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Unterricht: Sebastian wird Salafist


Themen
• Islam, Moslem
• Religion, Glaube
• Islamismus, Salafismus
• Dschihad

Fächer
• Religion, Ethik
• Gemeinschaftskunde, Politik
• EWG
• WZG
• Deutsch

Klassenstufen
• Klasse 9–13, alle Schularten

  • Profilbild Sebastian. (Quelle: SWR) Mit 16 konvertiert Sebastian zum Islam, wenig später radikalisiert er sich (Quelle: SWR)
  • Porträt Ghafoor Zamani. (Quelle: SWR) Filmautor Ghafoor Zamani begleitet Sebastians Weg drei Jahre lang (Quelle: SWR)
  • Junge Männer auf Sofas rauchen Shisha. (Quelle: SWR  - Screenshot aus der Sendung) Sebastians neue Welt: Shisha rauchen und über die Scharia reden (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Bezug zu den Bildungsplänen

Während die Tugenden Toleranz und Nächstenliebe als bekannte Gebote den drei Weltreligionen zugrunde liegen, finden sich in Deutschland immer häufiger religiöse Strömungen, die durch ihre radikale Weltanschauung in Kritik geraten. Sie sehen ihren eigenen Glauben als „wahre Religion“ an und vertreten diese radikal, mit strengen Regeln und stark reglementierten Geboten. Damit stoßen sie deutlich an die Grenzen eines toleranten und friedlichen Zusammenlebens.

Beunruhigend ist vor allem die Tatsache, dass sich in Deutschland immer häufiger junge Menschen radikalisieren. Warum werden solche Wege eingeschlagen und kann dies durch Aufklärung und kritische Reflexion verhindert werden? Der Film „Sebastian wird Salafist“ zeigt, wie sich ein junger Mensch dem Islam verschreibt. Er begleitet einen jungen Gymnasiasten, der auf sehr eindrückliche Art und Weise immer tiefer in den Sumpf der Radikalisierung gerät und am Ende nur knapp dem „Dschihad“, dem heiligen Krieg gegen Ungläubige, entgeht.

Da Schule einen Beitrag zur Identitätsbildung leisten soll, ist es von großer Bedeutung, dass Schüler sich mit ungewohnten Situationen befassen, diese kritisch beleuchten und zu einer Meinungsbildung gelangen. Die Einübung dieser Kompetenz ist als Präventivmaßnahme zu sehen, um möglichen Zukunftssituationen gewachsen zu sein. Auf Basis eines christlichen Wertesystems und unserer demokratischen Leitlinien sollen die Schüler befähigt werden, fanatische und radikale religiöse Strömungen näher zu beleuchten. Dazu gehört auch ein Betrachten dieser religiösen Erscheinungen auf Metaebene, um sie im klassengemeinschaftlichen Diskurs in Hinblick auf eine von Vielfalt geprägte Gesellschaft und im Zuge eines friedlichen Zusammenlebens zu bewerten. Da diese Aufgabe als Bildungsauftrag aller Schulformen zu sehen ist, wird das erstellte Begleitmaterial auf drei Niveaustufen bereitgestellt. (G=Grundlegendes Niveau, M=Mittleres Niveau, E=Erweitertes Niveau)

Einsatz im Unterricht

Der Film „Sebastian wird Salafist“ wird aufgrund der komplexen Thematik ab der 9. Klassenstufe empfohlen und kann auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Denkbar ist in erster Linie ein Einsatz im Rahmen der Fächer Religion und Ethik zum Thema „Auseinandersetzung mit religiösen Erscheinungsbildern in Hinblick auf Grenzen der Toleranz“. Des Weiteren kann er in den Fächern Politik, Gesellschafts- beziehungsweise Gemeinschaftskunde eingesetzt werden – mit den Themen Menschenwürde, Religionsfreiheit und Leben in demokratischen Gemeinschaften mit besonderem Schutz der eigenen Person.

  • Sebastian ohne Kinnbart und Cap. (Quelle: SWR  - Screenshot aus der Sendung) Sebastian ist ausgestiegen, kurz bevor er in den Dschihad zog (Quelle: SWR - Screenshot aus der Sendung)

Sebastian nach seinem Ausstieg:

„Viele wurden manipuliert. Die sind gerade konvertiert, hatten nicht so viel Wissen im Islam und wurde von den Leuten überzeugt in den Krieg zu ziehen, was auch funktioniert hat. Also wäre ich von Anfang an in so eine Gemeinde wie die Lies-Gruppe gekommen, dann wäre ich wahrscheinlich auch in den Krieg gezogen. Das kann mir sehr gut vorstellen, weil ich wusste ja so gut wie nichts. Die hätten mir alles erzählen können. Ich hätte es geglaubt.“

Unterrichtsverlauf

Der knapp 30-minütige Film eignet sich besonders für eine Doppelstunde oder zwei aufeinanderfolgende Stunden.
Zum Stundeneinstieg bearbeiten die Schüler ein Zuordnungsspiel zum Thema „Christentum und Islam im Vergleich“ (Arbeitsblatt 1). Hierbei sollen die Religionen anhand verschiedener Traditionen unterschieden werden. Die Lehrperson wirft beim nachfolgenden Abgleich die Frage auf, welcher Religion die Begriffe Toleranz und Nächstenliebe zuzuordnen sind, wobei zum Vorschein kommt, dass beide Religionen nach diesen Tugenden streben.

Nun folgt die Überleitung zum Film „Sebastian wird Salafist“, in der von religiösen Strömungen berichtet werden kann, die die Grenze eines toleranten Miteinanders tangieren. Hierzu bewährt es sich, im Film wiederkehrende Begriffe aufzugreifen, damit sich deren Bedeutung erschließt (Arbeitsblatt 2).

Bevor der Film gestartet wird, erhalten die Schüler ein Arbeitsblatt, auf dem sie wichtige Informationen festhalten können (Arbeitsblatt 3). Wichtig erscheint, dass dieses Arbeitsblatt am Ende des Films zur Sicherung des Wissens verglichen wird.

  • Sebastian am Stand von "Lies !" (Quelle: SWR) Sebastian, der nun Hamza heißt, am Koranverteilstand (Quelle: SWR)

Mithilfe des nächsten Arbeitsblattes (Arbeitsblatt 4) wird der Film nachbesprochen. Sebastians Wandlung wird aufgegriffen und thematisiert. Hier zeigt sich der schleichende Prozess sehr deutlich, der den Jungen immer tiefer in die radikalen Kreise zieht. Gleichermaßen kann auch beobachtet werden, welche Ereignisse dazu führten, dass er am Ende zu zweifeln beginnt.

Die zweifelnden Gedanken, die Sebastian von seiner neuen Glaubensrichtung entfremden, werden nun von den Schülern aufgegriffen und weitergedacht (Arbeitsblatt 5). Damit wird eine echte Auseinandersetzung mit den Geboten dieser Strömung gewährleistet und auf die Lebenswelt der Schüler transferiert. Gerade diese Phase des Unterrichts sollte im Detail besprochen werden, indem einzelne Schülerlösungen vorzustellen sind.

Die nachfolgende Aufgabe (Arbeitsblatt 6) beinhaltet nun die persönliche kritische Meinungsbildung, indem einzelne Szenen und Ideen aus dem Film überprüft, bewertet und auf Folgen in Hinblick auf tolerantes gesellschaftliches Zusammenleben weitergedacht werden. Dazu stehen den Schülern drei Wahlaufgaben zur Verfügung, die beispielsweise als Hausaufgabe aufgegeben, aber auch in Kleingruppen bearbeitet und am Ende vorgestellt werden können.