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Hintergrund: Be­stäu­ber und Be­stäub­te

  • Mit Blütenstaub bedeckte Erdhummel auf Löwenzahnblüte (Quelle: E. Oppermann) Eine Hummel ist mit Blütenstaub bedeckt (Quelle: E. Oppermann)

Im Früh­ling bie­tet eine ar­ten­rei­che Blu­men­wie­se ein herr­li­ches Bild. Die Blu­men schei­nen mit ihren far­ben­fro­hen Blü­ten um den ers­ten Preis einer Gar­ten­schau zu wett­ei­fern. Doch diese Pracht dient nicht dazu, den Men­schen zu er­freu­en. Die Blu­men in­ves­tie­ren viel in ihre Blü­ten und er­war­ten eine Ge­gen­leis­tung. Mit den Blü­ten ver­su­chen sie In­sek­ten an­zu­lo­cken. Diese fin­den hier süßen Nek­tar und ei­weiß­rei­chen Pol­len. Auf ihrer wei­te­ren Nah­rungs­su­che trans­por­tie­ren die vie­len Bie­nen, Hum­meln und an­de­ren In­sek­ten einen Teil des Pol­lens zu an­de­ren Blü­ten der­sel­ben Pflan­zen­art und be­fruch­ten diese. Auf diese Weise pro­fi­tie­ren die Pflan­zen, die so die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on si­cher­stel­len, ge­nau­so von die­sem Ar­ran­ge­ment wie die In­sek­ten, wie z. B. die Bie­nen, die mit Pol­len und Nek­tar ihre ei­ge­nen Nach­kom­men er­näh­ren. Link Biene

  • Wiesenfuchsschwanz mit Staubbeuteln (Quelle: E. Oppermann) Wiesenfuchsschwanz mit Staubbeuteln (Quelle: E. Oppermann)

Nicht alle Pflan­zen der Wiese sind bei ihrer Fort­pflan­zung auf die Hilfe der In­sek­ten an­ge­wie­sen. Ge­ra­de die Grä­ser, die bis zu 70% der Pflan­zen­mas­se einer Wiese aus­ma­chen kön­nen, haben sehr un­schein­ba­re Blü­ten. Sie ver­las­sen sich bei der Ver­brei­tung ihrer Pol­len auf die Tä­tig­keit des Win­des. Ziel der ge­schlecht­li­chen Fort­pflan­zung bei den Blü­ten­pflan­zen ist stets die Über­tra­gung von Pol­len (mit den männ­li­chen Ge­schlechts­zel­len) auf die weib­li­chen Sa­men­an­la­gen einer an­de­ren Pflan­ze der glei­chen Art. Sich dabei auf den Wind zu ver­las­sen, ist äu­ßerst un­zu­ver­läs­sig. Daher pro­du­zie­ren die Grä­ser große Men­gen von Pol­len, um den Be­fruch­tungs­er­folg zu ge­währ­leis­ten. Die Ein­be­zie­hung von In­sek­ten als Über­trä­ger des Pol­lens war ein be­deu­ten­der evo­lu­ti­ver Schritt in der Stam­mes­ge­schich­te der Blü­ten­pflan­zen und er­mög­lich­te ein viel ge­ziel­te­res Be­fruch­ten als es mit dem Wind mög­lich wäre.

  • Hummel an einer Salbeiblüte (Quelle: E. Oppermann) Hummel an einer Salbeiblüte (Quelle: E. Oppermann)

Der Trans­port des Pol­lens er­folgt oft­mals nicht ganz frei­wil­lig. Die Blu­men haben sich eine Menge Tricks ein­fal­len las­sen, um die In­sek­ten zum Über­tra­gen des Pol­lens zu ver­an­las­sen. Zum Bei­spiel sind die jun­gen Blü­ten des Wie­sen­sal­b­eis so ge­baut, dass eine Plat­te am Boden der Staub­blät­ter den Zu­gang zum Nek­tar ver­wehrt. Ge­langt nun bspw. eine Hum­mel auf diese Plat­te, wird sie hin­un­ter­ge­drückt und die Hum­mel ge­langt zum Nek­tar. Gleich­zei­tig wer­den je­doch die Staub­beu­tel von oben kom­mend me­cha­nisch auf den Rü­cken des In­sekts ge­drückt. In den Bors­ten und Haa­ren des Rü­ckens blei­ben dabei viele Pol­len­kör­ner haf­ten. Bei äl­te­ren Sal­bei­blü­ten sind die Staub­beu­tel ver­küm­mert. Statt­des­sen ist der Grif­fel in die Länge ge­wach­sen und ist in der Lage, vom Rü­cken eines lan­den­den In­sekts Pol­len auf­zu­neh­men, wenn die­ses vor­her mit Pol­len be­la­den wor­den ist. Durch die un­ter­schied­li­che Rei­fe­zeit der männ­li­chen und weib­li­chen Ge­schlechts­or­ga­ne wird eine Selbst­be­fruch­tung der Sal­bei­blü­te ver­hin­dert.

