auf, die wie Inseln zwischen ausgedehnten Äckern und Städten stehen. Das kommt uns bekannt vor, denn wir fliegen über Mitteleuropa. Einen weiteren Stopp zur Waldinspektion können wir uns hier sparen, denn diese Wälder haben wir bereits im Detail untersucht. Wir wissen, dass im immerfeuchten Europa mit den zwar kalten Wintern aber langen und warmen Sommern großblättrige Laubbäume gut wachsen können. Im Winter werden die Blätter abgeworfen - als Schutz gegen zu große Wasserverluste auf dem gefrorenen Boden, gegen Schneebruch und Erfrierungen. Im Sommer sorgt das üppige Blätterdach der Laubbäume dafür, dass die Bäume viel Fotosynthese betreiben können und damit viele Speicherstoffe (Kohlenhydrate) einlagern.

Es geht weiter Richtung Süden, bis wiederum große Wassermassen sichtbar werden - wir erreichen das Mittelmeer. Lassen wir unsere Blicke über das Festland streifen, so suchen wir vergeblich echte Wälder. Es sind eher niedere Gebüsche, die die Landschaft dort bedecken wo keine Felder und keine Städte sind.

Hartlaubwald

  • Macchiawälder (Quelle: Imago) Macchiawälder mit Stein- und Flaumeichen säumen das Küstenland südlich der Costa Smeralda auf Sardinien (Quelle: Imago)

Auch hier wollen wir landen, diesmal in Nizza. Obwohl die Sonne und das Meer zum Baden einladen, bleiben wir konsequent bei unserer Walderkundung: Wir fahren mit einem Taxi ins Hinterland. Wir finden nur Gebüsche und Zwergstrauchbestände vor, keine Wälder. Tatsächlich sind im ganzen Mittelmeerraum fast alle ehemaligen Hartlaubwälder verschwunden. Der Mensch hat seit Jahrhunderten das Land zu intensiv genutzt: Es wurde viel Ackerland angelegt und viele Wälder wurden wegen des Holzbedarfs gerodet.

Die wenigen verbleibenden Wälder und die weit verbreitete Hartlaub-Gebüschvegetation (Macchia) zeigen starke Anpassungen an das subtropische Klima. In Südeuropa sind die Sommer heiß und trocken, die Winter feucht und mild. Die Hartlaubwälder sind an diese Bedingungen angepasst. Die Blätter der Bäume und Sträucher sind dick, hart und klein. Das schützt die Bäume vor Trockenheit. So kann der Wasserverlust durch Transpiration gering gehalten werden. Außerdem ist die Kutikula der Blätter meist sehr dick, was ebenfalls Wasserverlust vermindert. Typische Vertreter der Hartlaubwälder sind Eichen, z. B. die Steineiche, Korkeiche und Kermeseiche. Vergleicht man das Blatt der Stieleiche und der Steineiche, also zweier eng verwandter Arten, dann wird die Anpassung an die unterschiedlichen Lebensbedingungen besonders gut sichtbar. Das Blatt der Steineiche ist wesentlich kleiner, härter und dicker als das der Stieleiche. Auch der Oleander zählt zur Hartlaubvegetation. Diese Pflanze ist ebenfalls perfekt an das subtropische Klima angepasst.

Vergleich der Blätter im Mischwald und im Hartlaubwald

  • Rotbuche (Quelle: Imago) Rotbuche (Fagus sylvatica), junge Blätter im Frühling (Quelle: Imago)

Mischwald: Blätter der Buche

Standort:
sommergrüner Laubwald
Blätter:
- meist weiche Blätter, Blattabwurf in Trockenzeit (z. B. Winter)
- Spaltöffnungen an der Oberfläche der Blattunterseite

  • Oleander (Quelle: Imago) Blühender Oleander (Nerium oleander), Portugal (Quelle: Imago)

Hartlaubwald: Blätter des Oleander

Standort:
Hartlaubvegetation
Blätter:
- Blattabwurf oder kleine, überdauernde, harte Blätter
- viele schnell schließende, oft versenkte Spaltöffnungen, verdickte Epidermis und Kutikula (transpirationseinschränkend)

Trockenwald

Steigen wir in Nizza wieder ins Flugzeug und setzen die Reise fort in Richtung Süden, dann wird zunächst das Mittelmeer überquert. Über dem nun folgenden afrikanischen Kontinent überfliegen wir nach einem kurzen grünen Küstenstreifen das endlos scheinende Gebiet der Sahara. Die extreme Trockenheit lässt hier den Bäumen keine Überlebenschance. Deshalb kann in dieser Wüste von Wäldern keine Rede sein.

