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Entstehung der "échasses"

Die ersten Stelzen gab es lange vor den Kiefernwäldern. Die Landes waren ein großes, flaches Sumpfgebiet, in dem vor allem Gras und Gestrüpp wuchs.Historisches Foto eines Schafhirte auf Stelzen mit Schafherde Vor allem Schafhirten hielten sich dort auf; sie benutzten Stelzen, um ihre Herden besser zu überblicken, um sich auf den sumpfigen Weiden besser bewegen zu können, sich die Füße nicht nass zu machen und drohende Gefahren wie Wölfe schon aus der Ferne zu erkennen.


Die Schäfer auf Stelzen stützen sich auf einen langen Stock - es entstand eine Art "Dreibein" - und konnten sich so die Zeit mit dem Spinnen und Stricken von Schafwolle vertreiben. Außerdem spielten sie häufig Instrumente wie Dudelsack, Drehleier, Tamburin, Flöte oder Querflöte.


Die ersten Hinweise auf den Gebrauch von Stelzen stammen vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Seit wann es sie wirklich gab, ist nicht bekannt. Und man weiß auch nicht, ob die Schäfer in den Landes sie erfunden haben oder ob die Flamen sie vielleicht einführten, die seit dem Mittelalter Stelzen benutzten.


Wettläufer auf Stelzen

Mitte des 19. Jahrhunderts begann diese Tradition auszusterben, die letzten Schäfer auf Stelzen waren Anfang des 20. Jahrhunderts zu sehen. Seither werden die Stelzen in den Landes nicht mehr professionell genutzt; die einstigen Hilfsmittel fanden aber eine neue Verwendung: Stelzentänze nach traditioneller Folkloremusik und Stelzenwettläufe wurden ins Leben gerufen. Doch kein Schäfer, sondern der Bäcker Sylvain Dornon gründete 1889 die erste Stelzentanzgruppe in Arcachon; im selben Jahr bestieg Dornon, der nur 1,55 Meter groß war, auf Stelzen den gerade erbauten Eiffelturm. 1891 ging er eine Wette ein: Er sagte, er werde dem Zaren von Russland, Alexander III, die Glückwünsche des Präsidenten der Republik überbringen (Marie-François Sadi Carnot: 1887-1894 Präsident der III. Republik). Und tatsächlich marschierte Dornon auf Stelzen von Paris nach Moskau: knapp 3000 km in 58 Tagen. Er führte ein Reisetagebuch und bestritt seine Reise u. a. damit, dass er auf Stelzen Werbung für Mineralwasser machte.


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