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Die Entstehung des Wellenreitens

Das Wellenreiten gehört zu den ältesten Sportarten der Welt. Es entwickelte sich aus dem Surfen ohne Brett, das in der ganzen polynesischen Inselwelt verbreitet war. Beim "Body Surfing" ließen sich die Polynesier von einer Welle an den Strand tragen. Das Wellenreiten auf einem Brett wurde vor Jahrhunderten auf Hawaii erfunden, wann genau ist jedoch unbekannt. Sicher ist nur: Der Sport war zunächst den Häuptlingen vorbehalten - was ihre Untertanen nicht daran hinderte, ebenfalls heimlich durch das Wasser zu gleiten. Die Bretter wurden mit großer Sorgfalt und begleitet von religiösen Zeremonien hergestellt. Das "olo", ein Brett, das zur Mitte hin dicker wird, war das Brett der Häuptlinge. Sie sicherten sich die besten Strände, beispielsweise Waikiki, und trugen vermutlich schon damals die ersten Wettbewerbe aus. Zwei weitere Bretter waren im alten Hawaii gebräuchlich: Das "alaia", ein kurzes, wendiges Brett, eher für schnell brechende Wellen geeignet und das lange, etwas schwerfälligere "kikoo", mit dem große Geschwindigkeiten erreicht wurden.


Zeichnung einer nackten Frau beim Surfen

Männer, Frauen und Kinder betrieben das Wellenreiten zu ihrem Vergnügen und meist nackt - dies zum Missfallen der Missionare, die ab 1820 auf die Inseln kamen. Das Wellenreiten war Teil der Kultur und wurde (und wird noch heute) oft direkt nach Sonnenaufgang betrieben. Besucher der Insel bemerkten fasziniert, dass die Dörfer oft leerstanden und die Arbeit ruhte, weil sich sämtliche Einwohner im Wasser befanden und surften. Die christlichen Missionare aus den USA fanden das Wellenreiten unmoralisch, unnütz und dekadent und verboten den Sport kurzerhand. Nur wenige Hawaiianer übten den Sport weiterhin aus und sorgten dafür, dass er nicht in Vergessenheit geriet.


1898 machte Thomas Edison, Erfinder von Glühbirne, Phonograph und Filmaufnahmegerät, den ersten kurzen Film, auf dem Surfer vor Waikiki zu sehen sind. 1907 kam es dann zur Wiederentdeckung des Wellenreitens: Der amerikanische Schriftsteller Jack London hielt sich mit seiner Frau Charmain auf den Inseln auf, lernte Wellenreiten und schrieb darüber seinen berühmten Artikel "A Royal Sport". Sein Surflehrer, der Journalist Alexander Ford Hume, gründete 1908 dann den "Outrigger Canoe and Surfboard Club". Hume wurde der erste Präsident des Clubs, welcher unter anderem zum Ziel hatte, das Wellenreiten zu erhalten. Währenddessen sorgten die Surf-Legenden George Freeth und der zweimalige Schwimm-Olympiasieger Duke Kahanamoku dafür, dass das Wellenreiten außerhalb Hawaiis, vor allem in Kalifornien und Australien, bekannt und populär wurde.


In den USA und Australien entwickelte sich eine eigene Surfer-Kultur und Hawaii erhielt regen Zustrom von Touristen. Die Kalifornier mussten sich beim Wellenreiten einigen Beschränkungen unterwerfen, sich beispielsweise strikt an eine nicht allzu freizügige Kleiderordnung halten. In Australien wurden die Surfer bald zur Überwachung der Strände und als Lebensretter eingesetzt, was dem Sport den Charakter des reinen Vergnügens nahm.Eine Frau auf den Schultern eines Surfers In Hawaii hingegen blieb es bei der Tradition: Das Wellenreiten blieb ein reines Freizeit-Vergnügen; jeder konnte anziehen, was und soviel er wollte. Surfen war untrennbar mit der hawaiianischen Lebenskultur, mit der Musik, mit den Hula-Tänzen verbunden, es war und blieb ein Lebensgefühl.


In den 50er Jahren entwickelten sich weltweit Diskussionen um die ersten Surf-Wettbewerbe. Die Gegner sahen im Wettstreit der Surfer den eigentlichen Sinn des Sports verletzt. Beim Wellenreiten solle es mehr um die enge Verbindung mit der Natur gehen als um die Jagd nach Punkten, bemerkte einer der bekanntesten Australischen Surfer, Bob Pike. Andere Surfer erkannten, dass die Wettbewerbe dazu beitrugen, dem Sport größere Anerkennung zu verschaffen. Tatsächlich hatte das Wellenreiten bis Anfang der 70er Jahre eher einen schlechten Ruf. Es war galt als Subkultur, als Freizeitbeschäftigung der Hippies. Mit den Wettbewerben, aber auch mit der Kommerzialisierung (Preisgelder, Sponsoring),änderte sich das Ansehen. In den 70er Jahren wurden weltweit mehrere Surfer-Verbände gegründet, die für sich in Anspruch nahmen, "die" Surfer zu vertreten. Die australische Association of Surfing Professionals (ASP) und der auf Hawaii gegründete Verband International Professional Surfers (IPS) lieferten sich heftige Streitereien im Kampf um Mitglieder und Sponsoren.


Ein Surfbrett mit dem Logo der hawaiianischen Rettungsschwimmer

Mit der Veränderung der Surf-Bretter änderte sich auch das Wellenreiten selbst. Die alten hawaiianischen Holz-Bretter wurden nach und nach durch leichte, wendige Fiberglas-Bretter ersetzt, die Formen weiter-entwickelt. Diese ermöglichen den Profis immer aufwändigere Manöver und Figuren. Je komplizierter das Manöver, desto höher die Wertung bei den Wettkämpfen. So kamen in den 90er Jahren beispielsweise die 360-Grad-Wenden zum Repertoire der professionellen Wellenreiter hinzu, die "reverses" - ein abrupter Richtungswechsel, und die "floaters" - das "Schwimmen" auf der Spitze eines Wellenbrechers.


Weltweit gibt es nach Schätzung der "International Surfing Association" derzeit rund 18 Millionen Menschen, die professionell oder nur zum Vergnügen Wellenreiten.


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