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Menschenpyramiden - die Entstehung

Eine Pyramide aus drei Menschen

Der Ursprung der "Castells" ist unsicher. Die erste schriftliche Quelle ist eine Zeitungsmeldung von 1792 aus Tarragona. Wahrscheinlich entwickelten sie sich aus religiösen Gruppen wie "Muxigangas" und "Ball de Valencians". Diese heute noch bei Prozessionen aufgeführten Figuren enden meistens in einem kleinen, höchstens drei Mann hohem Turm. "War es die Konkurrenz zwischen diesen Gruppen, der die Türme wachsen ließ?" fragt Joan Grau. "Wir wissen es nicht. Vermutet wird aber, dass der Wettkampf zwischen den Gruppen immer wichtiger wurde, bis sich das religiöse Element irgendwann verlor und es zum reinen Spiel wurde." Aufgeführt werden Castells jedenfalls immer noch an den Festen, an denen der Stadtheilige geehrt wird.


Vorläufer oder verwandte Phänomene gab es in Italien, mit den "Forze d'Ercole", die nur noch in Gemälden im Museum zu sehen sind. In Tschechien gab es die "Sókol" (Falken), die akrobatische, turmartige Figuren bauten. Und in Indien klettern Menschen noch heute zum Krischna-Fest in chaotischen Haufen aufeinander, um eine hoch über der Strasse aufgehängte Urne mit reinigender Milch zu zerbrechen. Als sportliche Betätigung sind jedoch die Menschenpyramiden Kataloniens einmalig.

"Der heutige Boom der Castells ist ein Medienphänomen," meint der Soziologe Salvador Cardús. Das Fernsehen hat das traditionelle Spiel populär gemacht wie noch nie zuvor. "Mit der Rückkehr zur Demokratie nach der Franco-Diktatur stürzte sich auch die Jugend mit Begeisterung auf alles, was Eigenständigkeit und Volkskultur bedeutete. Es war eine Art Selbstbehauptung, eine Rückgewinnung der während der Diktatur unterdrückten Identitiät."

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