  • Schirmakazie (Quelle: Imago) Schirmakazie (Acacia tortilis) in trockener Savanne (Quelle: Imago)

Erst allmählich taucht wieder eine dichtere Pflanzendecke auf, die in Richtung Süden immer dichter wird. Wir haben die sogenannten Savannen-Gebiete erreicht und landen in Dakar, der Hauptstadt Senegals. Dieses Gebiet zählt zu den wechselfeuchten Tropen, d.h. lange Trockenphasen herrschen vor, welche durch Regenzeiten unterbrochen werden. In den langen Trockenphasen werfen die Bäume ihr Laub ab.

Auch die Blattformen sind ganz anders als bei uns: die Blätter sind gefiedert, was eine weitere Anpassung an die Trockenheit ist. Die Blattfläche ist damit reduziert und die Gefahr zu starker Transpiration (Wasserverlust) verringert. Die Akazie ist eine typische Baumart des Trockenwaldes.

Tropischer Regenwald

Mit dem Flugzeug geht es weiter Richtung Süd-Osten. Jetzt endlich wollen wir ihn erleben - den Höhepunkt der Wald-Forschungsreise. Uns erwartet der immergrüne tropische Regenwald. Deshalb landen wir in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Das ganze Jahr durch ist es hier sehr heiß. Auch die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Das sind die Voraussetzungen für die Entwicklung tropischer Regenwälder. Sie wachsen nur dort, wo das Klima ganzjährig nahezu gleichbleibend ist: hohe Temperaturen, hohe Niederschläge und eine hohe Luftfeuchtigkeit sind Voraussetzung. Diese klimatischen Gegebenheiten sind im Bereich des Äquators gegeben.

  • Ragenwald (Quelle: Imago) Waldelefanten, Ndangaye-Lichtung, Lobéké-Nationalpark, Südwestkamerun (Quelle: Imago)
  • Brettwurzeln (Quelle: Imago) Brettwurzeln eines Urwaldriesen (Quelle: Imago)

Der tropische Regenwald bietet ein überwältigendes Bild mit seinen hohen Bäumen, den Urwaldriesen. Sie sind zum Teil bis zu 60 m hoch, also fast doppelt so hoch wie die Bäume unserer Heimat. Einige dieser Riesen werden durch sogenannte Brettwurzeln standfester gemacht. Es sind Leisten, die sich mehrere Meter hoch am Stamm entlang ziehen und den Baum stabilisieren.

Der Wald ist - wie bei uns - aus Stockwerken aufgebaut: typischerweise sind es hier drei Baumschichten, eine Strauchschicht und die Bodenschicht aus krautigen Pflanzen und Farnen. Auffallend ist außerdem, dass es hier sehr viele Lianen gibt (Tarzan lässt grüßen!).

Der tropische Regenwald ist also stark gegliedert und deshalb auch sehr artenreich. Allein die Anzahl verschiedener Baumarten ist immens hoch: auf einem Hektar kommen bis zu 300 verschiedene Baumarten vor. Zum Vergleich: in unseren Laubwäldern sind es höchstens 10 - 20. Dieser Artenreichtum der Pflanzen bildet auch den Grundstein für eine große Vielfalt an Tieren.

  • Silberwangenhornvogel (Quelle: Imago) Silberwangenhornvogel (Bycantistes brevis) (Quelle: Imago)

Von unzähligen Insekten zu Vögeln und Fledermäusen über Kleinsäuger bis zu Affen und den äußerst seltenen Waldelefanten ist alles vertreten. Leider sind die tropischen Regenwälder stark bedroht. Der Brandrodungsfeldbau durch Kleinbauern dezimiert ihn täglich, genauso wie großflächige Rodungen für Weideland, Plantagenbau oder Industrieansiedlungen. Aber auch der Holzbedarf der Industrienationen wird teilweise mit Tropenholz gedeckt.

Regenwald

In der Flash-Animation "Regenwald" kannst du den Wald auf der Suche nach typischen Tieren und Pflanzen der Tropen durchstreifen. Außerdem erfährst du mehr über die verschiedenen Regenwaldregionen der Welt.

MultimedialInteraktive Animation [Flash]
(Quelle: SWR - Screen aus der Animation) Multimedial