  • Schmetterlinge an Hahnenfußblüten (Quelle: colourbox.​com) Auch Schmetterlinge gehören zu den Bestäubern von Blüten (Quelle: colourbox.​com)

Häu­fig sind die Blü­ten der Wie­sen­pflan­zen so ge­baut, dass nur be­stimm­te Tier­ar­ten den Pol­len über­tra­gen kön­nen, im Ex­trem­fall nur eine ganz be­stimm­te Art. Blü­ten­pflan­ze und tie­ri­scher Part­ner haben sich in die­sem Fall in lan­gen Zeit­räu­men so an­ein­an­der an­ge­passt, dass der eine Part­ner nicht mehr ohne den an­de­ren exis­tie­ren kann. Es gibt z. B. Ko­li­bris, deren Schnä­bel exakt an die Blü­ten­form ihrer Fut­ter­pflan­ze an­ge­passt sind. Kein an­de­res Tier kann auf nor­ma­lem Wege den Nek­tar die­ser Pflan­ze er­rei­chen. So ist si­cher­ge­stellt, dass immer die Blü­ten der­sel­ben Pflan­zen­art auf­ge­sucht wer­den - für die Be­stäu­bung ein ent­schei­den­der Vor­teil. Der Nach­teil ist die große Ab­hän­gig­keit der bei­den Part­ner von­ein­an­der. Stirbt der eine aus, kann es auch den Un­ter­gang des an­de­ren be­deu­ten. Solch ex­tre­me Ab­hän­gig­kei­ten fin­det man in Mit­tel­eu­ro­pa sel­ten. Wäh­le­risch sind Blü­ten­pflan­zen aber auch hier, etwa wenn die Blü­ten ei­ni­ger Pflan­zen auf­grund ihrer Länge nur noch von In­sek­ten mit ex­trem lan­gen Saug­rüs­seln auf­ge­sucht wer­den kön­nen, wie sie man­che Schmet­ter­lin­ge be­sit­zen. Die meis­ten In­sek­ten aber be­su­chen viele un­ter­schied­li­che Blü­ten­ty­pen. Wich­tig ist dies vor allem für sol­che Arten, die über einen län­ge­ren Zeit­raum auf Nek­tar oder Pol­len an­ge­wie­sen sind und sich nicht auf Blu­men ver­las­sen kön­nen, die viel­leicht nur ei­ni­ge Wo­chen im Jahr blü­hen.

  • Biene an einem Pflanzenstängel (Quelle: colourbox.​com) Wichtiger als ihr Honig ist für den Menschen die Bestäubungsleistung der Bienen (Quelle: colourbox.​com)

Zu den wich­tigs­ten Be­stäu­bern ge­hö­ren in un­se­ren Brei­ten die Bie­nen. Längst haben un­se­re Haus­bie­nen dabei eine ge­wich­ti­ge Rolle über­nom­men, weil viele Wild­bie­nen­ar­ten in ihrem Be­stand stark zu­rück­ge­gan­gen sind. Nicht nur die Imker schre­cken daher auf, wenn in den Nach­rich­ten mal wie­der über ein Bie­nen­mas­sens­ter­ben be­rich­tet wird. Rein wirt­schaft­lich be­trach­tet ist die Be­stäu­bungs­leis­tung der Bie­nen weit wich­ti­ger zu wer­ten als ihre Pro­duk­te, wie der Honig. Die hei­mi­schen Kul­tur­pflan­zen sind bis zu 80% auf die Be­stäu­bung durch Bie­nen an­ge­wie­sen. Ein flä­chen­haf­tes Ver­schwin­den der Bie­nen hätte daher ka­ta­stro­pha­le Fol­gen. In den letz­ten Jah­ren kam es immer wie­der zu sol­chen Mas­sens­ter­ben bei Bie­nen­völ­kern in den USA und in Eu­ro­pa. Auch wenn in Ein­zel­fäl­len eine be­stimm­te Ur­sa­che aus­fin­dig ge­macht wer­den kann, wie der fal­sche Ein­satz eines Pes­ti­zids, lie­gen die Grün­de für das glo­ba­le Phä­no­men noch weit­ge­hend im Dun­keln. Der Kli­ma­wan­del, die in­ten­si­ve Land­wirt­schaft, gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­zen, Pa­ra­si­ten und selbst Han­dy­strah­lung soll­ten schuld an der Bie­nen­mi­se­re sein. Wenn man­che Ur­sa­che auch etwas weit her ge­holt er­scheint, ist es mög­li­cher­wei­se auch die Kom­bi­na­ti­on vie­ler Stress­fak­to­ren, die der Biene zu­sam­men mit dem Fak­tor Über­züch­tung in­zwi­schen Pro­ble­me be­rei­tet.