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Lacrosse - die Entstehung des Spiels

In den Mythen und Legenden der nordamerikanischen Indianer gibt es viele Hinweise auf das Lacrosse-Spiel. Beispielsweise wird von einem Lacrosse-Wettstreit zwischen den Tieren des Waldes und den Vögeln berichtet. Diese Legende erzählt, wie die Waldtiere wie der Bär und der Hirsch das Eichhörnchen und die Maus nicht als Mitspieler akzeptieren, weil sie zu klein seien. Die Vögel hingegen wollen sie in ihre Mannschaft aufnehmen, müssen jedoch feststellen, dass sich die beiden Tiere nur auf der Erde, nicht aber in der Luft bewegen können. Um diese Schwierigkeit zu beheben, fertigen die Vögel für die Maus Flügel an. Die Geschichte erklärt so den Ursprung der Fledermaus und des Flughörnchens, dessen Haut die Vögel dehnten, bis es damit von einem Baum zum nächsten gleiten konnte.


Zwei Lacrosse Schläger vor einem Lagerfeuer

In anderen Varianten derselben Geschichte stehen die individuellen Eigenschaften der Mitspieler wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Wendigkeit, die jeweils einzelnen Tierarten zugeschrieben werden, im Vordergrund. Noch heute schmücken indianische Lacrosse-Spieler ihre Schläger mit Federn oder Fledermausflügeln, weil sie glauben, dass diese Eigenschaften so auf sie übergehen würden.


Für die Indianer war Lacrosse, oder "Baggataway", wie sie es nennen, niemals nur ein Spiel, sondern hatte immer auch spirituelle Bedeutung. Baggataway heißt "Der kleine Bruder des Krieges". Die soziale Komponente des Spiels ist unverkennbar. Es bereitete die Krieger nicht nur auf den Kampf vor, sondern half auch soziale Spannungen und Streitigkeiten innerhalb und zwischen den Stämmen auszutragen und so auf "unkriegerische" Weise zu schlichten.


Indianer spielen Lacrosse

Dennoch führte die raue Spielweise nicht selten zu ernsthaften Verletzungen - manchmal auch zum Tod eines Spielers. Aber nie musste eine größere Anzahl von Kriegern ihr Leben lassen wie bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Man spielte aber auch zur Heilung erkrankter Stammesmitglieder und als Hinwendung an die Götter, denn das Spiel wurde schließlich als ein göttliches Geschenk angesehen.


Erste Beschreibungen stammen von jesuitischen Missionaren, die im 17. Jahrhundert zu dem Stamm der Huronen kamen. Wieso die französischen Kolonisten dem Spiel den Namen Lacrosse gaben, ist noch strittig. Die einen glauben, dass es von der Form der Schläger herrührt, die an den Stab eines Bischofs erinnert. Andere gehen davon aus, dass es einem alten französischen Volksfußballspiel Namens "la soule" oder auch "la choule" ähnelte.


Alte Zeichnung, auf der Missionare und Indianer zusammen spielen

Die Missionare hielten das Spiel für heidnisch und versuchten es den Indianern zu verbieten. Dies war von wenig Erfolg gekrönt. Mehr noch: Auch die Weißen fanden allmählich Gefallen daran.


Heute ist Lacrosse neben Eishockey die kanadische Nationalsportart. Auch in den USA und in Europa begeistern sich immer mehr Menschen für dieses Spiel. Besonderen Zuspruch findet es in Japan. Lacrosse ist eine der schnellsten und härtesten Manschaftssportarten der Welt. Es verlangt von den Spielern ein hohes Maß an technischem Können.


Das heutige Lacrosse mit Schutzausrüstung und Helm

Diese Kombination macht das Spiel nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Zuschauer höchst interessant. Für die Indianer ist Lacrosse auch heute noch ein wichtiger Bestandteil ihrer kulturellen Identität.


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