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Hintergrund: Die Ent­wick­lung einer Wiese im Laufe des Jah­res

Die gelb­lich-brau­nen Farb­tö­ne einer ver­trock­ne­ten Ma­ger­wie­se im Win­ter las­sen kaum er­ah­nen, wel­che Far­ben­pracht schon we­ni­ge Mo­na­te spä­ter dort wie­der ent­ste­hen wird. Der Win­ter ist die un­pro­duk­tivs­te Zeit für die Wie­sen. Grä­ser und Kräu­ter haben das Wachs­tum ein­ge­stellt, die In­sek­ten haben sich zur Win­ter­ru­he ver­kro­chen, war­ten als Ei oder Larve auf das Früh­jahr oder sind ein­ge­gan­gen. Nähr­stoff­rei­che Fett­wie­sen blei­ben auch in der kal­ten Jah­res­zeit grün und set­zen ihr Wachs­tum fort, wenn auch mit stark re­du­zier­ter Ge­schwin­dig­keit. Die Pflan­zen der Fett­wie­sen sind es auch, die im Früh­jahr als Erste aus­trei­ben, weil ihnen mehr Re­ser­vestof­fe zur Ver­fü­gung ste­hen als ihren Ver­wand­ten auf der Ma­ger­wie­se.

  • Huflattich (Quelle: E. Oppermann) Der Huflattich blüht bereits ab Februar (Quelle: E. Oppermann)

Zu­erst star­ten die Früh­blü­her wie Schlüs­sel­blu­men und Huf­lat­tich und set­zen erste Farb­tup­fer in die an­sons­ten noch tris­te Wiese. Kurz dar­auf fol­gen meh­re­re Blüh­wel­len, die in un­ter­schied­li­chen Far­ben leuch­ten, je nach vor­herr­schen­der Pflan­zen­art. Eine der ers­ten Wel­len wird do­mi­niert vom Lö­wen­zahn und taucht die Wiese daher in ein sat­tes Gelb. Bevor mit den Hah­nen­fuß­ge­wäch­sen eine wei­te­re gelbe Blüh­wel­le star­tet, kann das Wie­sen­schaum­kraut ein blau­vio­let­tes Zwi­schen­spiel ein­le­gen. Spä­ter im Jahr geht es dann recht bunt zu auf der nicht zu nähr­stoff­rei­chen Wiese. Ein mun­te­res Durch­ein­an­der von Gelb (Pip­pau, Bocks­bart), Blau (Storch­schna­bel, Sal­bei, Glo­cken­blu­men) und Weiß (Schaf­gar­be, Mar­ge­ri­te), un­ter­bro­chen von roten Farb­kleck­sen (Licht­nel­ken, Klee) be­herrscht das Bild, da­zwi­schen das saf­ti­ge Grün des her­an­ge­wach­se­nen Gra­ses. Die Viel­falt an Blü­ten un­ter­schied­lichs­ter Art lockt viele In­sek­ten an, die nun im Früh­jahr und zu Be­ginn des Som­mers ihr Haupt­aus­kom­men fin­den. Die Mahd im Juni setzt dem bun­ten Trei­ben ein jähes Ende. Die meis­ten Blü­ten sind ab­ge­schnit­ten, das Gras stark ge­kürzt. Auch wenn die Pflan­zen rasch nach­wach­sen, ist dies eine harte Zeit für die Tiere, die von und auf der Wiese leben. Der Wech­sel kommt zu rasch, als dass sie sich dar­auf ein­stel­len könn­ten. Wird mit den neuen ef­fek­ti­ven Krei­sel­mä­hern ge­mäht, sind viele Wild­tie­re auch di­rekt ge­fähr­det. Reh­kit­ze, Jung­ha­sen und viele an­de­re Tiere wer­den re­gel­recht zer­häck­selt. Daher ver­su­chen Land­wir­te mit ver­schie­de­nen Me­tho­den (z. B. Ul­tra­schall) die Wild­tie­re vor der Mahd zu ver­trei­ben.

  • Ballen voller Silage auf einer Wiese gestapelt  (Quelle: E. Oppermann) Silage-Ballen auf einer Wiese (Quelle: E. Oppermann)

Auch die In­sek­ten lei­den unter der Mahd. Nicht nur, weil sie ihrer Nah­rungs­grund­la­ge be­raubt wer­den, son­dern auch, weil sie buch­stäb­lich mit dem ab­ge­schnit­te­nen Pflan­zen­ma­te­ri­al zu Bal­len ge­presst wer­den. Viele Land­wir­te sind dazu über­ge­gan­gen, statt Heu als Vieh­fut­ter für den Win­ter so­ge­nann­te "Si­la­ge" zu pro­du­zie­ren. Dazu wer­den das ab­ge­schnit­te­ne Gras und die Kräu­ter luft­dicht ver­packt und zu Bal­len ge­presst - jeder hat wohl schon mal die wei­ßen Bal­len­sta­pel auf den Wie­sen ge­se­hen. Unter Luft­ab­schluss be­ginnt die Pflan­zen­mas­se in den Bal­len zu gären. Durch die Milch­säu­re­gä­rung wird das Wachs­tum von Schim­mel­pil­zen und Bak­te­ri­en un­ter­drückt. Si­la­ge ist weit­aus wit­te­rungs­be­stän­di­ger als Heu und als Vieh­fut­ter recht wert­voll. Lei­der ver­gä­ren aber nicht nur die Pflan­zen in den Si­la­ge-Bal­len, son­dern auch die In­sek­ten, die "mit­ge­presst" wor­den sind.

Man kann sich leicht aus­ma­len, was die sechs­fa­che Mahd einer Wiese in­ner­halb eines Jah­res für die Tier­welt auf der Wiese be­deu­tet. Öko­lo­gisch wert­vol­le Wie­sen soll­ten daher sel­te­ner ge­mäht und die Mahd-Ter­mi­ne auf die Fort­pflan­zungs­zy­klen ty­pi­scher Wie­sen­be­woh­ner ab­ge­stimmt wer­den. Eine an­de­re Mög­lich­keit vor allem In­sek­ten zu scho­nen, ist das nicht zu fla­che Schnei­den der Wiese. Lässt man das Gras zu­min­dest auf 10 cm Höhe, ver­schont man viele Tiere, die in den un­te­ren Stock­wer­ken der Wiese leben.